Neues i&p-Heft erschienen

Allen Anfeindungen zum Trotz

Die neue Ausgabe unserer Zeitschrift für Dialog ist erschienen und an die Abonenntinnen sowie Mitglieder bereits verschickt. Der Schwerpunkt der Ausgabe ist die Lebensbilanz von Reiner Bernstein (München), der zu den Gründungsmitgliedern des diAk Ende der 1970er Jahre gehört.

Der Versuch, kritische Stimmen über israelische Politik mundtot zu machen,  hat eine lange Geschichte in Deutschland. Dies zeigen die autobiograpischen Reflektionen von Reiner Bernstein in seinem lebenslangen Engagement im Spannungsfeld Deutschland-Israel-Palästina.

Hier das aktuelle Inhaltverzeichnis – dem Schwerpunkt des Heftes, den Beitrag von Reiner Bernstein, gibt es auch in einer eigenen Buchhandelsausgabe.

Jung & Naiv – Rückblick

Hebron, Stadt der Matriarchen und Patriarchen – heute

Manchmal lohnt sich auch ein Blick zurück – der Podcast zu Hebron/al-Khalil (Nr. 389) ist nicht neu, aber er bleibt sehenswert, wie vieles aus diesem spannenden Podcast Jung & Naiv (am 31. Oktober haben wir an dieser Stelle schon einmal darauf hingewiesen, damals auf die Nr. 468).

Der Gang durch Hebron – gerade wo diese Stadt heute noch einmal doppelt weit weg ist, erhellend, frustrierend, läßt einen mit mehr Fragen zurück, als Antworten…

1.000 Dosen Impfstoff für Gaza?

Finden die russischen Spenden ihrer/einen Weg?

Die Palästinensische Autorität hat bei der israelischen Regierung um die Erlaubnis nachgesucht, 1.000 Dosen Impfstoff der Marke Sputnik, Teil eines Geschenks (10.000 Einheiten) der russischen Regierung an die Palästinenser, für die Impfung medizinischen Personals nach Gaza weiterleiten zu dürfen … Die Anfrage werde geprüft, heißt es dazu aus israelischen Regierungskreisen. Aus den Reihen der Knesset war zu vernehmen, diese Weiterleitung an Bedingungen an die Hamas zu knüpfen.

Haaretz Times of Israel

Kloster Mar Saba, Palästina

Auf dem Nachrichtenportal MEMO – Middle East Monitor wird das zwischen Jerusalem und dem Toten Meer gelegene Kloster Mar Saba vorgestellt. Bekannter ist das St. Georg-Kloster im Wadi Qelt, doch das griechisch-orthodoxe Kloster Mar Saba, gegründet im 5. Jahrhundert, ist das älteste in Palästina und Israel.

Die Reliquien des Hl. Sabas, die durch die Kreuzzüge aus dem Heiligen Land nach Venedig verbracht wurden, fanden als eine große ökumenische Geste nach der Begegnung von Paul VI. p.p und Patriarch Athenagoras in Jerusalem im Jahre 1964 ihren Weg übrigens wieder zurück in die jüdäische Wüste.

Skaten über Jerusalems Dächern

Ein neuer Trend, bedingt durch die fehlende Infrastruktur und den durch Corona hervorgerufenen Still- und Notstand, entdecken palästinensische Jugendliche in Jerusalem ihre Stadt noch einmal neu: als riesigen, bisher nicht erschlossenen Skatepark, hauptsächlich auf den Dächern der Altstadt.

Während in den Straßen unterhalb gebetet und gehandelt wird, gehören die Dächer nun der arabischen Jugend und ihren Skateboards.

Soziale Ungleicht bleibt

Auch nach Ende des dritten Lockdowns wird die soziale Ungleichheit nicht geringer

In den meisten OECD-Staaten ist die sog. Mittelklasse „under pressure“, wie die Organisation in ihren Analysen bereits 2019, also noch vor den Auswirkungen der weltweit von Regierungen verhängten Krisen- und Notstandsverordnungen, festgestellt hatte. Der Anteil der Haushalte mit mittleren Einkommen fiel von 64 % Mitte der 1980er Jahre auf 61% in der Mitte der letzten Dekade. Damit schwächten sich auch ihr Einfluss und ihre Rolle als „Zentrum der wirtschaftlichen Gravität“ (OECD 2019) und ihr stabilisierender politischer Einfluss. Das betrifft auch Israel. Mit 54% der Familien mit einem Einkommen zwischen 75% und 200% des mittleren Familieneinkommens des Landes liegt der Anteil der Mittelklasse in Israel unter dem OECD-Durchschnitt (OECD Israel).

