Nur in Deutschland

Ein Essay von Fabian Wolff auf Zeit Online zu ‚jüdischem Leben‘ in diesem Land

Wenn wir an dieser Stelle auf einen aus unserer Sicht lesenswerten Beitrag aufmerksam machen, stellen wir oft ein Zitat heraus, das Appetit machen soll, alles zu lesen. Dieses Verfahren verbietet sich in diesem Fall. Dieser Text hat zuviele wichtige Impulse, um „nur“ einen herauszustellen. (Zugegeben, ich drücke mich damit auch vor einer Auswahl). Mich läßt der Text erst einmal beeindruckt schweigsam zurück.

Wenn wir im diAk die Formulierung zusammen denken benutzen, steht sie meist in zwei Wörtern da, aber genau so wichtig ist es, sie in einem Wort zu schreiben: zusammendenken. Was heißt es für uns, geschichtliche Erfahrung(en) für das, für unser, politisches Engagement zu reflektieren, wie halten wir die Brüche aus, die nicht vergehen, was bedeutet es, uns den Wunden stellen, ihren Schmerz nicht übertünschen oder harmonisieren zu wollen…

Den Beitrag von Fabian Wolff zu lesen. ist ein „Gewinn“, gerade weil er vieles infrage stellt. (rzw)

Hier der Link zur deutschen Fassung.

Inzwischen gibt es dankenswerterweise den Artikel auch in einer englischen Fassung online.

Musik – im Angesicht der Shoa

Out of the Whirlwind – Musical Reflections

Das im US-amerikanischen St. Monica (Kalifornien) beheimatete Milken Archive for Jewish Music hat zwei grandiose Features ins Netz gestellt, die Musik aus und über die Shoa – mit vielen Hörbeispielen – präsentiert, eine gelungene und zukunftsweisende Erinnerungsarbeit, an die heute am 8. Mai, 76 Jahre nach dem Ende Ende der Barbarei gedacht sein soll.

https://www.milkenarchive.org/articles/virtual-exhibits/view/musical-reflections-of-the-holocaust-part-1

https://www.milkenarchive.org/articles/virtual-exhibits/view/out-of-the-whirlwind-musical-reflections-of-the-holocaust-part-2

Multidirektionales Erinnern gegen Rassismus und Antisemitismus

ManyPod #9 im Gespräch mit Michael Rothberg

Memories are not owned by groups nor are groups owned by memory.

Zu Gast in dieser Folge ist der Shoa-Erinnerungsforscher Michael Rothberg. Gemeinsamen mit Sina Arnold als Co-Host sprechen sie mit ihm über das Potenzial multidirektionalen Erinnerns für solidarische Praktiken. Wie können lebendige Zeugnisse aus mehreren Jahrzehnten nicht nur von Exklusion und Verfolgung, sondern auch von den kollektiven Kämpfen um Anerkennung und Lebensweisen dem Vergessenmachen entrissen und neue gemeinsame Sprechorte geschaffen werden? Und was bedeutet die Erinnerung an die Shoa in einer postmigrantischen Gesellschaft?

**Michael Rothberg** ist Professor für Englische und vergleichende Literaturwissenschaft und Inhaber des Samuel Goetz Lehrstuhls für Holocaust Studies an der University of California Los Angeles. Sein Buch „Multidirektionale Erinnerung. Holocaustgedenken im Zeitalter der Dekolonisierung“ ist 2021 auf Deutsch erschienen.

**Sina Arnold** ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für Antisemitismusforschung in Berlin sowie am Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt. Sie arbeitet u.a. zu aktuellem Antisemitismus in Deutschland und den USA und zu Erinnerungspolitik in der postmigrantischen Gesellschaft.

Hannah Arendt heute

Geisteswissenschaft im Dialog

Im Rahmenprogramm der Ausstellung des Deutschen Historischen MuseumsHannah Arendt und das 20. Jahrhundert“, die noch bis zum 16. Mai 2021 in der Bundeskunsthalle in Bonn zu sehen ist, veranstaltet „Geisteswissenschaft im Dialog“ (GiD) die vierteilige Interview-Reihe „Hanna Arendt heute“. Ziel ist es, die aktuelle gesellschaftliche Relevanz der politischen Theoretikerin und der von ihr behandelten Themen zu beleuchten. Die Interview-Reihe ist eine Kooperation der Max Weber Stiftung mit der Bundeskunsthalle sowie der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften und stellt nach „Schöne neue Welt? – Chancen und Grenzen medizinischen Fortschritts in Geschichte und Gegenwart“ aus dem Herbst 2020 bereits die zweite Umsetzung des neuen GiD-Interview-Formats dar. Alle Video-Interviews werden hier auf dem GiD-Blog sowie den Webseiten der Akademienunion und der Bundeskunsthalle veröffentlicht. Reihenstart ist der 7. Mai 2021.

Trotz Frühling: „Winterreise“

Start des Dokumentarfilms „Winterreise“ von Anders Ostergaard mit Bruno Ganz

Dänemark/Deutschland 2019- 88min – OmdtU – VOD-Start: 22. April 2021

Zu finden beim Streamingdienst Vimeo https://vimeo.com/ondemand/winterreise

Martin Goldsmith wuchs als ein gewöhnlicher amerikanischer Junge auf. Aber von seiner Kindheit an hing ein großer Schatten über der Familie. Der bekannte Radiomodertor wußte nur, daß seine Eltern, beide säkuläre Juden, aus Deutschland stammten und daß seine Verwandtschaft im zweiten Weltkrieg gestorben sei. Für seine Eltern hatte in Amerika ein neues Leben angefangen – ein Leben, in dem man keine Frage über die Vergangenheit stellt. Erst als erwachsener Mann, nach dem Tod seiner Mutter, brach Martin den Bann und befragte seinen Vater zu der deutschen Vergangenheit seiner Eltern und der gesamten Familie in den 1930er Jahren.

