Königsmacher oder/und Katalysator?

Raam, die Joint List – und Netanyahu – Zutaten für welches Gericht?

Bei der Einschätzung des Ergebnisses der letzten Knessetwahlen schwanken die Einschätzungen von „Sackgasse“ bis „weiter so“ – unabhängig ob es eine 5. Wahl geben sollte, hat die Wahl interessante Aspekte. Dazu gehört nicht zuletzt die Rolle, die Raam und Mansour Abbas zufällt oder zufallen könnte. Für die Perspektiven der israelischen Staatsbürger:innen, die sich als Teil des palästinensischen Volkes sehen, steht mit dem Ansatz von Abbas sozusagen ein arabisches „Schass-Modell“ des Klientelismus im Raum … gegenüber der Weg, den Ayman Odeh vertritt.

Eine sehr lesenwerte und sicher in manchen Punkten diskussionswürdige, auf jeden Fall anregende Lektüre, bietet ein ausführlicher Aufsatz von Calev Ben-Dor auf der Internetplattform Fathom: Er beleuchtet die unterschiedlichen Ansätze und die langfristigen Trends. Schon daß die Debatte darum, ob Netanyahu eine Regierung bilden könnte, die in irgendeiner Weise von den islamischen ploitschen Kräften des Landes abhängen könnte, überhaupt möglich ist und mehr Leuten als ehedem gedacht, denkbar erscheint, ist eine bemerkenswerte Entwicklung.

Es wird nicht nur spannend zu sehen, ob sich die israelische Innenpoltik aus einer Sackgasse befreien kann, aber auch, welche Entwicklungen die palästinensische politische Szene in Israel nimmt. Der Jubel im Hauptquartier der Joint List, der bei den ersten Prognossen nach Schließung der Wahllokale aufbrandete, als Raam nicht im Parlament schien, war jedenfalls auf vielen Ebenen verfrüht.

Wer wird unterstützt in Coronazeiten – in Israel?

Die Corona-Pandemie hat die Präferenzen der amtierenden israelischen Regierung und der sie tragenden politischen Kräfte offen gelegt. Während Yeshivot und bestimmte religiöse Einrichtungen finanzielle und behördliche Unterstützung genießen, wird weiter am Ast des liberalen Israel gesägt: Clubs, Konzerthallen, Kunstschaffende und Musiker stehen vor den Trümmern ihrer Existenz, während das orthodoxe Establishment weitgehende Freiheit und Sicherheit genießt, auch während des strengen Lockdowns. Dazu eine Bestandsaufnahme von Niv Hadas und Hanno Hauenstein.

Abraham Accords – Wohin jetzt, wohin weiter?

„If one does not want religion to be part of the problem, however, the answer cannot be to avoid it.“ – der Satz findet sich in einem Gastbeitrag von Rabbiner David Rosen auf der Website von Religion News Service in einem lesenswerten Beitrag, was jetzt Perspektiven (nicht nur) für eine US-amerikanische Außenpolitik sein kann und sollte.

Overcoming Our Fears, and Seeing Good

An diesem Shabbat, der in den Seder übergeht, die „Liturgie“ der Befreiung … und am Beginn der Karwoche, die in dem endet, was nicht das Ende ist, (nicht nur für die, die glauben können…) hier die Gedanken von Rabbi Arik Asherman, auf die wir in diesem Blog immer wieder verweisen: Mit dem Blick auf die Menschenrechte das Richtige TUN

Newsletter

Jour Fixe Initiative Berlin | Rassismus und Antisemitismus im deutschen Kolonialismus

Zum Nachhören und Nachdenken:

Ideologische Verwandtschaftsverhältnisse: Rassismus und Antisemitismus im deutschen Kolonialismus von Stefan Vogt (Vortrag vom Sonntag, 07. März 2021)

Die jour fixe initiative berlin besteht seit Oktober 1997. Mit Vortragsreihen zur Kritik von Herrschaft, Ausbeutung und Unmündigkeit bietet sie eine Plattform für die Diskussion und Theoriebildung innerhalb der radikalen Linken an und will einen Beitrag zur Überwindung kapitalistischer Vergesellschaftung leisten.

The Jerusalem Declaration On Antisemitism

Am heutigen Donnerstag, 25. März 2021, wurde diese neue Definition der Öffentlichkeit vorgestellt.

Antisemitismus ist Diskriminierung, Vorurteil, Feindseligkeit oder Gewalt
gegen Jüdinnen und Juden als Jüdinnen und Juden
(oder jüdische Einrichtungen als jüdische)

Hier die deutsche Fassung mit den dazugehörenden Leitlinien:

Hintergrund

In 2020, a group of scholars in Antisemitism Studies and related fields, including Jewish, Holocaust, Israel, Palestine and Middle East Studies, came together under the auspices of the Van Leer Jerusalem Institute to address key challenges in identifying and confronting antisemitism. During a year of deliberations, they reflected on the use of existing tools, including the working definition adopted by the International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA), and its implication on academic freedom and freedom of expression.

The JDA organizers and signatories represent a wide range of academic disciplines and regional perspectives and they have diverse views on questions related the Israeli-Palestinian conflict. But they agreed on the need for a more precise interpretive tool to help clarify conditions that are antisemitic as well as conditions that are not definitive proof of antisemitism.

Knapp vor dem Endergebnis: Pragmatismus gefragt oder neue politische Chemie oder…

Noch immer steht das endgültige Ergebnis der Knessetwaheln nicht fest und kleine Verschiebungen könn(t)en noch große Wirkungen haben, wie dieser lange „Wahlabend“ gezeigt haben: Ein Durchmarsch für Netanyahu ist es jedenfalls nicht geworden und noch ein paar mehr kleine „Wunder“ – dazu mehr, wenn das Endergebnis bekannt gegeben worden ist. Hier die Graphik von Haaretz am Donnerstagmittag.