Braune Erde unter Grünem Hügel

Das deutsche Beschweigen wird so schnell nicht enden – und eine Abrechnung mit Wagner steht vielleicht (hoffentlich?) endlich am Anfang

Michel Friedman sprach zur Eröffnungsfeier des 150. Jubiläums der Bayreuther Festspiele über Richard Wagner, Antisemitismus, jüdische Identität und deutsche Verantwortung. (Die SZ druckt die Rede in leicht gekürzter Form)

Ein Auszug:

Er halte die Rede „nicht, weil ich Jude bin, sondern weil ich Bürger bin. Nicht nur ich werde angegriffen. Sondern wir alle. Was ist uns die Freiheit also wert? Sind wir sicher, dass dieses Land in fünf Jahren noch demokratisch und frei ist? Ich würde mir wünschen, dass in diesem Festspielhaus, im nächsten Jahr, bei den 151. Festspielen, im Foyer eine Dauerausstellung über die antisemitische Biografie des Musikers Richard Wagner Realität werden würde. Und über die naziaffine Familiengeschichte bis weit in die Siebzigerjahre. (…) Es wäre wunderbar, wenn aufgearbeitet werden würde, dass seit Jahrzehnten die Eliten der Bundesrepublik – all die Showstars, Künstler, Politikerinnen und Politiker aller Parteien lächelnd und begeistert und sich vor den Kameras im Kreis drehend – beglückt zu den Festspieltagen pilgern, ohne jemals ihre Zweifel an diesem Ort öffentlich formuliert haben zu müssen. Einige taten es, natürlich. Aber weiter nötig war es im Interesse der ‚reibungslosen Durchführung‘ nicht.“

FR tazBackstageClassicalBR

UNESCO: Gefährdetes Welterbe

Im Eilverfahren sind auf der 48th session of the World Heritage Committee in Busan (Südkorea) fünf Burgen im Südlibanon und Sebastia (nördlich von Nablus) zum Teil des Weltkulturerbes erklärt worden.

Aufgrund der militärischen Situation in der Region beschloß der Ausschuß bei seinem Treffen die beiden Stätten künftig zudem als gefährdetes Weltkulturerbe zu betrachten.

Berichte: AP NewsDeutsche Welle (Englischer DIenst) – Yahoo WTVBan.com – Zum Hintergrund: +972mag

Die ablehnende Haltung der israelischen Regierung findet sich hier.

100 Jahre Wörterbuch der ägyptischen Sprache

Über den Sommer hinweg gelegentlich einmal einen Hinweis eher am Rande unseres Kernthemas …

Im mythologischen Saal des Neuen Museum zeigen das Ägyptische Wörterbuch und das Ägyptische Museum ab Juni eine Ausstellung zum 100. Geburtstag eines für die Ägyptologie bis heute unverzichtbaren Werkzeugs – dem ägyptischen Wörterbuch.

2026 jährt sich zum einhundertsten Mal das Erscheinen des ersten Bandes des ägyptischen Wörterbuchs. Adolf Erman und sein Team begannen im Jahre 1897, im Neuen Museum, mit der Arbeit. Dabei wurden die bekannten ägyptischen Texte abschnittsweise auf Zettel geschrieben und diese vervielfältigt. So entstand in kürzester Zeit eine „Datenbank“ mit mehr als einer Million Zettel. Dieses „Zettelarchiv“ bildet die Grundlage für das Wörterbuch. Es ist alphabetisch geordnet und zeigt uns die einzelnen Worte jeweils im Zusammenhand des jeweiligen Textes.

Aufgrund des ersten Weltkriegs und der galoppierenden Inflation war an eine Drucklegung eines mehrbändigen Wörterbuchs nichtzu denken. Doch die Verbindung von amerikanischen Schülern zu A. Erman vermittelte im Jahr 1924 eine finanzielle Zuwendung von J. D. Rockefeller jun., die schließlich die Weichen für den Druck stellte. A. Erman, zusammen mit seinen Schülern Kurt Sethe und Hermann Grapow, erarbeitete dann die Druckvorlage des Wörterbuchs, welche von Wolja Erichsen geschrieben wurde.

Der Weg von den ägyptischen Texten zum fertigen Wörterbuch wird in der kleinen Ausstellung anhand von Objekten aus dem Archiv des Wörterbuchs veranschaulicht.

