Online-Vortrag im Rahmen der Veranstaltungsreihe: Literatur im Archiv – Nachlässe an der Israelischen Nationalbibliothek West-Jerusalem
Donnerstag 24. Juni 2021 | 18.00 Uhr Online – Bitte registrieren sie sich unter: office.cjs@uni-graz.at
Der Nachlaß von Else Lasker-Schüler an der Israelischen Nationalbibliothek ist in vielerlei Hinsicht ein typisches Beispiel für das Schicksal von Exilarchiven. Durch die erzwungene Auswanderung 1933, die Zwischenstation Zürich und den letzten Aufenthaltsort Jerusalem wurden die Manuskripte und Aufzeichnungen der Dichterin mehrfach aus ihrem Zusammenhang gerissen und sind bis heute nicht an einem Ort vereint. Durch die Bemühungen früherer Nachlaßverwalter befindet sich eine große Sammlung zu Lasker-Schüler in (West-)Jerusalem. Die heutigen Möglichkeiten der digitalen Verknüpfung bieten zeitgemäße Lösungen für eine virtuelle Zusammenführung an.
Vortrag: Stefan Litt (Israelische Nationalbibliothek) Kommentar: Caroline Jessen (Deutsches Literaturarchiv ) Moderation: Anne-Kathrin Reulecke (Institut für Germanistik, Karl-Franzens-Universität Graz)
Eine Kooperationsveranstaltung des Centrums für Jüdische Studien der Karl-Franzens-Universität Graz, der Israelischen Nationalbibliothek, des Instituts für Germanistik der Karl-Franzens-Universität Graz und des Lichtenberg-Kollegs an der Georg-August-Universität Göttingen.
Black and Palestinian Christians‘ Struggle for Freedom
Auf der Website von Sojourners – faith in action for social justice, findet sich aktuell ein spannender Beitrag von Matthew Vega (University of Chicago) zum Verhältnis von US-amerikanischer (Befreiungs-)Theologie und Palästinensischer, der nicht erst durch die Debatten um die Ermordung von George Floyd spannend geworden ist. Der Beitrag verlinkt übrigens auch auf ein Christ at the Checkpoint–Panel aus dem letzten Jahr: Injustice anywhere is a threat to justice everywhere. (Hier besonders, aber nicht ausshließlich – interessant Min 39-51).
„Indeed, every theologian’s task is a prophetic task, what Abraham Joshua Heschel called “an exegesis of existence from a divine perspective.” Theologians that do the work of justifying historical unfreedom are creating ideologies, not Christian theologies.“
Über die Präsenz und Wirksamkeit eines „kulturellen Codes“
Es ist keine einfache Debatte, jedenfalls dürfen wir sie uns nicht einfach machen. Und es ist eine Debatte, mit der wir nicht ‚fertig‘ werden. Michael Kloß, Professor an Leuphana Universität in Lüneburg schreibt:
„Antisemitismus funktioniert, um einen sehr erhellenden Begriff der Historikerin Shulamit Volkov zu verwenden, als kultureller Code. (…) Codes [appellieren] an tief eingesunkene Ressentiments, die gar nicht intellektuell verarbeitet werden müssen, um wirksam zu sein.“
Zwei aktuelle lesenswerte Beiträge, die nicht einfach ‚Zustimmung‘ der ‚Ablehnung‘ verlangen, sondern (Auf)Forderungen an die Aufrichtigkeit des eigenes Denkens sind.
Michael Kloß in Die Zeit und ein Offener Brief „Gegen die Lügen“ in Merkur
Aktuelle Ergänzung: 17. Juni 2021 Kommentar auf der Seite von Christ in der Gegenwart (Simon Lukas)
Eine lesenswerte Reportage aus der Berliner Zeitung (- auch wenn die redaktionellen Texte den Inhalt kontakarieren: u.a. der erstellte Comic schreibt ausdrücklich von einer Reise nach Israel und in die palästinenischen Gebiete – in der BZ wird daraus eine Reise nach Israel – BZ eben)
Das virtuelle Museum Künste im Exil versteht sich als Netzwerkprojekt, das die inhaltlichen Ressourcen von Forschungseinrichtungen, Sammlungen und Ausstellungshäusern bündelt und die Darstellung des Phänomen Exil auf eine möglichst breite Plattform stellt. Ausstellungsthemen und Exponate stellen eine Zusammenführung von dezentral gepflegten Beständen und dezentral erarbeiteten Forschungsergebnissen dar.
