Sag mir wo Du stehst …

Anfang August hat das Israel Democracy Institute IDI seine neueste Monatsumfrage vorgestellt. Danach sind die wirtschaftliche Situation und die weiteren Maßnahmen der Regierung gegen die Ausbreitung von Covid-19 die wichtigsten Probleme der Bevölkerung Israels. An zweiter Stelle folgt die Arbeitsweise der neuen Regierung und an dritter Stelle schließlich die Sicherheitslage und die dramatischen Folgen des Klimawandels. Daß die seit etwa sechs Wochen amtierende Regierung mindestens ein Jahr hält, davon geht weiterhin weniger als die Hälfte der Bevölkerung Israels aus.

Die Mehrheit der Bevölkerung stimmt auch dafür, daß Spionagesoftware und israelische Waffen nicht an „nondemocratic regimes or rulers“ verkauft werden sollten.

Hinsichtlich der Regelung des israelisch-palästinensischen Konflikts scheint ein Konsens weit entrückt zu sein. Weniger als vierzig Prozent der Gesamtbevölkerung Israels könnte eine Zwei-Staaten-Regelung einschließlich der Gründung eines unabhängigen palästinensischen Staates akzeptieren, in der arabisch-israelischen Bevölkerung wären es mehr als zwei Drittel. Eine Ein-Staaten-Regelung mit gleichen Rechten für alle Bürger wäre nur für etwas mehr als ein Fünftel aller Israelis akzeptabel, aber auch hierzu würden mehr als die Hälfte der arabisch-israelischen Einwohner zustimmen.

In den politischen Lagern zeigt sich der manifeste Graben noch deutlicher: Fast 90% der sich als links verstehenden jüdischen Israels stimmen einer Zwei-Staaten-Regelung zu. Unter den sich als rechts einschätzenden jüdischen Israelis könnten sich weniger als ein Fünftel mit dieser Option abfinden; mehr als die Hälfte von ihnen befürwortet den Status quo.

Union !

Vom Donnerstag, 12. August – Sonntag, 15. August 2021 dreht sich der neuen Nahe Osten in Berlin: Das Middle East Union Festival läßt mit Literatur, Diskurs und Musik, mit Performance, Poesie, feministischen und queeren Diskussionen mit Gästen aus aller Welt – analog und digital – eine Vision zum Greifen nah erscheinen und lädt dazu ein, Ideen der Utopie frei zu erkunden.

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Ein Amerika, das Israel und Palästina brauchen

Das Portal Qantara bringt einen lesenswerten Beitrag von Mohammed El Baradei – eine arabische Erfahrung und Stimme (bei der man:frau nicht jeden Vergleich für gelungen oder richtig halten muß), die aber einen hilfreichen Blick auf die komplexen Beziehungen und Erwartungen gibt.

Blick nach vorn?

Interview des palästinensischen Ministers mit The Media Line

Der Minister für zivile Angelegenheiten Palästinas, Hussein Al-Scheikh, erklärt gegenüber The Media Line, daß die PA zu Direktgesprächen mit der israelischen Regierung bereit sei.

Auch hinsichtlich des Verhältnisses zu den USA und zur Regierung von US-Präsident Joseph Biden zeigte er sich zuversichtlich. Alle drei Seiten hätten sich darauf verständigt, mit vertrauensbildenden Maßnahmen zu beginnen.

Spannender neuer Studiengang

Universität Tübingen auf neuen Wegen

„Theologien interreligiös – Interfaith Studies“ verbindet christliche, islamische und jüdische Theologie – Start zum Wintersemester 2021/22

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Die Universität Tübingen bietet künftig einen neuen und bundesweit bislang einmaligen theologischen Studiengang. Der Masterstudiengang „Theologien interreligiös – Interfaith Studies“ verbindet erstmals christliche, jüdische und islamische Theologie. Der neue Studiengang ist momentan nicht zulassungsbeschränkt und startet zum kommenden Wintersemester. Studieninteressierte können sich noch bis zum 30. September 2021 einschreiben.