Monatlich werden an einem Mittwoch jeweils 17 Uhr Führungen zum Thema „100 Jahre Wörterbuch“ angeboten.

„Versöhnung als Provokation“

Seit dem 7. Oktober 2023 und dem andauernden Krieg im Nahen Osten sind gesellschaftliche Debatten härter und Räume für gemeinsames Nachdenken seltener geworden. Die israelische Sängerin Noa Mei und die palästinensische Künstlerin Meera Eilabouni bringen ihre Sprachen, ihre Geschichten und ihre Musik in einen gemeinsamen künstlerischen Auftritt ein.

Im Podiumsgespräch geht es um die Frage, wie der Dialog im Kontext des Nahostkonflikts möglich ist – angesichts tiefer Traumata, wachsender Polarisierung sowie der drastischen Zunahme von Antisemitismus und antimuslimischem Rassismus in Deutschland

Die Veranstaltung wird organisiert von Studierenden der TU Berlin im Rahmen des Seminars und Forschungsprojekts „Versöhnung als Provokation?“ unter der Leitung von Dr. Esther Gardei am Zentrum für Antisemitismusforschung.         

Giora Feidman – Seele der Klarinette

arte Mediathek – Verfügbar bis zum 28.Juli 2026

Kurz vor seinem 90. Geburtstag arbeitet Giora Feidman an seinem neuen Album „For A Better World“ – während im Nahen Osten erneut Krieg herrscht. Die Dokumentation begleitet ihn zwischen Tel Aviv, Hamburg und Zürich und zeigt einen Künstler, der persönliche Verluste, politische Realität und künstlerische Verantwortung zusammendenkt.

Lost Books Lab

Geraubte Bücher erzählen von Enteignung, Verfolgung und kultureller Auslöschung. Genau hier setzt das neue Projekt „Lost Books Lab – Partizipative Bildungsformate zu NS-Raubgut im beruflichen Kontext“ an, das zum 1. Mai 2026 gestartet ist. Das Vorhaben wird im Rahmen des Programms „Bildunggegen Antisemitismus“ von der Baden-Württemberg Stiftung gefördert. Ziel ist es, ein übertragbares Bildungsformat zu entwickeln, das Antisemitismus am konkreten historischen Objekt – dem im Nationalsozialismus geraubten Buch – nachvollziehbar macht.


Das “Lost Books Lab Baden-Württemberg” richtet sich an Auszubildende und Mitarbeitende von Unternehmen in Baden-Württemberg und eröffnet damit neue Zugänge zur antisemitismuskritischen Bildung im beruflichen Kontext. In Kooperation mit Bibliotheken setzen sich die Teilnehmenden in drei-stündigen Workshops mit historischen Buchbeständen auseinander, recherchieren Provenienzmerkmale und gehen den Spuren ehemaliger jüdischer Eigentümerinnen und Eigentümer nach. Nach einer Einführung in die Geschichte des systematischen Raubs jüdischer Bibliotheken und in Methoden der Provenienzforschung arbeiten sie eigenständig in Gruppen mit historischen Büchern, dokumentieren ihre Funde und reflektieren deren Bedeutung für die Gegenwart. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Das Angebot ist für Teilnehmende und Unternehmen kostenfrei.

„Geraubte Bücher zeigen, daß Antisemitismus sich in konkreten Handlungen der Ausgrenzung, Enteignung und kulturellen Auslöschung niederschlug. Das Lost Books Lab verbindet historische Bildung mit aktiver Recherche und ermöglicht Teilnehmenden, selbst einen Beitrag zur Aufarbeitung dieses Unrechts zu leisten“, sagt Botschafter a. D. Shimon Stein, Vorstandsvorsitzender des Fördervereins des Leo Baeck Instituts.

Das Projekt wird von der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg, den Freunden und Förderern des Leo Baeck Instituts e. V. und dem Leo Baeck Institut (West-)Jerusalem durchgeführt.

In der 24-monatigen Projektlaufzeit bis April 2028 werden Workshops in Baden-Württemberg entwickelt, erprobt und gemeinsam mit lokalen Partnern umgesetzt. Ergänzend entstehen ein digitales Handbuch, Qualifizierungsangebote für Multiplikatorinnen und Multiplikatoren sowie eine modulare Ausstellung.

