Es gibt keine einfachen Antworten

Weder Projektionen, noch das Verschließen der Augen, noch schräge Einseitigkeiten bringen uns zurück in einen Stand „davor“ – der Zivilsationsbruch unserer Geschichte bleibt eine Wunde, die es immer wieder und immer wieder neu anzugehen gilt – ohne je die eine Antwort zu finden …:

Heiner Roetz, seines Zeichens emeritierter Professor der Sinologie und in den 1970er Jahren in der „Frankfurter Szene“ akitv, lädt in beeindruckender Weise zu einer solchen Reflektion in einem Beitrag in der Frankfurter Rundschau ein:
Nach dem Holocaust: Die Last den anderen aufbürden. Die deutsch-israelische Freundschaft ist angespannt. Die unappetlichen Seiten der deutschen Solidarität mit Israel

Rechtsextremismus nach 1945

Tagung des Archivs für Sozialgeschichte / Friedrich Ebert-Stiftung | 29.09.2022 – 30.09.2022

In der Diskussion um rechtspopulistische und rechtsextreme Politik und Aktivitäten wird die historische Kontinuität rechtsextremen Denkens und Handelns wenig thematisiert. Das rechtsextreme Milieu wird häufig als etwas Fremdes und außerhalb der Gesellschaft und ihrer grundlegenden politischen Kultur Stehendes verstanden. Noch augenfälliger galt dies für die DDR, die aus dem Antifaschismus ihre politische Legitimation bezog. Zugleich zeigt sich in den aktuellen Wahlkämpfen in Europa immer deutlicher, dass es ein erhebliches Stimmenreservoir für rechtsextreme, nationalistische Parteien gibt. Diese oft populistischen Bewegungen lediglich als „Betriebsunfälle“ zu interpretieren, verkennt die vielfältigen historischen Kontinuitäten im rechtsextremen Milieu ebenso wie soziale Brüche und ideologische Neuausrichtungen.

Eine Gesellschaftsgeschichte des Rechtsextremismus zu entwerfen, mit einem vergleichenden Blick auf Entwicklungen in Europa, ist daher ein lohnender Ansatz, um diese politische Bewegung stärker zu kontextualisieren und vor allem zu historisieren. Eine solcher Ansatz fragt nicht nur nach den Entwicklungen und Hintergründen des politisch marginalisierten rechtsextremen Milieus, sondern auch nach tieferliegenden Einstellungen und vor allem nach gesellschaftlichen Bedeutungen und Funktionen des Rechtsextremismus. Dabei wird auch erkennbar, dass bereits der Begriff viele unterschiedliche Aufladungen hatte. War Rechtsextremismus in den 1950er-Jahren das Gleiche wie heute? Wer entwarf Zuschreibungen, wie wurden Kategorien und Kriterien definiert? In welchem Verhältnis standen Fremd- und Selbstzuschreibungen? Nicht zuletzt ist an dieser Stelle auch zu analysieren, welche Rolle Beobachter politischer Bewegungen für die Begriffsverständnisse spielten.

Hinsichtlich der gesellschaftlichen Auseinandersetzungen mit Rechtsextremismus sind staatlich-institutionelle und politische Ausführungs- und Entscheidungsgruppen ebenso bedeutsam wie zivilgesellschaftliche Akteure, Gruppen ehemals Verfolgter oder von rassistischer Gewalt und Diskriminierung Betroffener. Wer beteiligte sich am gesellschaftlichen Diskurs über Rechtsextremismus, welchen Deutungen dominierten und welche wurden ausgegrenzt? Welche Funktionen nahm der Rechtsextremismus im politischen Selbstverständigungsdiskurs Deutschlands ein – auch jenseits der deutsch-deutschen Auseinandersetzung? Wie wurde er beobachtet und eingeordnet? Dies ließe sich beispielsweise im Kontext von Wahlen näher analysieren, deren Ergebnisse auch die Konjunkturen der Beobachtung und Erforschung mitbestimmten. Hier sind vielfache Verschiebungen und Erweiterungen im historischen Verlauf zu beobachten. Zudem internationalisierten sich Rechtsextremismus und Rechtspopulismus nach 1945 und vernetzten sich überdies transnational.

