Stichwort: UNRWA – Ein kleines Dossier

UNRWA-Vertreter mit klaren Worten: „UNRWA wird fälschlicherweise beschuldigt“

Angesichts widerholter Attacken auf die Arbeit des Flüchtlingshilfwerks UNRWA wandte sich Matthias Burchard, der Direktor der UNRWA-Vertretung bei der EU in Brüssel, am 20. April 2021 in einer Mail direkt an die Öffentlichkeit. Er legte die Position die Position der UNRWA dar und belegte mit konkreten Aktivitäten die Notwendigkeit der internationalen Hilfe bei der Finanzierung von Schulbildung, Berufsausbildung, Gesundheitswesen, Lebensmittelversorgung in den palästinensischen Flüchtlingslagern:

„Sehr geehrte Leserinnen, sehr geehrte Leser,

im Namen der UNRWA, das für Millionen von Palästinaflüchtlingen überlebenswichtige humanitäre Hilfe leistet und die Versorgung der Grundbedürfnisse sicherstellt, schreibe ich Ihnen heute in Reaktion auf jüngste Angriffe gegen das Hilfswerk. Diese Angriffe hatten das Ziel die zu beschämen die unsere Arbeit unterstützen. Diese Angriffe konzentrieren sich vor allem auf unsere schulische Bildung, die das Hilfswerk täglich für mehr als eine halbe Million Kinder in UNRWA-Schulen bereitstellt. UNRWA wird fälschlicherweise beschuldigt Aufstachelung zu Gewalt und Antisemitismus zuzulassen. Ziel dieser Angriffe ist es nicht, die Ausbildung zu verbessern, sondern Druck auf die Geber auszuüben, um sie zu bewegen, die Mittel zu kürzen oder die Unterstützung ganz einzustellen.
Solche Angriffe konzentrieren sich in der Regel auf das UNRWA-Schulwesen in den besetzten palästinensischen Gebieten (Westjordanland, einschließlich Ost-Jerusalem und Gaza), mit Sensationsberichten, die Fakten verdrehen und falsch darstellen. In solchen Berichten werden Verweise und Passagen aus dem Unterrichtsmaterial aus dem Zusammenhang gerissen, um falsche Behauptungen über die Integrität der UNRWA aufzustellen. Damit schaden sie einer Organisation, die sich wirklich dafür einsetzt, daß Schüler von palästinensischen Flüchtlingen ihr volles Potenzial entfalten können, indem sie ihnen eine Ausbildung bietet, die mit den Werten der VN im Einklang steht.
Obwohl es kein Null-Risiko gibt, wenn man in einem komplexen humanitären, hochgradig politisierten Umfeld und einem der schwierigsten ungelösten Konflikte in der Region arbeitet, nehmen wir unsere Verantwortung sehr ernst, keine Verletzung von VN-Werten zuzulassen. UNRWA ist eine Organisation der Vereinten Nationen mit Nulltoleranz gegenüber Haß, Aufstachelung zu Gewalt, Diskriminierung und Anti-Semitismus. Dies haben wir erneut klar bekräftigt im Zusammenhang mit der jüngsten Ankündigung der Vereinigten Staaten die Unterstützung der UNRWA wieder aufzunehmen.
Im Folgenden finden Sie einen Auszug jüngster Errungenschaften unseres Bildungsangebots, welches wir auch mit Hilfe von Digitalisierung modernisieren wollen. Eine dieser Entwicklungen ist der kürzliche Start der UNRWA Digitalen Lern-Plattform.
Nach einem rigorosen dreistufigen Überprüfungsprozeß aller Materialien, werden diese hochgeladen, um von den Schülern im Libanon, Syrien, Jordanien, dem Westjordanland, Ost-Jerusalem und dem Gaza Streifen genutzt zu werden. Diese Plattform ist eines von vielen Beispielen für unser Bemühen, die Risiken der Verbreitung von Lernmaterialien, die nicht den Werten und Prinzipien der UNO übereinstimmen, zu mindern.
Bitte zögern Sie nicht, sich direkt an uns zu wenden, wenn Sie Fragen haben, und akzeptieren Sie nicht die Anschuldigungen bekannter und immer gleicher Kritiker als Tatsachen.
Die UNRWA ist eine humanitäre Organisation, die Ihre Unterstützung verdient, und die Investition in das UNRWA-Bildungsprogramm ist gut angelegt: Es hat mehr als 2,5 Millionen Palästina-Flüchtlingen ermöglicht, einen Abschluß an unseren Schulen zu machen, ihr Potenzial zu entwickeln, zur regionalen Entwicklung und Stabilität beigetragen und Hoffnung auf Frieden erhalten.

