Danach IV – Reflektionen aus Nes Ammim

Von Tobias Kriener, Pfr. in Nes Ammim und langjährigem diAk-Vorstand


Wahlen in Israel – und in Nes Ammim

Um Mitternacht 2 Tage nach der Wahl verkündete die israelische Wahlkommission ihr Endergebnis – das aber immer noch kein endgültiges Ergebnis ist. Vor allem die Partei ‚HaJamin HeChadasch‘ (Die Neue Rechte) zweifelt das Wahlergebnis noch an, da sie nach diesem Ergebnis um exakt 1.462 Stimmen unter der 3,25%-Hürde läge.

Klar ist allerdings, wer die Wahl gewonnen hat: Benjamin Netanjahu kann seine 5. Regierung bilden. Zusammen mit seinen ’natürlichen Koalitionspartnern‘ – d.h. den rechtsradikalen und ultraorthodoxen Parteien (nein – es stimmt nicht zu 100%: es gibt doch immerhin eine gemäßigt rechte Partei in der voraussichtlichen Koalition neben zwei rechtsradikalen und zwei ultraorthodoxen; wir wollen Israel nicht schlechter machen als es leider ohnehin schon ist; aber außer der Partei ‚Kulanu‘ (Wir alle) sind alle gemäßigt Rechten bei der größten Oppositionslistenverbindung gelandet, bei ‚Kachol-Lawan‘ (Blau-Weiß) …) – kann er auf 65 der 120 Knesset-Mandate zählen. Die Koalitionsverhandlungen werden noch brutal werden. Ihr Thema: Immunität (nämlich Netanjahus vor Strafverfolgung wegen Bestechlichkeit und Untreue) gegen Annexion großer Teile der besetzen Westbank. Aber das wird sich in aller epischen Breite in den nächsten Wochen entwickeln.

Ich will meine geschätzte Leserschaft nicht mit politischen Analysen und Spekulationen langweilen – die könnt Ihr selber in Hülle und Fülle im Netz finden; ich empfehle natürlich besonders Ha’aretz„, die rennomierteste – d. h. genauer gesagt: die einzig verbliebene renommierte – Tageszeitung Israels. Ich beschränkte mich auf ein paar sehr persönliche Bemerkungen.

Diesen Wahltag – den Festtag der Demokratie, wie er bei uns manchmal genannt wird – erlebte ich in der besetzten Westbank. Natürlich hing ich den ganzen Tag an meinem Smartphone, wo die Bilder zu sehen waren, die ich von Wahltagen bei uns kenne: Die Kandidat_innen der verschiedenen Parteien und Listenverbindungen stehen in einem Schulraum und werfen ihren Wahlzettel in die Urne. Derweil fuhr unser Minibus durch Checkpoints und an Wachtürmen und Mauern vorbei. Zum ersten Mal benutzen wir die neue ‚Apartheidstraße‘, die die Reisezeit von Beit Jala südlich von Jerusalem nach Ramallah nördlich von Jerusalem um mindestens 45 Minuten verkürzt. Da Palästinenser_innen aus der Westbank der Zugang nach Jerusalem ohne besonderen ‚Permit‘ nicht möglich ist, müssen sie einen riesigen Umweg durch die judäische Wüste fahren; dieser Umweg ist durch die vor wenigen Wochen eröffnete Straße drastisch verkürzt worden und macht den Palästinenser_innen das Leben ein wenig leichter. ‚ApartheidstraßeÄ wird sie genannt, weil die vier Fahrspuren in der Mitte durch eine mehr als zehn Meter hohe Mauer voneinander getrennt sind: Auf der einen Seite fahren die Palästinenerser_innen – auf der anderen Seite der Mauer die jüdischen Israelis zu den Siedlungen nördlich von Jerusalem: Eine groteske Konstruktion – aber konsequentes Monument der israelischen Politik in der Westbank.

