Ghassan Kanafani + 1972

Umstrittener Literat und gefeierter Volksheld: Der palästinensische Schriftsteller Ghassan Kanafani
Ein Radio-Feature im Deutschlandfunk Kultur von Anne Françoise Weber

01. Juli 2022 – 19:30 UhrZeitfragen

Er gilt als einer der bedeutendsten arabischen Schriftsteller – und wurde am 8. Juli vor 50 Jahren wegen seiner politischen Aktivitäten ermordet.

Seine Novellen bewegen bis heute eine große Leserschaft, seine Äußerungen als Sprecher der linksextremistischen PFLP, der Volksfront zur Befreiung Palästinas, gingen um die Welt. Ghassan Kanafani gilt als einer der wichtigsten arabischen Schriftsteller – und zugleich verkörperte er das, was er den palästinensischen Befreiungskampf nannte. Vor 50 Jahren, am 8. Juli 1972, wurde er durch eine Autobombe in Beirut ermordet. In einer seiner berühmtesten Kurzgeschichten, „Rückkehr nach Haifa“ beschreibt Kanafani, wie palästinensische Flüchtlinge ihr früheres Haus in der israelischen Küstenstadt aufsuchen. Sie treffen dort auf polnische Einwanderer, die nicht nur das Haus übernommen, sondern auch den bei der Flucht zurückgelassenen Sohn adoptiert haben. Auch israelische Theater haben das Stück inszeniert. Doch ein Denkmal in Kanafanis Geburtsstadt Akko wurde schnell wieder abgebaut – Kritiker sehen in ihm einen Terroristen.

Hayati

Es gibt auch andere Nachrichten... there is a place for you and me …

Link to all platforms: https://nanadisc.lnk.to/Hayati

Yael Deckelbaum: Today I am doing an act of love, and releasing “Hayati”, with a video clip that was filmed along the wall of Bethlehem.

It is clear to me as day light that this creation needs to be released.

I feel a great privilege to strengthen the voice that sees the other side, and makes room to grieve this reality as it is now, and still holds the faith that things can change through the power of love and healing.

I have been collaborating with Meera Eilabuni for many years now, and I appreciate our friendship deeply.

During the making of this video we met Razan Munayer, who is an amazing woman, and hosted us with great generosity.

I heard true stories from real people, and I cried allot.

To this I add a blessing that the walls of fear will melt within us, and that we will learn to live in peace.

Inside me I already feel that another wall has melted.

Thank you to all the amazing people that took part in this creation, credits in the first comment

Wie ‚tickt‘ es in der palästinensischen Gesellschaft?

Palestinian Center for Policy and Survey Research (PSR)

„The public favors a neutral stand in the Russian war against Ukraine even as slightly more people blame Russia for starting the war; closer to home, Israel-PA “confidence building measures” are increasingly viewed favorably even as two-thirds share the view that Israel is an apartheid state; and domestically, ten months after the Israel-Hamas War, Fatah’s popularity returns to its pre-May 2021 level despite the fact that almost three quarters continue to demand the resignation of president Abbas“

Hier die Zusammenfassung.

Nach-hören, möglich und wichtig

Die Aufzeichnung der 17. gemeinsamen, israelisch-palästinensischen Gedenkveranstaltung

ist online verfügbar und kann angesehen werden, wer keine Möglichkeit hatte, online live dabei zu sein, oder wer es einfach noch einmal anschauen will.

Hier der Hinweis auf einen Beitrag in der taz dazu: Wir teilen den gleichen Schmerz

Bleibt es beim status quo?

Trotz aller (oder wegen?) aller heiligen Zeiten, prägt wieder einmal Gewalt die Situation in Jerusalem, und nicht allein dort. Aber in Zeiten wie diesen steht alles in Frage. Ist es klug in dieser Zeit den staus quo, der bislang ein fragiles Konstrukt aufrecht erhalten hat, auch in Frage zu stellen? (Aber wer sagt, das Politik klug handelt?)

Hier eine Stimme aus Jordanien (sic), die einen kritischen Blick auf die Entwicklung wirft: Daoud Kuttab fragt in Arab News: Want quiet in Jerusalem? Respect the status quo

Einsatz für den Frieden

Zwar haben „an keinem Ort der Welt Friedensorganisationen von allein eine historische Veränderung und Transformation herbeigeführt“, wie Tamar Herman vom Israeli Democracy Institute in [West-Jerusalem mit Blick auf die Geschichte bemerkt, doch sie sind wichtiger denn je. Zochrot, Schalom Achschav, das Israelische Komitee gegen Hauszerstörung, Yesh Gvul und weitere israelische Organisationen sind seit Jahrzehnten aktiv. Sie setzen sich für eine „gemeinsame Zukunft von Palästinensern und Israelis ein“. Johannes Zang war vor Ort und berichtet von der Situation der Organisationen und deren schwierigen Tätigkeit im Alltag.

Welche Haltung nehmen Palästinenser:innen zum Krieg in der Ukraine ein?

Der in Gaza ansässige, 2007 gegründete Think Tank Palthink hat zu dieser Frage ein Policy Paper veröffentlicht, eine erste Stimme aus dem palästinensischen Diskurs:

Traditionell hatten und haben die Palästinenser gute Beziehungen zur Sowjetunion und zu Russland unterhalten. Momentan erscheint es ihnen angebracht, sich mit Stellungnahmen eher zurückzuhalten. Falls sie dennoch diplomatische Position beziehen müssen, wollen sie ausbalanciert und abgewogen argumentieren und sich nicht in Allianzen einbinden lassen.  Dazu zitiert das Papier eine Verlautbarung des (palästinensischen) Premierministers: „We look forward to the war being put there to ensure international security and peace, to preserve the safety of civilians who are victims of war, and we also look forward to the international community applying international law to Israel and implementing United Nations resolutions related to Palestine.“

Das Policy Paper “Considerations of condemnation and balance of Palestine’s position on the war in Ukraine” ist online unter diesem Link abrufbar:

Über eine aktuelle Debatte

Geht es um Inhalt oder um das Etikett?

In der Debatte um den aktuellen Bericht von amnesty international zur Situation in Israel-Palästina schlagen (gerade in Deutschland) die Wellen wieder einmal hoch. Signalworte stoßen bekannte Reaktionen an, der Inhalt des Berichts gerät dabei fast aus dem Blick.

Hanno Hauenstein in der Berliner Zeitung versucht eine sachlich-differenzierende Einordung.

Der Bericht (englisches Original) selbst kann hier heruntergeladen werden, hier die Einordung von ai Deutschland (geänderte Fassung).

Das Modell von zwei Staaten …

Als Modell ist die zwei-Staaten-Lösung weiterhin „einzige Lösung“, sagt Mona Juul, eine der „Oslo-architects“ und VN-Botschafterin Norwegens im Interview.

“We think from the Norwegian side, absolutely that the situation on the ground between the Israelis and the Palestinians, 30 years after the Madrid Conference, merits increased focus on the need for the Israelis and the Palestinians to get back into the negotiating table,” she told JNS in a discussion at the Norwegian Mission to the United Nations. Juul was referring to the 1991 bilateral Israeli-Palestinian negotiations in Madrid that eventually led to the exchange of letters and the subsequent, secretive Oslo Accords discussions that Juul facilitated, together with her diplomat husband, Terje Rød-Larsen.

“It’s obvious the two-state solution is the only solution, and there are prescriptions on what that solution could look like. What is lacking, of course, is the necessary political will on both sides to compromise and to find that common solution,” she added.”