Welche arabische Welt wird es werden?

Auf dem Blog journal21.ch erläutert der Schweizer Islamwissenschaftler Christian Wyler, den Kontext der Entwicklungen im arabischen Raum, in den er die neue ‚Beziehungen‘ Israels einordnet:

Der «neue Nahe Osten»

„Neo-Arabismus statt eines sunnitischen Blocks, De-Islamisierung, die Konfrontation der arabischen Staaten nicht nur mit dem Iran, sondern nun auch mit der Türkei: In der regionalen Blockbildung fallen gleich mehrere Entwicklungen zusammen, die die Region prägen. Die Normalisierung der Beziehungen mit Israel fügt sich in die Logik der neuen arabischen Blockbildung nahtlos ein.“

Christian Wyler hat Islamwissenschaft und Geschichte an der Universität Bern studiert. Im Rahmen seines Dissertationsprojekts forscht er zur Konfessionalisierung im Irak nach 2003. Seit 2019 ist er wissenschaftlicher Assistent am Forum Islam und Naher Osten (FINO) der Universität Bern.

Else-Frenkel-Brunswik-Institut vorgestellt

In Umsetzung des sächsichen Koalitionsvertrages übergab am 17. September Staatsministerin Katja Meier der Rektorin der Universität Leipzig, Prof’in. Drin Beate Schücking, einen Förderbescheid des Freistaates in Höhe von 133.000 Euro ersten Monate der Arbeit des neuen Instituts. Das Else-Frenkel-Brunswik-Institut wird als eigenständige Forschungseinheit im interdisziplinären Zentrum der Universität Leipzig „Leipzig Research Centre Global Dynamics“ etabliert und administrativ angebunden.

Katja Meier erklärt bei dieser Gelegenheit: „Das Else-Frenkel-Brunswik-Institut wird Untersuchungen zu demokratiefeindlichen Einstellungen zusammentragen und mit eigenen Forschungen und Forschungsaufträgen zu Sachsen und zu einzelnen Regionen in Sachsen ergänzen. Ganz wesentlich ist, daß das Institut das gewonnene Wissen bewertet und sehr verständlich für die unterschiedlichen Träger und Einrichtungen aktiv zur Verfügung stellt. Ich bin überzeugt, daß wir so die demokratisch Engagierten in Sachsen unterstützen.“

Else Frenkel-Brunswik – Die Namensgeberin

Else Frenkel wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Lemberg, heute Lwiw, Ukraine, geboren. In Folge von Pogromen und des Antisemitismus übersiedelt ihre jüdische Familie 1914 nach Wien, wo sie aufwuchs, nach der Matura ein Studium der Mathematik und Physik begann und ein Studium der Psychologie anschloss. Nach dem Studium war sie am Institut für Psychologie im Forschungsbereich „Autobiographische Forschung“ beschäftigt. Nach dem Einmarsch Nazi-Deutschlands in Österreich floh Else Frenkel 1938 in die USA und begann an der University of California in Berkeley ihre Tätigkeit als Senior Lecturer. In den USA heiratete sie den ebenfalls aus Wien emigrierten Egon Brunswik. Else Frenkel-Brunswiks Forschungsschwerpunkt wurde der Antisemitismus, und sie war maßgeblich an den ab 1944 in Berkley durchgeführten „Studies in Prejudice“ beteiligt. Sie leitete neben dem ebenfalls in die USA ausgewanderten Sozialphilosophen Theodor W. Adorno, dem Sozialpsychologen Nevitt Sanford und dem Psychiater Daniel J. Levinson die Studien „The Authoritarian Personality“. Mit der Benennung des Instituts schließen die Leipziger Wissenschaftler/innen an die von ihr mitbegründete Tradition der Vorurteilsforschung an.

