Kairoer Treffen

Vollversammlung des Mittelöstlichen Kircherates tagte vom 16.-20. Mai 2022 zum ersten Mail in Ägypten

Im Gegensatz zum Weltkircherat in Genf sind im MECC alle Zweige der christlichen Familie Vollmitglieder, also auch die Kirchen in Einheit mit Rom. Der koptische Papst Tawadros II., der das Treffen als Gastgeber leitete, begrüßte so Vetretungen von 21 Kirchen des Nahen und Mittleren Ostens, unter ihnen 17 Patriarchen, darunter etwa den Chaldäischen Primas, Louis Raphael Card. Sako, den Lateinischen Patriarchen von Jerusalem, Pierbattista Pizzaballa, Mor Ignatius Aphrem II., Syrisch-orthodoxer Patriarch von Antiochien, Johannes X., Griechisch-orthodoxer Patriarch von Antiochia und dem Ganzen und Ibrahim Azar, den evangelischen Bischof von Jerusalem.

Die Schlußerklärung der 12. Generalversammlung findet sich hier, (der Beitrag bietet eine Reihe interessanter Photos), darin heißt es unter anderem:

“The General Assembly called for:
A- Renouncing violence and fanaticism in all kinds and forms, rejecting extremism, terrorism, exclusion and discrimination based on religion, race, color, gender, and others.
B- Solidarity with the marginalised and vulnerable, refugees and displaced persons, and an appeal to officials and the international community to work for their return to their land.
C- Respecting freedom of belief, consolidating the values of citizenship and a common life with our Muslim brothers with whom we share mutual respect.
D- Supporting churches and believers in Jerusalem, the duty to preserve the holy places, and reminding the international community and the peoples of the world of the importance of strengthening Christian presence in the City of Peace.
E- Urging officials and decision-makers to work hard to address the crises rampant in various countries of our Middle East region, especially the deteriorating economic situation, in order to put an end to the suffering that burdens peoples, which requires a pause of conscience to uphold common interest above all considerations.

Bericht auf PIME – Asia News, Vatican News und der Weltkirchenrates.

Zur Debatte um das Dreieck Deutschland-Israel-Palästina

Aus der Arbeit der Württembergischen Evangelischen Arbeitsgemeinschaft für Weltmission (WAW)

Wir dokumentieren hier einen kurzen Bericht aus dem Newsletter des Referates für Mission, Ökumene und Entwicklung ( Mai 2022 – S.19/20) der Evangelischen Landeskirche in Württemberg

Interner Online-Studientag der WAW am 4. April 2022 – ein weiterer Nachgang

„’Der Streit um Israel, Palästina und die ‚postkoloniale Perspektive‘ – was kommt da mit der ÖRK-VV 2022 auf uns zu?!“ So lautete das Thema und man hätte in der Überschrift die Vollversammlung gleich noch um den Weltgebetstag 2024 ergänzen können, dessen Liturgie aus Palästina kommen wird.

Prof. Dr. Klaus Müller, u.a. landeskirchlicher Beauftragter für das christlich-jüdische Gespräch in der badischen Landeskirche und maßgeblicher Verfasser des Papiers „Israel-Palästina –Leitgedanken und Thesen“ der fünf evangelischen Landeskirchen an Rhein und Ruhr (Evangelische Landeskirche in Baden, Evangelische Kirche in Hessen und Nassau, Evangelische Kirche der Pfalz, Evangelische Kirche im Rheinland, Evangelische Kirche von Westfalen), führte in die Thesen ein, beleuchtete Hintergründe, implizite Adressaten und wesentliche Entscheidungen. Das Papier ist explizit in Blick auf die Vollversammlung verfasst worden. Müller machte deutlich, wie wichtig das Wahrnehmen des Selbstverständnisses beider Seiten sei – von anderen wie im Gegenüber der beiden. Aus kirchlicher Sicht gilt es zu beherzigen, dass das Christentum tief verbunden mit dem Volk des ersten Bundes bleibt, ebenso wie dass das palästinische Christentum im Mutterboden des christlichen Glaubens wurzelt.