Auf diese Weise war mir den ganzen Tag höchst bewusst, was für eine ’spezielle‘ Demokratie Israel ist: Während die israelischen Staatsbürger_innen – jüdische wie arabisch-palästinensiche, drusische und wer noch immer – nach allen Regeln westlich-demokratischer Kunst und mit all den vertrauten Ritualen und Symbolen eine relativ (zu den rassistischen Begleiterscheinungen im Wahlkampf und am Wahltag komme ich noch) faire Wahl durchführen, übt derselbe Staat wenige Meter weiter seit nun bald 52 Jahren eine drakonische Militärdiktatur über mehrere Millionen aller Rechte beraubter Palästinenser_innen aus. Möglich war mir bislang, Israel das immer noch abzukaufen, weil sehr raffiniert der Schein aufrecht erhalten wurde, die Besatzung sei ein zeitweiliger Zustand bis zu Erreichung einer politischen Regelung zwischen Israel und den Palästinensern. Ich denke, mit dieser Wahl ist das erledigt: Benjamin Netanjahu hat wenige Tage vor der Wahl angekündigt, man werde jetzt den nächsten Schritt tun und Teile der Westbank hochoffiziell annektieren. Man mag natürlich glauben, dass sei nur Wahlkampfgetöse, und es werde schon nicht so heiß gegessen werden wie gekocht. Aber nachdem die Schutzmacht Israels USA (oder soll man sagen: der Pate Israels, Donald Trump …) mitten im Wahlkampf die israelische Annektion der Golanhöhen von 1981 anerkannt hat, wird der Hunger der Annektionisten innerhalb und außerhalb des Likud kaum noch mit leeren Floskeln stillzustellen sein …

Dass Netanjahu gewonnen hat, war keine Überraschung – das zeichnete sich bereits in den Umfragen in den letzten Wochen vor der Wahl ab. Überrascht hat mich eher, wie knapp es am Ende doch noch ausgegangen ist. Aber es war völlig klar, dass der Gegenkandidat Benny Gantz, ehemaliger Generalstabschef und Kopf des Wahlbündnisses ‚Blau-Weiß‘, keinerlei Machtoption hatte, nachdem er bereits zu Beginn des Wahlkampfes jede Zusammenarbeit mit den sog. ‚arabischen“ Parteien ausgeschlossen hatte: Ein Reflex auf den Vorwurf Netanjahus, Gantz sei in Wirklichkeit ein Linker, der mit Hilfe der Araber Israel zerstören wolle. Ein plumpes Manöver – das aber zuverlässig sein Ziel erreichte: Panische Dementis, denn ‚links‘ ist in Israel inzwischen ein Synonym für ‚Verräter‘ – und die arabisch-palästinensischen Staatsbürger Israels sind die Feinde, denen man auf keinen Fall auch nur einen Zipfel der Macht anvertrauen darf. Es gab keine Zahlenkombination oder -spekulation, die Gantz aus dieser Falle hätte heraus helfen können. Das Maximalziel, das er hätte erreichen können, wäre gewesen, die Bildung einer rechten Mehrheit zu verhindern – und dann darauf hoffen, aus dem rechten Block die eine oder andere Partei herauszubrechen, um doch noch zu einer Mehrheit ohne Araber zu kommen.  Diese Illusionen waren bereits mit den ersten Prognosen am Abend des Wahltages erledigt.

Ich finde das keinen Grund zu trauern – wie viele linke Israelis das jetzt tun –, denn was war eigentlich die Alternative, die Gantz zu bieten hatte: Auf den ersten 4 Plätzen seiner Liste finden sich drei ehemalige Generalstabschefs – also Oberbefehlshaber der Armee, die die Besatzung seit 52 Jahren organisiert, die die Menschenrechte der Palästinenser_innen tagtäglich mit Füßen tritt, die weitgehend Vollzugorgan der Wünsche und Forderungen der Siedler ist – und die die israelische Öffentlichkeit systematisch über die Zustände und die Ereignisse in den besetzten Gebieten belügt. Diese Macho-Combo hat sorgfältig vermieden, irgendeine Aussage zu einer Option für eine Verhandlungslösung mit den Palästienser_innen zu treffen. Einziger Programmpunkt war die Ablösung Netanjahus.

