Wahlen, die Vierte: Episode 6

Kurz vor Ende der Meldefristen für die Listen zur anstehenden Knessetwahl fragt Naomi Chazan in der Times of Israel, wo denn all die Parteien geblieben seien … in den nächsten Tagen wissen (wir) alle mehr:

Too many instant alliances, personality-driven plans, and single-issue groups cannot substitute for robust political parties that balance the abuse of power by those in office

Hier der Link zum ganzen Artikel.

Zwischen Said und Ägypten, zwischen Berlin und …

Eine (autobiographisch aufgehangene) „deutsch-ägyptische Erinnerung“ hat Sonja Hegazi, stellv. Direktorin des ZMO in Berlin, in einer deutschen – und in einer etwas längeren englischen – Fassung veröffentlich, eine lesenswerte Reflektion – nicht nur als Hommage an den großen palästinensisch-US-amerikanischen Denker Edward Said.

Hier der Link über das ZMO, das am 2. Febaruar in seinem Newsletter darüber berichtet hat

Ich darf hier stehen als Repräsentantin der Nachgeborenen

Hier der Verweis auf das Redemanuskript (das an wenigen kleinen Stellen nicht mit dem gesprochenen Wort übereinstimmt) der Ansprache von Marina Weisband, ehemalige Politikerin der Piraten, heute bei den Grünen aktiv, am Shoa-Gedenktag im Deutschen Bundestag.

Rede im Bundestag zum Holocaustgedenktag 2021

Patriarch des Volkes

Filmvorführung aus Jerusalem über (und mit) Msgr. Michel Sabbah, emeritierter Lateinischer Patriarch von Jerusalem

Al-Liqa’ Center, Christ at the Checkpoint, Kairos Palestine, Sabeel and the East Jerusalem YM/YWCA of Palestine would like to invite you to the launching of the film “The People’s Patriarch”, Reflections with Patriarch Michel Sabbah, at 6 pm Jerusalem Time on the 6th of February 2021. 

Ms Nora Carmi will be moderating the event, including a short introduction by the film producer Dr. Lily Habash and director Mohammed Alatar, screening of the film and open discussion with His Beatitude (Patriarch Emeritus) Michel Sabbah.

You can register at the following zoom link
https://zoom.us/meeting/register/tJEqceyrrDgoGtGylHpk1uwBtR69d0OUcenP  

Kalter Krieg im Nahen Osten

Der iranisch-saudische Konfliktdominiert die Region BAK-Arbeitspapier 1/2021, Guido Steinberg.

Mag im Zentrum des Nahostkonfliktsystems auch die Auseinandersetzung zwischen den beiden Konfliktparteien Israel und Palästina stehen, so wurde dies in den vergangenen Jahren durch andere Konfliktaustragungen überlagert, wie im Irak, in Syrien, im Jemen, in Libanon, in Iran. In seinem Arbeitspapier für die „Bundesakademie für Sicherheitspolitik“ thematisiert der SWP-Wissenschaftler Guido Steinberg den Konflikt um die regionale Hegemonie zwischen den beiden Staaten Saudi-Arabien und Iran.

Seiner Einschätzung nach „handelt es sich bei dem Konflikt zwischen Iran und Saudi-Arabien heute um die zentrale machtpolitische Auseinandersetzung des Nahen Ostens – ein Systemkonflikt, der deshalb auch besonders erbittert geführt wird und langlebig ist.“

„Sollte die Regierung Biden in Verhandlungen ähnlich vorgehen und – entgegen den bisherigen Ankündigungen – die iranischen Raketen und schiitischen Milizen doch erneut ausklammern, wird der Widerstand Saudi-Arabiens, der VAE und Israels deutlich heftiger sein als noch 2015. Vor allem werden sie ihre Verbündeten im Kongress mobilisieren, die in beiden politischen Lagern zu finden sind. Darüber hinaus hat die Tötung von Fakhrizadeh gezeigt, daß zumindest Israel weitere Optionen hat, will es eine Entspannung zwischen Washington und Teheran stören.“

Steinberg sieht die Interessenwahrung Deutschlands im Bündnis mit den USA und Europa und skizziert dabei auch die Konsequenzen:

„Zur Vorbereitung auf die nächsten Monate und Jahre ist es zusätzlich angezeigt, die bisherige deutsche Interessendefinition zu überdenken. Politiker, Diplomaten und Wissenschaftler haben in den letzten Jahren häufig argumentiert, daß es in erster Linie gelte, eine kriegerische Auseinandersetzung zwischen Iran und seinen Gegnern zu verhindern. Das noch wichtigere Interesse der Bundesrepublik sollte aber sein, eine nukleare Bewaffnung von Regionalstaaten zu verhindern. Notwendige Konsequenz dieser Interessendefinition könnte es im Extremfall sein, auch einen Militärschlag der USA und/oder Israels gegen Iran zu unterstützen, falls dieser notwendig werden sollte, um eine nukleare Bewaffnung des Landes zu verhindern. Eine deutlichere Formulierung dieses Interesses könnte auch dazu dienen, den Druck auf Iran zu erhöhen, der in den letzten Jahren allzu oft versucht hat, Uneinigkeit zwischen Europa und die USA zu schüren.“

Die Shoa in den Sozialen Medien

Belltower News, der Blog der Amadeu Antonio Stiftung, hat zum Shoa-Gedenktag diese Reflektionen von Nicholas Potter veröffentlicht.