Mit freundlichen Grüßen
Matthias Burchard – Direktor. UNRWA Vertretung bei der EU

„UNRWA-Bildung: Weltweit unterstützenswert

Im Einklang mit der VN-Praxis in Flüchtlingssituationen auf der ganzen Welt verwendet die UNRWA den Lehrplan des „Gastlandes“. Dies stellt sicher, daß Palästinaflüchtlinge sich in das aufnehmende Schulsystem integrieren und darüber hinaus am sozialen und wirtschaftlichen Leben des Aufnahmelandes teilnehmen können.

Als Organisation der Vereinten Nationen, die humanitäre Hilfe und Entwicklungshilfe leistet, hat das UNRWA kein Mandat, die Lehrbücher der Gastländer zu ändern, da diese die Entwicklung der Lehrpläne als eine Angelegenheit der nationalen Souveränität betrachten.

Dennoch überprüft die UNRWA regelmäßig alle neu herausgegebenen Lehrbücher der Gastländer und setzt sich dafür ein, daß das, was an den UNRWA-Schulen gelehrt wird, den Werten und Grundsätzen der VN entspricht. Dieses solide System der Überprüfung der Schulbücher der Aufnahmeländer trägt dazu bei, daß die UNRWA ihre Politik der Nulltoleranz gegenüber allen Formen von Rassismus und Diskriminierung fortsetzen kann.

Einzigartig in der Region verwendet die UNRWA sein System für die Analyse und die qualitative Umsetzung des Lehrplans, das als „Lehrplansystem“ bezeichnet wird, um Unterrichtsmaterialien und –praktiken zu überprüfen und sicherzustellen, daß die UNRWA-Schulen den sich wandelnden Lernbedürfnissen der Flüchtlingsschüler gerecht werden. Das Lehrplansystem trägt dazu bei, daß der inklusive Bildungsansatz im Einklang mit den humanitären UN-Grundsätzen Neutralität, Achtung der Menschenrechte, Toleranz, Gleichheit und Nicht-Diskriminierung in Bezug auf Rasse, Geschlecht, Sprache und Religion während des gesamten Lehr- und Lernprozesses in den UNRWA-Schulen angewendet wird.

Bildungsergebnisse und Leistungen

  *   International anerkannte externe Gutachter – darunter die Studie der Weltbank und des UNHCR aus dem Jahr 2021 – belegen, daß die Bildungsergebnisse des UNRWA zu den besten in der Region gehören, und das zu den niedrigsten Kosten pro Schüler. UNRWA-Schüler im Gazastreifen, im Westjordanland und in Jordanien „erzielten bei internationalen Beurteilungen höhere Punktzahlen als Kinder öffentlicher Schulen, was einen Vorteil von fast einem Lernjahr bedeutet.“

   *   In diesem Jahr zeichnete der British Council 14 UNRWA-Schulen im Westjordanland und 45 im Gazastreifen mit dem British Council International School Award aus, weil sie ihre Schüler erfolgreich darauf vorbereiten, verantwortungsvolle Weltbürger zu werden, indem sie internationale Bildung in ihre Lehrpläne einbinden.