Sachsens Demokratieministerin Katja Meier mit der Leipziger Universitätsrektorin Prof. Dr. Beate Schücking.
Sachsens Demokratieministerin Meier mit der Leipziger Universitätsrektorin Schücking – Photo: Swen Reichhold | Universität Leipzig

Siehe auch den idw-Pressedienst: https://idw-online.de/de/news754317

Verschwörungsmythologische Tendenzen in der Corona-Krise

Für Freiheit – und Antisemitismus? – so überschrieben ist der Beitrag von Michael Blume, seines Zeichens Religions- und Politikwissenschaftler und Beauftragter gegen Antisemitismus der Landesregierung Baden-Württemberg, in einen Dossier der Konrad Adenauer-Stiftung (31. August 2020). Nicht der einzige Beitrag, der sich mit diesen aktuellen Erscheinungen auseinandersetzt, aber davon kann es nicht genug geben.

ICG-Podcast

Im neuen Podcast der International Crisis Group (ICG) analysiert Nathan Thrall, langjähriger Mitarbeiter für den Bereich Israel-Palästina in der Crisis Group, die Bedeutung der neuen Vereinbarungen zwischen Israel und den Vereinigten Arabischen Emirate und aktuelle regionale Dynamiken.  

Längst führen sechsspurige Highways Passante(inn)en von Israel direkt in die besetzten Gebiete des Westjordanlandes; der israelische Staat weitet seinen Einfluß ostwärts aus. Thrall fragt, ob Israel noch eine Demokratie sei. Und die Palästinenser? Für sie sei das Abkommen ein ‚desaster‘, denn ihre Ziele würden sie so nicht erreichen.

Hier die Episode Eins: Israel, the UAE, and Normalisation.

Aktuelle Filme/Festivals

Seret-Filmfestival   – Vom 1. bis 10. September 2020 findet zum fünften Mal ein Festival des israelischen Kino- und Fernsehfilms in Deutschland statt. Aufführungen und anschließend Gesprächsrunden gibt es in Berlin, Hamburg, Köln, Frankfurt und München.  
Hier die Übersicht dazu und mehr zu den einzelnen Filmen.  Und die Neuerung für dieses Jahr:  Sie können mit maximaler social distance ins Heimkino gehen. Beim Virtual Film Festival kaufen Sie Ihre Tickets online ein und sehen Ihre ausgewählte Filme am heimischen Bildschirm an.  

JF BB – Das Jüdische Filmfestival Berlin & Brandenburg ist seit mehr als 26 Jahren das Forum für den jüdischen und israelischen Film in Deutschland. 1995 gegründet, gehört es zu den ältesten und größten jüdischen Filmfestivals in Europa, ist das einzige seiner Art in Deutschland und wesentlicher Bestandteil des vielfältigen jüdischen Lebens hierzulande. In diesem Jahr vom 6.-13. September und auch hier viel Heimkino!

11. ALFILM – Arabisches Filmfestival Berlin – Vom 01. -29.09.2020. Fünf Monate nach dem geplanten Auftakt kehrt das 11. Arabische Filmfestival Berlin – ALFILM vom 01. bis 29. September unter den Bedingungen der fortdauernden Pandemie in die Berliner Kinos zurück. Als konzentrierte „Nomad Edition“ reist ALFILM nun mit leichterem Gepäck von Spielort zu Spielort. Das komplette Festivalprogramm mit ausführlichen Informationen finden Sie auf www.alfilm.berlin.

Aktuelles Briefing im VN-Sicherheitsrat

25. AUgust 2020 – In seinem heutigen Briefing an den Sicherheitsrat zur Situation im Nahen Osten begrüßte der VN-Sonderbeauftragte für den Nahost-Friedensprozeß, Nickolay Mladenov, das zwischen der Regierung Israels und der der Vereinigten Arabischen Emirate erreichte Abkommen.

Damit wäre der Plan der israelischen Regierung, Teile des Westjordanlandes zu annektieren, zwar gestoppt, aber die Befürchtung vor regionaler Instabilität bliebe bestehen. Insbesondere wies Mladenov auf die desolate wirtschaftliche Lage Palästinas und die Eskalation zwischen Gaza und Israel hin. Angesichts der Krisen auch in den Nachbarstaaten sei es unbedingt erforderlich, daß Israel und die palästinensische Führung ihre sicherheitspolitische Koordination wieder aufnähmen.

