israel & palästina

Zeitschrift für Dialog – Ausgabe 3-2018 erschienen

84 Seiten | 978-3-86575-371-7 | 10,00 €

Mit dem vorliegenden Heft 3/2018 hat sich der diAk als Herausgeber für dieses Mal von der Praxis eines Themenheftes entfernt. Aus redaktionellen Gründen erscheint dieses Heft bedauerlicherweise mit erheblicher Verspätung.
Das Heft widmet sich aus verschiedenen Perspektiven der Diversität der
deutschen und der israelisch-palästinensischen Gesellschaften und der daraus entstehenden Konflikte. Mit dem Policy Paper der israelischen
Nichtregierungsorganisation Emek Shaveh soll eine Diskussion vorgestellt
werden, die die Auseinandersetzung um die kulturelle Hegemonie in Jerusalem aufzeigt. Die Organisation ist bemüht, die Rechte an dem reichhaltigen Arsenal von Artefakten, die in und um Jerusalem bewahrt, erforscht und neu entdeckt werden, gegenüber ideologischen und religiösen Vereinnahmungen zu verteidigen. Sie wendet sich damit
gegen eine auch von der derzeitigen israelischen Regierung unterstützten
Geschichtsdeutung, die nationalistische und hegemoniale Narrative in den Vordergrund stellt und damit die Landnahme und Siedlungspolitik in Ost-Jerusalem aus historischer Perspektive zu legitimieren versucht. Dem gegenüber unterstützt Emek Shaveh einen Ansatz in der Archäologie, die sie als offene Wissenschaft propagiert, die die Diversität und das komplexe kulturelle Erbe der Stadt zeigt. Sie stellt sich damit zugleich auch den politischen Implikationen: gegen eine Verdrängung der diversen religiösen und kulturellen Traditionen durch ein nationalistischen Deutungsmuster, wie es zum Beispiel in dem Projekt der ‚Davidsstadt‘ praktiziert wird.

In seinem Beitrag ‚Antimuslimischer Rassismus und Antisemitismus im Vergleich‘ argumentiert der Berliner Politikwissenschaftler Ozan Zakariya
Keskinkılıç
gegenüber öffentlich geäußerter Kritik, daß dieser Vergleich
nicht nur zulässig sei, sondern daß aus der Antisemitismusforschung stammende analytische Ansätze für die antimuslimischen Rassismus genutzt werden können. Diese komparatistische Perspektive stellt er anhand von drei Ebenen dar: einmal enthalten beide Vorurteilsweltbilder eliminatorische Aussagen und Vorstellungen gegenüber beiden Minderheiten, zweitens arbeiten diese Rassismen mit Projektionsbildern, die Juden und Muslime in gleicher Weise durch Fremdzuschreibungen zum kulturell, politisch und lebensweltlich ‚Anderen‘ erklären. Drittens sind die dabei produzierten Feindbilder in beiden Fällen durch keine empirische oder sonst irgendwie geartete Praxis und Realität gedeckt. In seinen Schlußfolgerungen zeigt der Autor darüber hinaus, daß verschwörungstheoretische Weltbilder oft synchrone Ausschluß- und Abwertungsmechanismen gegenüber Juden wie Muslimen haben.
Zur Frage des Islambildes finden Sie dann im Anschluß daran ein Gespräch mit Monika und Udo Tworuschka anläßlich ihres neuen Buches Der Islam: Feind oder Freund? 38 Thesen gegen eine Hysterie. ‚

In einem dritten Teil geht es um Religionsfreiheit aus christlicher Sicht. Die Stellungnahme zweier evangelischer Kirchen ordnet den Begriff der Christenverfolgung für die Situation von christlichen Gemeinden in Gesellschaften ein, in denen sie in der Minderheit sind und weist ihn letzten Endes zurück. Das Verhältnis von Menschenrechten und Religionsfreiheit erläutert Andreas Goetze, Landespfarrer für interreligiöser Dialog der Evang. Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) in sechs Thesen. Er stellt den Zusammenhang zwischen Religion, Menschenrechten und Religionsfreiheit her und plädiert für die Freiheit aller Glaubensrichtungen. Auch er sieht die Aufgabe der Kirchen in der Unterstützung der Menschenrechte weltweit. Auf die Geschichte und die Lage der Christen im kriegszerstörten Syrien geht der Autor Tarik Bashour ein.

In einem Literaturteil finden sich jeweils zweisprachig, Kurzprosa von Sana Mukarker-Schwippert und Gedichte von Mati Shemeolof. Von ihm erscheint in Kürze ein Gedichtband, aus dem diese Texte ein Vorabdruck sind.

Es läßt uns nicht los…

Eine lesenswerte Kolumne von Charlotte Misselwitz in der taz

Um es vorweg zu nehmen: Der letzte Satz des taz-Beitrages darf als ein nachdenklich machendes Motto gelten:

„Nein, BDS geht nicht in Deutschland. Allen, die sich dafür engagieren, kann ich nur sagen: Ihr habt recht, aber: In Deutschland brauchen wir eine kompliziertere Kritik an Israels Palästinapolitik, die gleichzeitig die Deutschen in die Mitverantwortung nimmt.“

Es lohnt der Beitrag ganz zu lesen, man/frau muß nicht alle unsäglichen Kommentare darunter ernstnehmen (auch wenn sie viel über die Befindlichkeiten hierzulande in der Diskussion sagen), aber auch darunter finden sich manche, die um eine eigene, verantwortbare Position ringen. Und es bleibt ein Ringen, nicht nur für Charlotte Misselwitz, auch für viele von uns… … es läßt uns nicht los! …

Lea Tsemel, Anwältin

Lohnende Fernsehspätschicht: ARD | 10. Juli 2019 – 22:45 – 00:15

Israels Besatzung palästinensischer Gebiete führt seit Generationen zu blutigen Auseinandersetzungen. Auf palästinensischen Widerstand folgt israelische Expansion, eine friedliche Lösung des Konflikts ist in weite Ferne gerückt. Lea Tsemel ist jüdische Anwältin und verteidigt palästinensische Straftäter, die in ihrem Land keine Stimme haben. Für ihre politischen Gegner ist sie deshalb eine Verbündete des Teufels, eine Schande für das Land. Sie vertrete Freiheitskämpfer und opponiere, stelle sich damit gegen die israelische Siedlungspolitik, sagen ihre Befürworter.

Kalender Juli 2019

Ein-Blicke in die Geschichte – unser Jahreskalender
Für den Juli

• ‚Jerusalem – Deutsche Kolonie mit Bahnhof ‘, ohne Verlag (hs. datiert 1927).
• ‚Palästina – Aussätzigen-Asyl „Jesushilfe“, Gesamtansicht‘, Verlag Missionsverwaltung Lichtbildabteilung Herrenhut i. Sa. (B 3725) (ca. 1936?).
• ‚Palästina – Aussätzigen-Asyl „Jesushilfe“, Die Kranken lauschen dem Grammophon‘, Verlag Missionsverwaltung Lichtbildabteilung Herrenhut i. Sa. (B 3730) (ca. 1936?).

Einige wenige Restexemplare sind noch beim Verlag erhältlich.