Sieh hin

Immer wieder gelingt es Dr. René Wildangel, Historiker, Nahostwissenschaftler und jahrelanger Arbeiter in Ramallah, unseren Blick auf die Menschen in Nahost zu lenken, die als deren Teil ihre Gesellschaften selbst kritisch einschätzen. René Wildangel stellt uns nicht nur Zeitzeugen vor, die auf Leiden und Verurteilenswertes, auf historische Ursachen von heutigen Ungerechtigkeiten und Gewalt staatlicher und nichtstaatlicher Akteure in Israel und Palästina hinweisen, sondern zudem gesellschaftliche Aktivisten, die nicht nur kritisieren, sondern die gegen diese Ungerechtigkeit mit ihren Mitteln opponieren.

Diesmal macht René Wildangel uns auf Qantara.de mit dem israelischen Regisseur Avi Mograbi und dessen Dokumentation bekannt:

„In seinem Dokumentarfilm „The First 54 Years“ zeigt der israelische Regisseur Avi Mograbi, welche katastrophalen und traumatischen Folgen die Besatzungspolitik nicht nur für die Palästinenser, sondern auch für die israelische Gesellschaft hat.“


Dafür greift Mograbi „auf umfangreiches Material der israelischen Nichtregierungsorganisation Breaking the Silence (dt.: „Das Schweigen brechen“) zurück. Seit 2004 hat die Organisation Zeugenaussagen von israelischen Militärangehörigen gesammelt, die in den besetzen Gebieten eingesetzt waren. Manchmal anonym, oftmals aber auch mit ihrem vollen Namen, berichten die ehemaligen Soldaten von kleineren Verstößen und schwersten Vergehen gegen die Menschenrechte. Dabei will die Organisation der israelischen Öffentlichkeit zeigen: Bei den Verstößen handelt es sich nicht um vereinzeltes Fehlverhalten, sondern sie sind ein Ergebnis der langjährigen Besatzung und eines dauerhaft etablierten Unrechtssystems, das es zu beenden gilt. Darum geht es auch Mograbi: Die Auswahl der von Breaking the Silence gesammelten Zeugenaussagen gruppiert er für seinen „Besatzungsleitfaden“ in chronologische und inhaltliche Kapitel. So will er der Frage auf den Grund gehen: Wie ist es möglich, über 54 Jahre eine Besatzungssituation aufrecht zu erhalten?“

Israel – welche Utopie?

Im frei zugänglichen Teil der Blätter findet sich ein »Blätter«-Gespräch mit Omri Boehm, Shimon Stein und Moshe Zimmermann, moderiert von »Blätter«-Mitherausgeber Micha Brumlik. Die Unterhaltung der vier Männer gibt einen guten Überblick über die aktuelle Debatten und die Perspektiven – und auch über fehlende Perspektiven. Immerhin auch in dieser Situation wird (noch? / wieder?) nach Utopien gefragt…

Hier der Hinweis auf das ganze Märzheft 2021:

März 2021

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Alles beim Alten (?/!)

Die letzte große Umfrage zur Wahl in Israel am kommenden Dienstag, 23. März, verheißen eine Wiederholung der schon bekannten politischen Lage, ohne eindeutigen Sieger und viele mögliche Koalitionen. Grundsätzlich scheint aber auch bei der vierten Wahl in zwei Jahren zu gelten: Alles bleibt beim Alten, auf Kosten der Bevölkerung. Ist das nun Stillstand oder Fortschritt?

Der Wahl-o-mat in Palästina

Das Jerusalem Media and Communications Center (JMCC), unterstützt von der Friedrich-Ebert-Stiftung, hat ein App entwicklelt: Busala.org – die das palästinensische politische Spektrum auf Übereinstimmungen mit den eigenen politischen Überzeugungen durchforstet … wer denkt bei uns da nicht an den Wahl-o-mat?.

Der Link zur englischen Seite von Busala und eine Bericht bei Arab News darüber. .

Über die Vielfalt (jüdischer / der) Stimmen

Die Tageszeitung Junge Welt hat in der letzten Woche ein längeres Interview mit Wieland Hoban, seines Zeichens Komponist, Übersetzer und Vorstandsmitglied der Organisation »Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost« und deren Vertreter im Bündnis IJCJP (International Jewish Collective for Justice in Palestine, veröffentlicht, das unter dem Titel »Sie unterstellen auch jüdischen Menschen Antisemitismus« online nachzulesen ist.