Der tägliche Blog des diAk

Nachrichten aus Israel-Palästina/Palästina-Israel gibt es viele und auch nicht wenige, in denen das Dreieck Deutschland-Israel-Palästina eine Rolle spielt, genau die Schnittstelle, die uns in der Arbeit des diAk besonders interessiert.

Zusammen denken und zusammendenken – dafür bieten wir an dieser Stelle jeden Tag einen Beitrag, manchmal mit einer Einordnung/Einleitung, oft ein Hinweis auf eine spannende Verstaltung oder ein Onlineformat, dann auch wieder eine Erinnerung, zu der die Kalender und die unterschiedlichen Narrationen Anlaß geben.

Das wollen wir möglichst vielfältig tun, ohne uns jeden Beitrag oder jede Position zu eigen zu machen, aber immer in dem Bemühen über die Zeit hin die Vielfalt und die Verwobenheiten erkennbar werden zu lassen …

Brief an die Bischöfe der Welt anläßlich der bevorstehenden Hl. Land Kollekte

Der Vatikan ruft zu Spenden für die Christ:innen im Heiligen Land auf. In einem am Montag, 16.3.26, veröffentlichten Brief an die Bischöfe weltweit erinnert der Leiter der vatikanischen Ostkirchenbehörde, Claudio Kardinal Gugerotti, an die Folgen des Krieges.

Lieber Mitbruder,

wie sehr haben wir gehofft, dass der Frieden endlich Leben und Hoffnung ins Heilige Land zurückbringen möge! Sogenannte Dialoge und Vereinbarungen haben sich vervielfacht, doch die Waffen schweigen nicht. Man hat gesagt, dass Frieden erreicht worden sei, aber auch wenn die Medien weniger berichten als früher, geschieht es weiterhin: die Waffen feuern, die Menschen sterben, Gebiete sind umkämpft, Christen wandern aus, um ihr Leben zu retten. Sogar in den Schulen fehlen oft die Lehrer, weil ihnen die Einreise verweigert wird.

Ich weiß, dass es immer schwieriger wird, mich an Dich und an die christliche Gemeinde, für die Du Verantwortung trägst, zu wenden, und die Worte, die ich von Jahr zu Jahr an Dich richte, wiederholen sich. Ich weiß, dass es schwieriger wird, sich vorzustellen, die Wunden dieser so grausam zerrissenen Welt zu verbinden und zu desinfizieren, solange dies noch möglich ist. Doch wir Christen können nicht anders als hoffen, weil Gott unsere Hoffnung ist und Gott keinen Verrat begeht. Das in unseren Räumen und an unseren heiligen Orten aufgehängte Kreuz ist das Zeichen eines Lebens, das stärker ist als der Tod, ja den Tod überwunden hat. Wir müssen Vieles ändern: die Mentalität, die Sensibilität, die Prioritäten im täglichen Leben, weil uns diese Welt immer mehr entmenschlicht und wir es nicht merken.

Gott ist unsere Hoffnung

Vergessen wir nie zu beten, denn Gott ist unsere Hoffnung. Nun aber möchte ich Dir eine kleine Geste vorschlagen, genau im Sinne dieser Umkehr, dieser Veränderung: ein wenig von unserem Geld zu geben, um unseren Brüdern und Schwestern in äußerster Gefahr zu helfen, damit sie einen weiteren Tag leben können und die Möglichkeit haben, zu hoffen und neu anzufangen. Eine wichtige Geste für sie und auch zentral für die Kustodie des Heiligen Landes, die seit langer Zeit über die Orte wacht, die das Leben Jesu, unseres Herrn, geprägt haben. Es handelt sich auch für uns um eine wichtige Geste, da sie uns verstehen lässt, dass wir ohne ein Opfer, ohne eine Veränderung unseres Lebens in dieser in Flammen stehenden Welt untätig bleiben und damit zu Komplizen derer werden, die sie in Brand stecken.

