Der Internationale Strafgerichtshof und Palästina

Entscheidung in Den Haag gefallen: Zuständigkeit bejaht

Der 1998 durch das Römische Statut gegründete Internationaler Strafgerichtshof hat in einem am 5. Februar 2021 veröffentlichten Beschluß seine Zuständigung für die mögliche Untersuchung von Kriegsverbrechen in ‚Palästina‘ bejaht. Die Entscheidung weist ausdrücklich darauf hin (§ 130), daß damit keine Zuständigkeit oder Entscheidung in Fragen territorialer Angelegenheiten verbunden sei.

Schon im Dezember 2019 hatte die Chefanklägerin am Gericht, Fatou Bensouda erklärt, daß Ermittlungen zu Kriegsverbrechen gerechtfertigt seien. Es gebe klare Hinweise, daß im Westjordanland, im Gazastreifen und in Ost-Jerusalem Kriegsverbrechen begangen wurden. Als mögliche Täter verdächtigte sie sowohl israelische Soldaten, bewaffnete Palästinenser und Mitglieder der Hamas, was ein wichtiges und spannendes Verfahren erwarten läßt. Bensouda hatte angekündigt, ein Verfahren zu eröffnen, sobald die Zuständigkeit des Gerichts geklärt sei und dafür die Frage dem Gericht vorgelegt, das nun in einem Dreierauschuß (mit 2:1) darüber befunden hat.

2015 war Palästina durch die Palästinensiche Autonomiebehörde als 123. Mitglied dem Internationalen Strafgerichtshofs beigetreten, Israel ist nicht Mitglied des Gerichtshofes und beabsichtogt auch keinen Beitritt.

Erwartungsgemäß fallen die Reaktion in Israel und Palästina sehr unterschiedlich aus (Times of Israel)(NZZ) (DW).

Hier der Link zu dem 60 seitigen Beschluß.

Aufspüren, Jagen, Entsorgen. Die Sprache der Neuen Rechten

Landesbüro Brandenburg Friedrich-Ebert-Stiftung | Einladung zum Online-Theater & Diskussion am 22. Februar 2021, 18-20 Uhr ONLINE

„Worte können sein wie winzige Arsendosen.
Sie werden unbemerkt verschluckt, sie scheinen keine Wirkung zu tun,
und nach einiger Zeit ist die Giftwirkung doch da.“
Victor Klemperer

Die Welt ist in Veränderung. So auch unser Land. Dies schafft Verunsicherung. Die Suche nach Erklärungen und Lösungen für die Gestaltung der Zukunft, der Sicherung der ökonomischen, ökologischen und moralischen Grundlagen und Strukturen bewegt mehr und mehr Menschen. Die veränderten politischen Kräfteverhältnisse haben unmittelbare Auswirkungen auf die Form und Inhalte des politischen Diskurses und damit auf den Zusammenhalt der Gesellschaft.

Ein Mittel dieser Auseinandersetzung ist die Sprache. Sprache ist Träger von Sinn und Überlieferung, Schlüssel zum Welt- und Selbstverständnis und zentrales Mittel zwischenmenschlicher Verständigung. Die Sprache ist Ausgangspunkt für Manipulation, Einschüchterung, Hass und Aufruf zur Gewalt. Grundlage der Texte des Theaterstücks sind nicht nur Zitate aus Reden, sondern auch direkte Auszüge aus Publikationen und Parteiprogrammen.

Auf der Bühne wird der Umgang mit Medien und Internet dargestellt sowie die Entwicklung von Hasskommentaren, die zu Aufrufen zur Gewalt führen und zeigt auf, wie sich das Klima im öffentlichen Diskurs verändert hat. Das Stück endet mit der Dokumentation von rechten Straftaten.

Wie die aktuelle Lage in Bezug auf Alltagsrassismus, Einschüchterung und Gewalt in Brandenburg ist, besprechen wir im Anschluss mit Martin Vesely von der Beratungsorganisation Opferperspektive e.V. Brandenburg.

