Ökologie und Umweltpolitik im Nahen Osten

Podiumsgespräch zu ‚Konzepten und Krisen

In einer Kooperationsveranstaltung der Gesellschaft zur Förderung des ZMO e.V., der Maecenata-Stiftung und der Katholischen Akademie Berlin werden am 9. November 2020 um 19:00 Uhr,

Juliane Schumacher (ZMO): Neues Interesse an mediterranen Wäldern – Auswirkungen von Klimawandel und Klimapolitik
PD Dr. Katrin Bromber (ZMO): Sportambitionen und Umweltfragen in den Golfstaaten
Adnan Tabatabai (CARPO): Umweltherausforderungen in Iran und deren soziopolitische Implikationen
Prof. Dr. Mira Sivers (HU Berlin): Islamisch-theologisch Reflexion zu Umweltfragen

miteinander dsikutieren. Die Veranstaltung kann über einen Livestream verfolgt werden.

Medientip: ‚Leiter zum Himmel‘

Filmdokumentation: Bis zum jüngsten Tag

Der NDR veröffentlichte kürzlich im Zuge der anstehenden US-Präsidentschaftswahl Anfang November eine Dokumentation, die sich mit dem komplexen und fragwürdigen Verhältnis der Evangelikalen und Israel auseinandersetzt.
Das Fundamentalchristentum der USA betrachtet den Staat Israel und all seine Bewohner*innen, vor allem aber die jüdischen, eher als Verhandlungsmasse gegenüber Gott denn als lebendigen und wichtigen Staat. In einer vermeintlichen Solidarität und Unterstützung drückt sich vielmehr eine besondere Spielart des Antisemitismus aus, die das jüdische Israel und Jerusalem insbesondere eher als ‚Leiter zum Himmel‘ betrachtet und jede Form von Gewalt als freudvolles Zeichen einer nahenden Apokalypse deuten.

Die komplette Dokumentation ist findet sich hier.

Wishful Landscapes

Die Flut der Literatur zu Israel-Palästina/Palästina-Israel ist kaum zu überschauen, geschweige denn im einzelnen zu würden. Hin und wieder weisen wir an die dieser Stelle auf neuere Arbeiten hin.

In der Zeitschrift Comparative Studies of South Asia, Africa and the Middle East ist 2019 ein Aufsatz von Noa Shandlinger, (2016 promoviert an der Universität Toronto, jetzt Fakultätsmitglied an der 1843 gegründeten Jesuitenhochschule Holy Cross in Worcester, Massachusetts), erschienen, der auf zweijährigen Feldstudien basiert: Wishful Landscapes: Protest and Spatial Reclamation in Jaffa, (Jg. 39 (2), S. 313–327). Hier die Zusammenfassung:

„The Clock Tower Square protests are practices of emplacement that produce imaginative remapping of the nation and its colonized homeland. Israel’s spatial practices entail the continued fragmentation of Palestine and of Palestinians: “Israeli-Arabs” who reside within the state’s pre-1967 territories, Palestinians subjected to military control in the West Bank, those who survive under siege in the Gaza Strip, and finally— the diaspora. Those groups are also subdivided according to their geographic location and access to political rights and material resources.
While the enfeebled nationalist leadership has been unable to effectively challenge these processes of fragmentation, grassroots and local organizers, such as the Jaffa-based activists, take a leading role and provide Palestinians (and allies) avenues to refashion their sense of belonging, overthrow colonial boundaries, and craft a vision for the future of Palestine.
My analysis of local protests, then, demonstrates multiple forms of anti-and decolonial engagement beyond the realm of politics and peace negotiations. It is also indicative of the potential of studying materialities as another site for the battleground over the history of Israel/Palestine, beyond the archives.“

Auf der Plattform Academia.edu ist der Artikel auch komplett zugänglich, kostenfreie Registrierung vonnöten.

Also doch.

Nach jahrelangen Beteuerungen, es handele sich nur um die Aufgabe der ‚Administration‘, wurde am Wochenende mit dem eh. Custos der Franziskaner und seit 2016 Apostolischen Admininistrator, Pierbattista Pizzaballa wieder ein Italiener zum Lateinischen Patriarchen und Erzbischof von Jerusalem ernannt.

