‚Jerusalemtag‘ – so gedacht

Rabbi Arik Asherman, seit langen Jahren ein Menschenrechtsaktivist und Lehrer der Tora, lädt ein, den Tag anders zu bedenken:

„We can debate to what degree West and East Jeruslalem are united, but Yerushalyaim Shel Ma’alah and Yerushalayim Shel Mata are certainly still far apart. „

Seine Reflektionen stehen genau an der Grenze des himmlischen und des irdischen Jerusalem, der Einsatz für Gerechtigkeit und für die Menschen, bringt beide zueinander.

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Lesenswert sein Newsletter (mit einigen theologisch-pastoralen Reflektionen im zweiten Teil), entsprechend sein Beitrag in der Times of Israel.

 

 

Palästina, die Besatzung und Covid-19

Frei zugänglich zum herunterladen das Diyar Zentrum in Bethlehem soeben ein Buch veröffentlicht, in dem 11 Autorinnen und Autoren aus Palästina zu aktuellen Entwicklungen Stellung nehmen, herausgegeben ist der Band von Saeb Erekat und Mitri Raheb.

The Double Lockdown

Beiträge von Saeb Erakat – Mitri Raheb – Bernard Sabella – Xavier Abu Eid – Dalal Iriqat – Faisal Awartani – Maher Deeb – Hani Abu Dayyeh – Randa Siniora – Issa Jamil Kassissieh – Varsen Aghabekian.

Ein Kommentar: Militärrabbinat in Deutschland

 

Ein wichtiges Zeichen …
Und das mehr als unangenehme, das sich dazu zeigt

Vor wenigen Tagen hat die Bundesministerin der ‚Verteidigung‘ vor dem Deutschen Bundestag über einen Staatsvertrag gesprochen, den Deutschland mit der Zentralrat der Juden in Deutschland als Körperschaft des öffentlichten Rechts ausgehandelt hat (Gesetz zur Regelung der jüdischen Militärseelsorge (JüdMilSeelsG)). Geeinigt haben sich beide Seiten auf die Schaffung sog. Militärrabbiner, insgesamt eines Militärrabbinats. Das ist ein bedeutendes Zeichen und es ist ein wichtiges Zeichen.

In der „Szene“ geistern aktuell zu diesem Ereignis einige Sätze umher, die einen – jedenfalls mich – schaudern lassen.

„In der Presse war zu lesen, daß auf Veranlassung des Zentralrats der Juden in Deutschland für die jüdischen Soldaten in der Bundeswehr ein Militär-Rabbinat eingerichtet werden soll. Näheres fand ich im Internet: Für (geschätzte) 300 jüdische Soldaten, von denen wahrscheinlich höchstens die Hälfte religiös ist, sollen 10 ! Militärrabbiner eingestellt werden. Die fachliche Aussicht soll beim Zentralrat liegen, der demnach die Militär-Rabbiner benennen kann. – Wenn der Zentralrat etwas fordert, spielt Geld keine Rolle mehr. Da werden die Hacken zusammen geknallt und gesagt: „Jawoll, Herr Schuster – das wird gemacht.“ Letzten Endes geht es dem Zentralrat wohl in erster Linie darum, Israel-Propagandisten in der Bundeswehr zu installieren.“

Das Zählen jüdischer Soldaten hat in der deutschen Geschichte einen mehr als schalen Geschmack, erster Punkt.

Aber es ist infam und abgeschmackt, was hier insinuiert wird, zweiter Punkt.

Wir können gerne über die Bewertung der israelischen Politik sprechen, wir können sie – und müssen das an vielen Punkten wohl auch – kritisieren. Aber diese unsägliche Verknüpfung, die hier zwischen Geld und dem Zentrat hergestellt wird und in die dann auch noch eine Portion Israelpolitik eingerührt wird, wie mit dem Topos angeblicher ‚jüdischer Einflusses, gar Macht ‚ gespielt wird, das ist eine Schande. Und es ist zum schämen, jedenfalls schäme ich mich dafür.

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Zum Ereignis und seinem Themenfeld selbst: Ich muß die Institution eines Militärbischof, i.e. eines ‚Militärbistums‘ nicht mögen. Und ich erinnere noch sehr deutlich die tiefen Gräben, die nach 1989 im deutschen Protestantismus deutlich wurden, als es zwischen Ost und West um die Frage der Militärseelsorge ging: In wessen Dienst singe ich welches Lied… Und es gibt Gründe das deutsche gewordene Staatskirchenrecht an einer Reihe von Stellen Revisionen zu unterziehen. Ich gehöre nicht zu denen, die finden, das die privilegierte Partnerschaft zwischen Staat und Religion irgendjemand schadet, so wie sich bei uns entwickelt hat.

Und insofern ist es ein richtiger und bedeutsamer Schritt, das gleiche Seelsorge-Privileg der jüdischen Religionsgemeinschaft (wie auch anderen) zu ermöglichen: Sie hat ein Recht darauf.