  *   UNRWA TV-Auszeichnung:
YouTube verlieh UNRWA TV die Golden Play Button Trophy für das Erreichen von einer Million Abonnenten mit seinen Lektionen, was unterstreicht, daß die UNRWA ein globales öffentliches Gut produziert, das bei Familien, die ihre Kinder erziehen wollen, sehr gefragt ist.  Außerdem erkannte Norwegens Nationales Zentrum für multikulturelle Bildung den Wert von UNRWA TV für seine arabischsprachigen Schüler und förderte es unter seinen Ressourcen im Bildungsministerium.

  *   Menschenrechts-, Konfliktlösungs- und Toleranzprogramm: UNRWA-Schulen hielten freie, direkte und geheime Wahlen zum Schülerparlament ab, und gedachten des Tages der Menschenrechte und nahmen am „Standing Together to Stop Bullying“-Tag teil. Die Schülerparlamentarier haben in dem Bemühen, gute Mitbürgerschaft zu fördern und ihre Gemeinden zu unterstützen, an einem bewußtseinsschärfenden Animationsvideo über den Schutz von Schüler:innen vor COVID-19 mitgewirkt und ein Musikvideo gedreht, das Hoffnung und Einigkeit fördert.

Der Erfolg der Schüler ist der eigentliche Maßstab

Während der gesamten Pandemie haben sich die UNRWA-Schüler und Lehrer der Herausforderung gestellt:

  *   Testergebnisse in Jordanien: In Jordanien übertrafen die Testergebnisse in Mathematik und Naturwissenschaften (TIMSS) in mehreren UNRWA-Schulen den internationalen Durchschnitt und die Ergebnisse unserer Schulen übertrafen den nationalen Durchschnitt.  Unsere Berufsschüler (VTC) schnitten bei den Prüfungen um 20 Prozent besser ab als ihre nationalen Kollegen und erreichten in verschiedenen Fachrichtungen die meisten „Top-Ten-Platzierungen“.  Darüber hinaus stieg die Beschäftigungsquote 2020 der Absolventen der Berufsschulen in Jordanien auf 93 Prozent, trotz der beispiellosen Arbeitslosigkeit im Land.

  *   Im Juni 2020 erzielte Israa, ein junger palästinensischer Flüchtling in Syrien, dessen Gemeinde zerstört wurde und der als Binnenflüchtling in Damaskus lebt, ein perfektes Ergebnis bei ihrer nationalen Prüfung in der neunten Klasse. Tatsächlich haben etwa 91 Prozent unserer Schüler:innen diese Prüfung bestanden, verglichen mit dem nationalen Durchschnitt von 68 Prozent.

  *   Haneen Al Haj, eine UNRWA-Schülerin aus Jordanien, gewann den zweiten Platz beim Meisterkoch-Wettbewerb, der sich an Schulen in Italien, Litauen, der Türkei, Ungarn, Polen und Jordanien richtet.

  *   In Gaza wurde der UNRWA-Schüler Nagham Al-Yazji aus mehr als 2.000 internationalen Bewerber:innen als einer der drei Gewinner des 2020 Inspirational Messages of Peace Contest vom United States National Park Service und dem International World Peace Rose Garden ausgewählt.

  *   Ebenfalls in Gaza gewann Jihad Al Wahaidy, ein Schüler der neunten Klasse, den vierten Platz in einem internationalen Robotik-Wettbewerb für die Entwicklung seiner App, die helfen soll, die Verbreitung von COVID-19 zu stoppen.  Jihad entwarf einen kleinen Roboter in Form einer Brosche, der ein rotes Licht aktiviert, wenn sich eine Person in weniger als einem Meter Entfernung befindet und keinen Mundschutz trägt.

  *   Der 27-jährige Nowras, ursprünglich ein Palästina-Flüchtling aus Syrien und Schüler einer UNRWA-Schule, wurde von einem Forscherteam des Max-Planck-Instituts in Deutschland, wo er studierte, ausgewählt und ist nun Teil eines wissenschaftlichen Teams, das an der Entwicklung eines Covid-19-Impfstoffs arbeitet.