Die weibliche Seite Gottes

Visuelle Darstellungen einer verdrängten Tradition / The Female Side of God: Visual Representations of a Suppressed Tradition,
Ausstellung im Jüdischen Museum Frankfurt/Main
20. Oktober 2020 –14. Februar 2021

Das Jüdische Museum Frankfurt präsentiert »Die weibliche Seite Gottes« und spannt anhand archäologischer Objekte, zeremonieller Gegenstände, religiöser Schriftstücke und Kunstwerke einen kulturhistorischen Bogen von den Göttinnen des Alten Orients bis in die Gegenwart.
Ausstellung und Buch entfalten erstmals den Zusammenhang der weiblichen Aspekte in Judentum, Christentum und Islam. Mit zugänglichen Beschreibungen der visuellen Darstellungen weiblicher Gottheiten und vertiefenden Aufsätzen bietet dieses hochaktuelle Buch brisante interdisziplinäre Perspektiven auf Glaube, Wissenschaft und Kunst.

Das Begleitbuch ist im Kerber Verlag Bielefeld-Berlin erschienen:

Die weibliche Seite Gottes

ISBN 978-3-7356-0651-8
23,5 × 29 cm
320 Seiten
113 farbige und 9 s/w Abbildungen
Hardcover
Sprachen: Deutsch, Englisch

Herausgeber
Eva Atlan, Michaela Feurstein-Prasser, Felicitas Heimann-Jelinek, Mirjam Wenzel ( Jüdisches Museum Frankfurt)

Texte von
Eva Atlan, Ruth Direktor, Michaela Feurstein-Prasser, Eckart J. Gillen, Felicitas Heimann-Jelinek, Amelia Jones, Moshe Idel, Angelika Neuwirth, Jochen Sander, Sara Soussan, David Sperber, Debra Wacks, Kathleen Wentrack, Mirjam Wenzel

Gestaltung von
Formfellows, Regina Schauerte / Thomas Klöß, Frankfurt am Main
MUTTER UND KIND.
Aus einem Omen-Buch, ca. 1580, Gouache auf Stoff, auf feste Pappe gelegt.
Sammlung Vollmer
Luccheser Meister, MARIENKRÖNUNG, ca. 1460, Mischtechnik auf Pappelholz, Städel Museum, Frankfurt am Main.

GEBETBUCH (MACHSOR), 1300–1330,
Handschrift auf Pergament, Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg, Signatur: Cod. Levy 37.

Gefählicher Rüstungswettlauf

Die andere Seite der „Abraham Accords“

Nachdem der israelische Verteidigungsminister Benny Gantz am Freitag mit neuen Sicherheitsgarantien aus den USA zurückgekehrt war, meldeten israelische Medien erneut, daß die Regierung der Lieferung von F-35 an einzelne Golfstaaten nicht mehr grundsätzlich entgegen stehe. Yuval Steinitz, der israelische Energieminister zweifelt nicht daran, daß, sofern Qatar Anfrage stelle und die Bezahlung gesichert sei, die USA die Jets liefern würden, auch über offen vorgebrachte Ressentiments aus Israel hinweg, wie in der Vergangenheit ja bereits geschehen sei.

Ist es der Druck vonseiten der Rüstungsunternehmer, ist es das steigende Regierungsdefizit, sind es zu erwartende Folgeaufträge für die Rüstungsindustrie, oder bezeichnet es eine Modifizierung in der Realpolitik der USA, deren damalige Regierung unter Präsident Obama bereits 2012 in einer Studie des Verteidigungsministeriums konstatierte, dass „das Zeitalter des Westens … an einem Scheideweg angelangt [sei], wenn nicht gar an seinem Ende“, wie der renommierte Historiker Peter Frankopan in seinem fulminanten Werk „Licht aus dem Osten. Eine Neue Geschichte der Welt“ schreibt.

Wohl kaum lassen sich Politiker in den VAE oder Qatar auf die Lieferung derart abmodernisierter Flugzeuge des modernsten Kampfjet-Systems F-35 Stealth ein, daß sie die nur als Prestige in den Palasthangar stellen könnten. Eher ist es der Konkurrenzkampf der USA, um möglichen Offerten vorrangig Rußlands oder Chinas (an Qatar und die VAE) zuvorzukommen und in erster Linie gegen Iran gerichtet.