Nach einem Jahr „Corona-Politik“ werden auch in Israel die schwer wiegenden Folgen eklatanter unsozialer Wirtschaftspolitik, vertiefter ungleicher Bildungspolitik, die Folgen der seit zwei Jahrzehnten laufenden Privatisierungen im Gesundheitsbereich und insgesamt die soziale Polarisierung in Israel deutlich. Und wie in den anderen OECD-Staaten (Bertelsmann Studie 2021) wurde durch die von der Regierung Netanjahu erlassenen Maßnahmen diese Ungleichheit nicht abgeschwächt, sondern sichtbar (siehe Lev Grinberg) und die Armut noch verstärkt (siehe Algemeiner). Nach Angaben des National Insurance Institute Israels leben fast zwei Millionen israelische Staatsbürger unterhalb der Armutsgrenze (JPost), wovon insbesondere Kinder betroffen sind, und zwar ca. 57% der Kinder ultra-orthodoxer jüdischer Familien und 46% der Kinder arabisch-palästinensischer Familien Israels (JPost 31.01.2021). Wie in Deutschland, zeigt sich auch in Israel, dass Familien und Kinder keine starke Lobby haben in diesen Zeiten, so z. B. wenn es um die fehlenden ob das den Zugang zu sozial-psychologischer Betreuung betrifft oder die Versorgung mit Geräten für das online-Lernen sowie den Zugang zum Internet.

Infolge der „Corona-Politik“ wurde ca. eine Million Beschäftigte arbeitslos. Immer mehr Menschen sind auf die Beihilfe durch die beiden wichtigsten sozialen Hilfsorganisationen von Leket (Leket.org.en) und Latet angewiesen. So bezogen ca 60.000 Familien jeden Monat Lebensmittellieferungen von Latet (Latet.org.il), doch im vergangenen Jahr stieg die Anzahl der Familien, die durch die Suppenküchen versorgt wurden, auf 85.000 Familien (JPost, 21.01.2021).

Hier eine Reihe weiterführender Lesehinweise:

Lev Grinberg: https://www.europeansociologist.org/issue-45-pandemic-impossibilities-vol-1/na-reports-coronavirus-x-ray-politics-case-israel

Algemeiner: https://www.algemeiner.com/2020/02/20/israels-top-1-makes-eight-times-more-than-its-entire-fifth-decile-report-says/

OECD 2019: https://www.oecd-ilibrary.org/docserver/689afed1-en.pdf?expires=1612722528&id=id&accname=ocid54016459&checksum=86FAC0E758437073DAFB50D1D73EB7E8

OECD Israel: https://www.oecd.org/israel/Middle-class-2019-Israel.pdf

Bertelsmann OECD Policy   Brief 1/2021 https://www.bertelsmann-stiftung.de/fileadmin/files/BSt/Publikationen/GrauePublikationen/Policy_Brief_SGI_2020_DT.pdf

JPost, 04.02.2021: https://www.jpost.com/israel-news/israels-middle-class-slides-into-poverty-657829?utm_source=ActiveCampaign&utm_medium=email&utm_content=Why+global+travel+is+unlikely+to+resume++till+2024&utm_campaign=Frontlines+02+05+2021&vgo_ee=9%2FjJGFaH%2FJ6xqCEi8rcC6tQS1nDzyqVJrFs7Qd7fiKQ%3D

JPost, 22.01.2021: https://www.jpost.com/israel-news/israel-report-about-two-million-people-live-below-the-poverty-line-656317

JPost, 31.1.2021: https://www.jpost.com/israel-news/coronavirus-in-israel-1-in-3-kids-living-under-poverty-line-657298

Leket: https://www.leket.org/en/

Latet: https://www.latet.org.il/en/

Wie der Film „Holocaust“ ins Fernsehen kam.

Neu in der Mediathek der Bundeszentrale für politische Bildung ist „Wie ‚Holocaust‘ ins Fernsehen kam“ zugänglich – und besonders: Neben der deutschen Fassung auch in einer englischen Version.

Der Dokumentarfilm beleuchtet die Entstehungs- und Rezeptionsgeschichte der US-amerikanischen Familien-Saga Holocaust, die 1979 erstmals in der Bundesrepublik Deutschland ausgestrahlt wurde. Der Serie gelang damals, was zahlreiche engagierte und aufklärerische Dokumentationen nicht vermochten: sie rückte den Völkermord an den Juden ins kollektive Bewußtsein – ein sehenswerte Beitrag!

https://www.bpb.de/mediathek/319135/wie-holocaust-ins-fernsehen-kam

Wahlen, die Vierte: Episode 8

Arabische Stimmen für Benjamin Netanyahu: Wie Israels Wahlchaos alte Gewohnheiten aufbricht

Arabische Stimmen für Benjamin Netanyahu. Was klingt wie ein zynischer Witz, scheint mit der vierten Wahl innerhalb von zwei Jahren Realität zu werden. „Bibi“ ist seit kurzem auf Wahlkampf im arabischen Norden Israels, in der Hoffnung, den Likud bei der nächsten Wahl mit neuen Stimmen stärken zu können. Dabei verspricht er eine „neue Ära von Wohlstand, Integration und Sicherheit.“ Sollte der Likud also die kommende Wahl haushoch gewinnen, wird sich Netanyahu an diesen Worten messen lassen müssen.

Hier der Bericht von Judith Poppe für die taz.