Nachrichten aus Israel-Palästina/Palästina-Israel gibt es viele und auch nicht wenige, in denen das Dreieck Deutschland-Israel-Palästina eine Rolle spielt, genau die Schnittstelle, die uns in der Arbeit des diAk besonders interessiert.
Zusammen denken und zusammendenken – dafür bieten wir an dieser Stelle jeden Tag einen Beitrag, manchmal mit einer Einordnung/Einleitung, oft ein Hinweis auf eine spannende Verstaltung oder ein Onlineformat, dann auch wieder eine Erinnerung, zu der die Kalender und die unterschiedlichen Narrationen Anlaß geben.
Das wollen wir möglichst vielfältig tun, ohne uns jeden Beitrag oder jede Position zu eigen zu machen, aber immer in dem Bemühen über die Zeit hin die Vielfalt und die Verwobenheiten erkennbar werden zu lassen …
Hussein el Mouallem, Programmleiter im Libanon-Büro der Friedrich-Ebert-Stiftung, blickt aus der Sicht seines Landes auf die Verhandlungen Israel-Libanon.
Hier ein Zitat aus der aktuellen Ausgabe der London Review of Books / April 2026
„Reconstruction plans imposed on Palestinians with the implicit aim of destroying Palestinian life in Gaza demonstrate the reason Lemkin reserved a place for architecture in his conception of the crime of genocide. He knew that the way a people organises its space is a manifestation of its history and social structure. ‘Genocide has two phases,’ Lemkin wrote in Axis Rule in Occupied Europe. The first involves the ‘destruction of the national pattern of the oppressed group’ – this was achieved in Gaza by Israel’s devastating bombing. The second involves the imposition of a design by the oppressor, like these reconstruction plans for Gaza. ‘This imposition, in turn,’ he wrote, ‘may be made upon the oppressed population which is allowed to remain, or upon the territory alone, after removal of the population and the colonisation of the area by the oppressor’s own nationals.’“
„This magazine brings us back to where we first met: documenting home demolitions in the Jordan Valley and the West Bank. That project was a collaboration between Rabbis for Human Rights, where Mati was active, and Dharma Activism, where Yossi volunteered. Since then, we’ve both left Israel and moved to Berlin. Today, though far from the occupation in the West Bank and the horror unfolding in Gaza, we’ve created a unique international and multilingual cultural project that combines both activism and art …“
INTRO | Thaer Ayoub, Yosi Lampel und Mati Shemoelof
Over 350 former European Ministers, Ambassadors and Senior Officials call for suspension of the EU – Israel Association Agreement amid Israel’s systematic violations of Palestinians’ human rights
in neues Buch für Studierende und Lehrkräfte zeigt, wie Nationalsozialismus und Holocaust im Deutschunterricht zeitgemäß vermittelt werden können. Mitherausgeber ist Professor Dieter Wrobel von der Uni Würzburg.
Wer zu einer älteren Generation gehört, hatte in der Regel Eltern oder Großeltern, welche die Zeit des Nationalsozialismus selbst erlebt hatten und davon erzählen konnten. Für die Schülerinnen und Schüler von heute gilt das nicht mehr – die Ära der Zeitzeugen geht zu Ende.
Auch die herkömmlichen Formate der Erinnerungskultur – wie Gedenkveranstaltungen oder Kranzniederlegungen – erreichen Jugendliche kaum oder gar nicht. Stolpersteine und Straßen- oder Platznamen sind zwar gut sichtbar, bieten den Betrachtern aber oft keinen Kontext.
Wissen muss neu aufgebaut werden
„Für junge Menschen muss das Wissen über die Nazi-Herrschaft und den Holocaust darum didaktisch neu aufgebaut werden, auch im Deutschunterricht“, sagt Professor Dieter Wrobel, Leiter des Lehrstuhls für die Didaktik der deutschen Sprache und Literatur an der Universität Würzburg. Sein Team und er bilden unter anderem Lehramtsstudierende aus, die später an den Schulen Deutsch unterrichten.
Wie aber kann eine zeitgemäße Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus aussehen? Diese Frage beantwortet der neue Sammelband „Praktiken der Erinnerung. Holocaust und Nationalsozialismus im Deutschunterricht der Zukunft“. Dieter Wrobel hat ihn gemeinsam mit den Professorinnen Anja Ballis (LMU München) und Anette Sosna (Universität Greifswald) herausgegeben.
Der Sammelband zeigt unter anderem, welche Möglichkeiten Comics, Graphic Novels, Filme und multimediale Lernformate für den Schulunterricht bieten. Die Autorinnen und Autoren hinterfragen diese Formate aus fachdidaktischer, interdisziplinärer und literaturwissenschaftlicher Perspektive und geben praxisorientierte Impulse für die Gestaltung des Unterrichts. Dabei haben sie besonders die nächste Generation von Lehrkräften im Blick – „denn deren Überzeugungen und Zugänge zur Erinnerungskultur sind ja ebenfalls anders als bei früheren Generationen“, so Dieter Wrobel.
