Aus dem aktuellen Newsletter von Mecfilm …

A Space Exodus und Nation Estate

Der aktuelle Rundbrief von Mecfilm – Spezialistin für den Film aus der arabischen Welt, oder genauer: für ‚Filme arabischer Regisseurinnen und Regisseure‘ – weist u.a. auf zwei Filme zu palästinensischen Themen hin, die auch über die Jahre hin immer wieder zu schauen lohnt …

Aktueller Hinweis: Die beiden kurzen Sci-fis aus Larissa Sansours Sci-fi Trilogie sind für das Podium Arab Futurism beim Oslo World Musikfestival in Norwegen eingeladen.

Auf humorvolle Weise dialogisiert A Space Exodus einen Abschnitt aus Stanley Kubrick’s ‚Odyssee im Weltraum‘ mit dem Nahost-Konflikt. Der Film begleitet die Regisseurin auf eine traumhafte Reise durch das Universum. Bezugnehmend auf Armstrongs Mondlandung stellt Sansour die Idee der ersten Palästinenserin im Weltraum dar und interpretiert diese Visualisierung als „kleinen Schritt für einen Palästinenser, ein riesigen Sprung für die Menschheit“. Die Filmmusik aus ‚Odyssee im Weltraum‘ wurde in arabische Akkorde umgesetzt. Kurzer Sci-fi, Larissa Sansour, Palästina/DK 2008, 5 min, Englisch
Nation Estate ist ein Sci-Fi Kurzfilm, der sich auf klinische dystopische und gleichzeitig humorvolle Weise dem Stillstand im Nahen Osten widmet. Der Film untersucht eine vertikale Lösung für die palästinensische Staatenbildung: Ein kolossaler Wolkenkratzer, der die gesamte palästinensische Bevölkerung behaust – die jetzt endlich high life lebt. Kurzer Sci-fi, Larissa Sansour, Palästina/Dänemark 2012, 9 min, digital, ohne Dialog

Wer informiert sein will, der Newsletter ist leicht zu bekommen …

Gutachten zur ‚Arbeitsdefinition Antisemitismus‘

Die Diskussion geht weiter – und muß weitergehen

Im Auftrag der Rosa-Luxemburg-Stiftung und von medico international hat Dr. Peter Ullrich ein Gutachten zur Arbeitsdefinition Antisemitismus verfaßt. Es beschäftigt sich mit Notwendigkeit und Hintergründen, rechtlichem Status und Anwendungspraxis, vor allem aber mit der Güte der Definition, das heißt neben einige Stärken wie Zugänglichkeit und Anschaulichkeit auch mit ihren offensichtlichen Vagheiten und Leerstellen. Zugleich reflektiert der Autor die demokratietheoretischen und ethischen Implikationen.
Das Gutachten empfiehlt von der Definition Abstand zu nehmen und den Begriff ‚Arbeitsdefinition‘ ernst zu nehmen, denn für eine gute Definition werde es „noch einiger konzeptueller Arbeit“ bedürfen, wie der Autor meint.

Das Gutachten kann in deutscher und englischer Sprache heruntergeladen werden.

Gutachten – Bibliographische Angaben:
Ullrich, Peter:
Gutachten zur „Arbeitsdefinition Antisemitismus“ der International Holocaust Remembrance Alliance.
Reihe Papers 2/2019. Berlin (Rosa Luxemburg Stiftung) 2019
# Deutsche FassungEnglische Fassung #

Kalender November 2019

Ein-Blicke in die Geschichte – unser Jahreskalender
Für den November

• ‚Djenin, vue générale – Generalview of Djenin‘,
Verlag André Terzis & Fils, Beyrouth [Beirut] Jerusalem (ca. 1918?) (gelaufen August 1919).
• ‚Dschenin, Dorf in Samaria‘ (Photo: G. Roßmanith), Edition Eisenmenger, Wien (ca. 1930?) (Nr. 12).
• ‚Ruines de L’eglise du Tabor‘ Reihe: Vues de Palestina.‘,
[Sammelbildkarte der] Chocolaterie d’Aiguebelle [Donzère] (ca. 1910?, vor 1921).

