Erinnerung weiterentwickeln

Die jüdische Siedlungsgeschichte Bayerns digital erkunden

Versucht man:frau, einen Überblick zur jüdischen Geschichte für das Bayern der Vormoderne zu erhalten, so bietet sich eine chaotisch erscheinende Chronologie von Ansiedlung, Vertreibung und Wiederansiedlung. Einen systematischen Einblick in die Siedlungsgeschichte der Jud:innen auf dem Gebiet des heutigen Bundeslandes Bayern eröffnet nun eine neue digitale Karte der Professur für Frühe Neuzeit und Vergleichende Landesgeschichte (Prof. Dr. Sabine Ullmann) an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU).

Diese ist in dieser Form bislang einzigartig und beruht auf dem langfristig angelegten Projekt „Jüdische Geschichte in Räumen“, das in zeitaufwendiger Detailarbeit eine Vielzahl von Quellen erschließt und die gewonnenen Erkenntnisse in einer Datenbank zusammenträgt. Bis jetzt sind darin Informationen zu fast 600 Siedlungen erfaßt, die nachweislich zwischen 1500 und 1820 über mindestens fünf Jahre hinweg existierten. Der Zeitraum ist bewußt gewählt und dokumentiert die Phase von den Anfängen des Landjudentums bis zur Neufassung der Judenpolitik im Königreich Bayern.


Die frei zugängliche interaktive Karte ist in Kooperation mit Dipl. Ing.Claudia Pietsch vom Fach Geographie an der KU entstanden. Sie gibt sowohl der interessierten Öffentlichkeit als auch dem Fachpublikum die Möglichkeit, Zusammenhänge zwischen jüdischen und nichtjüdischen Räumen zu erschließen, und bietet neue Ansatzpunkte für die weitere Forschung. Beim Klick auf einen Ort erscheinen neben Basisinformationen – wie dem Ortsnamen, dem heutigen Landkreis und Regierungsbezirk und geographische Koordinaten – auf Grundlage der bisherigen Forschung auch spezifischere Angaben zu Schutzherrschaften, Siedlungstypen, etwaigen Ausweisungen sowie Hinweise auf die Forschungsliteratur. Zusätzlich aufgenommen sind 85 in der Frühen Neuzeit existente jüdische Friedhöfe.

Spätestens in Folge des Nationalsozialismus sind die meisten historischen Unterlagen zum jüdischen Gemeindeleben verloren gegangen, was die Recherche zur Siedlungsgeschichte zusätzlich erschwert. Neben bestehender wissenschaftlicher Literatur zu jüdischen Gemeinden sichten die Forschenden daher unter anderem auch den Münchner Bestand der Reichskammergerichtsakten.

Neben Siedlungen verzeichnet das Online-Portal auch Friedhöfe. Denn die jüdische Bevölkerung war vielfach gezwungen, Friedhöfe gemeindeübergreifend zu nutzen. Diese Gebietsfriedhöfe und die ihnen zugeordneten Gemeinden bzw. Siedlungen bildeten einen jüdisch-kultischen Raum, der über die politisch-herrschaftlichen Grenzen hinausging. Die Karte bietet auch Einblick in diese ortübergreifenden Verbindungen.

Die Arbeit an Datenbank und digitaler Karte sind längst nicht abgeschlossen. „Wir schaffen eine Grundlage für die weitere Erforschung der Siedlungsgeschichte. Aber es ist noch viel weitere Arbeit erforderlich, um Lücken zu einzelnen Ortschaften zu füllen“, betont Professorin Sabine Ullmann. Die Nutzerinnen und Nutzer sind daher eingeladen, ihre eigenen Befunde den Forschenden mitzuteilen.