Eine Geste, die fast überall auf der Welt (weil manche Gemeinschaften ein anderes Datum gewählt haben) am Karfreitag Wirklichkeit wird, an dem Tag, an dem wir an Jenen denken, der kein Almosen, sondern sein Leben gegeben hat, seinen letzten Atemzug, den Heiligen Geist, damit diese Welt heil werde und wieder Ungeahntes erhoffe. Die Päpste haben diese Geste gewollt und befürworten sie weiterhin, weil sie überzeugt sind, dass man nur in der Väterlichkeit, im Teilen und in solidarischer Freundschaft eine Wirklichkeit aufbauen kann, die wieder menschliche Züge trägt und die den Plan einer Menschheit aufgreift, wie Gott sie beim Schöpfungsakt wollte.
Notwendiger Beitrag

Für das Überleben ist auch Euer Beitrag notwendig. Sehr viele Christen im Heiligen Land haben alles verloren, auch die Arbeit im Dienst an den Pilgern, denn aus Angst wagt sich jetzt kaum jemand mehr in diese Gebiete. Unsere Brüder und Schwestern im Glauben, die an den heiligen Stätten leben, wissen, dass mit Eurem Beitrag, und vielleicht nur mit diesem, ihre Sicherheit zwar nicht gewährleistet werden kann, aber doch wenigstens ihre Schulen wieder funktionieren, neue Häuser gebaut werden können und, wo die Zerstörung total ist, eine gewisse Versorgung gesichert ist. Zuerst haben Bomben, dann Naturkatastrophen ihr Land verwüstet und unbewohnbar gemacht, ganz zu schweigen von den immer zahlreicheren Trauerfällen, ohne dass es einen Tag gibt, an dem man ruhig durchatmen könnte.

Bitte bringe mit den Worten, die Deine Gläubigen am besten verstehen, unsere Pflicht zum Ausdruck, für das Heilige Land sowie für viele andere verwüstete Orte Sorge zu tragen. Zeige Bilder, sensibilisiere das Bewusstsein durch die vielfältigen Informationsquellen, die die täglichen Mühen der wenigen Christen verständlich machen, denen es gelingt, in ihrer Heimat zu bleiben. Es gibt viele Mittel, angefangen bei den Appellen der Päpste sowie der opferbereiten Hirten vor Ort. Versuchen wir, unseren Gläubigen bewusst zu machen, dass das Geben bei der Kollekte für das Heilige Land ein starkes Zeichen des Glaubens ist, dass ein Heiliges Land ohne Gläubige ein verlorenes Land ist, weil die lebendige Erinnerung verloren ginge, die die Kontinuität mit der Quelle der Erlösung sichert, die uns in Christus erneuert hat. Ermahne, überzeuge, rüttle die Gewissen auf, rufe auf zur Solidarität mit dem einen Leib Christi, der die Kirche ist und sich über alle Länder der Welt erstreckt. Ein Frevel ist nicht nur eine Tat gegen die Eucharistie; Frevel ist auch die Tat gegen den Leib Christi, der die Kirche ist. Der heilige Augustinus betont dies eindringlich: Wenn du den Leib Christi am Altar empfängst, sei dir bewusst, dass du empfängst, was du bist. „Werdet, was ihr seht, und empfangt, was ihr seid“ (Serm. 272).

Ich bin überzeugt, dass unsere Gläubigen, Deine Gläubigen, für diesen Apell empfänglich sein werden, denn die tiefsten Kräfte – die durch die Taufe fester Teil der universalen Sehnsucht nach dem Guten geworden sind, die uns auf die Begegnung mit Gott vorbereitet – warten nur darauf, gestärkt oder geübt zu werden. Unermüdlich appelliert Papst Leo XIV. an Herz und Verstand und erinnert an die Verpflichtung, eins zu sein, damit es Frieden gebe, keinen vorläufigen Waffenstillstand, keinen endlosen Hass, keine ungeheuren Ausgaben für Waffen, sondern ein Beitrag zu einem gemeinsamen Neubeginn: „Ich danke Gott für jene Christen, die vor allem im Nahen Osten ausharren und, in ihrer Heimat bleiben und der Versuchung widerstehen, sie zu verlassen. Den Christen muss die Möglichkeit gegeben werden, mit allen Rechten, die ihnen ein sicheres Leben garantieren, in ihrer Heimat zu bleiben, und das nicht nur mit Worten. Ich bitte euch: setzen wir uns dafür ein!“ (Audienz für die Teilnehmer am Jubiläum der Ostkirchen, 14. Mai 2025).