Dr. Rainer Stuhlmann, u.a. langjähriger Studienleiter in Nes Ammim (Israel), griff den Vortrag von Müller auf, indem auch er unterstrich, wie wichtig es sei, die Geschichte und die Narrative der anderen, die ja jeweils auch in sich vielfältige Perspektiven haben, zu kennen. Er berichtete von gelungenen Begegnungen zwischen Juden, Muslimen und Christen, von Israelis und Palästinensern und von Organisationen, die Räume für solche Begegnungen eröffnen, ohne zu verschweigen, dass auch massive Abwehr statt Offenheit vorhanden sei. Er unterstrich die Notwendigkeit einer doppelten Solidarität.

Dr. Ellen Ueberschär, zuletzt Vorständin der Heinrich-Böll-Stiftung, jetzt Vorständin der Stephanus-Stiftung, einem diakonischen Unternehmen in Berlin-Brandenburg, veränderte die Perspektive, indem sie explizit die deutsche Sicht auf Israel und Palästina reflektierte aus einer politischen und moralischen Dimension heraus. Die Stellung zum Komplex „Israel und Palästina“ sieht sie im Kreuzungspunkt von drei Spannungsfeldern: Dem der deutschen Erinnerungspolitik, des Antisemitismus-Verständnisses und des Nahostkonflikts. „Die“ deutsche Position lautet „Nie wieder Auschwitz“, während Israelis auf dem Hintergrund der Erfahrung des Holocausts argumentieren: „Nie wieder so wehrlos“. In Deutschland nimmt der Antisemitismus zu; es gibt einen Antisemitismusbeauftragten der Bundesregierung, nur bleibt strittig, was denn Antisemitismus sei. Der BDS-Beschluss hat das Dilemma ebenso offensichtlich gemacht wie die Jerusalemer Erklärung, die 2021 die Antisemitismusdefinition des International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA) von 2016 kritisierte, weil dort antisemitische Rede und legitime Kritik an Israel / dem Zionismus nicht klar voneinander getrennt würden. In der Bewertung des Nahostkonflikts trifft das Narrativ des Holocausts auf die Kolonialismus-Debatte, in der Israelis als weiße Siedler dargestellt werden. Durch die Ausblendung der Hintergründe der Staatsgründung Israels kommt es dabei zu einer Opfer-Täter-Umdrehung. In dieser Spannungslage bleiben oft die eigenen Interessen im Hintergrund bei den Disputierenden unausgesprochen, was die Komplexität noch verstärkt. Ueberschär forderte ein, die eigene kontextuelle Sichtweise im Blick zu behalten ebenso wie die Diskussionskontexte. Eine differenzierte und auch selbstkritische Zugangsweise sei nötig im Gespräch über Israel und Palästina.

Elementarisiert könnte man das Ergebnis des Studientages wohl folgendermaßen zusammenfassen: Erst denken, dann reden und vorher noch einmal die eigene Position hinterfragen. Und das Ganze erst nach gründlichem Hören auf die Aussage des anderen. Und Räume offenhalten für solche Gespräche!“




Wohin ändert sich der ‚Nahe Osten‘?

Viele Dinge sind im Umbruch in den internationalen Beziehungen, von den Abraham-Accords zum Überfall auf die Ukraine. Auch das Gefüge des Nahen Osten bleibt davon nicht unberührt.

Im Libanon, der an der Grenze zum Kollaps steht und dessen Zukunft mehr als unsicher ist, tagte jetzt eine bemerkenswerte Konferenz. Ein Libanon der Neutralität? Mit Auwirkungen auf die Hisbollah und auf die Beziehungen zu Israel? Und ziehen dabei die Palästinenser:innen wieder / noch weiter den Kürzeren?

Hier ein Beitrag vom Blog des Times of Israel (Can Lebanon be neutral on the Arab-Israeli conflict?) von David Daoud (Director of Lebanon, Israel, and Syria research at United Against Nuclear Iran (UANI) and a nonresident fellow at the Atlantic Council) und

hier ein Bericht im Wall Street Journal (There’s Hope for a More Peaceful Lebanon) von Tony Nissi (President of the International Committee of the United Nations Resolutions for Lebanon).

