Identitätsfrage in Jordanien

Nationalität und nationale Identität zählen nicht nur in Jordanien zu den Schlüsselfragen für die Entwicklung des Landes. Kein Land könne sich politisch und wirtschaftlich stabil entwickeln ohne legale Gleichheit für alle. Was aber blockiert solch eine Transformation in Jordanien? Gibt es überhaupt eine öffentliche Diskussion darüber, was ‚jordanisch‘ ist, angesichts einer Bevölkerung mit einem großen Bevölkerungsanteil, der seinen familiären Hintergrund geographisch jenseits des heutigen Staatsgebietes in den palästinensischen Gebieten verortet.

Marwan Muasher, jetzt Vizepräsident für Studien bei der Carnegie Foundation in Washington und Beirut, berichtet von einer Veranstaltung zu diesen Fragen in Amman.Muasher ist seit Jahrzehnten im außenpolitischen Bereich und im diplomatischen Dienst Jordaniens tätig. So fungierte er von 2002 bis 2004 als Außenminister und von 2004 bis 2005 als stellvertretender Außenminister Jordaniens. Nach dend er wirkte entscheidend an der Entwicklung der Arab Peace Initiative (API) 2002 und der Middle East Peace Road Map 2003 mit.





Weibliche Pionierinnen aus dem alten Ägypten und dem Nahen Osten

Interdiziplinäre Neuerscheinung

Wenn man:frau nach weiblichen Pionierinnen in der Wissenschaft fragt, fallen den meisten Menschen berühmte Physikerinnen wie Lise Meitner und Marie Curie ein. „Aber nur wenige wissen von den Frauen, die eine Schlüsselrolle in der Entwicklung der Wissenschaft aus dem Osten gespielt haben“, sagt Radwa Khalil, Neurowissenschaftlerin an der Jacobs University Bremen und postdoctoral fellow von Professor Ben Godde.

Um zu einer breiteren Wahrnehmung des Themas beizutragen, die vielleicht sogar die heutigen Geschlechterrollen vorantreibt, haben Wissenschaftler:innen der Jacobs University und der australischen Western Sydney University an einem kürzlich erschienenen Buch zusammengearbeitet – über verschiedene Disziplinen und geographische Regionen hinweg.

„Ich wurde von großen weiblichen Vorbildern aus dem Nahen Osten beeinflußt, die mich dazu inspiriert haben, meine Gedanken und Visionen zu bereichern“, sagt Khalil, die in Ägypten geboren wurde. Ihre akademische Karriere führte sie 2011 nach Europa. Seit 2017 forscht sie an der Jacobs University und hat kürzlich ihren PhD mit Auszeichnung erhalten.

„Geschichte spielt in der Gender-Psychologie eine Rolle“, erklärt Khalil. Ihre Forschung belege, daß das Wissen über die historischen Beiträge östlicher Pionierinnen in Wissenschaft, Politik und Kunst die heutigen Geschlechterrollen in den Ländern des Nahen Ostens fördern und junge Frauen mit östlichem Migrationshintergrund, die in westlichen Gesellschaften leben, ermutigen kann. Die Verbreiterung der öffentlichen Wahrnehmung dieser bedeutenden historischen Persönlichkeiten hat daher eine sehr hohe gesellschaftliche Relevanz.

Radwa Khalil, ihr Kollege Professor Ahmed A. Karim, Psychologe und Neurowissenschaftler an der Jacobs University, und Professor Ahmed Moustafa, Experte für kognitive und verhaltenswissenschaftliche Neurowissenschaften an der australischen Western Sydney University, haben daher gemeinsam an einem kürzlich erschienenen Buch mit dem Titel „Female Pioneers from Ancient Egypt and the Middle East. On the Influence of History on Gender Psychology“ gearbeitet.

Das Buch bietet eine detaillierte Auswertung der Geschlechterrollen von Frauen im alten Ägypten und im Nahen Osten und skizziert deren Bedeutung und Einfluß. Es erörtert auch die möglichen psychologischen und sozialen Auswirkungen dieses Wissens auf die heutigen Geschlechterrollen. Die Auswertung erfolgte durch verschiedene Disziplinen, wie Naturwissenschaften, Neurowissenschaften, Psychologie, Soziologie, islamische Theologie, Geschichte und Kunst und bezieht Beiträge aus verschiedenen geographischen Regionen der Welt ein.

Hinweis auf die Originalpublikation.

(Kein) Öl im Getriebe bzw. in der Pipeline?

Teil der vor einem Jahr mit viel Euphorie unterzeichneten sogenannten Abraham Accords zwischen den Regierungen Israels und den VAE ist die Rohstofflieferung. Einer Vereinbarung nach sollte Öl in Tankern von den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) nach Eilat transportiert, von hier in Pipelines nach Ashqelon und von dort nach Europa weitergeleitet werden. Doch von israelischen Umweltorganisationen kommt Wiederstand.

