Gefählicher Rüstungswettlauf

Die andere Seite der „Abraham Accords“

Nachdem der israelische Verteidigungsminister Benny Gantz am Freitag mit neuen Sicherheitsgarantien aus den USA zurückgekehrt war, meldeten israelische Medien erneut, daß die Regierung der Lieferung von F-35 an einzelne Golfstaaten nicht mehr grundsätzlich entgegen stehe. Yuval Steinitz, der israelische Energieminister zweifelt nicht daran, daß, sofern Qatar Anfrage stelle und die Bezahlung gesichert sei, die USA die Jets liefern würden, auch über offen vorgebrachte Ressentiments aus Israel hinweg, wie in der Vergangenheit ja bereits geschehen sei.

Ist es der Druck vonseiten der Rüstungsunternehmer, ist es das steigende Regierungsdefizit, sind es zu erwartende Folgeaufträge für die Rüstungsindustrie, oder bezeichnet es eine Modifizierung in der Realpolitik der USA, deren damalige Regierung unter Präsident Obama bereits 2012 in einer Studie des Verteidigungsministeriums konstatierte, dass „das Zeitalter des Westens … an einem Scheideweg angelangt [sei], wenn nicht gar an seinem Ende“, wie der renommierte Historiker Peter Frankopan in seinem fulminanten Werk „Licht aus dem Osten. Eine Neue Geschichte der Welt“ schreibt.

Wohl kaum lassen sich Politiker in den VAE oder Qatar auf die Lieferung derart abmodernisierter Flugzeuge des modernsten Kampfjet-Systems F-35 Stealth ein, daß sie die nur als Prestige in den Palasthangar stellen könnten. Eher ist es der Konkurrenzkampf der USA, um möglichen Offerten vorrangig Rußlands oder Chinas (an Qatar und die VAE) zuvorzukommen und in erster Linie gegen Iran gerichtet.

Die Aufrüstungsspirale nimmt in der ohnehin hochgerüsteten Region zusehends neue Fahrt auf und gefährdet die Sicherheit nicht nur dort weiter.

Weiterführende Lesehinweise:

Middle East Eye - New York Times - Globes - Haaretz - Defense News - Deutschlandfunk

Zehn Jahre Arabischer Frühlung

FES / Zenith – Online-Dossier

Zehn Jahre sind vergangen seit den Massenprotesten, die in der Arabischen Welt den Beginn einer Zeitenwende markierten. Die Bilanz dieser Umbrüche steht im Kern des Dossiers zum 10-jährigen Jubiläum des Arabischen Frühlings, das in Kooperation mit der Fachzeitschrift zenith entstand. Das Dossier gibt den Menschen Raum, die während des „Arabische Jahrzehnts“ dabei waren, wenn der Ruf nach Freiheit, sozialer Gerechtigkeit und politischer Teilhabe weitreichende Transformationen einleitete. Protagonist_innen und Beobachter_innen erinnern sich, reflektieren, wie die Ereignisse aufgearbeitet werden können und diskutieren Handlungsspielräume für die Zukunft.

Gerahmt werden die Berichte, Reportagen und Interviews von exklusiv angefertigten Illustrationen der ägyptischen Street-Art-Künstlerin Aya Tarek, die wie wenige andere die Bilder des Arabischen Frühlings künstlerisch prägte.

Museumsverkäufe – jetzt auch in West-Jerusalem

Es ist nicht das erste Museum, und auch nicht zum ersten Mal sehr kontrovers diskutiert, daß bedeutende Stücke seiner Sammlung veräußert, um ökonomisch zu überleben. Das (private) Museum für Islamische Kunst in West-Jerusalem läßt Ende Oktober in einem Londoner Auktionshaus Teile seiner Sammlung versteigern, um die Zukunft der Stiftung und die laufenden Kosten auf die nächsten Jahre zu sichern, nicht um neue Okjekte anzukaufen. An einen Verkauf an andere gleichartige Museum sei nicht gedacht worden, heißt es in der Presse.

Zu den angebotenen Obekten gehört auch ein Teil einer Uhrensammlung, die aus dem Besitz der Mäzenatenfamilie (der ritischen Philanthropin Vera Bryce Salomons) stammt und die nicht zum eigentlichen namensgebenden Auftrag des Museums gehört.

Die Entscheidung, die scjhon länger vorbereitet wurde, wird zu einer Zeit öffentlich, in der Israel den Beginn neuer Beziehungen zu islamischen Staaten der Region feiert.

Beiträge dazu in Haaretz, Times of Israel und The Art Newspaper

Kein Filter für Rechts

Ein spannendes – und manchesmal erschreckendes – Dossier hat „Correctiv – Recherchen für die Gesellschaft“ online gestellt. CORRECTIV ist eine gemeinnützige und unabhängige Redaktion, die, so die Selbstaussage „systematische Missstände ans Licht (bringt) und eine demokratische und offene Zivilgesellschaft (stärken will).“

Die aktuellen Recherche: Wie die rechte Szene Instagram benutzt, um junge Menschen zu rekrutieren lohnt die Lektüre und Correctiv jede Unterstützung.