Wie oft habe ich diese christlichen Minderheiten persönlich besucht, die jeden Morgen mit dem Risiko aufwachen, dass sie keinen Platz mehr zum Leben finden. Helft uns, ihnen konkrete Hoffnung und nicht nur Worte des Trostes zu schenken, weil wir, die wir sie besuchen, wissen, dass wir wieder gehen werden, während sie mit ihren Ängsten zurückbleiben, ja sogar mit der großen Furcht, ausgelöscht zu werden, gerade weil sie Christen sind. Die Kollekte für das Heilige Land wird, zusammen mit der unschätzbaren täglichen Hilfe unserer Franziskaner und all jener, die in den Gemeinden vor Ort leben und arbeiten, ein Tropfen im Ozean sein, doch ohne diesen Tropfen wird der Ozean zur Wüste.

Der Herr möge all jenen seinen reichen Segen schenken, die sich auch an diesem Karfreitag bewusst sind, dass sie Schuldner sind angesichts des unverdiente Geschenks des Lebens und die sich als Mitarbeiter an einer Schöpfung verstehen, die das irdische Jerusalem dem himmlischen Jerusalem ähnlicher macht. Danke, lieber Mitbruder, dass Du mir zugehört hast. Der himmlische Vater stärke Deine Bemühungen um Frieden und Deinen Einsatz für das Leben jener, die unschuldige Opfer des Krieges sind. Kain und Abel gibt es auch heute. Und doch hat der Sohn Gottes uns gezeigt: Wenn man sich entscheiden muss, dann nimmt man dem anderen das Leben nicht, sondern gibt das eigene Leben für ihn hin.

Claudio Card. Gugerotti
Präfekt

Michel Jalakh, O.A.M.
Erzbischof Sekretär

Offizielle deutsche Übersetzung nach Vatican News.

Was ist heute Faschismus?

Ein Beitrag in der ARD Mediathek aus dem Magazin ttt.

Die Philosophin Eva von Redecker definiert und erklärt den Rechtsruck unserer Gegenwart.

Ein Rechtsruck geht um die Welt – überall gewinnen autoritäre Kräfte an Macht und Einfluss. In der Folge werden Minderheiten ausgegrenzt oder körperlich angegriffen. Aber welche Entwicklungen in der Gesellschaft begünstigen dies? Der Faschismus der Gegenwart ist nicht mit dem der Vergangenheit zu vergleichen, er hat eine neue Gestalt, die nicht leicht zu erkennen und noch schwerer zu erklären ist. Mit „Dieser Drang nach Härte“ hat die Philosophin Eva von Redecker eine Analyse des neuen Faschismus vorgelegt, der hilft, ihn zu entschlüsseln und Strategien der Gegenwehr zu entwickeln.

Screenshot aus ttt - Eva von Redecker

Ehrendoktorat für Leon Weintraub

Leon Weintraub nahm 1946 sein Medizinstudium in Göttingen auf. Zuvor hatte er mehrere Konzentrationslager überlebt. Seitdem setzt sich der Auschwitz-Überlebende für die Menschlichkeit ein. Im März 2026 erhielt er die Ehrendoktorwürde und den Friedenspreis.

NDR-BeitragARD-MediathekARD-Mediathek II

4 %

Meron lives in Tel Aviv and, like most Israelis, has spent much of the past two weeks running to shelters. Yet this is just about the only thing he shares with the majority of his compatriots — not least because he is among the mere 4 percent of Israeli Jews who oppose this war that is setting the entire region ablaze.

But things don’t always go according to plan. When the dust settles, Meron says — reminding me that he’s often labeled an optimist — Israelis will realize, sooner or later, that they cannot escape the Palestinian question, and that a regime of apartheid and occupation will never have peace and quiet.

