Kalter Krieg im Nahen Osten

Der iranisch-saudische Konfliktdominiert die Region BAK-Arbeitspapier 1/2021, Guido Steinberg.

Mag im Zentrum des Nahostkonfliktsystems auch die Auseinandersetzung zwischen den beiden Konfliktparteien Israel und Palästina stehen, so wurde dies in den vergangenen Jahren durch andere Konfliktaustragungen überlagert, wie im Irak, in Syrien, im Jemen, in Libanon, in Iran. In seinem Arbeitspapier für die „Bundesakademie für Sicherheitspolitik“ thematisiert der SWP-Wissenschaftler Guido Steinberg den Konflikt um die regionale Hegemonie zwischen den beiden Staaten Saudi-Arabien und Iran.

Seiner Einschätzung nach „handelt es sich bei dem Konflikt zwischen Iran und Saudi-Arabien heute um die zentrale machtpolitische Auseinandersetzung des Nahen Ostens – ein Systemkonflikt, der deshalb auch besonders erbittert geführt wird und langlebig ist.“

„Sollte die Regierung Biden in Verhandlungen ähnlich vorgehen und – entgegen den bisherigen Ankündigungen – die iranischen Raketen und schiitischen Milizen doch erneut ausklammern, wird der Widerstand Saudi-Arabiens, der VAE und Israels deutlich heftiger sein als noch 2015. Vor allem werden sie ihre Verbündeten im Kongress mobilisieren, die in beiden politischen Lagern zu finden sind. Darüber hinaus hat die Tötung von Fakhrizadeh gezeigt, daß zumindest Israel weitere Optionen hat, will es eine Entspannung zwischen Washington und Teheran stören.“

Steinberg sieht die Interessenwahrung Deutschlands im Bündnis mit den USA und Europa und skizziert dabei auch die Konsequenzen:

„Zur Vorbereitung auf die nächsten Monate und Jahre ist es zusätzlich angezeigt, die bisherige deutsche Interessendefinition zu überdenken. Politiker, Diplomaten und Wissenschaftler haben in den letzten Jahren häufig argumentiert, daß es in erster Linie gelte, eine kriegerische Auseinandersetzung zwischen Iran und seinen Gegnern zu verhindern. Das noch wichtigere Interesse der Bundesrepublik sollte aber sein, eine nukleare Bewaffnung von Regionalstaaten zu verhindern. Notwendige Konsequenz dieser Interessendefinition könnte es im Extremfall sein, auch einen Militärschlag der USA und/oder Israels gegen Iran zu unterstützen, falls dieser notwendig werden sollte, um eine nukleare Bewaffnung des Landes zu verhindern. Eine deutlichere Formulierung dieses Interesses könnte auch dazu dienen, den Druck auf Iran zu erhöhen, der in den letzten Jahren allzu oft versucht hat, Uneinigkeit zwischen Europa und die USA zu schüren.“

Drei Säulen für einen Neuanfang

Die International Crisis Group hat zusammen mit United States/Middle East Project (USMEP) eine Initiative lanciert, was für einen Neustart der Friedensbemühungen im israelisch-palästinensischen Kontext von der neuen US-Adminstration unternommen werden sollte.

Die Langfassung findet sich hier.

Three Pillars for a New U.S. Approach to Peace in Israel-Palestine

Come January 2021, the Biden administration will face the responsibility of mitigating harm caused by President Trump’s destructive policy toward the Israeli-Palestinian conflict. Its challenge will be to undo Trump’s legacy without merely rewinding the tape to the situation that existed prior to his presidency.

1. Mitigate the damage of the Trump legacy and replace an emphasis on perpetuating the peace process with one centred around protecting the rights and well-being of people on the ground.

2. Desist from actions that enable and empower Israeli policies seeking to prevent any peace deal or Palestinian state, including emboldening political actors

3. Help facilitate and encourage the Palestinians to undertake their own political renewal, …

Auf dem Weg zu einer neuen PLO?

Die in Berlin lebende Politikanalystin Marwa Fatafta stellt auf der Seite von Al-Shabaka Überlegungen und Thesen für eine (neue) Zukunft der PLO vor: Palestinians and their Leadership: Restoring the PLO und weist damit auf der der zentralen Herausforderungen für die politische Zukunft in der Region hin: Wenn es der PLO nicht gelingt, wieder in den Augen der Menschen die wirkliche Vertretung ihrer Interessen zu sein, wer soll dann die Stimme der palästinensischen Sache sein?