Die Gespräche zwischen Vater und Sohn erwecken die schöne und schmerzhafte Geschichte der Eltern über Liebe, Musik und Tod in Berlin der Kriegsjahre zum Leben. Beide waren begabte Musiker, Günther noch ganz am Beginn seiner Karriere, Rosemarie schon Orchestermusikerin. Aber nach dem Erlaß der ‚Nürnberger Gesetze‘ 1935 konnten sie nur noch als Mitglieder des Jüdischen Kulturbundes auftreten, einer fragwürdigen Organisation, die vollständig von der Reichskulturkammer kontrolliert wurde.

Der Film folgt den Gesprächen zwischen Vater und Sohn, während sich die Vergangenheit der Familie mit raffiniert bearbeitetem Archivmaterial entfaltet, entsteht in der Gegenwart des Films eine langsame Annäherung zwischen Vater und Sohn, die sich anfühlt wie die Überwindung eines riesigen Grabens aus ungesagten Worten. In Sprache und Land, Heimat und Kultur waren die beiden einander fremd geblieben.

Martin Goldsmith ist selbst zu hören als Gesprächspartner seines Vaters, der in WINTERREISE von Bruno Ganz in seiner letzten, sehr intensiven Rolle verkörpert wird. Der Film beruht auf dem Buch, das Martin Goldsmith nach den Gesprächen mit seinem Vater schrieb: „Die unauslöschliche Symphonie. Musik und Liebe im Schatten des Dritten Reiches – eine deutsch-jüdische Geschichte“

Mehr Infos, Spieltermine und Material (Presseheft, Plakate) zum Film unter | Trailer auf Youtube.

Texte zur Kunst 119

Analog ist das Heft zwar ausverkauft, aber einige Texte sind auf der Website zugänglich, das ganze Heft – mit sicher diskussionswürdigen Beiträgen- , kann digital bestellt werden.

„In der September-Ausgabe mit dem Titel „Anti-Antisemitismus“ bezieht TEXTE ZUR KUNST klar Stellung gegen jegliche Form von Anfeindung gegenüber Jüdinnen und Juden. Gemeinsam mit der Kunsthistorikerin Sabeth Buchmann, der Herausgeberin Isabelle Graw und dem freien Autor Aram Lintzel hat die Redaktion ein Heft konzipiert, das nicht nur kritisch die massive Zunahme antisemitischer Diskriminierung reflektiert, sondern auch auf die Komplexität jüdischer Kunst- und Kulturpraktiken fokussiert. Antisemitismus im Kunstbetrieb wird hier ebenso diskutiert wie antisemitische Implikationen der BDS-Bewegung oder künstlerische Verfahren im Umgang mit Antisemitismus.“

Jour Fixe Initiative Berlin | Rassismus und Antisemitismus im deutschen Kolonialismus

Zum Nachhören und Nachdenken:

Ideologische Verwandtschaftsverhältnisse: Rassismus und Antisemitismus im deutschen Kolonialismus von Stefan Vogt (Vortrag vom Sonntag, 07. März 2021)

Die jour fixe initiative berlin besteht seit Oktober 1997. Mit Vortragsreihen zur Kritik von Herrschaft, Ausbeutung und Unmündigkeit bietet sie eine Plattform für die Diskussion und Theoriebildung innerhalb der radikalen Linken an und will einen Beitrag zur Überwindung kapitalistischer Vergesellschaftung leisten.

The Jerusalem Declaration On Antisemitism

Am heutigen Donnerstag, 25. März 2021, wurde diese neue Definition der Öffentlichkeit vorgestellt.

Antisemitismus ist Diskriminierung, Vorurteil, Feindseligkeit oder Gewalt
gegen Jüdinnen und Juden als Jüdinnen und Juden
(oder jüdische Einrichtungen als jüdische)

Hier die deutsche Fassung mit den dazugehörenden Leitlinien:

Hintergrund

In 2020, a group of scholars in Antisemitism Studies and related fields, including Jewish, Holocaust, Israel, Palestine and Middle East Studies, came together under the auspices of the Van Leer Jerusalem Institute to address key challenges in identifying and confronting antisemitism. During a year of deliberations, they reflected on the use of existing tools, including the working definition adopted by the International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA), and its implication on academic freedom and freedom of expression.

The JDA organizers and signatories represent a wide range of academic disciplines and regional perspectives and they have diverse views on questions related the Israeli-Palestinian conflict. But they agreed on the need for a more precise interpretive tool to help clarify conditions that are antisemitic as well as conditions that are not definitive proof of antisemitism.

Neues i&p-Heft erschienen

Allen Anfeindungen zum Trotz

Die neue Ausgabe unserer Zeitschrift für Dialog ist erschienen und an die Abonenntinnen sowie Mitglieder bereits verschickt. Der Schwerpunkt der Ausgabe ist die Lebensbilanz von Reiner Bernstein (München), der zu den Gründungsmitgliedern des diAk Ende der 1970er Jahre gehört.

Der Versuch, kritische Stimmen über israelische Politik mundtot zu machen,  hat eine lange Geschichte in Deutschland. Dies zeigen die autobiograpischen Reflektionen von Reiner Bernstein in seinem lebenslangen Engagement im Spannungsfeld Deutschland-Israel-Palästina.

Hier das aktuelle Inhaltverzeichnis – dem Schwerpunkt des Heftes, den Beitrag von Reiner Bernstein, gibt es auch in einer eigenen Buchhandelsausgabe.