Das Einzige, was man ihr zu Gute halten kann, ist, dass sie sich anständiger verhalten haben und nicht versucht haben, bei der Schlammschlacht mitzuhalten, bei der sie Netanjahu ohnehin das Wasser niemals hätten reichen können. So ist ihre kategorische Ablehnung jedes Gedankens an eine Einbeziehung von Arabern in den politischen Prozess eben ein ‚vornehmer‘ Rassismus; dass viele palästinensische Israelis ihnen das nicht gedankt haben und der Wahl ferngeblieben sind – was ihnen jetzt von manchen vorgeworfen wird: sie hätten damit Netanjahu wieder zur Macht verholfen – kann ich ihnen nicht verdenken …

Nein – ich stimme dem Kommentar von Gideon Levi zum Ausgang der Wahl zu:

„If there’s one place Benny Gantz has to go immediately, it’s to a town near his home, Kafr Qasem, to bow his head and beg the forgiveness of this country’s Arab citizens, whose representatives he has insulted. Gantz lost his chance to win in part because he distanced himself from this community and humiliated them as if they were lepers, just as Netanyahu did. The revenge of the Arab voters is the punishment we all got. Maybe it’s not punishment. Maybe the truth is preferable. … Maybe it’s for the best.“

Die einzige Genugtuung, die mir das Wahlergebnis verschaffte, war, dass zwei rechtsradikale Parteien es nicht geschafft haben (was der Grund dafür ist, dass Netanjahu nicht mehr als 65 Knessetmandate auf seiner Seite hat): der politische Hanswurst Mosche Feiglin ist verdienter maßen weit unter der 3,25% Hürde geblieben. Und allem Anschein nach (aber da muss man noch bis nächsten Mittwoch warten, bis das endgültig geklärt ist) ist auch die ‚Neue Rechte‘ gescheitert.

Das erfüllt mich mit ganz besonderer Schadenfreude. Denn diese neue Partei ist von den beiden smarten (oder sich jedenfalls für smart haltenden) Ministern für Erziehung und Bildung (Naftali Bennet) und für Justiz (Ajelet Schaked) gegründet worden, nachdem sie Ende letzten Jahres aus der Siedlerpartei ‚HaBajit Hajehudi‘ (Das jüdische Heim) ausgetreten waren: Sie wollten sich des Ballasts der primitiven nationalreligiösen Hooligans entledigen, weil sie höhere Ziele im Auge hatten: nach Netanjahus erhofftem Abgang in’s Gefängnis selber den Likud und das Amt des Ministerpräsidenten übernehmen – besonders der eiskalten Schönheit Ajelet Schaked wurde das unterstellt und zugetraut. Sie ließen sich von irgendeinem Spin-Doktor 8-12 Mandate hochrechnen – in der Hoffnung, damit die stärkste Siedlerpartei zu werden (und eventuell die Hooligans sogar aus der Knesset drängen zu können).

Es kam anders – nicht zuletzt, weil die Hooligans – auf Druck Netanjahus höchstpersönlich – sich mit den offen rassistischen Anhängern des ermordeten Meir Kahane zur ‚Vereinigten Rechten‘ zusammentaten: Nun sitzen die Hooligans wieder im Parlament, während die gestylten Faschisten erst einmal abwarten müssen. Für Bennet – so die allgemeine Einschätzung – könnte das das Ende seiner Politik-Karriere bedeuten; von Schaked nimmt man an, dass sie irgendwann ein Comeback hinlegen und doch noch Minsterpräsidentin werden wird.