Die Aufrüstungsspirale nimmt in der ohnehin hochgerüsteten Region zusehends neue Fahrt auf und gefährdet die Sicherheit nicht nur dort weiter.

Weiterführende Lesehinweise:

Middle East Eye - New York Times - Globes - Haaretz - Defense News - Deutschlandfunk

Zehn Jahre Arabischer Frühlung

FES / Zenith – Online-Dossier

Zehn Jahre sind vergangen seit den Massenprotesten, die in der Arabischen Welt den Beginn einer Zeitenwende markierten. Die Bilanz dieser Umbrüche steht im Kern des Dossiers zum 10-jährigen Jubiläum des Arabischen Frühlings, das in Kooperation mit der Fachzeitschrift zenith entstand. Das Dossier gibt den Menschen Raum, die während des „Arabische Jahrzehnts“ dabei waren, wenn der Ruf nach Freiheit, sozialer Gerechtigkeit und politischer Teilhabe weitreichende Transformationen einleitete. Protagonist_innen und Beobachter_innen erinnern sich, reflektieren, wie die Ereignisse aufgearbeitet werden können und diskutieren Handlungsspielräume für die Zukunft.

Gerahmt werden die Berichte, Reportagen und Interviews von exklusiv angefertigten Illustrationen der ägyptischen Street-Art-Künstlerin Aya Tarek, die wie wenige andere die Bilder des Arabischen Frühlings künstlerisch prägte.

Museumsverkäufe – jetzt auch in West-Jerusalem

Es ist nicht das erste Museum, und auch nicht zum ersten Mal sehr kontrovers diskutiert, daß bedeutende Stücke seiner Sammlung veräußert, um ökonomisch zu überleben. Das (private) Museum für Islamische Kunst in West-Jerusalem läßt Ende Oktober in einem Londoner Auktionshaus Teile seiner Sammlung versteigern, um die Zukunft der Stiftung und die laufenden Kosten auf die nächsten Jahre zu sichern, nicht um neue Okjekte anzukaufen. An einen Verkauf an andere gleichartige Museum sei nicht gedacht worden, heißt es in der Presse.

Zu den angebotenen Obekten gehört auch ein Teil einer Uhrensammlung, die aus dem Besitz der Mäzenatenfamilie (der ritischen Philanthropin Vera Bryce Salomons) stammt und die nicht zum eigentlichen namensgebenden Auftrag des Museums gehört.

Die Entscheidung, die scjhon länger vorbereitet wurde, wird zu einer Zeit öffentlich, in der Israel den Beginn neuer Beziehungen zu islamischen Staaten der Region feiert.

Beiträge dazu in Haaretz, Times of Israel und The Art Newspaper

Kein Filter für Rechts

Ein spannendes – und manchesmal erschreckendes – Dossier hat „Correctiv – Recherchen für die Gesellschaft“ online gestellt. CORRECTIV ist eine gemeinnützige und unabhängige Redaktion, die, so die Selbstaussage „systematische Missstände ans Licht (bringt) und eine demokratische und offene Zivilgesellschaft (stärken will).“

Die aktuellen Recherche: Wie die rechte Szene Instagram benutzt, um junge Menschen zu rekrutieren lohnt die Lektüre und Correctiv jede Unterstützung.

Abbas‘ wackliger Thron

Laut der neuesten Umfragen hat sowohl der amtierende Präsident der Autonomiebehörde, Mahmoud Abbas, als auch die Behörde selbst als solche keine mehrheitliche Unterstützung in der Bevölkerung mehr.

Enttäuscht von der Handlungsunfähigkeit und der Nicht-Beachtung, vor allem bei der Bevölkerung von Ost Jerusalem und von Gaza werden die angekündigten Wahlen nicht zwangsläufig eine Bestätigung des Status Quo, sofern sie denn stattfinden werden.

Somit stehen die Wahlen vor einen ungewissen Ausgang, ebenso die Zukunft der PA in ihrer jetzigen Form. Eine Analyse von Emily Judd für Al Arabiya