Die ‚Heiligen Stätten‘ und ihr Schutz

König Abdullah II. bekräftigt Verantwortung des Königshauses für den Schutz der christlichen und muslimischen heiligen Stätten in Jerusalem

Das jordanische Königshaus werden künftig mit noch größerem Nachdruck und Entschlossenheit ihre historische Verantwortung für den Schutz und die Bewahrung der christlichen und islamischen Heiligen Stätten in Jerusalem wahrnehmen, damit Christ:innen und Muslim:innen an diesen Orten weiterhin ihre Riten und Liturgien frei ausüben können, ohne durch einseitige Maßnahmen und ‚Politik der Tatsachen‘ eingeschüchtert und behindert zu werden, die die Regeln verletzen und das Zusammenleben der Glaubensgemeinschaften in der Heiligen Stadt untergraben.

König Abdallah II. selbst bekräftigte die historische Verantwortung für den Schutz, den das jordanische Königshaus für die muslimischen und christlichen Heiligen Stätten in Jerusalem ausübt. Er tat dies am Montagabend, den 25. April, während des offiziellen Fastenbrechens im Al-Husseiniya-Königspalast in Amman, an einem der letzten Tage des muslimischen heiligen Monats Ramadan, an dem hochrangige Vertreter der christlichen und islamischen Gemeinden aus Jerusalem teilnahmen.

An dem Bankett nahmen unter anderem der griechisch-orthodoxe Patriarch von Jerusalem, Theophilos III., Erzbischof Pierbattista Pizzaballa, Lateinischer Patriarch von Jerusalem, und Scheich Muhammad Hussein, Großmufti von Jerusalem, sowie der jordanische Kronprinz Al Hussein bin Abdullah. teil.

In den letzten Wochen waren die Spannungen und Zusammenstöße rund um die christlichen und muslimischen Heiligen Stätten in der Altstadt von Jerusalem erneut eskaliert. In der vergangenen Woche kam es dabei zu Zusammenstößen zwischen palästinensischen Muslimen und israelischen Polizeikräften auf dem Tempelberg/Haram ash-Sharef in Jerusalem, während das Griechisch-orthodoxe Patriarchat von Jerusalem die von Israel verhängten Beschränkungen bedauerte, die die Zahl der Gläubigen in und um die Auferstehungskirche am 23. April, dem Karsamstag, dem Tag, an dem die traditionelle Zeremonie des Heiligen Feuers zu Beginn der Osternacht stattfindet, und am 24. April, für die Kirchen, die dem julianischen Kalender folgen, begrenzen.

Wie jordanische Medien berichten, soll König Abdallah während des Abendessens am Montagabend bestätigt haben, daß Jordanien sich mit anderen arabischen politischen Führern abstimme, um gegen alle Verstöße vorzugehen, die das Zusammenleben der verschiedenen Glaubensgemeinschaften in der Heiligen Stadt gefährden. Dieses empfindliche Gleichgewicht wurde in diesem Jahr umso deutlicher, als der islamische heilige Monat Ramadan und das christliche Osterfest und jüdische Passahfest im selben Zeitraum stattfanden. Während des offiziellen Fastenbrechens – so jordanische Medien weiter – habe der Lateinische Patriarch von Jerusalem, Erzbischof Pierbattista Pizzaballa, erklärt, daß die Verbundenheit des Königs und des Königshauses mit Jerusalem international anerkannt und geschätzt wird. Dabei habe er betont, daß die Stimme des Königs ein wichtiger Bezugspunkt angesichts der periodisch wieder aufflammenden Spannungen um die Heiligen Stätten Jerusalems sei.

Unterdessen stimmte am Montag, den 25. April, das jordanische Parlament für eine Verschärfung des Strafmaßes für Straftaten, die gegen religiöse Überzeugungen oder Gefühle verstoßen. Die Mindeststrafe für diese Straftaten beträgt nun vier Monate Haft (bisher drei Monate) und eine Geldstrafe von bis zu 500 jordanischen Dinar (bisher höchstens 20 Dinar).