Zum Gedenken an Stanisław Lem

Der polnische Schriftsteller wurde vor 100 Jahren, am 12. September 1921, geboren

„Ich hab Hitler gebraucht, um draufzukommen, daß ich jüdisch bin.“

Zum 100. Geburtstag des 2006 verstorbenen polnischen Schriftstellers, Philosophen, Wissenschaftlers und Literaten Stanisław Lem kündigt das Deutsche Polen-Institut in Darmstadt einen neuen Sammelband zum breiten Schaffen des international bekannten „Weltverbesserers“ (Holger Teschke in der Jungen Welt, 8. September 2021, S. 12-13) und Überlebenden der Shoa an: „Kosmos Stanisław Lem. Zivilisationspoetik, Wissenschaftsanalytik und Kulturphilosophie“ (2021).

S. Lems (1921-2006) Grabstätte auf dem Salwator-Friedhof in Krakau
Photo: Gapcior – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0
https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=11108254

Lem, studierter Mediziner, hat mit seinen technikinforeichen, phantasievollen Romanen und fiktiven, mit Hypothesen gespickten Geschichten begeistert und nicht nur zum Knobeln, sondern vor allem zum Nachdenken über so manches Fragezeichen und Plausibilität und Logik nachhaltig angeregt. Der Roman vom Schweigenden Stern wurde 1959 von DEFA und Filmstudio Wroclaw verfilmt; damit begründete Lem seinen Ruf als Autor im Science-Fiction-Feld; Solaris von 1961 „sprengte gedanklich und sprachlich die Grenzen aller bisher geschriebenen Science-Fiction“, schreibt Teschke.

Doch Lems schriftstellerisches und akademisches Schaffen ist viel, viel breiter und so aktuell wie vor zehn, zwanzig, dreißig Jahren. Bereits „Sechs Jahre vor dem deutschen ‚Historikerstreit‘ fragt er jenseits der in der sozialistischen Geschichtsschreibung allem vorgelagerten ökonomischen und politischen Begründungen nach tieferliegenden sozialen und psychologischen Wurzeln des Völkermords an den Juden Europas“, schreibt Teschke in seinem JW-Artikel über Lem und zitiert dort den Autor aus einem Zeit-Interview von 2005: „Die ständige Steigerung der technologischen Möglichkeiten geht paradoxerweise mit einem Verfall von Phantasie und Intelligenz der Menschen einher… Heute nennt man auch schon Thermostate intelligent oder Küchenmaschinen. Aber dann sind auch meine Hosenträger intelligent in dem Sinne, daß man sie nämlich regulieren kann. Alles ist heute intelligent.“

Im Beitrag auf DLF Kultur vom 4. September 2021 erinnern die beiden Autoren Markus Metz und Georg Seeßlen an Stanisław Lem und zitieren aus dessen 1990 veröffentlichter Schrift Die Vergangenheit der Zukunft, in der Lem Thesen dazu äußert, „was uns zu Beginn des 21. Jahrhunderts erwartet“, so unter anderem:

„Es wird nicht nur eine ‚postindustrielle Gesellschaft‘ entstehen und nicht nur eine Dienstleistungs- gesellschaft, sondern eine qualitativ neue, die ihre größten Probleme mit den Errungenschaften der Biotechnologie haben wird.
Zu beachten ist, daß Deutschland, bisher im Westen die Bundesrepublik, sich für einen friedliebenden Staat ausgibt, was auch nicht bezweifelt werden soll, gleichzeitig aber gibt es auf dem Territorium dieses Staates Hunderte Produktionsanlagen, die Raketen, Giftgase, Kanonen, Unterseeboote herstellen, ganze Fabriken von todbringenden Mitteln und last but not least Maschinenteile und Know-How, die zum Bau von Anlagen dienen, welche Atombomben oder andere Kernspaltungswaffen produzieren können.
Das Automobil wird in vielen Ländern in peinigenden Staus seinen technischen Tod erleiden. Es wird neue Kommunikationsmittel und neue Betriebsformen geben. Das elektrische Auto ist kein Ausweg aus dem Dilemma der Verkehrsstaus, genauso wenig wie ein lokal betriebener Luftverkehr (nur naive Menschen stellen sich vor, jeder Bürger könnte seinen Hubschrauber haben wie heute seinen Wagen). Es wird künstliches Leben und synthetische Bioprodukte geben. Insgesamt aber wird sich die Kluft zwischen den Armen und den Reichen weiter vergrößern.“

