apuz: (Anti-)Rassismus

Nach einem (erwartbaren) guten Heft zum Thema Antisemitismus hat die Bundeszentrale für politische Bildung nun ein sehr lesenswertes Heft zum (alltäglichen) Rassismus in unserer Mitte herausgegeben. Das Heft in der nun seit 70. Jahren erscheinenden Reihe der Beilage (42-44/2020) zur Wochenzeitung Das Parlament Aus Politik und Zeitgeschichte (apuz) kann online gelesen werden, aber auch als analoge Ausgabe kostenfrei, auch in größerer Stückzahl, bestellt werden.

Photowettbewerb ausgelobt

„Zusammenhalt in Vielfalt – Jüdischer Alltag in Deutschland“ – Vier Initiatoren loben bundesweiten Photowettbewerb aus

Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, der Beauftragte der Bundesregierung für jüdisches Leben in Deutschland und den Kampf gegen Antisemitismus, der Zentralrat der Juden in Deutschland und die Initiative kulturelle Integration haben einen Photowettbewerb unter dem Titel „Zusammenhalt in Vielfalt – Jüdischer Alltag in Deutschland“ aus gelobt:
http://www.fotowettbewerb-juedischer-alltag.de
• #jüdischerAlltag

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The Next Stage: Menachem Kleins Analyse

Palestine–Israel: The Next Stage – so lautet der Titel einer außerordentlich lesenswerten Analyse von Menachem Klein, die dieser Tage im Magazin Logosa journal of modern society & culture erschienen ist.

„Struggle for equality calls to build a big tent of all ethnic discrimination victims and opponents living in Mandatory Palestine. Beyond restructuring Israeli political opposition by bridging the sharp division to Jewish and Arab opposition parties, West Bank and Gaza Strip officials and civil society activists have to change their minds.“

Klein rekapituliert die historische Entwicklungen seit der Mandatszeit, fragt nach dem Scheitern verschiedener Optionen und richtet den Blick auf die Perspektiven einer kollektiven Selbstvergewisserung und (einer nötigen neuen Selbtorganisation) der palästinensischen Seite ebenso, wie auf die Fragen, die sich das zionistisch-israelische Lager angesichts der (eigenen) de-facto-Herrschaft über die Palästinenser ohne deren rechtliche Gleihheit stellen muß:

“ … calling for equality does not necessarily negate the two state solution. Political equality can be realized in a state of all its individual citizens, or in a joint state of its two Jewish and Arab nationalities, in a confederation between two states or in two fully independent states each enjoying self-determination right and equal international status.“

Mit immer mehr Waffen zum Frieden in der Region?

Immer neue Rekorde im Waffenkauf im Nahen Osten – Neue Zahlen veröffentlicht von der britischen Regierung. Middle East Eye hat die Zahlen aufbereitet: In den letzten zehn Jahren hat der Nahe Osten mehr Geld für ‚Verteidigung‘ ausgegeben, als jede andere Region in der Welt!

https://www.middleeasteye.net/sites/default/files/defence%20imports%20by%20region.png

Zum vollständigen Bericht hier.

Unsere Liebe Frau von Palästina – 21. Oktober

Zu den vielfältigen Zugängen zum „Heiligen Land“ gehört auch das Fest Maria Regina Palaestinorum, Maria Königin Palästina / U.L.F. von Palästina, ein Fest, das die Lateinische Kirche in der Mandatszeit eingeführt hat.
In diesem Jahr überträgt aus diesem Anlaß der Ritterorden vom Hl. Grab den Vortrag des Administrators des Lateinischen Patriachats, Msgr. Pierbattista Pizzaballa, den er in Rom hält, in englischer Simultationübersetzung im Netz (18.00 Uhr) : „Das Heilige Land und der Nahe Osten – aktuelle Ereignisse und mögliche Perspektiven“.

Der Großmeister des OESSH, Fernando Kardinal Filoni feiert im Petersdom die Messe für die Anliegen der Christen und Christinnen und aller Bewohner/innen des Heiligen Landes am Altar der Kathedra Petri. Diese Eucharistiefeier (21. Oktober, 11.00 Uhr) wird live auf der Facebook-Seite des Großmagisteriums des Ordens übertragen.

Neuerscheinung zu Hugo Marcus (1880–1966)

Das Leibniz-Zentrum Moderner Orient lädt für den 18. Oktober zu einer Onlinegespräch (Q&A) mit Prof. Marc David Baer (London School of Economics and Political Science) über sein Buch über Hugo Marcus (German, Jew, Muslim, Gay. The Life and Times of Hugo Marcus. Colombia Press 2020). Die Veranstaltung findet via Zoom statt, Anmeldung: registration@zmo.de

„Hugo Marcus (1880–1966) was a man of many names and many identities. In German, Jew, Muslim, Gay, Marc David Baer uses Marcus’s life and work to shed new light on a striking range of subjects, including German Jewish history and anti-Semitism, Islam in Europe, Muslim-Jewish relations, and the history of the gay rights struggle.“

A longer book talk can be viewed prior to the event on ZMO’s YouTube channel here.

