Proteste gegen Diskriminierung äthiopischer Juden und Jüdinnen in Israel

Tausende Israelis demonstrierten am Mittwochnachmittag und Abend (30. Januar 2019) in Tel Avivs Hauptverkehrsstraßen gegen die Diskriminierung äthiopischer Juden in Israel und legten dabei weite Tel Avivs lahm. Anlaß des Protestes war der Tod eines jungen Äthiopiers am 19. Januar. Die Abschlußdemonstration auf dem Kikkar Rabin zeigte allerdings eine weitegehend homogene Protestmenge, zu einen breiten Solidarisierung kam es nicht.

Regierung Hamdallah zurückgetreten

Am 29. Januar 2019 reichte der amtierende palästinensische Ministerpräsident Rami Hamdallah bei Präsident Mahmood Abbas den Rücktritt des Kabinetts offiziell ein. Bis zur Bildung einer neuen Regierung wird er die Geschäfte weiterführen.

Zwei Tage zuvor hatte die Regierung das umstrittene Social Security Law ausgesetzt. Gegen die Einführung dieses Gesetzes hatte die Bevölkerung seit Monaten protestiert, zuletzt noch am letzten Donnerstag mit einem Streiktag.

Eine wichtige Stimme zum Shoa-Gedenktag

Am 29. Januar 2019 hatte ich in (West-)Jerusalem Gelegenheit mit Rabbiner Michael Melchior zu sprechen (Religious Peace Initiative – Er war 2017 in Berlin unser Gast und hatte dabei zu einer Vielzahl von Institutionen Kontakte geknüpft), als er gerade seine einleitenden Worte zu einem Artikel von Mohammad Al-Issa (Mohammad Al-Issa ist der Generalsekretär der Muslim World League und Präsident der International Organization of Muslim Scholars, mit Sitz im saudischen Mekka) auf seiner Website gestellt hatte:

Sheikh Dr. Mohammed Al-Issa is a great leader of the Muslim world. The Muslim World League, under his leadership, has significant religious centers in 57 Muslim countries around the world. He is impressive, courageous and ground-breaking and is also a major force for Religious Peace in the Middle East. Many people are skeptical and afraid of the way our world is moving.Leaders like Sheikh Mohammed Al-Issa and articles like the article I am sharing with you from this week’s Washington Post, (that is quoted all over the Arab world), gives me great encouragement that we Jews, Muslims, Christians and all people of serious good faith can move the world to a much better place if we lift in unison.

Eine solche beachtliche Stimme zeigt, wie sehr wir zusammen an einer Welt arbeiten können, die derartiges nie wieder geschehen lassen will – R. Zimmer-Winkel| diAk

Why Muslims from Around the World should Remember the Holocaust
by Mohammad Al-Issa

Seventy-four years ago, the gates of the Auschwitz death camp were torn down, and the Nazis could no longer hide their heinous crimes. For decades, however, some have chosen not to see what really happened wherever the Nazis and their henchmen wielded power. Instead, they deny the horrors of a diabolical plan to implement a hateful idea of racial purity that ultimately led to the murder of millions of innocent men, women and children — including six million Jews.

I urge all Muslims to learn the history of the Holocaust, to visit memorials and museums to this horrific event, and to teach its lessons to their children. As adherents to a faith committed to tolerance, coexistence and respect for the dignity of all mankind, we share a responsibility to confront those who would carry Adolf Hitler’s torch today, and to join hands with people of goodwill of all nations and faiths to prevent genocide wherever it threatens innocent lives.

Der Esel und die Möhre…

Die Ankündigung Trumps, mit dem ‚ultimativen Deal‘ Frieden in den Nahen Osten bringen zu wollen, wird immer mehr zu einem ominösen Irrlicht.

Nach der unilateralen Verlegung der Botschaft und der Streichung aller Hilfsgelder an palästinensische Organisationen, auch solchen mit einem dezidiert interkulturellen Fokus, disqualifiziert sich die gegenwärtige US-Administration sowohl als Vermittler, wie auch als ‚Friedensbringer‚. Vielmehr dressiert sie mit der sprichwörtlichen Möhre den Esel. In diesem Fall die Weltöffentlichkeit, die Israelis und auch die Palästinenser(innen) – nach den Wahlen den Israel soll es also losgehen … mit dem Frieden, so US Secretary of State, Mike Pompeo … wir warten gespannt.

