Abgesang – oder doch noch mal Aufbruch

Als einzige der israelischen Parteien in Israel hat die Avoda, die Arbeitspartei am Sonntag, 24. Januar 2021 allgemeine (analoge) Parteiwahlen durchgeführt, um den Parteivorsitz neu zu besetzen.

Der amtierende Parteichef und Minister in der Netanyahu-Regierung, Amir Peretz, hatte auf einen erneute Kandidatur verzichtet, der Minister für Wohlfhart, Itzik Shmuli, hatte in der Woche zuvor, nicht nur auf eine Kandidatur verzichtet, sonden die Partei gleich ganz verlassen.

MK Merav Michaeli, die gegen einen Eintritt in die Regierung Netanyahu war, der Aktivist Navah Katz, Avi Shaked, David Landesman, Yitzhak Time, Ofer Segman sowie Gil Beilin, Sohn von Yossi Beilin, traten zur Wahl an. Die stimmberechtigern Mitglieder entschieden sich mit 77% für Merav Michaeli, bei einer Wahlbeteiligung von etwa 26% der noch etwa 37.000 stimmberechtigten Mitglieder.

Nachtrag:

Ein längeren lesenswerter Beitrag erschien am Tage nach der Wahl im Forward.

Eine gemeinsame Politik ist möglich

Sollte an Stelle der „Zwei-Staaten-Lösung“ die Idee einer „Republik Haifa“ stehen? Kann Israel weiterhin sowohl ein jüdischer als auch ein demokratischer Staat sein? Ein ‚Bundesstaat Israel‘ – Traum oder reale Chance?

Nicht erst die zu erwartende weitere Rechtsentwicklung in Israel veranlaßte den israelischen Philosophen Omri Boehm dazu, das Verhältnis Israels und Palästinas zu überdenken und offen zu diskutieren. Dr. René Wildangel hat mit ihm gesprochen.

Im Interview auf Quantara zieht Omri Boehm eine an den realen Fakten in Israel und den besetzten palästinensischen Gebieten orientierte schonungslose Bilanz und entwirft Grundgedanken, warum und wie eine „gemeinsame Politik“ Israels und Palästinas nicht nur möglich, sondern notwendig sei.

Ausführlich hat er das in seinem 2020 erschienenen Buch Israel. Eine Utopie dargelegt, ein Plädoyer für eine binationale israelisch-palästinensische Föderation. Omri Boehm wirbt dafür, Israels Staatlichkeit neu zu denken: Nur die Gleichberechtigung aller Bürger und Bürgerinnen kann den Konflikt zwischen Juden und Arabern beenden. Aus dem jüdischen Staat und seinen besetzten Gebieten muß eine föderale, binationale Republik werden. Eine solche Politik ist nicht antizionistisch, sondern im Gegenteil: Sie legt den Grundstein für einen modernen und liberalen Zionismus.“

Erinnerungspolitik

Noch bis zum November 2021 ist in der Mediathek von 3SAT einen bemerkenswerter Beitrag zu sehen, der aus Anlaß des Jahrestages von Willy Brandts Kniefall in Warschau, Erinnerungspolitiken und -kulturen, gerade im deutsch-polnischen Kontext, beleuchtet und die Komplexität „unserer“ deutschen Geschichte thematisiert.

https://www.3sat.de/assets/kniefall-warschau-willi-brandt-100~1920x1080?cb=1607002448372

Eine Woche Realität

In diesen Tagen, in der die Pandemie im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit steht, geht der Ausbau der Infrastruktur, die Bautätigkeit in den Siedlungen in der Westbank weiter, die die israelische Regierung gerade jetzt vorantreibt, bevor die neue US-Administration Fuß gefaßt hat.

Die israelischen Nichtregierungsorganisation B’Tselem dokumentiert eine Woche in dem umkämpften Gebiet in den Hügeln um die Stadt Hebron.

B’Tselem, das Israelische Zentrum für Menschenrechte in den besetzten Gebieten wurde 1989 gegründet und veröffentlicht regelmäßig Statistiken, Augenzeugenberichte, Videos und Reportagen, um die Übergriffe radikaler Siedler*innen auf Palästinenser*innen zu dokumentieren, die teilweise von den israelischen Besatzungstruppen geduldet werden. Sie wurde dafür mit zahlreichen internationalen Menschenrechtspreisen ausgezeichnet.