Jedenfalls hofft das ‚unser‘ Siedler Rafi Ostrof in Alon Schwut, das wir am Tag nach der Wahl besuchten – bei jedem Westbankseminar unverzichtbare Station, um auch den Standpunkt der Siedler kennen zu lernen. Rafi äußerte sich zufrieden, dass Mosche Feiglin es nicht geschafft hat – sein Programm ist ihm zu kapitalistisch; er ist mehr für ‚Sozialismus‘ – naja, Sozialismus … sagen wir mal:  jedenfalls für staatliche Unterstützung der Siedlungen; und Feiglins Programm der totalen Libertarismus passt da gar nicht … Aber das Scheitern der Neuen Rechten bedauerte er ausdrücklich – und hofft darauf, dass Schaked zurück kommt und eines Tages Israels zweite Minsterpräsidentin wird – was er im Übrigen auch für einen großen Fortschritt für die Frauen halten würde …

Man muss dafür wissen, dass Alon Schwut als Hochburg von ‚gemäßigten‘ Siedlern gilt: in der Einzelanalyse der Wahlergebnisse zeigt sich das darin, dass dort die Neue Rechte besser abschnitt als die Vereinigte Rechte – anders als etwa in Beit El, wo die Hooligans 71 % der Stimmen bekamen – und die sich intellektuell gebenden, in Anzug und Kostüm auftretenden Faschisten nur 9 %.

Aber ich denke, man darf dieser Unterscheidung zwischen ‚radikaleren‘ und ‚gemäßigteren‘ Siedlern nicht auf den Leim gehen: Bennet und Schaked reißen keine Olivenbäume aus und werfen keine Steine auf Beduinen, die in der Nähe von Siedlungen ihre Schafe weiden – sie wohnen beide nicht einmal in einer Siedlung, sondern ausgerechnet in Ra’anana (Bennet) und Tel Aviv (Schaked) – also in Meretz-Land … Aber mit ihrem Umbau des Erziehungswesens und der Unis bzw. des Justizwesens betätigen sie sich zielgerichtet als Totengräber der israelischen Demokratie.

Schaked hat ihre faschistische Geisteshaltung offen ausgesprochen, als sie vor zwei Jahren auf die Entscheidung des Obersten Gerichts, mit der ein Gesetz der Regierung, nach dem afrikanische Asylbewerber, die nicht freiwillig das Land verlassen, unbegrenzt inhaftiert werden sollten, aufgehoben wurde, so kommentierte:

„Der Zionismus sollte nicht und wird nicht weiterhin vor dem System individueller Rechte in seiner universellen Auslegung in die Knie gehen.“ („Zionism should not and will not continue to bow down to the system of individual rights interpreted in a universal way.“)

Rogel Alpher von Ha’aretz hat in einem Vergleich mit Äußerungen von Benito Mussolini Punkt für Punkt gezeigt, dass Schaked die Weltsicht des Faschismus teilt:

„Don’t call the justice minister a fascist metaphorically, as hyperbole or a provocation – call her that because it’s literally what she is.“

Es ist keine Dummheit gewesen, auch keine verunglückte Satire, dass sie sich in einem Wahlspot mit einem Parfum einsprühte, dass ‚Fascism‘ heißt: Dieser Flirt mit dem Faschismus ist ernst gemeint. Und der Versuch, Faschismus als ‚wahre Demokratie‘ zu verkaufen, ist aus der Geschichte nur zu gut bekannt …

Soviel zu einem der größten politischen Talente, die Israel derzeit zu bieten hat; die Genugtuung über ihr Scheitern ist aller Voraussicht nach nur vorläufig und deshalb nur ein billiger Trost …

