Skaten über Jerusalems Dächern

Ein neuer Trend, bedingt durch die fehlende Infrastruktur und den durch Corona hervorgerufenen Still- und Notstand, entdecken palästinensische Jugendliche in Jerusalem ihre Stadt noch einmal neu: als riesigen, bisher nicht erschlossenen Skatepark, hauptsächlich auf den Dächern der Altstadt.

Während in den Straßen unterhalb gebetet und gehandelt wird, gehören die Dächer nun der arabischen Jugend und ihren Skateboards.

Soziale Ungleicht bleibt

Auch nach Ende des dritten Lockdowns wird die soziale Ungleichheit nicht geringer

In den meisten OECD-Staaten ist die sog. Mittelklasse „under pressure“, wie die Organisation in ihren Analysen bereits 2019, also noch vor den Auswirkungen der weltweit von Regierungen verhängten Krisen- und Notstandsverordnungen, festgestellt hatte. Der Anteil der Haushalte mit mittleren Einkommen fiel von 64 % Mitte der 1980er Jahre auf 61% in der Mitte der letzten Dekade. Damit schwächten sich auch ihr Einfluss und ihre Rolle als „Zentrum der wirtschaftlichen Gravität“ (OECD 2019) und ihr stabilisierender politischer Einfluss. Das betrifft auch Israel. Mit 54% der Familien mit einem Einkommen zwischen 75% und 200% des mittleren Familieneinkommens des Landes liegt der Anteil der Mittelklasse in Israel unter dem OECD-Durchschnitt (OECD Israel).

Nach einem Jahr „Corona-Politik“ werden auch in Israel die schwer wiegenden Folgen eklatanter unsozialer Wirtschaftspolitik, vertiefter ungleicher Bildungspolitik, die Folgen der seit zwei Jahrzehnten laufenden Privatisierungen im Gesundheitsbereich und insgesamt die soziale Polarisierung in Israel deutlich. Und wie in den anderen OECD-Staaten (Bertelsmann Studie 2021) wurde durch die von der Regierung Netanjahu erlassenen Maßnahmen diese Ungleichheit nicht abgeschwächt, sondern sichtbar (siehe Lev Grinberg) und die Armut noch verstärkt (siehe Algemeiner). Nach Angaben des National Insurance Institute Israels leben fast zwei Millionen israelische Staatsbürger unterhalb der Armutsgrenze (JPost), wovon insbesondere Kinder betroffen sind, und zwar ca. 57% der Kinder ultra-orthodoxer jüdischer Familien und 46% der Kinder arabisch-palästinensischer Familien Israels (JPost 31.01.2021). Wie in Deutschland, zeigt sich auch in Israel, dass Familien und Kinder keine starke Lobby haben in diesen Zeiten, so z. B. wenn es um die fehlenden ob das den Zugang zu sozial-psychologischer Betreuung betrifft oder die Versorgung mit Geräten für das online-Lernen sowie den Zugang zum Internet.

Infolge der „Corona-Politik“ wurde ca. eine Million Beschäftigte arbeitslos. Immer mehr Menschen sind auf die Beihilfe durch die beiden wichtigsten sozialen Hilfsorganisationen von Leket (Leket.org.en) und Latet angewiesen. So bezogen ca 60.000 Familien jeden Monat Lebensmittellieferungen von Latet (Latet.org.il), doch im vergangenen Jahr stieg die Anzahl der Familien, die durch die Suppenküchen versorgt wurden, auf 85.000 Familien (JPost, 21.01.2021).

Hier eine Reihe weiterführender Lesehinweise:

Lev Grinberg: https://www.europeansociologist.org/issue-45-pandemic-impossibilities-vol-1/na-reports-coronavirus-x-ray-politics-case-israel

Algemeiner: https://www.algemeiner.com/2020/02/20/israels-top-1-makes-eight-times-more-than-its-entire-fifth-decile-report-says/

OECD 2019: https://www.oecd-ilibrary.org/docserver/689afed1-en.pdf?expires=1612722528&id=id&accname=ocid54016459&checksum=86FAC0E758437073DAFB50D1D73EB7E8

OECD Israel: https://www.oecd.org/israel/Middle-class-2019-Israel.pdf

Bertelsmann OECD Policy   Brief 1/2021 https://www.bertelsmann-stiftung.de/fileadmin/files/BSt/Publikationen/GrauePublikationen/Policy_Brief_SGI_2020_DT.pdf

JPost, 04.02.2021: https://www.jpost.com/israel-news/israels-middle-class-slides-into-poverty-657829?utm_source=ActiveCampaign&utm_medium=email&utm_content=Why+global+travel+is+unlikely+to+resume++till+2024&utm_campaign=Frontlines+02+05+2021&vgo_ee=9%2FjJGFaH%2FJ6xqCEi8rcC6tQS1nDzyqVJrFs7Qd7fiKQ%3D

JPost, 22.01.2021: https://www.jpost.com/israel-news/israel-report-about-two-million-people-live-below-the-poverty-line-656317

JPost, 31.1.2021: https://www.jpost.com/israel-news/coronavirus-in-israel-1-in-3-kids-living-under-poverty-line-657298

Leket: https://www.leket.org/en/

Latet: https://www.latet.org.il/en/

Wie der Film „Holocaust“ ins Fernsehen kam.

Neu in der Mediathek der Bundeszentrale für politische Bildung ist „Wie ‚Holocaust‘ ins Fernsehen kam“ zugänglich – und besonders: Neben der deutschen Fassung auch in einer englischen Version.

Der Dokumentarfilm beleuchtet die Entstehungs- und Rezeptionsgeschichte der US-amerikanischen Familien-Saga Holocaust, die 1979 erstmals in der Bundesrepublik Deutschland ausgestrahlt wurde. Der Serie gelang damals, was zahlreiche engagierte und aufklärerische Dokumentationen nicht vermochten: sie rückte den Völkermord an den Juden ins kollektive Bewußtsein – ein sehenswerte Beitrag!

https://www.bpb.de/mediathek/319135/wie-holocaust-ins-fernsehen-kam

Wahlen, die Vierte: Episode 8

Arabische Stimmen für Benjamin Netanyahu: Wie Israels Wahlchaos alte Gewohnheiten aufbricht

Arabische Stimmen für Benjamin Netanyahu. Was klingt wie ein zynischer Witz, scheint mit der vierten Wahl innerhalb von zwei Jahren Realität zu werden. „Bibi“ ist seit kurzem auf Wahlkampf im arabischen Norden Israels, in der Hoffnung, den Likud bei der nächsten Wahl mit neuen Stimmen stärken zu können. Dabei verspricht er eine „neue Ära von Wohlstand, Integration und Sicherheit.“ Sollte der Likud also die kommende Wahl haushoch gewinnen, wird sich Netanyahu an diesen Worten messen lassen müssen.

Hier der Bericht von Judith Poppe für die taz.

Machsom Watch bei Zoom

Auch wenn wir alle nicht vor Ort reisen können, dabei sein geht trotzdem – ein bißchen:
Sonntag, 14. Februar – 20:00, Israel time (1:00 PM EST,  10:00 am PST, 18:00 UK, 19:00 CET)

Video-Konferenz von CHECKPOINT WATCH statt, mit Simultanübersetzung!
Correspondent – Amira Hass
Human Rights Activists in the Jordan Valley – Rachel Afek and Daphne Banai
Peace activist and rabbi –  Leah Shakdiel
Combatants for Peace – Yair Bunzel

**** Join and hear first person accountsPlease register ****

Gaza – gibt es noch!

Sind die Bedingungen im Gazastreifen ohnehin schon menschenunwürdig, so erschwerten neben den Pandemiemaßnahmen und der seit 14 Jahren anhaltenden Blockade die Winterwetterbedingungen das Leben der Menschen im Gazastreifen noch mehr in Richtung Desaster.

Electonic Intifada | Palthink

Combatants for Peace laden ein

10. Februar 2021 | 8:30pm Israel/Palestine time, 1:30pm EST, 7:30pm CET
Auf Facebook – https://fb.me/e/L1pu7AzC

Ist möglicherweise ein Bild von außen und Text

Das ‚Ask-Project‘ von Corey Gil-Shuster

Es ist nie nur schwarz oder weiß

Inge Günther hat mit Corel Gil-Shuster für Qantara.de über sein Projekt gesprochen. Der in Israel lebende kanadische Konfliktforscher hat in über tausend YouTube-Videos Israelis und Palästinenser über ihre Einstellung zum Konflikt befragt. Mit seinem „Ask Project“ will der Direktor des International Program in Conflict Resolution and Mediation der Universität Tel Aviv einen Einblick in die Einstellungen beider Seiten geben.

Wahlen, die Vierte, Episode 7

Die Wahllisten stehen fest | 39 Parteien bei der Wahlkommission registriert

In der ersten Umfrage (Channel 13) nach der Schließung des Bewerbeverfahren für die Wahlisten zeigen sich die Prognosen, die zumindest eine gewisse Tendenz anzeigen:

Likud 30
Yesh Atid 17
New Hope 13
Yamina 11
Labor 7
Joint List 7
Shas 7
United Torah Judaism 6
Religious Zionists 5
Yisrael Beytenu 5
Blue and White 4
Meretz 4
Ra’am 4.

Bei Chanel 12 ergeben sich diese Zahlen:

Likud 29
Yesh Atid 17
The New Hope 14
Yamina 11
Joint List 9
Shas 8
United Torah Judaism 7
Yisrael Beytenu 7
Labor 6
Meretz 4
Blue and White 4.

Strafgerichtshof, die zweite

Die Entscheidung des Internationalen Strafgerichtshofs führt zu entschiedenen Reaktionen, hier ein paar Beispiele:

Times of Israel

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Mailing von Gush Shalom

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Tikun Olam

Und hier der Artikel von Peter Philipp auf der schweizer Plattform Journal21.