Junge Welt Artikel, verfügbar ab 10. September (für drei Monate)

Deutsches Polen Institut zu Lem

Deutschlandfunk Kultur

Comics als Zugang zu jüdischer Geschichte und Kultur

Digitale Vortragsreihe der DKR am 1./2./9./13. und 14. September 2021 zum Jahresthema: „… zu Eurem Gedächtnis: Visual History“.

Comics sind aus Kunst, (Pop)Kultur, Wissenschaft und Alltag nicht mehr wegzudenken. Die gezeichneten Geschichten haben auf der ganzen Welt eine vielfältige Entwicklung durchlaufen, bewegen sich zwischen allen Genregrenzen und erfinden sich immer wieder neu. Sie werden seit einigen Jahren auch immer häufiger in deutschen Museen ausgestellt, vom Feuilleton rezipiert und in der Folge von einer breiteren Öffentlichkeit wahrgenommen. Dennoch haftet Comics noch immer der Ruf an, Bilderbücher für Kinder und trivial zu sein, wodurch das Grenzen sprengende Potenzial, das in ihnen steckt, nicht erkannt wird. Ausgewiesene Referent*innen beleuchten in einer fünfteiligen Vortragsreihe, wie Comics vielfältige Zugänge zu jüdischer Geschichte und Kultur eröffnen und decken dabei zahlreiche Themenfelder ab.

Wie werden im Comic jüdische Identitäten inszeniert und verhandelt? Wie verarbeitete Will Eisner, der „Graphic Novel Godfather“, in seinen Comics jüdische Aspekte und den Antisemitismus? Wie setzten und setzen sich Comickünstler*innen mit der Shoa auseinander und was können wir daraus heute lernen? In welcher Art und Weise lernen wir das sefardische Judentum Algeriens in den Comic-Alben „Die Katze des Rabbiners“ von Joann Sfar kennen? Und schließlich: Wie und mit welchem Erfolg werden Comics in der gegenwärtigen Bildungsarbeit eingesetzt, z. B. an Universitäten oder in KZ-Gedenkstätten? Ermöglichen Comics, die Erinnerung an die Shoa wachzuhalten, so wie es Filme und Literatur tun?

Der Deutsche Koordinierungsrat lädt herzlich dazu ein, bei der kostenlosen Vortragsreihe gemeinsam mit den Referent*innen über diese und weitere Fragen nachzudenken und die bunte und faszinierende Welt der Comics kennenzulernen.

Die digitale Vortragsreihe startet am Mittwoch, 1. September 2021 um 18.30 Uhr mit dem Vortrag „Jüdischkeiten. Inszenierungen jüdischer Identität(en) im Medium Comic“ mit Dr. Véronique Sina. Direktlink

Am Donnerstag, 2. September 2021 freuen wir uns ab 18.30 Uhr auf den Vortrag von Dr. Alexander Braun mit dem Titel „Zur Hölle mit dem Antisemitismus – Die jüdischen Aspekte im Werk von Will Eisner“. Direktlink

[Dokumentation] Hoyerswerda ’91

Am 30. August 2021, leider erst um 23:50 Uhr, strahlt die ARD die 45minütige Dokumentation „Hoyerswerda ’91 – Eine Stadt, die Gewalt und ihre Aufarbeitung“.

Der Film von Christian Hans Schulz und Nils Werner rekonstruiert den Ablauf der gewalttätigen Ausschreitungen im September und ihrer Ursachen. Er blickt aber auch auf den späteren Umgang mit den Ereignissen bis in die Gegenwart.