Zumal ich gleichzeitig natürlich immer noch fassungslos bin, zu welchen rassistischen Niederungen Netanjahus Likud fähig war: Am Wahltag wurden ihre Wahlbeobachter in arabischen Wahllokalen mit versteckten Kameras losgeschickt – angeblich, um sicherzustellen, dass dort alles mit Rechten Dingen zugeht. (Man muss sich mal vorstellen, die CDU würde ihre Vertreter in Wahllokalen in Berlin-Neukölln oder Duisburg-Marxloh mit versteckten Kameras ausstatten, weil man ‚den Ausländern‘ unterstellt, sie würden die Wahl manipulieren …). In Wirklichkeit rühmte sich der Chef der Wahlkampfagentur des Likud, der sich das ausgedacht hatte, nachher offen, man habe dadurch die Araber so eingeschüchtert, dass sie der Wahl in großer Zahl fern geblieben seien. Es gab keinen miesen Trick, keine niederträchtige Masche, die Netanjahu in diesem Wahlkampf bis in den Wahltag hinein nicht benutzt hätte. Einen widerlicheren Wahlsieger habe ich noch nicht erlebt – na gut, Donald Trump, der ‚Pussy-Graber‘, kann mithalten, das muss ich zugeben …

Spannend wird sein zu sehen, was passiert, wenn Israel tatsächlich Teile der Westbank annektiert. In diesem Zusammenhang war die Einschätzung von Herrn Kinne vom deutschen Vertretungsbüro in Ramallah interessant, mit dem wir am Wahltag ein Gespräch hatten: Er meinte, Europa müsse dann überlegen, ob man an Israel einen anderen Maßstab anlegen könne als an Russland nach der Annektion der Krim – d.h. eigentlich wären dann Sanktionen fällig. Und: Die osteuropäischen Staaten, die Netanjahu in den letzten Jahren versucht hat, gegen die israelkritische EU-Außenpolitik auszuspielen, hätten sich nach der Anerkennung der Annektion des Golan durch Trump wieder sehr dem EU-Konsens angenähert: Annektionen anerkennen – das kommt in Osteuropa nach den Erfahrungen mit der Sowjetunion gar nicht gut …

Auf dem Hintergrund dieses Wahlkampfs und dieses Wahlausgangs ist das eigentlich Traurige das Abstimmungsergebnis hier in Nes Ammim: Von 176 abgegebenen Stimmen erhielt Kachol-Lawan 89 – also knapp mehr als 50 %. Das sieht auf den ersten Blick natürlich besser aus als das landesweite Ergebnis – aber was das inhaltlich heißt – s.o.

Die zweitmeisten Stimmen in unserem Dorf des Dialogs erhielt – der Likud: 33. Danach Labour: 19

Meretz – die einzige zionistische Partei, die es wagt, sich links zu nennen, und die an 4. und 5. Stelle einen arabisch-palästinensischen und einen drusischen Kandidaten auf der Liste hatte – also eigentlich die Partei, mit deren Sympathisanten man ein ‚gemischtes Dorf‘ aufbauen könnte – ganze acht Stimmen!

Chadasch-Ta’al – die früheren Kommunisten mit ebenfalls einer gemischten Liste – diesmal nur andersherum: der erste jüdische Kandidat an 5. Stelle: ganze vier Stimmen (vermutlich von den wenigen arabischen Bewohner_innen Nes Ammims).

Aber für die offen araberfeindlichen Parteien Neue Rechte (5) und „Jisrael Beiteinu“ (Israel, unser Heim – Avigdor Liebermans sich vornehmlich an Einwanderer aus der früheren Sowjetunion wendende, extrem araberfeinliche Partei) (3) und selbst für Mosche Feiglins ‚Sehut‘ (Identität) (1) stimmten neu Bewohner Nes Ammims – mehr als für Meretz!

Für Kulanu (8) und „Gescher “ (Brücke) (6), zwei gemäßigt rechte Parteien (’natürliche‘ Koalitionspartner des Likud – nur dass Gescher es nicht über die 3,25 %-Hürde geschafft hat), stimmten weitere 14 Nes Ammimer.

Keine Stimmen wurden abgegeben für die Ultraorthodoxen Parteien, für die Hooligan-Siedler von der Vereinigten Rechten und für die konservativ-religiöse arabische Liste von Balad-Ra’am.