Drei Beispiele für den Unterricht
Der Würzburger Deutschdidaktiker zeigt in einem Beitrag des Buches zusammen mit Dr. Michael Veeh von der LMU München exemplarisch auf, wie mit Comics und anderen Bild-Text-Verbünden Geschichte vermittelt werden kann. Hier drei Beispiele:
* In der Graphic Novel „Der Duft der Kiefern“ (2021) berichtet Bianca Schaalburg von einer Spurensuche in der Geschichte ihrer Familie. Im Mittelpunkt steht nicht die Opferperspektive, sondern die Frage nach einer möglichen Rolle ihres längst verstorbenen Großvaters als Täter. Das Werk ist teils als Collage angelegt, in die Fotos von Stolpersteinen und andere Bilder einbezogen sind.
* An dem Comic-Projekt „Wie geht es dir?“ (2025) hat eine größere Gruppe von Künstlerinnen und Künstlern mitgewirkt. Es zielt auf eine Auseinandersetzung mit der aktuellen politischen Situation in Nahost nach dem 7. Oktober 2023 ab, stellt aber immer wieder Verbindungen zum Holocaust her.
* Alexandra Klobouks „Das geheime Erni-Buch“ (2025) schließlich ist ein hybrides Medium zwischen Graphic Novel und Bilderbuch. Es erzählt die Erfahrungen des Holocaust-Überlebenden Ernst Otto Krakenberger für ein jüngeres Zielpublikum.
Angeknüpft an die „Paderborner Erklärung“
Das Herausgabeteam knüpft mit seinem Band an die „Paderborner Erklärung“ von 2022 an: Darin fordert der Fachverband Deutsch des Deutschen Germanistenverbands eine verbindliche Verankerung von Holocaust-Literatur in den Lehrplänen aller Schularten, gerade auch mit Blick auf das Ende der Zeitzeugenschaft und neue mediale Formen des Erinnerns. Der Verband plädiert ebenfalls dafür, fiktionale Comics, Filme oder digital gespeicherte Zeitzeugen-Interviews in den Unterricht miteinzubeziehen.
Der Sammelband ist 2026 im Wissenschaftlichen Verlag Trier erschienen. Auf den Webseiten des Verlags steht er als Open-Access-Publikation zur Verfügung.
„Praktiken der Erinnerung. Holocaust und Nationalsozialismus im Deutschunterricht der Zukunft“, herausgegeben von Anja Ballis, Anette Sosna und Dieter Wrobel als Band 15 der Reihe „DDG – Beiträge zur Didaktik der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur“. 274 Seiten,
37,50 Euro (Print), ISBN Print: 978-3-98940-109-9 / ISBN Open Access: 978-3-98940-110-5
In der Reihe „Um 7 – Aktuelles im Gespräch“ – Dialog für eine Stunde
Mittwoch, 15. April, 19-20 Uhr (online)
Das „Land der Zedern“ zwischen Trauma und der Suche nach Hoffnungsspuren
Impuls und Gesprächspartnerin: Friederike Weltzien, Pfarrerin i.R. und Trauma-Therapeutin
Moderation: Dr. Andreas Goetze, Zentrum Oekumene Frankfurt/Main
Wie leben die Menschen in einer Situation ständiger Bedrohung? Die israelischen Drohnen begleiten den Alltag und die Bombardierungen gehen täglich weiter. Könnte die Entwaffnung der Hisbollah gelingen und damit dem Libanon die Chance auf einen wirtschaftlichen Aufschwung eröffnen? Welche Perspektiven gibt es für eine bessere Zukunft? Was sind die Hoffnungsmomente?
Friederike Weltzien ist biographisch wie von Herzen eng mit dem Libanon verbunden. Sie wuchs teilweise in Beirut auf und war mit ihrem Mann Uwe von 1999 bis 2008 Pfarrerin in der Deutschsprachigen Evangelischen Gemeinde zu Beirut. Dort bringt sie sich immer wieder, wenn nötig, als Vertretung ein. Ansonsten arbeitet sie als Traumtherapeutin für den Verein Frieden und kultureller Austausch – Libanon e.V. in dem Begegnungszentrum Dar Assalam in Wardaniye, was nach der Zerstörung durch israelische Bomben wieder im Aufbau ist. Sie war zuletzt in den palästinensischen Flüchtlingslagern des Libanon unterwegs, um Sozialarbeiterinnen und Psychologinnen vor Ort fortzubilden.
Veranstalter: Zentrum Ökumene der EKHN und EKKW in Kooperation mit der Katholischen Erwachsenenbildung im Bistum Limburg (KEB Diözesan-Bildungswerk) und dem Religionspädagogisches Institut der EKKW und EKHN