Public Engagement with Holocaust Memory Sites in Poland

Eine Rezension für H-Soz-Kult von Magdalena Saryusz-Wolska (Deutsches Historisches Institut Warschau)

Polen ist im Kontext der Erinnerungsforschung ein besonderes Land. Die Überreste aller sechs nationalsozialistischen Vernichtungslager – Auschwitz-Birkenau, Belzec, Kulmhof, Majdanek, Sobibor und Treblinka – befinden sich auf dem Gebiet der heutigen Republik Polen. Hinzu kommen Überreste weiterer Lager wie Stutthof, Groß-Rosen oder Plaszow sowie unzählige andere killing sites. Dass die Gedenkstätten des Landes immer wieder Forschungsinteresse hervorrufen, ist also verständlich. Auch die zahlreichen Museen, beispielsweise das POLIN Museum der Geschichte der Polnischen Juden in Warschau oder das Museum des Zweiten Weltkriegs in Danzig, werden seit einigen Jahren immer intensiver erforscht.

In dieser umfangreichen Literatur hat Diana I. Popescu eine relevante Lücke identifiziert und internationale Autor:innen eingeladen, diese zu füllen

Libanon im Blick

FR-Interview von Inge Günther mit Stefan Weidner, Autor, Islamwissenschaftler und Übersetzer, der bis vor wenigen Tagen in Beirut war und über den „kleinen“ Krieg im Schatten des „großen“ Krieges mit Iran berichtet. Ein Krieg zwischen Israel und Hisbollah, den weder der Zedernstaat noch die allermeisten Libanesen wollten und dem sie trotzdem nahezu wehrlos ausgeliefert sind. 

Die Hisbollah steht im Libanon zunehmend isoliert da. Selbst unter Schiiten schwindet die Unterstützung für die Miliz dramatisch.

Podcast mit Alon Ben-Meir

Der Gesprächspartner in dieser Folge:

Today’s guest is Marwan Muasher, vice president for studies at Carnegie, and former foreign minister and deputy prime minister of Jordan.

Walid Ahmad Salih Khalidi (1925-2026)

In Erinnerung an den großen Historiker und „politischen Menschen“, hier die Würdigung durch den Educational Bookshop in Ost-Jerusalem.

„With the passing of Walid Khalidi, Palestine loses one of its most faithful custodians of memory. Born in Jerusalem (1925), Khalidi devoted a lifetime to rescuing a shattered landscape from oblivion, restoring through patient scholarship the names, lives, and textures of a world others sought to erase. He wrote and edited more than twenty books; among them, Before Their Diaspora and the monumental All That Remains stand as seminal works. The institution he helped build, the Institute for Palestine Studies, embodies his conviction that history can be an act of quiet defiance—a refusal to allow villages to vanish into statistics or lives to dissolve into silence. His passing marks the end of a rare intellectual life, yet Palestinians will continue documenting their past and charting their future; the Palestine he preserved in words endures, steadfast in the memory he refused to surrender. We extend our condolences to ourselves, to our book community, and to his family—dear friends and colleagues.“

Und einiges in Wikipedia

Caravan Collective

EIn Fallbeispiel aus der Westbank: The Occupation of the Sun – digital aufbereitet vom Caravan Collective

»Sie nutzen jeden Moment, sobald niemand hinschaut«

Ein Gespräch mit Ziv Stahl auf der Seite von ZenithZiv Stahl leitet die israelische Menschenrechtsorganisation Yesh Din, die Siedlergewalt im Westjordanland dokumentiert und Palästinensern Rechtsbeistand bietet.

„Während die Welt Richtung Iran blickt, eskaliert im Westjordanland die Siedlergewalt. Bewaffnete Reservisten, illegale Außenposten: Was dort geschieht, ist kein Randphänomen, sondern staatlich gedeckte Politik. Ein Gespräch mit Ziv Stahl über Verbrechen, die strafrechtlich fast nie verfolgt werden.