Das nimmt einem endgültig die letzten Illusionen, wer unsere Nachbarn sind, und was im Blick auf die Gestaltung z. B. der geplanten Erweiterung des Dorfes mit ihnen vorstellbar ist: Mit acht Meretz-Sympathisant_innen, vier Chadasch-Wähler_innen (und mit viel gutem Willen kann man vielleicht noch die 19 Labour-Anhänger dazu zählen) lässt sich gegenüber dem Mitte-Rechten Übergewicht kein gemischtes Dorf, schon gar kein bilinguale Schule oder so etwas vorstellen. Ich denke, wir werden uns eher darauf einstellen müssen, dass in den kommenden Jahren die Anfragen an unsere Arbeit und daran, was denn die vielen Araber_innen in den Dialoggruppen hier wollen, vernehmlicher werden …

Den Schlusspunkt unter dieses Debakel der ‚einzigen Demokratie im Nahen Osten‘ setzte ziemlich genau zeitgleich mit der vorläufigen Verkündung des Wahlergebnisses um Mitternacht die Bruchlandung der israelischen Mondsonde ‚Bereshit‘ (Am Anfang – Das erste Wort des Buches Genesis). Wenn das nicht Ironie des Schicksals ist …

Aber es soll nicht verschwiegen werden: Es gab am Wahltag auch eine gute Nachricht aus dem Nahen Osten: Der per Haftbefehl wegen Völkermords vom Internationalen Gerichtshof gesuchte Diktator Sudans, Omar el-Baschir, wurde gestürzt – leider vom Militär, was für den weiteren Fortgang der Ereignisse im Sudan noch nicht viel Gutes erwarten lässt. Immerhin ist ein weiterer Schlächter in der langen Reihe der orientalischen Despoten von der Macht entfernt worden. Und das ist erst einmal Grund zur Freude …

Tobias Kriener, 12. April 2019

 

 

Neuwahlen – Wohin führt der Weg?

Israel steht vor vorgezogenen Neuwahlen zum Parlament. Am 9. April wird die Knesset neu gewählt.  Die Umfragen sagen einen Sieg des amtierenden Premierministers Netanyahu voraus. Zugleich wird der Generalstaatsanwalt in den nächsten Monaten Anklage gegen den Regierungschef wg. Unterschlagung und Bestechung erheben. Nicht zuletzt deswegen versucht Netanyahu sich als alternativlos darzustellen.

Was diese Wahlen für die Zukunft der israelischen Gesellschaft bedeuten können, hat die bekannte israelische Politikwissenschaftlerin Naomi Chazan in einem Kommentar dargelegt:

„Netanyahu could win the elections by dropping out“

 

Scharfe Kritik des israelischen Präsidenten Reuven Rivlin an Regierung

Der israelische Präsident Reuven Rivlin hat in einer Rede zum Ende der Sommerpause im israelischen Parlament scharfe Kritik an der israelischen Regierung geübt.

The central message of Rivlin’s speech was what he could not help but describe as „a continuous attempt to weaken the gatekeepers of the Israeli democracy.“ „We are witnessing the winds of change, or a second revolution. This time, the majority rule is the only ruler. The whole country and its institutions are full of politics. This revolution seeks to finally rip the mask of alleged hypocrisy off the gatekeepers. In
this revolution, the ruler is also the victim. ‚We’ll show them‘ is the soundtrack of the revolution. The stateliness has gone from our country, after us the deluge,“ the president added. (…) He spoke of a chasm „between the responsible attempt to the define, after many years, the breach in the relationship between the legislative and judicial branches; to delineate judicial criticism; to ask questions about the mechanism of appointing judges to reach a more varied and representative judges‘ panel, and between attempts to terrorize the court and weaken it, to actively invite the public to undermine its authorities and rulings.