Ganz wenige Restexemplare sind als Sammlerstücke noch beim Verlag erhältlich.

Nachruf auf Carlo Strenger

Micha Brumlik würdigt in der taz Carlo Strenger (1958-2019) als „Stimme der Vernunft“

„Wer sich mit Israel befaßt, liest seine Kolumnen in der Haaretz, kennt die kritisch-offenen Zwischenrufe des aufmerksamen und weitblickenden Zeitgeistes, der sich mit Sorgfalt weder im Detail, noch in den globalen Zusammenhängen verliert, sondern beides in der Analyse verbindet und damit auf den Punkt argumentiert.“
Am 25. Oktober 2019 ist die „Stimme der aufgeklärten Vernunft“ (Brumlik), der Psychoanalytiker und Kommentator Dr. Carlos Strenger verstorben.
Der Nachruf von Micha Brumlik in der taz.

Wie weiter mit Israels Regierung … ?

Wie ist der Stand und wie geht es weiter in der Regierungsbildung in Israel?

Es geht nicht voran. Die bisherigen Versuche der beiden stärksten Wahlplattformen, nach den Wahlen am 17. September eine neue Regierung zu bilden, sind bisher gescheitert.

Netanyahu’s turn is counting down without any progress – Analysis

Seit April scheint das Land auf den beiden Polen Likud – Blau-Weiß zu verharren.

Will der noch amtierende Ministerpräsident Benjamin Netanjahu (Likud) seine ihm vom Staatspräsidenten Reuven Rivlin übertragene Aufgabe, die neue Regierung zu bilden, fristgerecht erfüllen, so muss die handlungsfähige Koalition bis zum 24.10. stehen. Schafft Netanjahu das nicht, hat aber die berechtigte Aussicht, doch noch ausreichend Partner für eine handlungsfähige Regierung zu gewinnen, kann der Präsident ihm weitere 14 Tage Zeit gewähren.

Alternativ steht hingegen das Bündnis Blau-Weiß (Kahol Lawan) bereit, eine Koalition mit der von Avigdor Liberman geführten Partei Unser Haus Israel (Jisrael Beijtenu) einzugehen und notfalls eine Minderheitsregierung zu bilden.

Gantz reportedly looking to form minority government with Liberman’s backing

Netanjahu tritt bereits dagegen auf, sieht in einer möglichen Duldung der Minderheitsregierung durch die drittstärkste Kraft, die mehrheitlich von arabischen Staatsbürgern Israels getragene Gemeinsame Liste (ha-Rschimah ha-M:uchedet) eine Gefährdung der Sicherheit („Establishing a minority government that relies on the Joint List is an anti-Zionist act that endangers our security”).

Netanyahu: Gantz planning government with backing of ‘dangerous’ Arab parties

Betrachtet man die bisherigen Versuche der Regierungsbildung, zeichnet sich ab, dass die von religiös-nationalen und radikalen Zionisten getragenen Parteien und Gruppierungen bei der Regierungsbildung bisher keine ausschlaggebende Rolle gespielt haben. Auch die Allianz Netanjahus mit orthodoxen jüdischen Parteien zeigt Sprünge.

Will Netanyahu’s ultra-Orthodox allies jump ship?

Ohne die inneren politischen Widersprüche nicht zu realisieren, die sozialen und Klassenunterschiede zu unterminieren sowie Diskriminierungs- und Benachteiligungserfahrungen in Politik und Alltag Israels zu vergessen, so zeichnet sich doch ab, dass die nationale Minderheit der arabischen Staatsbürger Israels in dieser Phase der Ausprägung des politischen Systems in Israel zunehmend gesammelter und erstarkter auftritt.

Über die palästinensische Diaspora in Deutschland

Beauftragt von der giz im Rahmen ihres Programms Migration für Entwicklung haben Katharina Koch und Nora Jasmin Ragab an der Maastricht Graduate School of Governance (MGSoG) eine Untersuchung zum Thema Mapping and Study of the Palestinian Diaspora in Germany erstellt, die hilftreiche Ein- /Überblicke in die Situation in Deutschland eröffnet.