Abbas‘ wackliger Thron

Laut der neuesten Umfragen hat sowohl der amtierende Präsident der Autonomiebehörde, Mahmoud Abbas, als auch die Behörde selbst als solche keine mehrheitliche Unterstützung in der Bevölkerung mehr.

Enttäuscht von der Handlungsunfähigkeit und der Nicht-Beachtung, vor allem bei der Bevölkerung von Ost Jerusalem und von Gaza werden die angekündigten Wahlen nicht zwangsläufig eine Bestätigung des Status Quo, sofern sie denn stattfinden werden.

Somit stehen die Wahlen vor einen ungewissen Ausgang, ebenso die Zukunft der PA in ihrer jetzigen Form. Eine Analyse von Emily Judd für Al Arabiya 

Photowettbewerb ausgelobt

„Zusammenhalt in Vielfalt – Jüdischer Alltag in Deutschland“ – Vier Initiatoren loben bundesweiten Photowettbewerb aus

Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, der Beauftragte der Bundesregierung für jüdisches Leben in Deutschland und den Kampf gegen Antisemitismus, der Zentralrat der Juden in Deutschland und die Initiative kulturelle Integration haben einen Photowettbewerb unter dem Titel „Zusammenhalt in Vielfalt – Jüdischer Alltag in Deutschland“ aus gelobt:
http://www.fotowettbewerb-juedischer-alltag.de
• #jüdischerAlltag

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The Next Stage: Menachem Kleins Analyse

Palestine–Israel: The Next Stage – so lautet der Titel einer außerordentlich lesenswerten Analyse von Menachem Klein, die dieser Tage im Magazin Logosa journal of modern society & culture erschienen ist.

„Struggle for equality calls to build a big tent of all ethnic discrimination victims and opponents living in Mandatory Palestine. Beyond restructuring Israeli political opposition by bridging the sharp division to Jewish and Arab opposition parties, West Bank and Gaza Strip officials and civil society activists have to change their minds.“

Klein rekapituliert die historische Entwicklungen seit der Mandatszeit, fragt nach dem Scheitern verschiedener Optionen und richtet den Blick auf die Perspektiven einer kollektiven Selbstvergewisserung und (einer nötigen neuen Selbtorganisation) der palästinensischen Seite ebenso, wie auf die Fragen, die sich das zionistisch-israelische Lager angesichts der (eigenen) de-facto-Herrschaft über die Palästinenser ohne deren rechtliche Gleihheit stellen muß:

“ … calling for equality does not necessarily negate the two state solution. Political equality can be realized in a state of all its individual citizens, or in a joint state of its two Jewish and Arab nationalities, in a confederation between two states or in two fully independent states each enjoying self-determination right and equal international status.“

Mit immer mehr Waffen zum Frieden in der Region?

Immer neue Rekorde im Waffenkauf im Nahen Osten – Neue Zahlen veröffentlicht von der britischen Regierung. Middle East Eye hat die Zahlen aufbereitet: In den letzten zehn Jahren hat der Nahe Osten mehr Geld für ‚Verteidigung‘ ausgegeben, als jede andere Region in der Welt!

https://www.middleeasteye.net/sites/default/files/defence%20imports%20by%20region.png

Zum vollständigen Bericht hier.

Unsere Liebe Frau von Palästina – 21. Oktober

Zu den vielfältigen Zugängen zum „Heiligen Land“ gehört auch das Fest Maria Regina Palaestinorum, Maria Königin Palästina / U.L.F. von Palästina, ein Fest, das die Lateinische Kirche in der Mandatszeit eingeführt hat.
In diesem Jahr überträgt aus diesem Anlaß der Ritterorden vom Hl. Grab den Vortrag des Administrators des Lateinischen Patriachats, Msgr. Pierbattista Pizzaballa, den er in Rom hält, in englischer Simultationübersetzung im Netz (18.00 Uhr) : „Das Heilige Land und der Nahe Osten – aktuelle Ereignisse und mögliche Perspektiven“.

Der Großmeister des OESSH, Fernando Kardinal Filoni feiert im Petersdom die Messe für die Anliegen der Christen und Christinnen und aller Bewohner/innen des Heiligen Landes am Altar der Kathedra Petri. Diese Eucharistiefeier (21. Oktober, 11.00 Uhr) wird live auf der Facebook-Seite des Großmagisteriums des Ordens übertragen.

Aktualisierung:
Äußerungen des Administrators sind auch im Bericht zu seinem Interview im Radio Vatikan nachlesbar:
Jerusalemer Erzbischof: Weltgemeinschaft lässt Palästinenser im Stich

Plus 4.948

Soviele Siedlungseinheiten hat der Higher Planning Council of the Israeli Civil Administration am heutigen 15. Oktober genehmigt, damit ist das Jahr 2020 das Jahr mit der höchsten Zahl (12.159), seit die Beobachtungsgruppe „Siedlungen“ (Settlement Watch) von Peace Now im Jahr 2012 diese Zahlen dokumentiert.