Das Kalenderblatt im August: Combatants for Peace

An dieser Stelle präsentieren wir jeden Monat ein neues Kalenderblatt aus dem diAk-Kalender, der in einer Sonderausgabe als Ausgabe IV/2015 erschienen ist.

Diesen Monat: Combatants for Peace

Combatants for Peace ist eine 2006 gegründete bi-nationale Freiwilligenorganisation aus Israelis und Palästinensern, die sich in der Vergangenheit jeweils als Soldaten bzw. als bewaffnete Kämpfer an den gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen beiden Seiten beteiligt haben und sich nun für eine gewaltfreie Lösung des Konflikts einsetzen. Die Gruppe setzt sich für eine Zusammenarbeit beider Seiten ein und fordert die Etablierung eines palästinensischen Staates mit Ost-Jerusalem als Hauptstadt in den Grenzen wie vor dem Sechstagekrieg. Die Organisation organisiert Treffen ehemaliger Kämpfer, Vorträge und Touren und veranstaltet jährlich einen Israeli-Palestinian Memorial Day, an dem der Opfer beider Seiten gedacht wird.

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Kontakt: Combatants for Peace, 113 Ushiskin St., 47204 Ramat Hasharon, Israel http://cfpeace.org/ office@cfpeace.org

Spenden: http://cfpeace.org/contact-us/donate/

Deutsche Erinnerungskultur mit gravierenden Lücken

Zur Zukunft gehört Erinnerung

75 Jahre nach dem Überfall auf die Sowjetunion – ein ehrenhaftes Gedenken den Millionen Toten des Eroberungs- und Vernichtungskriegs des Deutschen Reiches. Eine von den nicht sehr zahlreichen Beiträgen zum Jahrestag vom ehemaligen Brandenburgischen Ministerpräsidenten Matthias Platzeck im Tagesspiegel.

Ein Bild aus der Dauerausstellung des empfehlenswerten Deutsch-Russischen Museums Berlin-Karlshorst (Photo: Thomas Bruns, http://www.museum-karlshorst.de/de/dauerausstellung.html):

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Am 22. Juni 2016 jährt sich das „Unternehmen Barbarossa“, der Überfall Nazideutschlands auf die Sowjetunion, zum 75. Mal. Der brutale Feldzug im Osten hat 27 Millionen Menschen das Leben gekostet, zwei Drittel davon Zivilisten. Allein der Blockade Leningrads, die das systematische Aushungern der Bevölkerung zum Ziel hatte, fielen mehr als eine Million Einwohner zum Opfer. Tausende Dörfer und Städte in der Ukraine, in Weißrussland und in Russland wurden zerstört. Beinahe jede Familie in den Nachfolgestaaten der Sowjetunion hat ihre eigene Geschichte vom schrecklichen Leid, das die Deutschen über sie gebracht haben. Der 22. Juni, der Beginn des bis dato größten und grausamsten Vernichtungskriegs der Menschheitsgeschichte, gerichtet gegen die Völker der Sowjetunion, ist ihr Tag des Gedenkens. Er ist ein Tag der Weltgeschichte.

Quelle:

http://www.tagesspiegel.de/politik/75-jahre-nach-ueberfall-auf-sowjetunion-deutsche-erinnerungskultur-hat-gravierende-luecken/13760010.html

Jerusalem – an diesem Sonntag (5. Juni) – 2. Teil

Der 5. Juni

Von Moshe Zuckermann, Tel Aviv

Der 5. Juni ist ein bedeutungsschweres Datum in der israelischen Geschichte. Am 5. Juni 1967 begann der sogenannte Sechs-Tage-Krieg, der mit einem phänomenalen Sieg der israelischen Armee endete.

Am 5. Juni 1982 begann aber auch der erste Libanonkrieg, eine Unternehmung, die mit einem schnellen militärischen Sieg Israels begann, sich bald genug aber als eine Besatzungsrealität im nördlichen Nachbarland erweisen sollte, die – abgesehen davon, was Israel im besetzten Land anrichtete – Israel selbst nach und nach solche Opfer abforderte, daß der Rückzug aus dem Libanon 19 Jahre nach Beginn des Kriegs sich nachgerade fluchtartig vollzog.