 

Ruth Achlama mit Bundesverdienstkreuz geehrt

Wer jemals an den gesellschaftlichen Ereignissen in Tel Aviv oder Jerusalem teilgenommen hat, bei denen sich die deutsch-israelische Gemeinde regelmäßig trifft, der ist sicherlich auch dieser kleinen freundlichen grauhaarigen Frau begegnet.

Ruth Achlama, als Renate Böteführ in Quedlinburg geboren und in Mannheim aufgewachsen, lernte nach ihrer Übersiedlung nach Israel 1974 hebräisch. Sie wurde die Stimme der israelischen Literatur in Deutschland. Ihre Übersetzungen der Werke von Yarom Kaniuk, Abraham Jeshoshua, Meir Shalev ebenso wie die jüngerer Autorinnen wie Ayelet Gundar-Goshens Romanen „Löwen wecken“ und „Die Nacht“, aber vor allem auch sämtliche Werke von Amos Oz haben den Deutschen die israelische Literatur nahegebracht. Zuletzt übersetzte sie Tom Segevs monumentale Biographie David Ben-Gurions.

 „Für mich ist Ruth Achlama nicht nur Übersetzerin, sondern führende Mittlerin der neuen hebräischen Literatur auf ihrem Weg in die deutsche Sprache, eine Reise, um deren Schwierigkeiten ich weiß und deren schmerzliche Seiten ich kenne. In mehrfacher Hinsicht verkörpert Ruth Achlama für mich sowohl die Fähigkeit, nicht Sklave der Vergangenheit zu werden, als auch die Anstrengung, dort eine Brücke zu bauen, wo einmal eine war und zerstört wurde.“
Amos Oz in: Yedioth Ahronoth, 17. Dezember 1993.

Bereits 1995 wurde sie mit dem Paul-Celan-Preis geehrt und 2015 erhielt sie den Deutsch-Hebräischen Übersetzerpreis.

Am 17. Januar 2019 überreichte ihr die deutsche Botschafterin Susanne Wasum-Rainer in Tel Aviv das Bundesverdienstkreuz am Bande.

Wir gratulieren herzlich!

Drohnen für die Bundeswehr

Bereits Mitte der 1950er Jahre, also noch Aufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen den beiden Staaten, begannen Regierungsvertreter der damaligen Bundesrepublik und Israels mit der Kooperation im Rüstungssektor (siehe dazu den exzellenten Report, der von Otfried Nassauer und Christopher Steinmetz vom Berliner Informationszentrum für Transatlantische Sicherheit (BITS) verfaßt wurde).

Unter veränderten geostrategischen Rahmenbedingungen kam es Anfang der 1990er Jahre zu einer „Transformation der Rüstungskooperationsbeziehungen“ (S. 5), wie die Autoren des Berichts konstatieren. Als Tendenzen machten sie 2003 neben der Kooperation in der Rüstungsindustrie und in der Rüstungsforschung und -entwicklung eine Zunahme in den Rüstungsexporten Israels an Deutschland aus. So nutzt die Bundeswehr, aus Mangel an eigener Expertise und Ausstattungsmaterial, seit 2010 Drohnen des israelischen Luftfahrt- und Rüstungsunternehmens Israel Airospace Industries Ltd., unter anderem in Kriegs- und Konflikteinsätzen in Afghanistan und Mali. Der Leasing-Vertrag für die Drohnen wurde im Dezember des vergangenen Jahres bis zum Jahre 2020 verlängert. Das Training deutscher Soldaten und Soldatinnen für die Bedienung dieser Technik findet auch direkt vor Ort in Israel statt.


(Das Photo stammt von der Seite https://en.globes.co.il und ist dort ohne Quelle/Autorenschaft verwendet)

Die Abgeordneten der Partei „Die Linke“ im Bundestag sind gegen den Einsatz von bewaffneten Drohnen (UAV – unbemannte Flugzeuge). Der Bundesabgeordnete der Partei, Andrej Hunko, kündigte an, erneut nach Israel zu reisen und auf der Luftwaffenbasis Tel Nof die Ausbildung der deutschen Soldaten an den Geräten zu inspizieren.

Beitragsbild: Sammlung historischer Flugzeuge im Museum der Israelischen Luftwaffe (Israel Air Force – IAF) in der Nähe von Be’er Schewa – Photo: S. Hofmann