Vorwärts gehen – Bildung digitalisieren

Aufbauend auf diesen Erfolgen arbeitet UNRWA weiter an der Modernisierung seines Bildungssystems, um sicherzustellen, daß seine Schüler Zugang zu einer qualitativ hochwertigen Bildung haben, die sie zu global denkenden Bürgern macht. Die Modernisierung und Digitalisierung unseres Bildungsprogramms hat jetzt oberste Priorität: Das globale Bildungssystem hat erkannt, daß COVID-19 einen Prozeß beschleunigt hat, der schon seit mehreren Jahren im Gange war. Auch UNRWA lernt aus der neuen Dynamik, die durch die Pandemie entstanden ist, und will im Bildungsbereich wie schon immer die Nase vorn haben. Alle Schüler müssen in der Lage sein, sich mit ihrem Lernen online zu verbinden, sonst werden sie nicht in der Lage sein, sich zusammen mit ihren Altersgenossen auf der ganzen Welt vollständig auf die neuen Lernformen umzustellen. Aber die Vorteile der Digitalisierung gehen über den Zugang hinaus.

UNRWA hat gerade eine zentrale Online-Lernplattform gestartet, auf der Lehrmaterialien bereitgestellt werden. Die Plattform wurde notwendig um auf die Veränderungen und neuen Herausforderungen im Bildungsbereich, die durch die Pandemie erforderlich wurden, zu reagieren. Sie bietet ein sicheres, zugängliches und zentral überwachtes System für Lehrer, Administratoren, Eltern und Kinder, um auf Unterrichtsmaterialien zuzugreifen, die für jede Klassenstufe, jedes Fach und das Gastland angepaßt sind.

Die Digitalisierung des UNRWA-Bildungsprogramms wird auch der Schlüssel sein, um sicherzustellen, daß die palästinensischen Flüchtlinge die notwendigen Fähigkeiten erwerben, um auf einem sich schnell entwickelnden Arbeitsmarkt wettbewerbsfähig zu bleiben. Sie wird dazu beitragen, Beschäftigung und Chancen zu schaffen und Spannungen und Verzweiflung unter der Jugend zu lindern. Schließlich hat die digitale Transformation auch das Potenzial, die Bereitstellung und Kosteneffizienz unserer Dienstleistungen zu verbessern.

Als humanitäre Organisation wissen wir wie wichtig es ist, jungen Flüchtlingen den Zugang zu einer qualitativ hochwertigen Bildung zu ermöglichen, die im Einklang mit den Werten und Prinzipien der VN steht und Toleranz und Nichtdiskriminierung fördert. UNRWA weiß, wie wichtig es ist, jungen Palästinaflüchtlingen weiterhin eine Quelle des Lernens zu sein: Viele von ihnen haben sich zu Leistungsträgern auf der ganzen Welt entwickelt, und wir sind sehr stolz darauf, daß wir dank all unserer Spender einen Beitrag dazu leisten konnten.“

Und zum Schluß:

Heute, am 1. Mai ist die UNRWA 71 Jahre alt:

1950: Das Hilfswerk der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten (UNRWA) nimmt seine Arbeit auf. Es soll als temporäres Hilfsprogramm der Vereinten Nationen zur Linderung des Palästinensischen Flüchtlingsproblems beitragen und die Grundbedürfnisse der palästinensischen Flüchtlinge befriedigen.

Frieden ist mehr als ein Immobiliengeschäft

Ein spannendes Gespräch über Frieden und Religion, über Veränderung und Begegnung, über „aushalten“ und „durchhalten“ – Konflikttransformation geht nicht nur mit denen, die schon überzeugt sind. Israel und Palästina / Palästina und Israel braucht einen neuen Anfang, der all die mitnimmt, für die das Stück Land zwischen Mittelmeer und Jordan „Heiliges Land“ ist. Ofer Zalzberg vom Herbert C. Kelman Institute führt in das Gespräch ein…

The Arab and Jewish Questions

“The Arab and Jewish Questions: 
Geographies of Engagement in Palestine and Beyond"

Im Dezember 2020 ist bei der Columbia University Press ein bemerkenswerter Sammelband erschienen: Die Autorinnen und Autoren thematisieren darin nicht weniger als das Verhältnis von Jüdischer und von Arabischer Frage.