Photo: MDR – Gerd Fügert

In der Vorankündigung des Senders heißt es:

„Der Film nimmt drei Generationen von „Hoyerswerdschen“ in den Blick und schaut sich an, welche Spuren die Ereignisse des September 1991 in ihrem Leben hinterlassen und was sie selber mit diesem Erbe gemacht haben. Zudem wird der Film verstärkt auch aus der Perspektive der damaligen Opfer erzählen, die in letzten 30 Jahren zumeist unerzählt geblieben ist. Der Film rekonstruiert auch das damalige desaströse Krisenmanagement der sächsischen Behörden vor dem Hintergrund der damaligen Asyldebatte.“

Am 15. September 2021 wird es eine öffentliche Vorführung des Films in der Kulturfabrik Hoyerswerda geben. Mit anschließender Diskussionsrunde – in Kooperation mit MDR Kultur.

Siehe auch: Zeithistorischen Arbeitskreises Extreme Rechte

Ausstellung „Die Liste der Gottbegnadeten“

Künstler des Nationalsozialismus in der Bundesrepublik

Im Berliner Historischen Museum, aber auch mit einigem Material Online (Lebendiges Museum online): Wer als Künstler:in im Nationalsozialismus auf der „Liste der Gottbegnadeten“ landete, genoß zahlreiche Privilegien und machte nach Kriegsende bruchlos weiter. Das zeigt jetzt eine Ausstellung im Deutschen Historischen Museum Berlin.

Dazu auf Deutschlandradio Kultur: „Die Stunde Null im kulturellen Bereich gab es nicht“ – Carsten Probst im Gespräch mit Britta Bürger

„Viele renommierte Protagonisten des nationalsozialistischen Kunstbetriebs waren auch nach 1945 hauptberuflich als bildende Künstler tätig. Sie produzierten Werke für den öffentlichen Raum, erhielten lukrative Aufträge von Staat, Wirtschaft und Kirche, lehrten an Kunstakademien, nahmen an Wettbewerben teil und waren in Ausstellungen vertreten. Dabei konnten sie auch von dem antimodernistischen Klima der Nachkriegsjahrzehnte profitieren. Ausgangspunkt für die erste Ausstellung zu diesem Thema ist die 1944 im Auftrag von Adolf Hitler und Joseph Goebbels zusammengestellte „Gottbegnadeten-Liste“.

Die darauf verzeichneten 114 Bildhauer und Maler galten als „unabkömmlich“ und blieben vom Front- und Arbeitseinsatz verschont. Nachkriegskarrieren „gottbegnadeter“ Künstler wie Willy Meller, Adolf Wamper, Richard Scheibe, Arno Breker, Hermann Kaspar, Werner Peiner, Rudolf Hermann Eisenmenger oder Paul Mathias Padua konterkarieren das Bild des kunstpolitischen Neuanfangs nach 1945. In der Ausstellung werden ihre Karrieren in der Bundesrepublik und in Österreich, ihre Netzwerke, die Wahl der Bildthemen und die Rezeption der Arbeiten gleichermaßen betrachtet. Somit lassen sich Fragen der Kontinuitäten, Erwartungshaltungen und Anpassungsleistungen adäquat, aus gleichzeitig zeitgeschichtlicher und kunstgeschichtlicher Perspektive erfassen.“

Das Begleitbuch im Prestel Verlag München:

Blutige Linien – Die Grenzziehung von Sykes-Picot im Nahen Osten

Dokumentation auf 3SAT

Noch bis zum 26. September ist die Dokumentation Gerhard Jelinek zu sehen

Der Bürgerkrieg in Syrien, das grausame Schlachten des IS, die Fehden zwischen Sunniten und Schiiten im Irak: Der Nahe Osten ist ein Dauer-Brandherd der Welt – und das nicht erst kürzlich. Gelegt wird das Feuer bereits während des Ersten Weltkrieges, als England und Frankreich die Landkarten zwischen Damaskus und Bagdad im Handstreich neu zeichnen.