For Palestinians, the Palestinian leadership’s year-end decision to restore security coordination with Israel means a return to a status quo that did little to forward Palestinian liberation. Yet 2020 has demonstrated that radical and abrupt change to established orders is possible. Can Palestinians aspire to such changes in the new year? Marwa Fatafta explores how Palestinians can reclaim and redefine their leadership in the PLO

29. November

Dieses Datum stellt bekanntlich mit der Entscheidung der Vereinten Nationen für die Teilung des bis dato britischen Mandats eine historische Zäsur dar.

Wie läßt sich heute, 73 Jahre danach, an diesen Tag erinnern, mit all dem was geschehen ist und geschieht im Hintergrund, mit all den gescheiterten Hoffnungen, den vergebenen Chancen, dem gelungenen und dem verunmöglichten Leben von so vielen – ohne zu naiv, zu plakativ zu erscheinen?

Es ist ein komplexes Verhältnis geworden, zwischen Israelis und Palästinenser(inne)n, zwischen Juden, Muslimen und Christen, Männern wie Frauen, Menschen aus dem „Orient“ und dem „Okzident“.

Aber: Menschen können Strukturen verändern, Strukturen des Denkens, Strukturen der Macht und der Gewohnheit. Auch wenn es lange Wege sind, beginnen sie alle immer wieder und gegen alle Widerstände neu und mit dem ersten Schritt.

Die Online-Plattform +0972mag, die oft durch wichtige und verändernde Beiträge ausgezeichent ist, hat akutell einen Beitrag eingestellt, der für diesen heutigen Tag bestens geeignet ist:

A Palestinian guide to Jewish American allyship

As American Jews increasingly enter the Palestinian rights movement, the power dynamics between the two groups often lead to tensions. One activist opens up about the complexities of navigating those dynamics, and what Jews should be doing to center Palestinian voices.

Rainer Zimmer-Winkel

Entschleunigend und fast ein wenig puritanisch

Marian Brehmer über einen Sufi-Musiker mit einer Mission

Den Atem des Ney-Spielers bewahren – so ist der lesenswerte Beitrag auf der Onlineplattform Quantara überschrieben. La Mélancolie Royale ist eine einstündige Sufi-Meditation auf der Rohrflöte des großen türkischen Virtuosen Kudsi Ergüner – der auch auf Youtube zu hören ist als ein Mitschnitt eines Konzertes an der Franz Liszt Hochschule in Weimar – eine gute Gelegenheit an diesem heutigen Sonntag zwischen Reformationstag und Allerheiligen ….

Mit immer mehr Waffen zum Frieden in der Region?

Immer neue Rekorde im Waffenkauf im Nahen Osten – Neue Zahlen veröffentlicht von der britischen Regierung. Middle East Eye hat die Zahlen aufbereitet: In den letzten zehn Jahren hat der Nahe Osten mehr Geld für ‚Verteidigung‘ ausgegeben, als jede andere Region in der Welt!

https://www.middleeasteye.net/sites/default/files/defence%20imports%20by%20region.png

Zum vollständigen Bericht hier.

US-Wahlen und palästinensischer Pessimismus

Die USA sind noch immer einer der wichtigsten Akteure, wenn es um Diplomatie und Mediation in Nahost geht. Spätestens seit dem Camp David Abkommen zwischen Israel und Ägypten unter Vermittlung von Jimmy Carter hat jeder US-Präsident eine prägende Rolle im Konflikt gespielt. Die im November stattfindenen Wahlen werden wieder ein neues Kapitel für die Nahostpolitik bedeuten, unabhängig von deren Ausgang. Nichtsdestotrotz scheint die Stimmung in den palästinensischen Gebieten dem gegenüber gleichgültig bis pessimistisch, aus berechtigten Gründen. Emily Judd mit einer Analyse für Al Arabiya.

Auch ein Splitter der Beziehungen im Dreieck

Das Wort (und die Wirklichkeit dahinter) Kolonialisten hat heute zu Recht keinen guten Klang. Wie eng oder weniger eng der Bezug zu ‚Kolonisten‘ ist, lohnt sich zu studieren. So lohnt es sich auch einmal solche Erinnerungen und Aufbereitungen zu lesen, wie sie Internetseite Deutsche Kolonisten bietet, hier zum Stichwort: Palästina. Ohne hier allem zuzustimmen enthält die Seite interessante historische Facetten.

Abraham Accords

Formaliserung des Bestehenden, aber keine Friedensverträge

Eine lesenwerte Einschätzung, und ernüchternd, falls es Euphorie gegeben haben sollte: Daniel Levy, Präsident American Prospect, in einem Beitrag von 17. September 2020: The Missing Peace in the Abraham Accords. Der Beitrag läßt sich im übrigen dort auch anhören.