Während sich die letzten Zeitzeug*innen der Shoah verabschieden, wird die Digitalisierung des Gedenkens immer wichtiger. Doch so einfach ist das nicht, vor allem auf Social Media. Das zeigen Phänomene wie die „Holocaust Challenge“ auf TikTok oder Selfies in Auschwitz.

Zurück nach Oslo ?

Bereits am ersten Amtstag Bidens als 46. US-Präsident sendete er eindeutige Signale, viele Maßnahmen seines mehr als umstrittenen Vorgängers rückgängig machen zu wollen. Das scheint nun auch Trumps ‚Friedensplan‘ Peace to Prosperity zu betreffen.
Steht nun die in den Oslo Verträgen beschlossene Zwei-Staaten-Lösung wieder auf der Agenda, von der nicht klar ist, ob sie überhaupt noch umsetzbar ist? Dazu Michelle Nichols für Reuters

Podcast gegen das Vergessen

Memory Lab“ von Leuphana-Studierende (Lüneburg)

Die Zeit des Nationalsozialismus ist als Teil der deutschen Geschichte auch Gegenstand historisch-politischer Bildung. Doch wie kann Erinnerungsarbeit funktionieren, wenn der Austausch mit Zeitzeug*innen in absehbarer Zeit nicht mehr möglich sein wird?

20 Studierende der Leuphana Universität Lüneburg haben sich im Seminar „Memory Lab“ mit neuen, künstlerischen Formen der Erinnerung auseinandergesetzt. Veranstaltet wurde das Seminar von der Musikwissenschaftlerin Prof. Dr. Monika Schoop in Kollaboration mit der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück.

Aus dem Projekt ist ein selbstproduzierter Podcast hervorgegangen, der aus unterschiedlichen Blickwinkeln die Frage nach einer neuen Erinnerungskultur betrachtet: Wie funktionieren Erinnerungstransfers? Welche Relevanz haben Erinnerungsorte im digitalen Zeitalter? Welche Rolle spielen Zeitzeug*innen? Und wie wird und wurde durch Kunst erinnert? Besonderes Augenmerk gilt dabei auch der Frage, welche Auswirkungen die Corona-Pandemie und die damit verbundene Hinwendung zu digitalen Formaten für die Erinnerungsarbeit hat.

Zur Annäherung an das Thema haben die Studierenden an Workshops des Projektes „Silence is no longer here because of us“ der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück teilgenommen. Der Ort Ravensbrück, dort befand sich in der NS-Zeit das größte Frauen-Konzentrationslager, vergegenwärtigt die Bedeutung des Projekts. „Wie können wir die Zukunft gestalten, wenn wir die Vergangenheit nicht verstehen?“, fragte sich Initiator Dan Wolf. Er hatte das Vorhaben ursprünglich 2011 unter dem Titel „Sound in the Silence“ zusammen mit dem Hamburger Stadtteil&Kulturzentrum MOTTE ins Leben gerufen und Schüler*innen individuelle Zugänge zu historischen Ereignissen vermittelt.

Im vergangenen Jahr konnten sich erstmals Studierende im Rahmen von Workshops mit dieser Frage beschäftigen und Formen der Einbindung von Geschichte und Erinnerung in verschiedene Kunstformen kennenlernen. Digital-vernetzt arbeiteten die Leuphana-Studierenden per Video-Konferenz mit der Berliner Rapperin Lena Stoehrfaktor und Poetry-Slammerin Aicha Ben Mansour an künstlerischen Erinnerungsformen.

Was die Studierenden aus diesen Workshops und dem Seminar mitgenommen haben, wurde in vier Podcast-Episoden verarbeitet. Am 27. Januar 2021, dem Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust, werden die Arbeitsergebnisse vorgestellt. Der Podcast „Memory Lab“ wird auf Spotify, Apple Podcast und dem YouTube-Kanal der Dr. Hildegard Hansche Stiftung zu finden sein.

Besatzung und rechtliche Grauzonen

Spätestens, aller spätestens seit den Oslo Verträgen und der damit einhergehenden Fragmentierung der palästinensischen Gebiete sind auch das Rechtssystem und die juristischen Zuständigkeiten zu einem undurchsichtigen Geflecht geworden.

Israelisches Militär- und Zivilrecht sowie palästinensische Gerichtsbarkeit stehen auf einer Basis von britischen, französischen, osmanischen, israelischen und palästinensischen Gesetzen, welches sukzessive durch informelles und religiöses Recht unterwandert wird. 

Dazu ein Beitrag von Rania Zabaneh für Al Jazeera.