Leseempfehlung: „Israel und Palästina. Umkämpft, besetzt, verklärt“ (Edition LE MONDE diplomatique No. 21)

Das neue Heft der Edition LE MONDE diplomatique No. 21 widmet sich „Geschichten aus dem Nahen Osten, 50 Jahre nach dem Sechstagekrieg“. Aus vielen exzellent recherchierten und geschriebenen Artikeln, die von Bild- und Kartenmaterial unterstützt werden, sticht noch einmal der kurze Beitrag von Agnes Fazekas über Ayelet Roth, „Wir dachten, wir weben das Netz für die Zukunft“, heraus.

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Darin benennt die in einem Kibbuz aufgewachsene Lehrerin, Aktivistin und Konfliktforscherin von allmählichen, aber immer deutlichen Rissen in ihren eigenen Narrativen, bemerkt den fehlenden „Heilungsprozess“ in der „Friedensindustrie“ und ihr Versuch, in der erzieherischen Praxis etwas Neues zu etablieren, einen

dritten Weg, der die zwei Narrative nebeneinander existieren lässt.

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Photo und Text © 2017 Le Monde diplomatique, Berlin

 

 

 

 

 

 

 

Quelle:
Edition LE MONDE diplomatique No.21
Israel und Palästina. Umkämpft, besetzt, verklärt
112 farbige Seiten, broschiert.

„Im Land des Schweigens“. Avraham Burg über Israels Linke

Die politische Linke in Israel ist kollabiert. Den Kampf gegen die Besatzung schultern jetzt allein zivilgesellschaftliche Organisationen. Kommentar von Avraham Burg

Die diplomatische Kollision zwischen dem deutschen Außenminister und Israels Premierminister vergangene Woche erlaubte einen seltenen Einblick in das Innenleben der israelischen Politik und in die Bewegungsgesetze der israelischen Seele.

Die Nichtregierungsorganisationen Breaking the Silence und B’Tselem, an denen sich der Streit entzündete, sind die eigentlichen Wächter über den Dreiklang von demokratischen Werten, westlicher Kultur und jüdischem Erbe. Dieser Dreiklang ist seit einigen Jahren Ziel heftiger politischer Attacken geworden. Lange vor dem Brexit und Trump, vor Le Pen, der AfD und den übrigen Populisten.

© Taz, Quelle: Taz, 8. Mai 2017

Der ganze Artikel auf taz.de findet sich hier

Offene Fragen an Landesbischof Bedford-Strohm und Akademiedirektor Hahn, Tutzing

Die Evangelische Akademie Tutzing hat ihre Tagung ‚Nahostpolitik im Spannungsdreieck. Israelisch-palästinensische Friedensgruppen als Lernorte für deutsche Politik?‘, die sie am 12.-14. Mai zusammen mit der Ev. Stadtakademie München und der Petra Kelly Stiftung durchführen wollte, „verschoben“. Der Vorstand des diAk solidarisiert sich mit dem Schreiben von Prof.em. Dr. Moshe Zimmermann sowie weiterer Unterzeichner, in dem Landesbischof Bedford-Strohm und der Direktor der Akademie, Udo Hahn, die Bestürzung über die Entscheidung und ihre Begründung mitgeteilt wird. Zur besseren Information fügen wir auch noch einmal das geplante Programm der Tagung bei, aus dem mehr als deutlich wird, daß die Beteiligten

nicht alle derselben politischen Meinung (sind), wissen aber, dass der Weg zur Lösung des Nahostproblems nur über offene Diskussionen führen kann. Der Zustand der Besatzung und der seit einem halben Jahrhundert existierende Status quo führen ins Desaster. Eine solche Tagung der intensiven Begegnung hätte eine seltene Gelegenheit zur Diskussion geboten. Bekanntlich ist das in Israel oder in Palästina wegen der politischen Umstände unmöglich.

– so die Formulierung des Schreibens von Moshe Zimmermann. Eine solche Tagung, ein offener Diskurs, gereichte der Akademie zur Ehre – und steht in einer langen Tradition ähnlicher Tagungen an diesem Ort. Die Absage, bzw. die „Verschiebung“ ist ein mehr als trauriges Zeichen.

diAk-Vorstand, 29. April 2017


Süddeutsche-Artikel zum Thema vom 3. Mai:
http://www.sueddeutsche.de/politik/antisemitismusvorwurf-der-deutsche-nahostkonflikt-1.3485581-2

Außenansicht. Eine letzte Chance

Die israelische und die palästinensische Zivilgesellschaft müssen Verantwortung übernehmen

Von Reiner Bernstein (SZ, 27. April 2017)