Was wir tun können, um beizutragen, dass wir hass- und gewaltfrei in einer Gesellschaft leben können, wollen wir zusammen mit Ihnen und Euch diskutieren.

Das Stück ist gleichermaßen für Jugendliche und Erwachsene geeignet. – anmeldung.potsdam@fes.de

Was alles sollte die Biden-Administration tun…

Politikempfehlungen aus den Reihen des Mitvim-Instituts aus Israel – Auf das sie gehört werden…

This document presents recommendations of a Mitvim Institute task-team for initial policy steps that the Biden Administration can take to advance Israeli-Palestinian peacemaking. It focuses on nine policy directions: 

(1) Highlighting the importance of resolving the Israeli-Palestinian conflict;

(2) Renewing ties and building trust with the Palestinian leadership;

(3) Emphasizing US commitment to the two-state solution and formulating parameters for a final-status agreement;

(4) Preserving the feasibility of the two-state solution and drawing red lines;

(5) Leading multilateral steps, such as creating a new international mechanism and an incentives package;

(6) Leveraging Israeli-Arab normalization to advance the peace process;

(7) Improving the situation in Gaza and ending the internal Palestinian divide;

(8) Empowering pro-peace Israeli and Palestinian actors, including in civil society;

(9) Setting a constructive tone to relations with the Israeli leadership and public

Hier der Zugang zum vollständigen Dokument.

Wahlen, die Vierte: Episode 6

Kurz vor Ende der Meldefristen für die Listen zur anstehenden Knessetwahl fragt Naomi Chazan in der Times of Israel, wo denn all die Parteien geblieben seien … in den nächsten Tagen wissen (wir) alle mehr:

Too many instant alliances, personality-driven plans, and single-issue groups cannot substitute for robust political parties that balance the abuse of power by those in office

Hier der Link zum ganzen Artikel.

Zwischen Said und Ägypten, zwischen Berlin und …

Eine (autobiographisch aufgehangene) „deutsch-ägyptische Erinnerung“ hat Sonja Hegazi, stellv. Direktorin des ZMO in Berlin, in einer deutschen – und in einer etwas längeren englischen – Fassung veröffentlich, eine lesenswerte Reflektion – nicht nur als Hommage an den großen palästinensisch-US-amerikanischen Denker Edward Said.

Hier der Link über das ZMO, das am 2. Febaruar in seinem Newsletter darüber berichtet hat

Ich darf hier stehen als Repräsentantin der Nachgeborenen

Hier der Verweis auf das Redemanuskript (das an wenigen kleinen Stellen nicht mit dem gesprochenen Wort übereinstimmt) der Ansprache von Marina Weisband, ehemalige Politikerin der Piraten, heute bei den Grünen aktiv, am Shoa-Gedenktag im Deutschen Bundestag.

Rede im Bundestag zum Holocaustgedenktag 2021

Patriarch des Volkes

Filmvorführung aus Jerusalem über (und mit) Msgr. Michel Sabbah, emeritierter Lateinischer Patriarch von Jerusalem

Al-Liqa’ Center, Christ at the Checkpoint, Kairos Palestine, Sabeel and the East Jerusalem YM/YWCA of Palestine would like to invite you to the launching of the film “The People’s Patriarch”, Reflections with Patriarch Michel Sabbah, at 6 pm Jerusalem Time on the 6th of February 2021. 

Ms Nora Carmi will be moderating the event, including a short introduction by the film producer Dr. Lily Habash and director Mohammed Alatar, screening of the film and open discussion with His Beatitude (Patriarch Emeritus) Michel Sabbah.

You can register at the following zoom link
https://zoom.us/meeting/register/tJEqceyrrDgoGtGylHpk1uwBtR69d0OUcenP  

Kalender Februar 2021

Zum sechsten Mal erschien in israel & palästina | Zeitschrift für Dialog ein Bildbegleiter für das ganze Jahr. 2016 haben wir auf Andere Visionen geschaut. 2017 Erfahrungen aus der Arbeit der Combatants for Peace zum Thema genommen, 2018 waren es Visual Correspondences, zweier junger Frauen, 2019 waren alte Postkarten als Träger für die unterschiedlichen Narrationen zu sehen. 2020 haben uns Photographien von Felix Koltermann durch die realen und imaginierten Landschaften begleitet.