Leila Farsakh und Bashir Bashir stellen den Band vor und diskutieren mit Moshe Behar and Nadia Fadil online am Mittwoch, dem 5. Mai 2021, 18.00 Uhr.

Hier der Link zur Anmeldung.

Und für interessierte Leserinnen und Leser hier das Inhaltsverzeichnis des Bandes:

Acknowledgments
Introduction: Three Questions That Make One, by Bashir Bashir and Leila Farsakh

Part I. Interrogating Europe: Anti-Semitism, Islamophobia, and Colonialism
1. Jackals and Arabs: Once More on the German-Jewish Dialogue, by Gil Anidjar
2. An Emblematic Embrace: New Europe, the Jewish State, and the Palestinian Question, by Brian Klug
3. Palestine in Algeria: The Emergence of an Arab-Islamic Question in the Interwar Period, by Amal Ghazal


Part II. Beyond the Binary Division Between “Jews” and “Arabs”: Revisiting National Constructs
4. On Orientalist Genealogies: The Split Arab/Jew Figure Revisited, by Ella Shohat
5. Returning to the Question of Europe: From the Standpoint of the Defeated, by Hakem Al-Rustom
6. Between Shared Homeland to National Home: The Balfour Declaration from a Native Sephardic Perspective, by Yuval Evri and Hillel Cohen
7. Toward a Field of Israel/Palestine Studies, by Derek Penslar


Part III. Stubborn Realities and Alternative Visions for Palestine/Israel
8. Apocalypse/Emnity/Dialogue: Negotiating the Depths, by Jacqueline Rose
9. Competing Marxisms, Cessation of (Settler) Colonialism, and the One-State Solution in Israel-Palestine, by Moshe Behar
10. Dialectic of the National Identities in Palestinian Society and Israeli Society: Nationalism and Binationalism, by Maram Masarwi

Bibliography – List of Contributors – Index

Neues von MITVIM

Der April-Newsletter verweist auf einige lesenswerte Beiträge des Israeli Institute for Regional Foreign Policies, unter anderem einen Betrag zum International discourse on Israeli-Palestinian peacemaking (Dr. Lior Lehrs, based on a series of Mitvim Institute policy dialogues (conducted by Lior, Victoria Solkovits and Dr. Nimrod Goren) with European, Arab, American and UN diplomats and experts und Can multilateralism advance Israeli-Palestinian peace?, (Video of the Mitvim panel in the 2021 J Street National Conference).

Beziehungen USA-Palästina

Sprecher des US-Departments:  US-Hilfe für Palästinenser:innen dient unseren Interessen

Nach drei Jahren hat das US-State Department am 7. April 2021 angekündigt, daß es seine Zahlungen für das UNRWA-Hilfswerk wieder aufnehmen werde; dies entspreche den Interessen der USA in der Region. Damit würden Aktionen von US-Aid finanziert und Projekte zur wirtschaftlichen Entwicklung in der Region sowie Palästinenser in den Flüchtlingslagern. Der israelische Botschafter in den USA und bei den VN mahnte erneut eine Veränderung der Institution UNRWA an, doch der Sprecher der VN hofft darauf, daß weitere Staaten ihre Zahlungen für die UNRWA reaktivierten.

Mit dem erneuten Engagement der USA im israelisch-palästinensischen Konflikt steigt auch die Hoffnung, daß die USA den Regelungsprozeß in Nahost deutlicher unterstützen und die Option der zwei Staaten nicht nur bei Gesprächen in Jordanien, sondern gegenüber den zwei Konfliktseiten direkt bekräftigen.