Der gesamte Kommentar findet sich auf den Seiten von Ynet News:
https://www.ynetnews.com/articles/0,7340,L-5032963,00.html

Chemi Shalev (Haaretz) kontrastiert Rivlins Rede mit dem offenkundigen Desinteresse der Minister in der Knesset:

Senior ministers were demonstrably uninterested in Rivlin’s speech, joking and sniggering amongst themselves in the Knesset hall as if they weren’t the first addressees on Rivlin’s list. The next day they sent out their attack dogs to cast the president as yet another traitor and left wing appeaser who is simply settling personal scores with Netanyahu. That’s more convenient, of course, than looking in the mirror that Rivlin held up to their faces and seeing the instigators, collaborators and enablers of a right wing putsch against Israeli democracy.

Reaktionen in Israel auf das Abschneiden der AfD bei den Bundestagswahlen

Eine erste Stellungnahme in Auszügen zum Abschneiden der AfD bei den Bundestagswahlen von Moshe Zimmerman und Shimon Stein in Haaretz vom 25. September.

Why Israel Won’t Condemn the Shocking Success of Germany’s Far-right Extremists

After its improper, evasive, even complicit responses to Charlottesville, to Trump and to Hungary’s anti-Semitic anti-Soros campaign, it’s no surprise that Israel’s response to neo-Nazis in the Bundestag is a deafening silence

Here Israel cannot waver: The AfD politicians pulled the usual trick – they were also eager to show their support for Israel or brag about Jews joining the party, and on top of it referred to the „common adversary“: the mainly Muslim refugees/infiltrators ‚flooding‘ into Germany. Will this bear-hug do the trick? No objective observer can have any doubts: This alleged alliance against Muslims or Arabs, suggested by the AfD and other populists, is a pitfall which Israel must avoid at all costs. Not only is it an imagined alliance; it is a betrayal of the fight against anti-Semitism and of the basic human values of Zionism. Israelis should have shown more esteem for Angela Merkel’s welcome gesture towards the refugees. A blind eye to racism and intolerance in Germany, in Europe, for the sake of getting support for the present Israeli policies in the occupied territories is a disgrace. The AfD is more than just another populist, racist European Party. It is a movement that intends to turn the clock back on democratic Germany’s effort to learn from its terrible past for the sake of an enlightened and tolerant future. Official Israel must to join the anti-AfD majority in Germany in its fight against the enemies of an open society.

Den vollständigen Artikel findet sich im Premium-Angebot von Haaretz.

A letter from Amos Schocken

Ein Aufruf des Haaretz-Herausgebers Amos Schocken anläßlich des zwanzigjährigen Jubiläum der englischsprachigen Ausgabe zur Bedeutung von kritischem Journalismus in unserer heutigen Zeit.

On September 1, 1997, Haaretz English Edition was published for the first time, as part of a joint venture with the International Herald Tribune.

On the front page of the inaugural edition were two reports which encapsulated the very reasons that we, the publishers of Israel’s oldest daily newspaper, decided to venture into English-language publishing.

In the first article, the paper’s diplomatic correspondent reported that the United States was pressing Israel to accept a formula by which settlement expansion would be limited to existing communities. The second article reported that Prime Minister Benjamin Netanyahu had been seeking a private donation to help him pay an outstanding debt to the lawyer who had represented him in court.

Two decades later, despite the best efforts of many courageous people and organizations, and notwithstanding spectacular advances in many fields, Israel is no nearer a solution to many of its most pressing problems.

One of the charges most often levelled against the voices of opposition in Israel is that they ‘air the country’s dirty laundry’ in public – and in English. They are told that to do so is treasonous and feeds the monster of anti-Semitism.

Haaretz is proud to be one of the few critical voices in Israel – and in English – speaking out against injustice. We believe that we are serving the best interests of our country, which we love, and that our reporting, our analysis and our commentary enrich the discussion and deepen our readers’ understanding of hugely complex issues. Our writers – in English and Hebrew – are Israel’s most thought-provoking and original and our digital platforms are updated around the clock by two news desks.