2021 begleiten Gedichte – jeweils in arabisch, deutsch und hebräisch – uns als Dreiklang durch das Jahr, zusammen mit Photos von Andreas Schröder zu jedem Monat. Der AphorismA Verlag hat noch einige wenige Exemplare lieferbar.

Der Februar bringt ein Gedicht der österreichischen Künstlerin Simone Klebel-Pergmann: Grenzen, übersetzt von Marwan Abado.

Kalter Krieg im Nahen Osten

Der iranisch-saudische Konfliktdominiert die Region BAK-Arbeitspapier 1/2021, Guido Steinberg.

Mag im Zentrum des Nahostkonfliktsystems auch die Auseinandersetzung zwischen den beiden Konfliktparteien Israel und Palästina stehen, so wurde dies in den vergangenen Jahren durch andere Konfliktaustragungen überlagert, wie im Irak, in Syrien, im Jemen, in Libanon, in Iran. In seinem Arbeitspapier für die „Bundesakademie für Sicherheitspolitik“ thematisiert der SWP-Wissenschaftler Guido Steinberg den Konflikt um die regionale Hegemonie zwischen den beiden Staaten Saudi-Arabien und Iran.

Seiner Einschätzung nach „handelt es sich bei dem Konflikt zwischen Iran und Saudi-Arabien heute um die zentrale machtpolitische Auseinandersetzung des Nahen Ostens – ein Systemkonflikt, der deshalb auch besonders erbittert geführt wird und langlebig ist.“

„Sollte die Regierung Biden in Verhandlungen ähnlich vorgehen und – entgegen den bisherigen Ankündigungen – die iranischen Raketen und schiitischen Milizen doch erneut ausklammern, wird der Widerstand Saudi-Arabiens, der VAE und Israels deutlich heftiger sein als noch 2015. Vor allem werden sie ihre Verbündeten im Kongress mobilisieren, die in beiden politischen Lagern zu finden sind. Darüber hinaus hat die Tötung von Fakhrizadeh gezeigt, daß zumindest Israel weitere Optionen hat, will es eine Entspannung zwischen Washington und Teheran stören.“

Steinberg sieht die Interessenwahrung Deutschlands im Bündnis mit den USA und Europa und skizziert dabei auch die Konsequenzen:

„Zur Vorbereitung auf die nächsten Monate und Jahre ist es zusätzlich angezeigt, die bisherige deutsche Interessendefinition zu überdenken. Politiker, Diplomaten und Wissenschaftler haben in den letzten Jahren häufig argumentiert, daß es in erster Linie gelte, eine kriegerische Auseinandersetzung zwischen Iran und seinen Gegnern zu verhindern. Das noch wichtigere Interesse der Bundesrepublik sollte aber sein, eine nukleare Bewaffnung von Regionalstaaten zu verhindern. Notwendige Konsequenz dieser Interessendefinition könnte es im Extremfall sein, auch einen Militärschlag der USA und/oder Israels gegen Iran zu unterstützen, falls dieser notwendig werden sollte, um eine nukleare Bewaffnung des Landes zu verhindern. Eine deutlichere Formulierung dieses Interesses könnte auch dazu dienen, den Druck auf Iran zu erhöhen, der in den letzten Jahren allzu oft versucht hat, Uneinigkeit zwischen Europa und die USA zu schüren.“

VN-Generalsekretär sieht ‚Hoffnung‘

Glaube wider die Vernunft. so liesse sich der Realist oder die Pessimistin vernehmen?

Hier ein Beitrag in Haaretz (basierend auf Associated Press):

UN Secretary-General Antonio Guterres said Thursday “there are reasons to hope” for progress toward ending the decades-old Israeli-Palestinian conflict after years of inaction.