Ausgehend von diesen Fragen will die Redaktion des Archivs für Sozialgeschichte gemeinsam mit den Autorinnen und Autoren zentrale Dimensionen des Themas ermitteln und konzeptionelle Überlegungen für den geplanten Band und die einzelnen Beiträge entwickeln. Weitere Teilnahmen sind daher nur im Einzelfall nach vorheriger Anmeldung möglich.

Programm – Anmedlung bis 23. September 2022

Festakt Gedenkveranstaltung 70 Jahre Luxemburger Abkommen

15. September 2022 | Im Jüdischen Museum Berlin sprach aus diesem Anlaß der Bundeskanzler

Bundeskanzler Olaf Scholz hat dabei Shoa-Überlebenden weitere Unterstützung versprochen. Es sei der Bundesrepublik heute und in Zukunft ein Anliegen, Entschädigungszahlungen sicherzustellen, damit sie den Lebensabend in Würde verbringen könnten, sagte Scholz. Dies gelte auch für Fürsorgeleistungen, sagte Scholz in seiner Ansprache bei der Veranstaltung zur Würdigung des vor 70 Jahren unterzeichneten ‚Luxemburger Abkommens‘ im Jüdischen Museum Berlin.

Scholz bezeichnete den Vertrag mit Israel und der ‚Jewish Claims Conference‘, mit dem sich Deutschland 1952 zu Entschädigungszahlungen verpflichtet hatte, als »zweiten Gründungsakt der Bundesrepublik«.

Der Akt habe die schwere Schuld, die Deutschland durch die Verfolgung und kaltblütige Ermordung der Juden auf sich geladen habe, nicht abtragen können. Es sei aber der Versuch gewesen, Verantwortung zu übernehmen, sagte der Kanzler. (Download der Rede des Kanzlers)

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Screenshot: Bundestag.de

Bericht im Deutschlandfunk

Siehe dazu auch die aktuelle Ausstellung vom 7. September 2022 bis zum 5. Oktober 2022

Die Ausstellung kann nach vorheriger Anmeldung montags bis freitags in der Zeit von 9 bis 17 Uhr im Paul-Löbe-Haus, Eingang West, Konrad-Adenauer-Straße 1, 10557 Berlin-Mitte, besucht werden.
https://www.bundestag.de/ausstellung-luxemburger-abkommen

München, 50 Jahre danach

Wie die linksliberale israelische Tageszeitung Ha’aretz berichtet, hat die Handlungsweise der deutschen Regierung während und nach dem Münchener Olympiadesaster in Israel einen bitteren Nachgeschmack hinterlassen. Auch die jetzt gefundene Übereinkunft zwischen der deutschen Regierung und den Opfervertretern, allen voran der ehemalige Innenminister Gerhard Baum, stößt nicht auf überschwengliche Begeisterung.

Albert Einstein, Hans Kaufmann und der Zionismus

Am 12. September 2022 veranstaltet das Jüdische Museum, Berlin ein Symposium

Der Hintergrund ist ein Brief, den Albert Einstein am 12. September 1942, mitten im Zweiten Welt­krieg, ver­faßte. Er war eine Antwort an den 19jährigen deutsch-jüdischen Flücht­ling Hans Kauf­mann in Santiago de Chile, in dem er seinen großen Zweifel an der Schaffung einer zen­tralen Instanz zur Wahrung der jüdischen Interessen äußert.

Der Brief war eine Ant­wort auf ein Schreiben des jungen Mannes, in dem dieser Ein­stein gebeten hatte, an der Spitze einer jüdischen Orga­nisation zu stehen, welche die Belange der Juden, ihre Würde und das Projekt einer nationalen Heim­stätte in Palästina ver­teidigen würde.

An­läßlich der Schenkung dieses bedeutenden Briefs aus der Feder des welt­berühmten Nobel­preis­trägers, ver­anstaltet das Archiv des Jüdischen Museums Berlin ein Sym­posium, das sich Themen widmet, die im Kontext der Briefe von Hans Kaufmann und Albert Einstein stehen: der Geschichte der Familie Kauf­mann, der deutsch-jüdischen Emi­gration nach Chile während der NS-Zeit, Albert Einsteins Stellung zum jüdischen nationalen Pro­jekt und der Lage des Zio­nismus im Jahr 1942.