(Vgl. Nachricht auf Fides)

Starke Frauen…

Auch wenn es noch andere gute Dinge gibt, die man:frau am 1. Mai tun kann, wer in Berlin sein sollte / nach Berlin kommen will:

Jahresfest des Jerusalemsvereins am 1. Mai 2022

Das Jahresfest findet am 1. Mai 2022 in der Passionskirche (Berlin-Kreuzberg) statt. Nach dem Festgottesdienst (11.30 Uhr) beleuchtet der Festnachmittag (14.00 bis 17.30 Uhr) das Thema „Starke Frauen“ mit Gästen aus Nahost.Der Jerusalemsverein lädt herzlich zu seinem 169. Jahresfest am Sonntag, den 1. Mai 2022 ein. In diesem Jahr sind wir zu Gast in der Passionskirche, Marheinekeplatz 1, 10961 Berlin-Kreuzberg.


Der Festgottesdienst beginnt um 11.30 Uhr. Es predigt Pfarrerin Barbara Deml, die stellvertretende Direktorin des Berliner Missionswerkes und Landeskirchliche Pfarrerin für Ökumene und Weltmission.

„Starke Frauen“ ist das Thema des Festnachmittags (14.00 bis 17.30 Uhr). Über dieses  Thema sprechen Rania Salsaa, Lehrerin in Talitha Kumi, und Sally Azar, Vikarin der ELCJHL in Berlin-Frohnau, Moderation: Sybille Möller-Fiedler, stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Jerusalemsvereins.


Bischof Sani Ibrahim Azar berichtet über die Situation der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Jordanien und im Heiligen Land (ELCJHL) und Schuldirektor Matthias Wolf über aktuelle Entwicklungen in Talitha Kumi. bDas Berliner Orient-Ensemble wird den Festnachmittag musikalisch begleiten.

Feuer – mitten in der Altstadt

Für die einen die Freude der Auferstehung in der Zeremonie des Hl. Feuers – hier der Link zu einem kleinen Video des Swedish Theological Institute

… für die anderen nur wenige Meter daneben die Sorge, daß sich ein Feuer anderer Art ausbreitet: Zvi Bar’el in der Haaretz über die Wirkungen der Ereignisse auf und um den Haram…

Mitten in der aufgeheizten Stimmung

Israelische Autoritäten beschränken den Zugang zu den orthodoxen Osterfeierlichkeiten in der Altstadt

Das griechisch-orthodoxe Patriarchat hat gegen die Entscheidung, die Zahl der Teilnehmenden an den Zeremonien, u.a. des Heiligen Feuers zu beschränken, protestiert:

„The Church in Jerusalem states that having access to churches in the Old City, especially during the Easter holidays „has become increasingly difficult in recent years“, and „that there is no justification” for the additional restrictions put into place this year. The Patriarchate “affirms its explicit, clear and complete rejection of all restrictions,“ and declares openly that they are „fed up with police restrictions on freedom to worship and with its unacceptable methods of dealing with the God given rights of Christians to practice rituals and have to access their holy sites in the Old City of Jerusalem.”

Eine öffentliche Petition, angestoßen von Sabeel, soll zumindest den Protest sichtbar machen.

Bleibt es beim status quo?

Trotz aller (oder wegen?) aller heiligen Zeiten, prägt wieder einmal Gewalt die Situation in Jerusalem, und nicht allein dort. Aber in Zeiten wie diesen steht alles in Frage. Ist es klug in dieser Zeit den staus quo, der bislang ein fragiles Konstrukt aufrecht erhalten hat, auch in Frage zu stellen? (Aber wer sagt, das Politik klug handelt?)

Hier eine Stimme aus Jordanien (sic), die einen kritischen Blick auf die Entwicklung wirft: Daoud Kuttab fragt in Arab News: Want quiet in Jerusalem? Respect the status quo

Karfreitag im Heiligen Land

On this day is crucified on the cross
He who suspended the earth upon waters

Auch wenn die Nachrichten so schlimm sind … ab Min 3:20 gibt es eine wunderschönen, gesungenen Hymnus zur Kreuzerhöhung, aufgenommen in diesem Jahr 2022 in der Kirche Unserer Lieben Frau in Haifa, der ehemaligen Bischofskirche der melkitischen Kirche, heute das Haus Gnade.

https://www.facebook.com/house.of.grace.haifa/videos/1170609667086078