Hier der Hinweis auf die aktuelle Woche über die US-amerikanische Seite Tikkun, ein Forum um Rabbiner Michael Lerner und andere, eine Stimme des progressiven Judentums in den USA („links und fromm“ – ‚The Prophetic Jewish, Interfaith & Secular Voice to Heal and Transform the World‘)

RLS-Studie zum Antisemitismus in Deutschland erschienen

Die Rosa-Luxemburg-Stiftung stellte am 20. Januar 2021 ihre in Auftrag gegebene Studie von Sarah Kleinmann und Anne Goldenbogen mit dem Titel „ Aktueller Antisemitismus in Deutschland – Verflechtungen, Diskurse, Befunde“ vor.

Die Studie wird in einer Ausgabe des ManyPod vorgestellt, der Beitrag findet sich hier: https://www.rosalux.de/manypod

Die Studie kann in Kürze unter dem diesem Link auch abgerufen werden

Monolog mit meinem asozialen Großvater

Projekt gegen Rechts der Friedrich-Ebert-Stiftung – Online-Gedenk-Theater-Diskussion am Vorband des Internationalen Tages zum Gedenktag an die Opfer der Shoa.

Harald Hahn, Theatermacher und Regisseur sowie Schauspieler, wird nicht nur sein sehr persönliches Theaterstück präsentieren, sondern auch im anschließenden Gespräch über Gedenkkultur sprechen. Die Diskussion im Anschluß mit Harald Hahn und Veronika Nahm vom Anne Frank Zentrum Berlin wird von Cosima Schmitt (Die Zeit) moderiert.

Hier eine ausführliche Einladung:

Anmeldung bis 26.01.2021 an direkt hier oder über den Anmeldelink – oder im Livestream.

Ein Stück über Erinnerung, Vergessen und Überblendung

Der bekannte israelische Historiker Moshe Zimmermann, dessen Familie zu den einflußreichsten des Hamburger Judentums zählte, nimmt Stellung zu den Plänen der Wiedererrichtung der Hamburger Bornplatzsynagoge. Er sieht darin einen Akt, der die Zerstörungsgeschichte überblendet und damit unsichtbar macht. Er wendet sich besonders gegen den Vorwurf des Antisemitismus gegenüber den Kritiker*innen des Vorhabens.

Micha Brumblik argumentiert in der ZEIT dafür, darin ein Ausdruck der Vielfältigkeit des heutigen Judentums zu sehen und plädiert für eine zeitgemäße Formensprache bei der Errichtung der Synagoge. Den Vorwurf des Antisemitismus weist er ähnlich entschieden zurück:


Ein Nebenprodukt …

3 Minuten mit Noam Schuster zu den neuen Partnern aus der arabischen Welt

… zu Gast in Israel

Frankfurter Mittagsgespräche

Themenwoche „Christentum im Nahen Osten“

Mittagsgespräch am Mittwoch, 20. Januar 2021, 12:15 Uhr
Christlich-muslimische Beziehungen im Nahen Osten
Chancen und Hindernisse
Drin. Viola Raheb (Wien) im Gespräch mit Profin. Drin. Bekim Agai (Universität Frankfurt/M.)

Mittagsgespräch am Donnerstag, 21. Januar 2021, 12.15 Uhr
Frauenrechte im Nahen Osten.
Gegenwärtige Entwicklungen
Drin. Viola Raheb (Wien) im Gespräch mit Profin. Drin. Ulrike Bechmann (Universität Graz) und Katja Voges (Missio Aachen)

Livestream: https://youtu.be/8QLZnEDb_so | Anmeldung jeweils bei: an.klein@em.uni-frankfurt.de

Wahlen, die Vierte: (mehr als eine) Episode 5

Naomi Chazan, eine der führenden Politolog*innen Israels, ehemalige Knessetabgeordnete und frühere Direktorin des New Israel Fund, prognostiziert  für die kommenden Wahlen in Israel einen enormen Bedeutungszuwachs der palästinensischen Israelis. Sie führt das auf die neuen Allianzen mit einigen arabischen Staaten (Bahrein, Sudan, VAE) und deren wachsenden Einfluß auf Israel zurück. In dieser neuen Konstellation sieht sie die Aufgabe der neuen US-Administration darin, die Glaubwürdigkeit Amerikas für beide Seiten in der Region wieder herzustellen:
The Palestinians‘ moment is coming

In einem weiterern Beitrag für die Times of Israel wirbt sie für politischen Pluralismus.