Diese Sonderausstellung über Ulrich Becher im Exil widmet sich entlang der Exilstationen Bechers den Möglichkeiten schriftstellerischer Arbeit im Exil, der Bedeutung von Netzwerken auf der Flucht und im Exil sowie der besonderen Freundschaft Bechers zu George Grosz.
Die Ausstellung trägt dabei der Überlieferungsgeschichte des Nachlasses von Ulrich Becher Rechnung: Ein Teil seines Nachlasses befindet sich seit 1985 im Deutschen Exilarchiv 1933-1945 der Deutschen Nationalbibliothek, ein anderer Teil seit 1993 im Schweizerischen Literaturarchiv der Schweizerischen Nationalbibliothek. …
Nicht allein, wenn es um die Frage der Kritik an „bds“ geht (hier besonders ab min 30), sondernn auch als Zeitzeugnis lohnt es sich dieses Gespräch mit dem inzwischen 92jährigen Noam Chomsky zu hören. Dabei geht es von der Auseinandersetzung zwischen Jiddisch und Hebräisch bis zu Edward Said und Uri Avnery um ein ganzes Panorama des 20. Jahrhunderts. Und auch um ein Plädoyer für eine gezielte Politik gegen die (israelische) Besatzung. Grenzen bleiben willkürlich und es gilt immer zu erinnern, um welchen Preis sie errichtet wurden und werden!
Der israelisch-palästinensische Konflikt hat neben seiner physischen Dimension eine weitere, nicht weniger fatale: Immer wieder tauchten in den vergangenen Jahren offensichtliche Falschmeldungen und Lügen auf, die im Sinne des jeweiligen Narrativs vor allem eine emotionale Reaktion erzeugen sollen und damit die eigene Sache rechtfertigen wollen. Dieser Vorwurf gilt dabei sowohl israelischen Politker:innen als auch palästinensischen Aktivist:innen. Dazu ein Beitrag des ARD Faktenfinders:
„Ravensbrück, 90 km nördlich von Berlin gelegen, war während der Nazi-Zeit das größte Konzentrationslager für Frauen auf deutschem Gebiet. Von 1939 bis 1945 inhaftierten die Nationalsozialisten dort etwa 120.000 Frauen aus über 30 Nationen – aus politischen und rassistischen Gründen. Ihre menschenfeindliche Ideologie ging mit brutaler Ausgrenzung einher und schreckte auch vor Mord nicht zurück. Eine unfaßbare Zahl der Frauen und Mädchen aus Ravensbrück und seinen Außenlagern wurde hingerichtet oder starb an Hunger, Krankheiten, Erschöpfung durch Schwerstarbeit oder an den Folgen medizinischer Experimente.“
Wir als jüdische, muslimische, jüdisch-muslimische Organisationen, Initiativen und Bündnisse, sowie Einrichtungen, die Räume für jüdisch-muslimische Begegnung geschaffen haben, schreiben diesen Offenen Brief, weil wir nicht hinnehmen, dass der Konflikt im Nahen Osten unser Zusammenleben und unsere politische und kulturelle Arbeit in Deutschland zerstört.
Wir haben in den letzten Jahren, unter schwierigen Bedingungen und in komplexen Prozessen, vielfältige Allianzen, Bündnisse und Netzwerke zwischen jüdischen und muslimischen Organisationen, Communities und Individuen aufgebaut, die wir gegen eine neue Welle des Hasses und der Propaganda verteidigen wollen. Denn, wann immer der Nahost-Konflikt hier ausgetragen wird, leiden auch wir darunter!
Deswegen wollen wir zwei Dinge festhalten:
1.) Wir verurteilen Antisemitismus und anti-muslimischen Rassismus Wir verurteilen jede Art von Antisemitismus und anti-muslimischen Rassismus, sowie jede Form von Gewalt und Hass, wie etwa die jüngsten Angriffe auf Synagogen in Bonn oder in Gelsenkirchen. Wir verwahren uns dagegen, dass Jüd:innen und Muslim:innen hierzulande für die Geschehnisse im Nahen Osten verantwortlich gemacht werden, sei es durch physische Gewalt oder durch entsprechende Darstellungen in den sozialen Medien. Diese Zuschreibung ist Ausdruck von Antisemitismus und anti-muslimischem Rassismus, die Gegenwart und Zukunft unseres Miteinanders hierzulande gefährden. Genau dagegen richtet sich unsere vielfältige Arbeit seit vielen Jahren.