Auch ich mag nicht jeden unsere Hirten, die das Amt des Militärbischofs übernommen haben und ich habe mache Frage an die Pluralität meiner Kirche. Und dennoch solange die verfaßte Religion exisitiert, ist auch der Zentralrat die gegebene Institution. So wie wir in unserer Kirche schauen müssen, wen sie repräsentiert und wie wir das dialogisch besser gestalten können, so werden sich diese Frage auch Jüdinnen und Juden in Deutschland stellen.

Rainer Zimmer-Winkel

Offizielle ‚Deutsch-palästinensische Gespräche‘ auch in schwierigen Tagen

Am 19. Mai 2020 tagte – diesmal als Videokonferenz – , zum fünften Mal der Deutsch-Palästinensische Lenkungsausschuß unter Leitung des palästinenensischen Ministerpräsidenten Dr. Mohammad Shtayyeh und des deutschen Außenministers Heiko Maas.
Sie endete mit einer gemeinsamen Erklärung, im Text heißt es diplomatisch:

They noted with grave concern the agreement between coalition parties in Israel to advance plans for annexation of occupied Palestinian territories as stipulated in the Israeli coalition agreement signed on 20 April. Annexation of any part of occupied Palestinian territories including East Jerusalem constitutes a clear violation of international law and seriously undermines the chances for the two-state solution within a final status agreement. Germany took note of the Palestinian view that such a step would put an end to all signed agreements. Both sides emphasised that international law, including international humanitarian law and international human rights law, constitutes a cornerstone of peace and security in the region and of a rules-based multilateral order globally.

Die deutsche Seite nahm die palästinensische Position zur Kenntnis, daß ein solcher Schrittt [die Annektion] das Ende aller vertraglichen Abmachungen [zwischen der PA / PLO und Israel] bedeuten würde. Im Satz danach heißt es dann, daß beide die Bedeutung des Völkerrechts unterstrichen …

Die diplomatische Korrespondentin von Haaretz Noa Landau liest die gemeinsame Erklärung unter dem Titel:

Germany, Palestinian Authority Release Joint Statement Against Israeli Annexation Plan

Warten wir einmal ab, zu welchen Schritten sich die Bundesregierung – im Angesicht der Trümmer einer Zwei-Staaten-Regelung – wirklich entschließen wird.

Die Schlußerklärung findet sich als Pressemittelung des Außwärtigen Amtes, bislang nur in der englischen Fassung, eine Deutsche folgt, auf der Internetseite des Ministeriums.

 

 

Trump und der Status quo

Mit einer ’neuen‘ Regierung in Israel und ihren Plänen werden eine ganze Reihe von Problemen erneut ins Blickfeld geraten.

Während alle Augen sich auf die fragwürdigen Vorschläge und Äußerungen des US-amerikanischen Präsidenten zur aktuellen Corona-Pandemie richten und fast einstimmig von allen Seiten ein Echo der Empörung, ja des Entsetzens über den Ozean Richtung Westen schallt, widmen sich weit weniger Menschen einem ganz anderen Vorschlag Trumps. Komplex zu überblicken ist dieser und betrifft den Status quo bezüglich des Tempelberg/Haram asch-Scharif.

Ofer Zalzberg, Senior Export beim Arab-Israeli Project der International Crisis Group hat bereits 2016 beim diAk zu diesem Thema veröffentlicht, und widmet sich in seinem Positionspapier: Der Plan Trumps bedroht den Status Quo des Tempelberges, nicht nur der Bedeutung des Tempelberges für sowohl Juden/Jüdinnen, als auch Muslime/Muslima, sondern erläutert außerdem die Vorstellungen des US-amerikanischen Präsidenten.

Trumps Plan „Peace to Prosperity“ solle zwar den Status quo erhalten, sehe gleichzeitag aber drei grundlegende Veränderungen vor, welche das Übereinkommen in seiner Gänze verändern würden. Statt der Zielsetzung gerecht zu werden, eine freie Religionsaussübung auf dem Plateau zu ermöglichen, beschreibt Zalzberg wie der Plan in der Realtität zu noch größeren Spannungen und Gewalt zwischen Isrelis und Palästinensern führen werde.

Von Ofer Zalzberg in israel & palästina (im Verlag AphorismA) erschienen:

Jerusalems ‚Holy Basin‘ israel & palästina – Zeitschrift für Dialog, Heft 1 | 2016, und analysierte darin unter dem Titel: „Zur Zukunft Jerusalems Heiliger Esplanade“ (Holy Basin) religiöse Stellung und politische Bedeutung des Tempelbergs/Haram asch-Scharifs. Bestellen

 

Zur weiterführenden Lektüre hier der Link zu zwei Beiträgen der Rosa Luxemburg Stiftung (Israel Büro), einen, der die visuelle Geschichte dieses komplexen Ortes anhand von Photographien in den Blick nimnt:
Den Tempelberg im Visier. Und ebenso lesenswert der Beitrag von Hillel Ben-Sasson: Zwischen Nationalismus, Messianismus und Nationalismus: der Tempelberg.