Für die Umsetzung werden weitere Partner in Baden-Württemberg gesucht. Bibliotheken, Unternehmen, Archive, Antiquariate und regionale Netzwerke, die Interesse an einer Zusammenarbeit haben oder das Format an ihrem Standort erproben möchten, sind eingeladen, Kontakt aufzunehmen.

11. Mai 1901 – 11. Mai 2026

Lange hat die Dichterin selbst als ihren Geburtsjahrgang 1907 angegeben… aber Rose Ausländer wurde heute vor 125 Jahren in Czernowitz geboren, die deutsch-österreichisch jüdische Poetin starb 1988 in Düsseldorf als eine der ganz großen Dichterinnen des 20. Jahrhunderts – Ihre Bücher ‚lohnen‘ immer, heute aber einmal ein Hinweis auf zwei hierzulande ungewöhnliche Ausgaben, eine deutsch-tschechische und eine deutsch-ukrainische Ausgabe, die erst vor wenigen Jahren entstanden sind und von ihrer weiteren Wirkung zeugen …

1931

Erbarme dich
Herr
meiner Leere

Schenk mir
das Wort
das eine Welt
erschafft

Tarek Al-Ghoussein

Tarek Al-Ghoussein (1962 – 2022) war ein palästinensisch-kuwaitischer Künstler, Photograf und inspirierender Lehrer für jüngere Generationen im Nahen Osten. Die Visualisierung seiner palästinensischen Identität und die unerfüllte Sehnsucht nach dem nie gesehenen Heimatland waren eine Konstante in seinem fotografischen Schaffen. Mit der Zeit wurden seine Fotografien zu existenziellen Metaphern des Lebens als fortwährender Reise und Heimkehr zugleich.

Brücken – Magazin 2. Ausgabe erschienen

„This magazine brings us back to where we first met: documenting home demolitions in the Jordan Valley and the West Bank. That project was a collaboration between Rabbis for Human Rights, where Mati was active, and Dharma Activism, where Yossi volunteered. Since then, we’ve both left Israel and moved to Berlin. Today, though far from the occupation in the West Bank and the horror unfolding in Gaza, we’ve created a unique international and multilingual cultural project that combines both activism and art …“

Zu bestellen über AphorismA

Mit Beiträge von:
Rezeeq Abu Nasser | Ahmad al Saadi | Tzachi Zaki Avinoam | Thaer Ayoub | Ester Barski | Guli Dolev-Hashiloni | Iryna Dumina | Asaf Dvori | Dana Eichhorst | Claudia Friedrich | Suchismita Ghoshal | Nima Hasan | Adi Hayati | Miriam Issa | Hend Jodah | Shelavet Kalman | Annie Kantar | Yossi Lampel | Tali (Avital) Lutzky | Yago Melado | Irit Mogilevsky | Ilham Bani Odeh | Nicola Y. Orbach | Claus Peter Poppe | Judith Poppe | Sandra Reinhart | Nait Rosenfelder | Ali Salem | Ruben Schenzle | Tomer Shaked | Mati Shemoelof | Héctor Solari | Mahmoud Subeh | Valéry Suty | Aviv Tatarski | Yara Wehbi.

Was ist heute Faschismus?

Ein Beitrag in der ARD Mediathek aus dem Magazin ttt.

Die Philosophin Eva von Redecker definiert und erklärt den Rechtsruck unserer Gegenwart.

Ein Rechtsruck geht um die Welt – überall gewinnen autoritäre Kräfte an Macht und Einfluss. In der Folge werden Minderheiten ausgegrenzt oder körperlich angegriffen. Aber welche Entwicklungen in der Gesellschaft begünstigen dies? Der Faschismus der Gegenwart ist nicht mit dem der Vergangenheit zu vergleichen, er hat eine neue Gestalt, die nicht leicht zu erkennen und noch schwerer zu erklären ist. Mit „Dieser Drang nach Härte“ hat die Philosophin Eva von Redecker eine Analyse des neuen Faschismus vorgelegt, der hilft, ihn zu entschlüsseln und Strategien der Gegenwehr zu entwickeln.

Screenshot aus ttt - Eva von Redecker