Was verbindet beiden Kriege? Der Yom-Kippur Krieg von 1973. Denn während das Ergebnis des 1967er Kriegs einen euphorischen Triumphalismus in Israel zeitigte, eine Melange aus Stolz, Überheblichkeit und Skrupellosigkeit, sollte die schmerzende Ernüchterung im horrenden Oktoberkrieg von 1973 kommen. Die militärische Übermacht Israels war damit nicht gemindert, aber die das siegesgewisse Selbstverständnis, das seit 1967 zur Norm und unhinterfragten Erwartungshaltung geronnen war, war, wenn nicht von Grund auf zerstört, so doch merklich erschüttert. Nicht von ungefähr hat man die Wahl des Datums für den Beginn der 1982er Libanonkriegs als den symbolischen Versuch gedeutet, den Glanz des militärischen Erfolgs von 1967 heraufzubeschwören.

Aber der 5. Juni hat auch etwas Anderes, Gravierendes zum historischen Inhalt. Denn was mit der Euphorie  des Sieges begann, sollte bald genug in eine politische Praxis übergehen, die im nächsten Jahr eine 50jährige völkerrechtswidrige, brutale, zuweilen barbarische Besatzungsrealität in den 1967 eroberten Gebieten, vor allem aber im Westjordanland ‚feiern‘ darf. Der große Triumph erweist sich nach und nach als Nemesis der israelischen Gesellschaft und Politik.

Denn nicht nur erweist sich Israel nach und nach als das diametral Gegenteil von dem, was man bis 1967 in ihm – zu Recht oder zu Unrecht – sehen wollte, sondern Israel selbst hat sich mit der Besatzung, die zum offizeillen Erbteil der israelischen Staatsideologie avanciert ist, in eine historische Sackgasse hineinmanövriert, die den Untergang des Zionismus bedeuten könnte: Die Möglichkeit der in Oslo noch anvisierten Zwei-Staaten-Lösung ist trotz israelischen Lippenbekenntnisses ins strukturell nahezu Unmögliche eingemündet. Ihre vielleicht doch noch unternommene Verwirklichung könnte im heutigen Israel bürgerkriegsähnliche Zustände oder gar einen manigesten Bürgerkrieg zeitigen.

Hingegen kann die Errichtung eines binationalen Staates – ob demokratisch abgesegnet oder als Aparteid-Hegemonie der Juden Israels – nichts anderes als das Ende des usprünglichen zionistischen Projekts bedeuten. Und da sich die allermeisten Juden in Israel vom Zionismus nicht zu verabschieden gedenken, ist damit eine geschichtliche Aporie entstanden, die am 5. Juni 1967 ihren Ursprung hatte, eine Aporie die wenig Gutes für die Zukunft verheißt.

Die „verräterischen“ Söhne Israels

Viele Nachrichten aus Israel und Palästina wären vor Jahren noch undenkbar gewesen. Wohin treibt die Politik, was kommt noch alles?

Die vor elf Jahren gegründete NGO „Breaking the Silence“ hat anonyme Aussagen von Veteranen der israelischen Armee gesammelt, in denen Übergriffe gegen Palästinenser dokumentiert sind. Jetzt steht die Organisation unter Druck. Darüber sprach Ylenia Gostoli mit Yehuda Shaul, einem Mitgründer der NGO.

Die israelische Veteranen-Organisation „Breaking the Silence“ soll gerichtlich gezwungen werden, die Identität ihrer Zeugen bekanntzugeben. Eine entsprechende Anordnung beantragte im letzten Februar die israelische Regierung beim Bezirksgericht Petah Tikwa. Anfang Mai hatte die Organisation unter dem Titel „Wie wir 2014 in Gaza gekämpft haben“ anonym Zeugenaussagen von mehr als 60 Offizieren und Soldaten zur Kampfoperation „Protective Edge“ im Gazastreifen im Sommer 2014 veröffentlicht. Der israelischen Armee wurden darin unter anderem systematische Verletzung des Kriegsrechts, das Deklarieren von Wohngebieten zu Kampfzonen und unethisches Verhalten vorgeworfen.

Weiterlesen in der deutschsprachigen Ausgabe von qantara.

Das englischsprachige Video mit Avner Gvaryahu von Breaking the Silence findet sich unten:

Former Israeli paratrooper Avner Gvaryahu, now an activist with Breaking The Silence explains to Green Left Weekly’s Peter Boyle how 850 former Israeli soldiers have given testimony about the gross injustices against the Palestinian people they have witnessed and made to participate in as part of Israel’s military occupation of the West Bank and Gaza. He was visiting Australia to promote the book „Our Harsh Logic.

Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=RYXdoipaqnY (GreenLeftTV)

Naomi Chazan: The opportunity in Israel’s political crisis

Die politischen Verhältnisse in Israel lassen einen oft sprachlos zurück. Der nächste Ministerrücktritt – wohin treibt das politische System Israels, was wird aus dem Staat? Naomi Chazan fragt in ihrem Blog-Beitrag für die Times of Israel, ob die Krise nicht auch eine Chance bedeuten könnte.

The emerging shape of the revamped coalition has sent shock-waves throughout the Israeli political system, with reactions ranging from alarm to fury and from surprise to outright despair.

Benjamin Netanyahu’s latest political move may be yet another step in the rapid deterioration of the Israeli polity or, to the contrary, the beginning of a turning point that will halt its dive into a dark abyss. Much depends on how the ever-growing circle of concerned citizens spanning large portions of the political spectrum responds and acts in the coming days and months. The choice is theirs: they can fall into despondency and do nothing, or, alternatively, they can come together and commence the long route towards Israeli democratic revival. Opting for an exit strategy (either physical or mental) means giving up on Israel’s future; raising a common voice for a decent society and making a concerted effort to ensure its realization offers hope for significant change down the road.

Der ganze Artikel in der Times of Israel hier.

Von Naomi Chazan ist eine immer noch lesenswerte Rede bei AphorismA im Rahmen der Kleinen Texte erhältlich: http://aphorisma.de/catalog/freundschaft-mit-israel-p-7671.html

Reuven Moskovitz in Deutschland

Reuven Moskovitz, langjähriger Friedensaktivist und Kämpfer für Gerechtigkeit im Nahen Osten, kommt im April und Mai auf Lesereise nach Deutschland. Nachfolgend finden Sie eine Übersicht der Veranstaltungsorte. Für nähere Informationen bitten wir um eine kurze Meldung.

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11.4., 20 Uhr: Ahlfeld | 12.4., 20 Uhr: Gosslar | 13.4.: Einbeck-Bentierode (Friedenswerkstatt Bentierode, Bentieröder Ring 7) | 14.4., 19 Uhr: Berlin (Ökumenisches Zentrum, Wilmersdorfer Straße 163) | 15.4., 19 Uhr: Berlin (Café Emmaus, Lausitzer Platz 8a) | 18.4., 19.30 Uhr: Celle (Martin-Luther-Kirche) | 19.4., 19.30: Bielefeld (Bodelschwinghkirche) | 20.4., 17 Uhr: Bielefeld (Im Kapellenbrink) | 21.4.: Bielefeld | 22.4.: Weimar | 23.4., 17 Uhr: Weimar | 24.4., 12.30 Uhr: Weimar (Belvederer Allee 32) | 25.4., 19.30 Uhr: Viersen | 26.4., 19.30 Uhr: Tönis-Vorst | 27.4., 19.30 Uhr: Mühlheim/Ruhr | 28.4., 19.30 Uhr: Bad Honnef (Evangelisches Gemeindehaus, Königswinter-Dollendorf) | 1.5., 10 Uhr: Oldenburg (Lambertikirche)  | 2.5., 19.30 Uhr: Oldenburg (Lambertikirche) | 3.5., 19 Uhr: Berlin (Gemeindehaus Schuchardtweg 5)

Foto: privat

 

Das Kalenderblatt im April: Rabbiner für Menschenrechte

Die Ausgabe IV | 2015 von israel & palästina – Zeitschrift für Dialog ist zum neuen Jahr als Kalender erschienen. Jeden Monat stellen wir dazu das neue Kalenderblatt vor.

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Rabbiner für Menschenrechte/Rabbis for Human Rights (RHR), 1988 gegründet, sind die einzige Stimme von Rabbinern in Israel, die sich explizit den Menschenrechten verschrieben hat. Sie repräsentiert über 100 israelische Rabbiner und Rabbinatsstudierende unterschiedlicher Strömungen des Judentums, die ihre Autorität aus der jüdischen Tradition und der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte ableiten. Sie haben es sich zur Aufgabe, die israelische Öffentlichkeit über Menschenrechtsverletzungen aufzuklären und Druck auf die staatlichen Institutionen auszüben, diese Ungerechtigkeiten zu beseitigen. In einer Zeit, in der ein nationalistisches und isolationistisches Verständnis jüdischer Tradition häufig und deutlich zu hören ist, beziehen sich die RHR auf das traditionelle jüdische Verantwortungsgefühl für Sicherheit und Wohlergehen eines jeden Fremden, Anderslebenden und Schwachen, des Konvertiten, der Witwe und des Waisenkindes.