US-Wahlen und palästinensischer Pessimismus

Die USA sind noch immer einer der wichtigsten Akteure, wenn es um Diplomatie und Mediation in Nahost geht. Spätestens seit dem Camp David Abkommen zwischen Israel und Ägypten unter Vermittlung von Jimmy Carter hat jeder US-Präsident eine prägende Rolle im Konflikt gespielt. Die im November stattfindenen Wahlen werden wieder ein neues Kapitel für die Nahostpolitik bedeuten, unabhängig von deren Ausgang. Nichtsdestotrotz scheint die Stimmung in den palästinensischen Gebieten dem gegenüber gleichgültig bis pessimistisch, aus berechtigten Gründen. Emily Judd mit einer Analyse für Al Arabiya.

Nachruf Otfried Nassauer

Wenn er anrief, dauerte es länger. Das neue Projekt war in der Regel komplex und die Problemlage dahinter war es auch. Wenn man meinte, etwas begriffen zu haben, machte Otfried klar, daß man viele andere Aspekte doch noch übersehen hatte. Er machte dies auf seine freundliche und sachkundige Art, die immer auch zum Dialog einlud.

Der NATO-Doppelbeschluß war, wie für so viele seiner Generation, das Fanal, sich angesichts dieser neuen Rüstungsspirale mit der Kriegsgefahr und den Chancen des Friedens in der Endphase des Kalten Krieges auseinanderzusetzen. Er gehörte sehr bald zu dem Kreis von Friedensforscher*innen, die Aufklärung und Wissen gegen den Zynismus der Macht setzten und nie den Glauben an eine friedvolle Lösung internationaler Beziehungen aufgegeben haben.

Dazu gehörte auch die Zusammenarbeit mit Militärs. So ging die Gründung des BITS (Berliner Informationszentrum für Transatlantische Sicherheit) aus einem Zusammenschluss von Friedensforscher*innen und ehemaligen Militärs in Ost und West hervor, um nach der Vereinigung eine neue Chance der Konvergenz des Militärischen und der Rüstungskontrolle im neuen Deutschland umzusetzen.

Otfried tat dies, wie die vielen Nachrufe nun würdigend hervorheben, nicht nur mit Detailversessenheit und mit intellektueller Brillanz. Was ihn auch antrieb, war die Hoffnung und das Bestreben, auf die Politik im Sinne der atomaren Abrüstung und der internationalen zivilen Konfliktbearbeitung einzuwirken. Das verschaffte ihm auch in den Kreisen der Militärs im Umkreis der Bundeswehr Respekt und Anerkennung. Er war zeitweise in den 90er Jahren für die Bundearbeitsgemeinschaft ‚Frieden‘ der Grünen beratend tätig, später für die Linken, was weniger mit ihm als mit der friedenspolitischen Ausrichtung der Parteien zu tun hatte.  

Seine Initiative zur Aufdeckung der deutschen und US-amerikanischen Zusammenarbeit bei Rüstungsexporten nach Israel und dem Ausmaß und den Folgen der Lieferung der deutschen Dolphin-Unterseeboote nach Israel machte ihn auch in Friedenskreisen im Nahen Osten bekannt.

Seine Beharrlichkeit und seine Unabhängigkeit hatten auch ihren Preis, nicht nur für seine Gesundheit. Die Miete des BITS im Prenzlauer Berg war nicht mehr zu tragen, er lagerte sein sehr umfangreiches Archiv auf einen stillgelegten Flughafen in Finow aus.

Er starb mit 64 Jahren. Er wird uns fehlen, allen, denen Frieden und Menschenrechte mehr bedeuten als Schlagworte.

Marianne Zepp

Israel in Bergkarabach

Der momentan wieder aufflammende Konflikt zwischen Armenien und Aserbaidschan ist nicht allein ein regional begrenzter. Neben Rußland und der Türkei ist auch Israel ein einflußreicher Akteur. Auch ohne direkte Teilnahme an den Kämpfen ist Israel ein wichtiger Waffenlieferant für Aserbaidschan, welches parallel mit islamistischen Kämpfern unter türkischen Einfluß versorgt wird. 
Die globale Dimension eines regionalen Konflikts erschafft damit bizarre bis ungewollte Allianzen, dessen Ziele weit über die Kontrolle über Bergkarabach hinaus gehen. 
Benjamin Hammer berichtet darüber für das ARD Studio Tel Aviv.