Wir leben im Zeitalter der Vereinten Nationen

Daniel Cohn-Bendit im Gespräch mit Bascha Mika

Ein Gespräch in der Frankfurter Rundschau mit Daniel Cohn-Bendit über Boykott-Aufrufe gegen Israel, jüdische Identität, den Rechtspopulismus im Land und die Hoffnung auf Zivilisierung der Aggressionen. Und mit Blick auf eine noch mögliche „Friedensregelung“ sagt er:

„Ja, wenn wir beiden Seiten klarmachen, dass sie einen Teil ihres Traumes aufgeben müssen. Im zionistischen Traum ist nicht nur Tel Aviv oder Haifa jüdisch, sondern auch Hebron oder Ramallah. Und im palästinensischen Traum ist nicht nur Hebron oder Ramallah palästinensisch, sondern auch Tel Aviv und Haifa. Davon müssen sich beide Seiten verabschieden. Wir leben nicht mehr im Zeitalter der Bibel, wir leben im Zeitalter der UNO. Das ist das Zeitalter des internationalen Rechts.“

Durchbruch oder Verrat?

Die Ereignisse im Nahen Osten nehmen wieder eine spannende Wendung. Die angekündigten, „normalisierten“ Beziehungen Israels zu den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) gilt den einen als Durchbruch gegen die Isolierung Israels in der Region, den anderen als Verrat an der „pan“-arabischen Front einer Solidarität mit den Palästinensern, beides ist im übrigen auch zugleich möglich.

Welche Bedeutung haben die Ereignisse und Entwicklungen: Innerisraelisch, wo schon wieder über Neuwahlen geredet wird, [Hat Netanyahu einen echten Preis bezahlt für die Beziehungen mit Blick auf die Siedlerszene?], innerpalästinensisch, wo die traditionelle Führung wieder einmal als wenig handlungsfähig erscheint [Was bedeuten z.B. die guten Beziehungen von M. Dahlan in die VAE jetzt und für eine neue Führung?] – Gilt die Formel Land for Peace noch? … Und viele weitere Fragen.

Mitvim, das Israeli Institute for Regional Foreign Policies, hatte am 17. August 2020 zu einer online-Konferenz geladen, die jetzt auch (englisch) nachgehört werden kann und hilfreiche Einblicke für die Einordnung gibt.

Im November wissen wir…

ob die folgenden Positionen irgendeine Relevanz haben:

Im Jahr 2019 hat der US-amerikanische Thinkthank Council on Foreign Relations (CFR) die Bewerber(innen) im Spektrum der Demokraten zu ihren politischen Positionen zu zwölf zentralen Politikbereichen befragt. Hier die Antwort der jetzt von J. Biden ausgewählten Kandidatin für das Amt der Vizepräsidentin, Kamala Harris, zu Israel und Palästina:

 

7. Do you support a two-state solution to the Israeli-Palestinian conflict and, if so, how would you go about trying to achieve it?

Israel is a critical ally and friend and its security is a top priority.  I absolutely support a two-state solution because it is the best way to ensure the existence of a Jewish, democratic, and secure Israel. Palestinians should be able to govern themselves in their own state, in peace and dignity, just as Israelis deserve a secure homeland for the Jewish people.

While all Americans have an interest in a peaceful resolution to the Arab-Israeli conflict, the fact remains that peace can only be achieved if the parties themselves come to an agreement. The U.S. can – and should – serve as a constructive partner in the process. Unfortunately, while, in the past, the U.S. has been viewed as an honest broker with a strong desire for peace in the region, Trump’s actions have inflamed tensions in the region, diminished U.S. credibility and influence, and undermined the prospects for peace. As President, I would start by reaffirming the U.S. commitment to Israel’s security and prosperity, while simultaneously working to rebuild the broken relationship between the United States and the Palestinians. Among all of our international partners, the U.S. is uniquely positioned to facilitate negotiations toward peace, but for that to have any chance of success, we have to start by re-engaging in honest, respectful dialog with both sides.

Alle Fragen und Antworten finden sich hier.