Bereits im Januar 2021, also noch unter der Vorgängerin der heutigen Ministerin Tamar Zandberg (Meretz), hatte das Umweltschutzministerium die möglichen Risiken aus dem gesteigerten Tankerverkehr aus den VAE in den Hafen von Eilat untersuchen lassen. Die Ergebnisse veranlaßten die Ministerin zur weiteren Abwägung der Folgen.

Sollte das ganze Projekt gestoppt werden, so wäre das nach Meldungen aus den VAE eine Verletzung von diplomatischen Abkommen und könnte die Beziehungen belasten, gerade jetzt, da doch beide Seiten an der Entwicklung ihrer Wirtschaftsbeziehungen arbeiten.

Nie genug der Träume

Am Sonntagabend ging das Middle East Union Festival zu Ende, ein Ende der immer ein Anfang ist…

Hier die Schlußerklärung…

Deklaration der Nahost-Union

Wir verkünden die Gründung der Nahost-Union
im Rahmen von humanem, ökonomischem und sozialem Denken und Verfahren,
welche die Staaten des Nahen Ostens, Nordafrikas sowie die Türkei und den Iran vereinen.

Die Deklaration der Nahost-Union trägt in sich unter anderem die Idee der Wichtigkeit
der Menschen- und Bürgerrechte für alle Bewohnerinnen und Bewohner des Nahen Ostens.

Das Recht auf eine gleiche und faire Verteilung der natürlichen Ressourcen unter den Staaten der Region, die ohnehin bereits an den Folgen der Klimakrise zusammenbrechen.

Die Nahost-Union wird eine Verfassung schreiben, in der die Rechte, Wünsche und Bedürfnisse aller Mitglieder der Union, einschließlich der Frauen, LGBTQI-Menschen, Kinder und Geflüchteten,
verankert sein werden.

Diese Verkündung macht aber die folgende Frage nicht überflüssig:
Was wäre passiert, wenn der Nahe Osten von den europäischen Mächten nicht erobert worden wäre? Welche Bürgerkriege hätten vermieden werden können, wenn Gebiete nicht nach dem Wunsch europäischer Imperialisten entlang horizontaler, symmetrischer Trennlinien aufgeteilt worden wären? Grenzen, die ohne jegliche humane Logik quer durch Gemeinden, Familien und Kulturen verliefen.

Es gibt eine gewisse europäische Auffassung von der wesentlichen Beziehung zwischen den EU-Staaten: Die Auffassung darüber, wie sich die einzelnen Unionsmitglieder ihren Alltag vorstellen, welche Zukunftsvision sie sich ausmalen, was sie als Einheit motiviert.

Ähnlich bitten auch wir in der Deklaration der Nahost-Union, die Bestrebung nach der Verknüpfung der verschiedenen im Nahen Osten lebenden Communitys nicht aufzugeben.

Diese Vision gemeinsam niederzuschreiben!

Eine Organisation zu begründen, die unsere Ziele vorantreibt, egal ob diese wirtschaftlich oder human sind oder die Zukunft des ganzen Planeten betreffen.

Und mehr an Bildern und Info: The Middle East Union Festival

Logo Middle East Union

Kein „weiter so“

Nach der Gewalteskalation im April/Mail hat die International Crisis Group ihren aktuellen Bericht (Middle East Report Nr. 225) zu den Ereignissen im Gazastreifen und Westjordanland und in Israel vorgelegt.

Darin analysiert das Team die Prozesse der letzten Monate und mahnt die Akteure zum notwendigen konstruktiven Handeln und einer Regelungssuche jenseits eines „weiter so“ in Israel und Palästina: “Beyond Business as Usual in Israel-Palestine“

Sag mir wo Du stehst …

Anfang August hat das Israel Democracy Institute IDI seine neueste Monatsumfrage vorgestellt. Danach sind die wirtschaftliche Situation und die weiteren Maßnahmen der Regierung gegen die Ausbreitung von Covid-19 die wichtigsten Probleme der Bevölkerung Israels. An zweiter Stelle folgt die Arbeitsweise der neuen Regierung und an dritter Stelle schließlich die Sicherheitslage und die dramatischen Folgen des Klimawandels. Daß die seit etwa sechs Wochen amtierende Regierung mindestens ein Jahr hält, davon geht weiterhin weniger als die Hälfte der Bevölkerung Israels aus.

Die Mehrheit der Bevölkerung stimmt auch dafür, daß Spionagesoftware und israelische Waffen nicht an „nondemocratic regimes or rulers“ verkauft werden sollten.

Hinsichtlich der Regelung des israelisch-palästinensischen Konflikts scheint ein Konsens weit entrückt zu sein. Weniger als vierzig Prozent der Gesamtbevölkerung Israels könnte eine Zwei-Staaten-Regelung einschließlich der Gründung eines unabhängigen palästinensischen Staates akzeptieren, in der arabisch-israelischen Bevölkerung wären es mehr als zwei Drittel. Eine Ein-Staaten-Regelung mit gleichen Rechten für alle Bürger wäre nur für etwas mehr als ein Fünftel aller Israelis akzeptabel, aber auch hierzu würden mehr als die Hälfte der arabisch-israelischen Einwohner zustimmen.