The National News | Times of Israel | Israel National News

GIGA-Ringvorlesung

Arabischer Frühling 10 Jahre danach

Vor einem Jahrzehnt gerieten die autoritären Verhältnisse in vielen Staaten Nordafrikas und des Nahen Ostens ins Tanzen. Zusammen mit der Grünen Bewegung in Iran (2009) und den Gezi-Protesten in der Türkei (2013) schien der Arabische Frühling im Jahr 2011 und danach Teil eines regionalen Protestzyklus zu sein. Zehn Jahre später scheint von all dem wenig geblieben zu sein, und die Erinnerung an die Aufstände wird von anderen Ereignissen überlagert.

In diesem Semester soll es einen Rückblick auf die Ereignisse des Arabischen Frühlings in einem regionalen wie internationalen Kontext geben. Welche Faktoren haben zu ihrem Entstehen beigetragen? Was haben die Proteste gebracht? Warum sind sie weitgehend gescheitert? In welchem Verhältnis stehen die Aufstände von 2011 mit heutigen Protestbewegungen in Ländern Nordafrikas und des Nahen Ostens?

Diese Ringvorlesung wird gemeinsam von der Universität Hamburg, dem German Institute for Global and Area Studies (GIGA), der Heinrich-Böll-Stiftung Hamburg und der Academy in Exile ausgerichtet.

Donnerstags, 18:15-19:45 Uhr (CET) | Zoom | Registrieren Sie sich bitte per E-Mail: anmeldung@boell-hamburg.de

Veranstaltungssprache: Deutsch / Englisch

15.04.2021Hintergründe, Charakter und Auswirkungen der Aufstände von 2011 – ein verlorenes Jahrzehnt?

Referent:innen: Dr. Irene Weipert-Fenner, Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung, Frankfurt / Dr. Bente Scheller, Referatsleitung Naher und Mittlerer Osten, Heinrich-Böll-Stiftung Berlin
Moderation: Dr. André Bank, GIGA Institut für Nahost-Studien, Hamburg


22.04.2021Democratisation, Counterrevolution, War: Tunesia, Egypt, Syria

Speakers: Dr. Mahmoud Al-Zayed, Academy in Exile, Freie Universität Berlin / Dr. Heike Löschmann, Head of Tunis Office, Heinrich Böll Foundation / Prof. Dr. Cilja Harders, Freie Universität Berlin
Chair: Dr. Christiane Fröhlich, GIGA Institute for Middle East Studies, Hamburg

Hier der Hinweis auf die weiteren Veranstaltungen.

Was ist los in Jordanien?

Noch relativ undurchsichtig sind die Hintergründe der aktuellen Ereignisse im hashemitischen Königreich, das zwar allenthalben als ein „Hort der Stabilität“ gepriesen wird und dessen Funktionseliten international mächtige Verbündete haben. Ob die innere Stabitlität genauso hoch ist, mag angesichts der innenpolitischen Repression bezweifelt werden.

Hier einige der zur Zeit (öffentlich) verfügbaren Informationen:

NZZ: Ehemaliger Kronprinz „unter Hausarrest“?

FR: Berichte über Komplott in Jordanien

Luxemburger Wort: Jordaniens früherer Kronprinz Hamsa angeblich in Hausarrest

Washington Post: Jordan prince says he’s confined, lashes out at authorities

New York Times: Divided Kingdom: Jordan Shaken by Split Between King and Ex-Crown Prince – darin auch das Video von Hamzeh, besonders interessant ab Minute 2.

Aljazeera: Jordan gov’t accuses ex-crown prince of ‘malicious plot’

Jerusalem Post: Jordan: A family dispute or a foreign-backed plot?