Am Studiengang beteiligt sind die Evangelisch-Theologische Fakultät einschließlich ihres Seminars für Religionswissenschaft und Judaistik, die Katholisch-Theologische Fakultät sowie das Zentrum für Islamische Theologie der Universität Tübingen. Die drei Institutionen bilden den Tübinger Campus der Theologien, der es auf einzigartige Weise ermöglicht, die drei ‚abrahamitischen‘ Religionen nicht nur von außen zu betrachten, sondern aus ihren Binnendynamiken heraus kennenzulernen. „Wir wollen dazu beitragen, Judentum, Christentum und Islam in ihrem jeweiligen Profil und ihrem Zusammenhang besser zu verstehen“, sagte Professor Ruggero Vimercati Sanseverino vom Zentrum für Islamische Theologie.

„Dadurch, daß wir den historischen Hintergrund miteinbeziehen und dabei auch die Konflikte zwischen den Religionen nicht ausblenden, wollen wir ein profiliertes Bild entwickeln“, erklärte Professor Volker Henning Drecoll aus der Evangelisch-Theologischen Fakultät und Prüfungsausschußvorsitzender des neuen Studiengangs. „Zugleich wollen wir die hermeneutischen Fragen nach den Quellen des jeweiligen Selbstverständnisses stellen und die Möglichkeiten des interreligiösen Dialogs heute ausloten.“

„Der Studiengang wird sich unter anderem mit Praxisfeldern befassen, in denen in unserer Gesellschaft alle drei abrahamitischen Religionen miteinander zu tun haben, etwa in der Schule oder der Seelsorge, der sozialen Arbeit oder auch politischen Handlungsfeldern“, sagte Professor Michael Schüßler von der Katholisch-Theologischen Fakultät: „Dementsprechend sind wir überzeugt davon, daß Absolvent:innen unseres neuen Masterstudiengangs für zahlreiche Berufsfelder hervorragend qualifiziert sein werden.“

Weiterführende Informationen zu den Zulassungsvoraussetzungen, notwendigen Sprachkenntnissen und beruflichen Perspektiven finden sich auf der Homepage der Universität Tübingen.

The MIDDLE EAST UNION Festival

Berlin – und digital: 12.-15. August 2021 – Progammseite

Kann und darf man:frau: aus dem heutigen Berlin einen in Frieden und Gleichheit geeinten Nahen Osten imaginieren? Über nationale Grenzen, religiöse und sprachliche Unterschiede hinweg? Das viertägige Middle East Union Festival läßt mit Literatur, Diskurs und Musik, mit Performance, Poesie, feministischen und queeren Diskussionen mit Gästen aus aller Welt diese Vision zum Greifen nah erscheinen und lädt dazu ein, Ideen der Utopie frei zu erkunden.

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Palästinensisch-Kurdisches Verhältnis in Geschichte und Gegenwart

Auf der Website des international aktiven Kurdistan Studies Network stehen drei neue Podcasts zu einem in der Vergangenheit eher weniger beleuchteten, doch historisch sehr naheliegendem Thema: dem palästinensisch-kurdischen Verhältnis. Dr. Sardar Saadi von der Wageningen Universität in den Niederlanden hat drei Interviews geführt und diese auf die Website gestellt.

Im ersten Podcast spricht Sardar Saadi mit Dr. Abdel Razzaq (Abed) Takriti über die Beziehungen zwischen dem wohl bekanntesten palästinensischen Dichter Mahmood Darwisch und dem ebenso prominenten kurdischen Poeten aus Rojava, Salim Barakat. Grundlage des Gesprächs ist ein Buchbeitrag, den Dr. Takriti verfasst hat und den Titel trägt: „The Kurd and the Wind: The Politics and Poetics of Palestinian-Kurdish Affiliation”.

Im zweiten Beitrag interviewt Dr. Saadi die Doktorandin Elif Genc.  Thema des Gesprächs ist der Artikel Elif Gencs im Middle East Report Nr. 295 im Sommer 2020 mit dem Titel „The Kurdish Movement’s Relationship with the Palestinian Struggle.

Im dritten Teil referiert der renommierte kurdisch-iranische Kulturwissenschaftler, Professor Amir Hassanpour über Palästina und Israel unter dem Titel “The Geopolitical Context of Palestine and the Israeli State“.