Nach langem Zögern scheint die Bundesregierung den israelisch-palästinensischen Konflikt wieder zu einem europäischen Thema machen zu wollen. Dass Sigmar Gabriel bei seinem Besuch in Israel darauf beharrte, Friedensaktivisten aus der bürgerlichen Mitte zu treffen, unterstreicht, dass Berlin nicht mehr auf die politische Kraft des Dialogs mit Ministerpräsident Benjamin Netanjahu setzt. Indem Staatspräsident Reuven Rivlin, strikter Gegner eines souveränen Staates Palästina, den deutschen Außenminister empfangen hat, belegt zumindest jenen Realitätssinn, die der Achtung der rechtsstaatlichen Prinzipien für alle Einwohner zwischen Mittelmeer und Jordan
gelten soll.

Mit dem Auftreten Gabriels dürfte der klassische Nahostkonflikt auf die Tagesordnung der internationalen Diplomatie zurückgekehrt sein, nachdem – während sich die Weltöffentlichkeit mit Mord und Terror in Syrien und im Irak befasste – die israelische Regierung in der Westbank sowie im einstigen arabischen Osten Jerusalems vollendete
Tatsachen schaffen wollte. Dieser politisch und demografisch zweischneidige Erfolg war darauf zurückzuführen, dass der internationalen Forderung nach der Zweistaatenlösung ein plausibles Programm zu ihrer Durchsetzung fehlte.

Weiterlesen „Außenansicht. Eine letzte Chance“

Eva Illouz über den Zustand der israelischen Gesellschaft

In wenigen Wochen jährt sich die israelische Okkupation der palästinensischen Gebiete zum 50. Mal. Kritische israelische Intellektuelle haben sich seit 1967 immer wieder mit der Frage auseinandergesetzt, wie die Herrschaft über ein anderes Volk auch Israel verändert. Die in Fès geborene und in Frankreich aufgewachsene Soziologin Eva Illouz, seit 2006 Professorin für Soziologie und Anthropologie an der Hebräischen Universität Jerusalem, hat der deutschen Journalistin Inge Günther in einem Interview für die Badische Zeitung ihre Sicht auf die heutige israelische Gesellschaft dargelegt. Sie bezeichnet darin die Besatzung als „die Bürokratisierung des Bösen“.

www.badische-zeitung.de/kultur-sonstige/die-buerokratisierung-des-boesen–134354934.html

Can Jews and Arabs Be True Political Partners in Israel?

Yaniv Sagee, ‚Opinion‘, Ha’aretz, Feb 27, 2017

The only way to create an alternative to push back against 50 years of occupation and mounting inequalities is for the Zionist and Palestinian-Arab left to form a real partnership.

In four months, we will mark 50 years of Israel’s occupation of ‚the territories.‘ Fifty years, during which the State of Israel has changed from top to bottom.

From being a welfare state fulfilling the founding vision – both of a national homeland for the Jewish people and of an egalitarian state for the benefit of all its citizens – Israel has transformed into one of the worst of Western states in terms of social gaps. A state that discriminates against its Arab citizens and is incapable of connecting with world Jewry.

From a “pursuer of peace,” we have become a state that “manages the conflict” through wars and operations where we kill and are killed, because we have become convinced that “there is no partner” for peace. Our actions are directed by the vision of the Prime Minister who told us last year, “We shall forever live by the sword.”

read the whole article as a PDF  here

Yaniv Sagee is the Executive Director of Givat Haviva. A member of Kibbutz Ein Hashofet, he was previously a teacher, school principal, director of the Hashomer Hatzair youth movement and chairman of the National Council for Youth Movements in Israel.

Renewed Tensions at Jerusalem’s Holy Esplanade

Please find below a link to my recent oped in the Times of Israel which describes the mounting tensions at Jerusalem’s Holy Esplanade (Temple Mount / Haram al-Sharif).

Renewed Tensions at Jerusalem’s Holy Esplanade

The tensions are particularly worrying as we are a month before Passover, two months before Ramadan and three months before commemorating 50 years to the 1967 War. And because they take place with the Obama-Trump transition and its uncertainties (West Bank annexation? Two states?) as backdrop.

Israel, Jordan, the Palestinian leadership and the US can and should act to quell the tensions. This will allow them to focus on the bigger political issues at hand.

Ofer Zalzberg, Times of Israel, 14 March

 

[Von Ofer Zalzberg ist eine Studie der International Crisis Group zur Zukunft von Jerusalems ‚Heiliger Esplanade‘ (‚Holy Basin‘) als Heft 1/2016 von israel&palästina erschienen.]