Erinnerung an Walter Rathenau + 1922

Vor zehn Jahren erschien die Biographie von Shulamit Volkov über den ermordeten deutschen Außenminister, in deutsch erschienen 2012 im Verlag C.H.Beck, München: Walther Rathenau. Ein jüdisches Leben in Deutschland 1867–1922.

Auf der Website von Jewish Lives ist ein Vortrag der em. Professorin nachhörbar.

Was die anderen denken (und sehen)

Internationale Presseschau: Was das Ausland über die Documenta denkt

Im Online-Magazin Monopol macht Alia Lübben einen ausführlichenen Gang durch die weltweiten Wahrnehmungen und Einschätzungen der Documenta Fifteen.

Tschechien: Mahnmal statt Schweinefarm

Auf dem Gelände des ehemaligen Nazi-Konzentrationslagers Lety für tschechische Roma wurde nach langem Hin und Her mit dem Abriß einer Schweinefarm begonnen.

Nun entsteht dort ein Mahnmal für den Völkermord an den Roma.

Ein Bericht auf der Website der Deutschen Welle

Nachtrag: Eine kritische Intervention aus Israel

Hanno Hauenstein hat für die Berliner Zeitung den Artikel von Avraham Burg aus dem Hebräischen übersetzt, er erschien am 28. Juli 2022 nachmittags online auf der Seite der Berliner Zeitung, in unserem Blogbeitrag haben wir morgens auf die Ausgabe in der englischen Haaretz verwiesen!

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Avraham Burg ist ehemaliger hochrangier Politiker der Arbeitspartei in Israel, Sprecher der Knesset und Vorsitzender der Jewish Agency und der World Zionist Organization, inzwischen ist er bekannt für seine fundamentale Kritik an der Besatzungspolitik und an der Erinnerungspolitik in Israel und Deutschland. 

In einem Beitrag in der Tageszeitung Ha’aretz legt er dar, wie die Debatten in Deutschland über das Verhältnis zu Israel und darüber, was als Antisemitismus zu gelten hat, der israelischen Besatzungspolitik in die Hände spielen. Aus einer Atmosphäre der Angst und der Kontrolle heraus sei eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der Politik Israels, dem gefährlichen Antisemitismus und der Unterdrückung und Entrechtung der Palästinenser durch die israelische Regierung nicht möglich. Damit spiele man:frau populistischen und rechten ‚Israelfreunden‘ in die Hände.

Haar
etz Screenschot Burg Artikel

Mit Berufung auf eine universalitische Tradition, die er aus der Bibel und aus den Schriften Martin Bubers ableitet, appelliert er an den Zentralrat der Juden in Deutschland „einen offenen Dialog über eine angemessene Erinnerungspolitik zu ermöglichen“.
Germany Provides a Kosher Stamp for the Israeli Occupation – Israel News – Haaretz.com

Eine kritische Intervention aus Israel

Avraham Burg ist ehemaliger hochrangier Politiker der Arbeitspartei in Israel, Sprecher der Knesset und Vorsitzender der Jewish Agency und der World Zionist Organization, inzwischen ist er bekannt für seine fundamentale Kritik an der Besatzungspolitik und an der Erinnerungspolitik in Israel und Deutschland. 

In einem Beitrag in der Tageszeitung Ha’aretz legt er dar, wie die Debatten in Deutschland über das Verhältnis zu Israel und darüber, was als Antisemitismus zu gelten hat, der israelischen Besatzungspolitik in die Hände spielen. Aus einer Atmosphäre der Angst und der Kontrolle heraus sei eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der Politik Israels, dem gefährlichen Antisemitismus und der Unterdrückung und Entrechtung der Palästinenser durch die israelische Regierung nicht möglich. Damit spiele man:frau populistischen und rechten ‚Israelfreunden‘ in die Hände.

Haar
etz Screenschot Burg Artikel

Mit Berufung auf eine universalitische Tradition, die er aus der Bibel und aus den Schriften Martin Bubers ableitet, appelliert er an den Zentralrat der Juden in Deutschland „einen offenen Dialog über eine angemessene Erinnerungspolitik zu ermöglichen“.
Germany Provides a Kosher Stamp for the Israeli Occupation – Israel News – Haaretz.com