Der 2017 in Kanada verstorbene Professor Hassanpour hatte den Vortrag im Jahre 2012 auf der Jahrestagung der Independent Jewish Voices, einer in Kanada beheimateten Grassroots-Organisation gehalten.

Israel und der EU – Frischer Wind?

„Frischer Wind“ im Verhältnis zwischen Israel und der EU??

Die Diskrepanzen zwischen IL und der EU ziehen sich nun schon einige Jahre hin. Das Mißverhältnis zeigt sich recht deutlich darin, daß der Assoziationsrat in der vergangenen Dekade nicht getagt hat, obwohl die Begegnungen jährlich stattfinden sollten.

Die neue Regierung in Israel hofft auf eine Behebung der Diskrepanzen mit der EU, trotz der Stagnation in den israelisch-palästinensischen Gesprächen: Zu ihrem allmonatlichen Treffen am 12. Juli hatten die EU-Außenminister ihren neuen Amtskollegen aus Israel, Yair Lapid, eingeladen. Nach Ansicht des Instituts für Nationale Sicherheitsstudien (INSS) signalisiere damit die EU ihre Absicht, eine Rückkehr zum Dialog mit Israel zu prüfen.

Israel sei daran interessiert, nicht nur dem Creative Europe Programm beizutreten. Beide Seiten brauchen Kreativität, stellen die ehemaligen Botschafter Israels, Shimon Stein und Oded Eran fest, um den Graben zu überwinden, den Graben, der beiden Seiten nicht genützt hätte.

Stellungnahme des VN-Vertreters Lynk

VN-Sonderberichterstatter für die besetzten Palästinensischen Gebiete, Michael Lynk äußert sich zum Siedlungsbau

Für die einen wird es der Ausdruck des ‚üblichen Israel-Bashings‘ der Vereinten Nationen sein, für die anderen Ausdruck der Wichtigkeit des (humanitären) Völkerrechts.

Sonderberichterstatter der VN wurde Michael Lynk im Jahre 2016, um die humanitäre Situation in den besetzten Palästinensischen Gebieten, die von Israel im Krieg von 1967 erobert wurden, zu beobachten und zu dokumentieren. Seit er ernannt wurde, haben ihm von den israelischen Behörden nicht gestattet, die Palästinensischen Gebiete zu betreten.

Hier der (englische) Bericht vom 8. Juli 2021.

In einem Interview mit der Wochenzeitung Die Zeit erläutert Link seine Positionen, die von der Redaktion mit der Überschrift „UN-Gesandter will israelische Siedlungen als Kriegsverbrechen werten“ versehen wurde.

Weitere Informationen zur Arbeit der VN mit Blick auf die Palästinensischen Gebiete bietet auch diese Datenbank unter der Aufsicht des VN Hohen Kommissars für Menschenrechte.

Soforthilfe für den Gazastreifen ermittelt

Die Weltbank, die VN und die EU haben zwischen dem 25. Mai und 25. Juni 2021 ein Rapid Damage and Need Assessment (RDNA) gestartet. Dazu fand eine Reihe von Gesprächen statt, so mit der PA, Vertretern der Geberstaaten, diplomatischen Akteuren, gesellschaftlichen Gruppen, Vertretern des privaten Sektors. Für die humanitäre Soforthilfe wurde ein Bedarf von 98 Millionen US-$ ermittelt, um die Bevölkerung mit existentiell nötigen Erstmaßnahmen zu versorgen und Strukturen wieder aufzubauen, wie Trinkwasser, Abwasser und Sanitär, Gesundheitswesen, Bildung.

In dem 364,91 km² kleinen Gebiet leben laut pPalästinensischem Statischen Büro 2.077.357 Menschen (Ende 2020), also 5.693 Menschen je km². 41,2 Prozent der Menschen sind jünger als 15 Jahre. 2019 betrug das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf 1.422,2 US-$, das in der West Bank 4.822,5 US-$ (zu konstanten Preisen,  PCBS 2020. Palestine in Figures). Die Arbeitslosigkeitsrate lag im ersten Quartal 2021 bei 45,8 Prozent, die Armutsrate bei ca. 50 Prozent, und ca. 80 Prozent der Haushalte erhielten eine Form der Sozialunterstützung.