Noch während der Erste Weltkrieg 1916 mit voller Härte tobt, ziehen der Engländer Sir Mark Sykes und der Franzose Francois Georges-Picot nach der erwarteten Niederlage des Osmanischen Reiches neue Grenzlinien in den arabischen Sand – ohne Rücksicht auf ethnische und kulturelle Strukturen zu nehmen. Es wurden je drei Provinzen des Osmanischen Reiches vereinigt, aus denen später die Staaten Irak und Syrien hervorgingen.

Den beiden Großmächten geht es vor allem darum, sich längerfristig Einfluß im Nahen Osten zu sichern

Heute vor 100 Jahren…

… Matthias Erzberger wird ermordet! – 26. August 1921/2021

„Der aus Buttenhausen (Württemberg) stammende Matthias Erzberger war auch in den eigenen Reihen umstritten. Er hatte den Mut, im November 1918 den von den militärischen Verlierern des Ersten Weltkriegs geforderten Waffenstillstand zu unterzeichnen.“ (Rudolf Morsey – FAZ am 29.12.2013)

Bundesarchiv, Bild 146-1989-072-16 / Kerbs, Diethart / CC BY-SA 3.0 DE

***

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hatte am 17. August 2021 zu einer Diskussionsveranstaltung in Erinnerung an die Ermordung von Matthias Erzberger vor 100 Jahren eingeladen.

Nach einer einleitenden Ansprache des Bundespräsidenten ging es in dem Gespräch (Videomitschnitt) um Fragen von Hass und Gewalt als Gefahren für die Demokratie. Darüber diskutierte der Bundespräsident mit

  • Wilhelm Heitmeyer, Gründer und viele Jahre Direktor des Instituts für Konflikt- und Gewaltforschung an der Universität Bielefeld,
  • Stefanie Middendorf, Historikerin an der Freien Universität Berlin,
  • Marina Weisband, Publizistin und Beteiligungspädagogin,
  • Andreas Wirsching, Professor für Neueste Geschichte an der Universität München und Direktor des Instituts für Zeitgeschichte.

***

Hier noch ein Zeugnis der Hetze durch die Nationalsozialisten:

Nach der Beerdigung: NSDAP-Hetze vom 9. September 1921
Bild: Haus der Geschichte BW, Stuttgart

***

Und ein Hinweis auf eine Neuerscheinung:

Michael Seemann:
»Erzberger« – Der gehasste Versöhner

Ch. Links Verlag | 9783962891169 | 25,00 €

­Matthias Erzberger war einer der Gründerväter der Weimarer Republik, beendete mit seiner Unterschrift unter den Waffenstillstandsvertrag den Ersten Weltkrieg und kämpfte danach für die Annahme des Versailler Vertrags. Im Spätsommer 1921 wurde er bei einem Urlaubsspaziergang von zwei Rechtsradikalen wegen seines Einsatzes für den Frieden ermordet. Während Hunderttausende Menschen in ganz Deutschland gegen den Mord demonstrierten, den sie als schweren Angriff auf die junge Demokratie sahen, nahmen ihn viele andere mit unverhohlener Freude auf. Benjamin Dürr zeichnet das anschauliche Porträt eines Politikers, der als Populist begann und als Staatsmann endete, und eines Landes auf dem spannungsvollen Weg in die Moderne.

»Nach Otto von Bismarck das nächste gestaltungsmächtige politische Individuum, zuerst des späten Kaiserreichs, dann der frühesten Republik.« Robert Leicht, Die Zeit

**

Zum Jahrestag der Ermordung:

Veröffentlichung der Wissenschaftlichen Dienste des Deutschen Bundestages (PDF)

**

Ein Beitrag in der Frankfurter Rundschau.