In today’s climate, the voice of Haaretz is more important than ever before, both here in Israel and in the United States, where recent events are of grave concern to Jews in both countries. That is why it is just as important for Haaretz’s voice to be heard in English.

With your continued support, we will continue to produce the kind of journalism that is vital in these perilous times. We will continue to create cutting-edge multimedia content on all our platforms and we will continue to invest in making our apps and websites even better.

Yours faithfully,

Amos Schocken
Publisher, Haaretz

Zum Jubiläum bietet die Zeitung das digitale Abo für Haaretz.com im Sonderangebot an.

 

… der mit der Mundharmonika…

Reuven Moskovitz2

Ein Kirchentag, ein Katholikentag ohne ihn? Viele Jahre gar nicht zu denken, wer an Nahost, an Israel und Palästina interessiert war. Als Sandwich-Plakat eine Minidemonstration vor den großen Foren oder unterwegs auf dem Markt der Möglichkeiten. Und wer in als Reisebegleiter erlebt hat, den kleinen Mann voller Energie und Kraft, wird bleibende Eindrücke mit nach Hause genommen haben…

Am 4. August 2017 ist er in Jerusalem gestorben: Reuven (Ruben) Moskovits. Am 27. Oktober 1928 im rumänischen Schtetl Frumușica geboren, blieb mit ihm immer etwas von dessen Geist am Leben, nicht nur, wenn er zu seiner Geige griff. 2003 erhielt er den Aachener Friedenspreis, eine Auszeichnung aus den Reihen der Friedensbewegung in unserem Land, der er immer verbunden war. Ich erinnere mich an einen Begegnung mit ihm, ganz kurz nach den Angriffen Saddam Hussein auf Israel, als eine Delegation der deutschen Friedensbewegung nicht gerade mit offenen Armen in Israel empfangen wurde… Aber Reuven blieb sich treu, er forderte von „den“ Deutschen den Mut zur Versöhnung, zwischen Deutschen und Juden, wenn dieses Begriffspaar hier einmal erlaubt ist, aber er forderte auch die deutsche Unterstützung und das mutige Worte (- und auch die Tat) für die Versöhnung zwischen Israelis und Palästinensern. Mehr Mut, mehr Vertrauen in das Wort, daran hielt er fest. Ausgezeichnet mit dem AMOS-Preis (2011) der Offenen Kirche und dem Mount Zion Award (2001) der Jerusalemer Dormitio-Abtei ist er in der Stadt der Friedens, die noch so weit vom irdischen Frieden entfernt zu sein scheint, gestorben, begraben wurde er auf dem Friedhof von Neve Shalom/Wahat as-Salam, nahe bei dem Dominikaner Bruno Hussar (1911-1996), mit dem er einst das Dorf begründete und das er Zeit seines Lebens unterstützt hat.

Ein langes Leben, über all die Brüche des 20. Jahrhunderts hinweg, ist zu Ende gegangen. Was bleibt ist das Vermächtnis eines Lebens gegen die Gewalt und für eine Alternative: „Frieden muß doch möglich sein“.

Rainer Zimmer-Winkel

Reuven_M

(Photos: H. Schmitz, Viersen)

Steigende Spannungen um die ‚Holy Esplanade‘

Mit Blick auf die sich weiter steigenden Spannungen um die ‚Holy Esplanade‘ in der Altstadt und das bevorstehende Freitagsgebet, das zweite seit dem Beginn der Spannungen, sei das Statement von Ir Amim zur Lektüre empfohlen.

Besonders der Satz

What is important to underscore is that perception matters and all events that happen on the Temple Mount / Haram al-Sharif will be seen through the political lenses of the multiple parties involved.

sollte den politisch Verantwortlichen einleuchten.

http://messages.responder.co.il/2660335/82465888/7649373d51a0e5b181dd82c2781a7336

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