Ein Kommentar: Militärrabbinat in Deutschland

 

Ein wichtiges Zeichen …
Und das mehr als unangenehme, das sich dazu zeigt

Vor wenigen Tagen hat die Bundesministerin der ‚Verteidigung‘ vor dem Deutschen Bundestag über einen Staatsvertrag gesprochen, den Deutschland mit der Zentralrat der Juden in Deutschland als Körperschaft des öffentlichten Rechts ausgehandelt hat (Gesetz zur Regelung der jüdischen Militärseelsorge (JüdMilSeelsG)). Geeinigt haben sich beide Seiten auf die Schaffung sog. Militärrabbiner, insgesamt eines Militärrabbinats. Das ist ein bedeutendes Zeichen und es ist ein wichtiges Zeichen.

In der „Szene“ geistern aktuell zu diesem Ereignis einige Sätze umher, die einen – jedenfalls mich – schaudern lassen.

„In der Presse war zu lesen, daß auf Veranlassung des Zentralrats der Juden in Deutschland für die jüdischen Soldaten in der Bundeswehr ein Militär-Rabbinat eingerichtet werden soll. Näheres fand ich im Internet: Für (geschätzte) 300 jüdische Soldaten, von denen wahrscheinlich höchstens die Hälfte religiös ist, sollen 10 ! Militärrabbiner eingestellt werden. Die fachliche Aussicht soll beim Zentralrat liegen, der demnach die Militär-Rabbiner benennen kann. – Wenn der Zentralrat etwas fordert, spielt Geld keine Rolle mehr. Da werden die Hacken zusammen geknallt und gesagt: „Jawoll, Herr Schuster – das wird gemacht.“ Letzten Endes geht es dem Zentralrat wohl in erster Linie darum, Israel-Propagandisten in der Bundeswehr zu installieren.“

Das Zählen jüdischer Soldaten hat in der deutschen Geschichte einen mehr als schalen Geschmack, erster Punkt.

Aber es ist infam und abgeschmackt, was hier insinuiert wird, zweiter Punkt.

Wir können gerne über die Bewertung der israelischen Politik sprechen, wir können sie – und müssen das an vielen Punkten wohl auch – kritisieren. Aber diese unsägliche Verknüpfung, die hier zwischen Geld und dem Zentrat hergestellt wird und in die dann auch noch eine Portion Israelpolitik eingerührt wird, wie mit dem Topos angeblicher ‚jüdischer Einflusses, gar Macht ‚ gespielt wird, das ist eine Schande. Und es ist zum schämen, jedenfalls schäme ich mich dafür.

*

Zum Ereignis und seinem Themenfeld selbst: Ich muß die Institution eines Militärbischof, i.e. eines ‚Militärbistums‘ nicht mögen. Und ich erinnere noch sehr deutlich die tiefen Gräben, die nach 1989 im deutschen Protestantismus deutlich wurden, als es zwischen Ost und West um die Frage der Militärseelsorge ging: In wessen Dienst singe ich welches Lied… Und es gibt Gründe das deutsche gewordene Staatskirchenrecht an einer Reihe von Stellen Revisionen zu unterziehen. Ich gehöre nicht zu denen, die finden, das die privilegierte Partnerschaft zwischen Staat und Religion irgendjemand schadet, so wie sich bei uns entwickelt hat.

Und insofern ist es ein richtiger und bedeutsamer Schritt, das gleiche Seelsorge-Privileg der jüdischen Religionsgemeinschaft (wie auch anderen) zu ermöglichen: Sie hat ein Recht darauf.

Auch ich mag nicht jeden unsere Hirten, die das Amt des Militärbischofs übernommen haben und ich habe mache Frage an die Pluralität meiner Kirche. Und dennoch solange die verfaßte Religion exisitiert, ist auch der Zentralrat die gegebene Institution. So wie wir in unserer Kirche schauen müssen, wen sie repräsentiert und wie wir das dialogisch besser gestalten können, so werden sich diese Frage auch Jüdinnen und Juden in Deutschland stellen.

Rainer Zimmer-Winkel

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