**

Und noch ein Hinweis auf eine Tagung aus dem Jahr 2011

Tagungsbericht von Andreas Morgenstern (Stuttgart)

‚Nun danket alle Gott für diesen braven Mord‘

Matthias Erzberger: Ein Demokrat in Zeiten des Hasses

Stuttgarter Symposion, Haus der Geschichte Baden-Württemberg
Stuttgart (24./25.11.2011)

Neuerscheinung zu Yad Vashem

Nicht für Deutsche…? Yad Vashem als Ort und Wirklichkeit

Das neue Buch von Georg Rößler ist erschienen

Photos von Orli Hefetz-Haim

AphorismA Verlag Berlin 2021

272 Seiten | Fadenheftung | Hardcover mit Leporello | ISBN 978-3-86575-074-7 | 30,00 €

Einführungen von Yehuda Bauer, Gil Yaron, Stephan Reimers und Andreas Goetze

Was ist Yad Vashem? Es ist ein Ort, an dem sich eine historische Wirklichkeit materialisiert, deren Gewicht uns mit Stummheit schlagen kann. Gleichzeitig ist es aber auch ein Ort, an dem aktuelle, beredsamere Wirklichkeiten geschaffen und reproduziert werden. Es sind persönliche Erfahrungen von Nachgeborenen, die den Ort entdecken und sinnhaft verarbeiten, aber auch politische und historische Narrative, die sich an diesem Ort kreuzen. Was ist Yad Vashem? Die Antwort ist schwierig. Aber neben allem anderen, Yad Vashem verstört auch.

Georg Rößler stellt sich der schwierigen Aufgabe, persönliche und gesellschaftliche Erfahrungen zu verschränken. Es spricht die Perspektive einer deutsch und christlich geprägten Identität, die sich von der Shoa hat erschüttern lassen, und nun nach einer Sprache sucht, die um die Vermittlung und Verständlichkeit des israelischen Erinnerungsnarrativ bemüht und der Versöhnung verpflichtet ist.

Das Buch ist vieles zugleich: Es ist ein Lesebuch, welches das Ringen nach Worten eines geschichtsbewußten Subjekts dokumentiert, das aus dem Land der Täter kommt und in Israel ein zu Hause gefunden hat. Es ist ein Text, der über historische und gesellschaftliche Zusammenhänge aufklärt. Und es ist ein ungewöhnlicher Reisebegleiter, der für einen (neuerlichen) Besuch Yad Vashems eine Bereicherung sein dürfte. Eine ausfaltbare Karte bietet den Besuchenden und Lesenden Orientierung. Detailphotographien von Orli Hefetz-Haim sorgen für den Eindruck einer Stille, an die bei so vielen Worten erinnert sein soll.

Historikerstreit versus Illiberalismus

„Wir haben keinen neuen Historikerstreit, sondern einen neuen Illiberalismus“

Im Mai dieses Jahres erschien der Essay Der Katechismus der Deutschen, mit dem sein Verfasser, der Genozidforscher Dirk Moses, internationales Aufsehen erregte. Der in den USA lehrende australische Wissenschaftler „entfachte laufende Diskussionen über das Verhältnis des Holocaust-Gedenkens zur vergleichsweise zaghaften Erinnerungskultur gegenüber den deutschen Kolonialverbrechen – sowie über die Frage der historischen Singularität des Holocaust und die Grenzen der Meinungsfreiheit im deutschen Diskurs“, führte die Berliner Zeitung die Debatte weiter. In der Wochenendausgabe stand keine weitere Rezeption zum Text Moses‘ sondern Dirk Moses selbst antwortete seinen Kritikern.

Steingewordener Schlußstrich

Zur Debatte des Umgangs mit der eigenen Geschichte war am 24. Juli 2021 ein wichtiger und bemerkenswerter Text des Historikers Jürgen Zimmerer in der Berliner Zeitung erschienen:  

„Warum das Humboldt-Forum ein steingewordener Schlussstrich ist

Das neu eröffnete Humboldt-Forum, so der Autor, bedeute das Ende deutscher Demut: In ihm spiegelten sich die erinnerungspolitischen Debatten unserer Zeit.