Und eine etwas andere Quelle: Tikun Olam

Ergänzung 6. April 2021

DW: Jordanien verhängt Nachrichtensperre zu angeblichem Putschversuch

Zersplitterung statt Einheit

Marwan Barghouti tritt als Rivale von PA Präsident Mahmoud Abbas an. Der 61 Jährige, der von Israel wegen Beteiligung an fünffachen Mord zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt wurde und diese in Israel verbüßt, meldete sich offiziell als Kandidat für die palästinensischen Wahlen an und stellt neben Abbas und Mohammed Dahlan die dritte Fraktion innerhalb der Fatah. Die von Abbas angestrebte Einigung mit der Hamas steht damit schon vor der Aufgabe, die eigene Partei zusammen zu halten. 


Patrick Kinsey und Adam Rasgon schreiben dazu in der NY Times

Abraham Accords – Wohin jetzt, wohin weiter?

„If one does not want religion to be part of the problem, however, the answer cannot be to avoid it.“ – der Satz findet sich in einem Gastbeitrag von Rabbiner David Rosen auf der Website von Religion News Service in einem lesenswerten Beitrag, was jetzt Perspektiven (nicht nur) für eine US-amerikanische Außenpolitik sein kann und sollte.

Israel – Syrien: Mehr als ‚regionale Machtkämpfe‘

Bereits Ende Januar hatte Guido Steinberg von der SWP in einem Arbeitspapier der BAKS der BRD-Regierung in Anbetracht der Entwicklung in Nahost und der Durchsetzung eigener Interessen empfohlen, ihre Außenpolitik in Nahost zu überdenken. Nicht mehr Kriegsverhinderung sei zu priorisieren: „Das noch wichtigere Interesse der Bundesrepublik sollte aber sein, eine nukleare Bewaffnung von Regionalstaaten zu verhindern. Notwendige Konsequenz dieser Interessendefinition könnte es im Extremfall sein, auch einen Militärschlag der USA und/oder Israels gegen Iran zu unterstützen, falls dieser notwendig werden sollte, um eine nukleare Bewaffnung des Landes zu verhindern….“.

Und was läuft konkret in der Region ab? Wie verhalten sich die regionalen Akteure? Israels Angriffe in Syrien stellen Moskaus Geduld auf die Probe – „Ein Gegenschlag wird bald folgen“, stand gestern in einer der Überschriften auf RT DE.

Inzwischen fliegen israelische Jagdflugzeuge immer häufiger Angriffe auf iranische Stellungen in Syrien und provozieren damit auch Rußlands Position in Syrien. Rußlands Sondergesandte für Syrien, Alexander Lawrentjew, betrachtet die andauernden Angriffe Israels in Syrien in einer offiziellen Erklärung als Verletzung der Vereinbarung, auf die sich Israel und Rußland zur Deeskalation der Situation in Syrien geeinigt hatten und deutet an, daß auch ein Gegenschlag nicht mehr ausgeschlossen werden könne. Auf RT DE schreibt dazu Scott Ritter, ein ehemaliger US Marine Corps intelligence officer, der für die USA u. a. in der Sowjetunion als Inspektor für die Umsetzung des INF-Vertrages diente:

„Die zwar diplomatische Sprache läßt dennoch nur wenig Raum für jegliche Fehlinterpretation. Durch die Verwendung des Ausdrucks „darunter“ bezogen auf die syrische Regierung, die da ihre Geduld verliere, ließ Lawrentjew keinen Zweifel daran, daß die andere Partei, die man in seiner Aussage „darunter“ verstehen soll, Rußland ist. Diese Verknüpfung überträgt sich denn auch auf die nicht gerade verblümte Androhung eines „Gegenschlags“ und einer „möglichen Eskalation der Gewalt“. Kurz gesagt war Lawrentjews Warnung die offenste Drohung gegen Israel, die er anbringen konnte, ohne gleich das Offensichtliche auszusprechen: Falls Israel weiterhin Syrien bombardiert, werde Rußland keine andere Wahl haben, als israelische Flugzeuge abzuschießen.“

Weiterführende Links: BAKSMDKrasnaja SwesdaRT DE – Und im Original auf RT: