Der Protest gegen israelische Politik hat nichts vor Synagogen zu suchen

Und der der Protest gegen die Politik von Hamas und Jihad nichts vor Moscheen

Jüdinnen und Juden dürfen sich in Deutschland nicht fürchten müssen, in diesem Land nicht und in keinem anderen. Ein Satz im übrigen, der auch für andere Religionen gilt, ganz selbstverständlich.

Die neue Runde der Gewalt, der neue Zyklus von Gewalt und Gegengewalt, macht auch (unvergleichbar zu dem, was in Israel und Palästina geschieht) vor unserer Gesellschaft nicht halt, Dämonisierung und Polarisierung allenthalben.

Und doch ist klar, auch wenn diese Gewalt endet, braucht die Region eine Regelung, bei der alle, alle Einzelnen und alle Gruppen, ein Mindestmaß an Gerechtigkeit erfahren. Es gilt dennoch nicht Moral zu predigen aus dem sicheren Europa heraus, aber es gilt auch nicht zu schweigen von Besatzung und Entrechtung. Die Sicherheit und das Wohlergehen beider Völker bedingen einander, die Sicherheit des einen gibt es nicht auf Kosten der Sicherheit des anderen.

Am Tag danach wird der Konflikt nicht gelöst, aber eine Regelung wieder noch schwieriger geworden sein. Und sie darf nicht in den Händen derer liegen, die von den Eskalationen profitieren!

Die Not wird größer

OCHA, das Büro der Vereinten Nationen die Humanitäre Hilfe hat für 2021 den neuen Jahresplan (Hier online zu lesen oder als PDF herunterladbar) vorgelegt und auf die große Bedürftigkeit in den palästinensischen Gebieten hingewiesen:

https://www.ochaopt.org/sites/default/files/images/peopleinneed21.png
The humanitarian community has identified 2.45 million Palestinians as being in need for support

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346,000 Palestinians pushed from moderate to severe need of assistance

US-$ 417 million plan to address humanitarian needs of Palestinians launched

Joint Press Release – 15 December 2020

Today, the Prime Minister of the State of Palestine, H.E. Dr. Mohammad Shtayyeh, and the Humanitarian Coordinator a.i., Ms. Lucia Elmi, launched the Humanitarian Response Plan (HRP) to help 1.8 vulnerable people in the occupied Palestinian territory (oPt) in 2021. The launch was broadcasted on social media, where speakers responded to questions from the public. “This international aid plan will complement efforts by the State of Palestine to help Palestinians in need where our reach is more limited,” said the Prime Minister. “The most vulnerable Palestinians must be supported, whether they are in Gaza, Jerusalem, Area C or elsewhere. This plan will allow us to link immediate humanitarian aid with sustainable development endeavours and efforts to overcome impediments over the long-term.” “The impact of prolonged military rule, access restrictions, internal divisions, and insufficient respect for Palestinians’ rights as enshrined in international law, is now compounded by COVID-19,” said Ms. Elmi. “While lasting solutions are being sought, we count on donors and partners to help us be there for those who need us the most in order to live with dignity.” More than 200 organizations and partners, including local and international organizations, as well UN entities, have come together to formulate the plan, which consists of 186 humanitarian projects. The latest humanitarian needs assessment found that 2.45 million Palestinians, 47 per cent of the population, need aid. The 2021 HRP targets 1.8 million of them, who have been identified as the most vulnerable. This past year has seen the unique realities of the COVID-19 crisis, its socio-economic impact and the temporary suspension of coordination between the parties. About 346,000 Palestinians, who had been identified as having moderate needs, are now assessed to be in severe need.  Seventy per cent of the funds required to implement the plan will target Gaza, where the situation remains fragile: its 2 million inhabitants are effectively isolated from the rest of the oPt and the world, and exposed to recurrent escalations of hostilities, a chronic electricity deficit, and shortages in specialized medical staff, drugs and equipment. In the West Bank, including East Jerusalem, settlement expansion, settler violence, access restrictions, the demolition of homes and other structures and evictions of families have continued or even increased during 2020, intensifying the coercive environment that places pressure on Palestinians to leave their communities.

Die UNRWA ist pleite


Zum ersten Mal in seiner 70 jährigen Geschichte ist das Hilfswerk für die palästinensische Bevölkerung vor Jahresende ohne Budget. Laut eigenen Angaben braucht die UNRWA bis Ende November weitere 70 Millionen US-Dollar, um ihre Tätigkeiten fortsetzen und ihre Mitarbeiter*innen bezahlen zu können. Weitere Informationen

Ergänzung 27.11.2020 | 19.00 Uhr – Bericht auf Qantara.de.

Wirtschaft ist wichtig, aber kein Ersatz für eine politische Regelung

Auf dem als ‚Workshop‘ klassifizierten Treffen von Politikern und Vertretern internationaler Institutionen wie der Weltbank, präsentierte die US-Regierung am 25. und 26. Juni ihren seit zwei Jahren als Deal des Jahrhunderts widerholt beworbenen Plan zur Regelung des Israel-Palästina-Konfliktes.

Die Reaktion darauf war eher verhalten. Hatten Anfang der 1990er Jahre israelische und palästinensische Politiker mit dem Motto ‚Land für Frieden‘ noch die Politik in den Mittelpunkt gestellt, so griff der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu bereits 2008 das Schlagwort vom ‚Ökonomischen Frieden‘ auf.

Als seien die politischen Gegensätze nicht mehr entscheidend, stellen die Initiatoren des neuen Plans werbewirksam auf die Wirtschaft und ‚Prosperität‘ ab.

Die CNN-Reporterin Christiane Amanpour interviewte für CNN den palästinensischen Premierminister Mohammad Shtayyeh zum Plan.

Der Premier sieht in dem Plan keine entscheidende Lösung für den Konflikt. Die grundsätzlichen Konfliktgegenstände werden mit diesem Plan nicht beseitigt. Dafür liegen Vorschläge vor, die auf völkerrechtlichen Regelungen basieren und auf deren Umsetzung die Palästinenser nicht verzichten werden. Ökonomische Regelungen sind wichtig, aber diese ersetzen politische Regelungen und den Frieden nicht. Der Plan wurde für die Palästinenser ausgearbeitet, aber nicht mit ihnen, so die weitgehende Kritik an diesem Vorgehen, das der US-amerikanische Wissenschaftler Rashid Khalidi in The New York Review of Books als „arrogance“ bezeichnet.

Ohne Regelung des Israel-Palästina-Konfliktes wird es auch keine regionale Akzeptanz Israels geben, so faßt die International Crisis Group in ihrem Kommentar das Treffen in Bahrain zusammen.

Gaza – Leben an der Grenze

Noch einen Monat (bis 27. Juli 19) in der Mediathek von arte zu sehen:

„Der Film erzählt seine Geschichten direkt aus dem Inneren des Gazastreifens heraus: Aus den Augen der Bewohner zeigt er den komplexen Konflikt mit Israel. Das Team aus Regisseur Garry Keane und Kameramann Andrew McConnell folgte den unterschiedlichsten Menschen bei ihrer Arbeit, zu ihren Familien, zu den brutalen Auseinandersetzungen am Grenzzaun und hinein in die Krankenhäuser.“