Jüdisch-muslimische Beziehungen sind alles andere als selbstverständlich. Wir haben viel investiert um gegenseitiges Vertrauen aufzubauen, um dadurch auch vor Fragen nicht zurückzuschrecken, die uns gegenseitig irritieren und befremden. Diese Fragen sind mit komplexen historischen Dynamiken verwoben, die Leid und Traumata beinhalten. Wir haben gelernt, Differenzen auszuhalten, auch wenn dies nicht immer leichtfällt. Wir haben auch viele Gemeinsamkeiten entdeckt und Ziele formuliert, wie wir als Jüd:innen und Muslim:innen in Deutschland miteinander leben wollen und können, und was wir im Zusammenleben auch von der Mehrheitsgesellschaft erwarten. Deshalb lassen wir unsere jüdisch-muslimischen Freundschaften, Bündnisse und Allianzen weder für politische Zwecke instrumentalisieren noch auf den Nahost-Konflikt reduzieren.
2.) Es muss Raum für unterschiedliche Haltungen zum Nahost-Konflikt geben
Der Nahost-Konflikt ist ein “Hot Button Issue” jüdisch-muslimischer Beziehungen – dessen sind wir uns bewusst. Dass unterschiedliche Haltungen zum Nahost-Konflikt bestehen, ist nachvollziehbar. Unsere jeweiligen Perspektiven sind von unterschiedlichen Sozialisationen, Erfahrungen, Wissensbeständen, und Emotionen bestimmt. Dafür muss es in einer offenen, pluralistischen und demokratischen Gesellschaft Raum geben. Mit diesen Differenzen müssen und können wir leben, denn sie bestehen nicht nur zwischen Jüd:innen und Muslim:innen, sondern auch innerhalb verschiedener Gruppen.
Wir stellen aber auch fest, dass der Nahost-Konflikt nicht der Regelfall jüdisch-muslimischer Beziehungen ist; er ist keine Notwendigkeit des Muslimisch- oder Jüdischseins, sondern eine spezifische Situation, zu der jede und jeder sich verantwortungsvoll verhalten kann. Wir gehen zudem davon aus, dass der Nahost-Konflikt kein zwingendes Thema jüdisch-muslimischer Beziehungen und Gespräche sein muss. Unsere Arbeit ist von einer Fülle an unterschiedlichsten Themen geprägt, das soll auch so bleiben. Wir lassen unsere Arbeit nicht auf die Nahost-Thematik reduzieren.
#wirlassenunsnichttrennen
#wirstehenfüreinanderein
#wirbleibenimgespräch
Unterzeichnende Organisationen:
Jüdisch-muslimischer Stammtisch München Prof. Dr. Bekim Agai – Direktor der AIWG Heidelberger Bündnis für jüdisch-muslimische Beziehungen Jüdisch-Muslimischer Gesprächskreis der W. Michael Blumenthal-Akademie des Jüdischen Museums Berlin Institut für Deintegration
Auch in Deutschland fand der ‚Krieg im Nahen Osten‘ statt. Er wurde und wird geführt zwischen den Verteidigern unhinterfragbarer Solidarität mit Israel und den ‚Befreiern Palästinas von der zionistischen Unterdrückung‘.
Differenzierungen sind nicht gefragt, es herrscht Haß, es wird mit Unterstellungen gearbeitet und die Gewißheit auf der richtigen Seite der Weltgeschichte zu stehen, wird mit Zähnen und Klauen verteidigt. Wieder gerieren sich die Deutschen als Friedensmacht und benutzen die Kriege und Krisen im Nahen Osten doch nur als Projektionsfläche für ihre eigenen, auch 75 Jahre nach Weltkrieg und Shoa nicht aufgelösten Identitätsprobleme.
Meron Mendel, Leiter des Anna-Frank-Zentrums in Frankfurt am Main stellt in seinem Beitrag für die FAZ diese Verbindung her zwischen diesen deutschen Befindlichkeiten und der hoch emotionalisierten Reaktion auf den erneuten Krieg in Israel und Palästina.