In den politischen Lagern zeigt sich der manifeste Graben noch deutlicher: Fast 90% der sich als links verstehenden jüdischen Israels stimmen einer Zwei-Staaten-Regelung zu. Unter den sich als rechts einschätzenden jüdischen Israelis könnten sich weniger als ein Fünftel mit dieser Option abfinden; mehr als die Hälfte von ihnen befürwortet den Status quo.

Union !

Vom Donnerstag, 12. August – Sonntag, 15. August 2021 dreht sich der neuen Nahe Osten in Berlin: Das Middle East Union Festival läßt mit Literatur, Diskurs und Musik, mit Performance, Poesie, feministischen und queeren Diskussionen mit Gästen aus aller Welt – analog und digital – eine Vision zum Greifen nah erscheinen und lädt dazu ein, Ideen der Utopie frei zu erkunden.

Logo Middle East Union

Ein Amerika, das Israel und Palästina brauchen

Das Portal Qantara bringt einen lesenswerten Beitrag von Mohammed El Baradei – eine arabische Erfahrung und Stimme (bei der man:frau nicht jeden Vergleich für gelungen oder richtig halten muß), die aber einen hilfreichen Blick auf die komplexen Beziehungen und Erwartungen gibt.

Blick nach vorn?

Interview des palästinensischen Ministers mit The Media Line

Der Minister für zivile Angelegenheiten Palästinas, Hussein Al-Scheikh, erklärt gegenüber The Media Line, daß die PA zu Direktgesprächen mit der israelischen Regierung bereit sei.

Auch hinsichtlich des Verhältnisses zu den USA und zur Regierung von US-Präsident Joseph Biden zeigte er sich zuversichtlich. Alle drei Seiten hätten sich darauf verständigt, mit vertrauensbildenden Maßnahmen zu beginnen.

Spannender neuer Studiengang

Universität Tübingen auf neuen Wegen

„Theologien interreligiös – Interfaith Studies“ verbindet christliche, islamische und jüdische Theologie – Start zum Wintersemester 2021/22

Logo der Universität Tübingen

Die Universität Tübingen bietet künftig einen neuen und bundesweit bislang einmaligen theologischen Studiengang. Der Masterstudiengang „Theologien interreligiös – Interfaith Studies“ verbindet erstmals christliche, jüdische und islamische Theologie. Der neue Studiengang ist momentan nicht zulassungsbeschränkt und startet zum kommenden Wintersemester. Studieninteressierte können sich noch bis zum 30. September 2021 einschreiben.

Am Studiengang beteiligt sind die Evangelisch-Theologische Fakultät einschließlich ihres Seminars für Religionswissenschaft und Judaistik, die Katholisch-Theologische Fakultät sowie das Zentrum für Islamische Theologie der Universität Tübingen. Die drei Institutionen bilden den Tübinger Campus der Theologien, der es auf einzigartige Weise ermöglicht, die drei ‚abrahamitischen‘ Religionen nicht nur von außen zu betrachten, sondern aus ihren Binnendynamiken heraus kennenzulernen. „Wir wollen dazu beitragen, Judentum, Christentum und Islam in ihrem jeweiligen Profil und ihrem Zusammenhang besser zu verstehen“, sagte Professor Ruggero Vimercati Sanseverino vom Zentrum für Islamische Theologie.

„Dadurch, daß wir den historischen Hintergrund miteinbeziehen und dabei auch die Konflikte zwischen den Religionen nicht ausblenden, wollen wir ein profiliertes Bild entwickeln“, erklärte Professor Volker Henning Drecoll aus der Evangelisch-Theologischen Fakultät und Prüfungsausschußvorsitzender des neuen Studiengangs. „Zugleich wollen wir die hermeneutischen Fragen nach den Quellen des jeweiligen Selbstverständnisses stellen und die Möglichkeiten des interreligiösen Dialogs heute ausloten.“

„Der Studiengang wird sich unter anderem mit Praxisfeldern befassen, in denen in unserer Gesellschaft alle drei abrahamitischen Religionen miteinander zu tun haben, etwa in der Schule oder der Seelsorge, der sozialen Arbeit oder auch politischen Handlungsfeldern“, sagte Professor Michael Schüßler von der Katholisch-Theologischen Fakultät: „Dementsprechend sind wir überzeugt davon, daß Absolvent:innen unseres neuen Masterstudiengangs für zahlreiche Berufsfelder hervorragend qualifiziert sein werden.“

Weiterführende Informationen zu den Zulassungsvoraussetzungen, notwendigen Sprachkenntnissen und beruflichen Perspektiven finden sich auf der Homepage der Universität Tübingen.