Tom Segev spricht über David Ben Gurion und dessen Vorstellungen von Zionismus, Politik und Staatsgründung Israels. Im Webinar, das am Center für Israel Studies an der University of California aufgezeichnet wurde, gibt Segev im Gespräch mit dem Israelwissenschaftler Dov Waxmann aufschlußreiche Gedanken aus seinem Buch zur Rolle des ersten Ministerpräsidenten und Ma’arach-Politikers wieder.
Tom Segev: A State At Any Cost. The Life and Legacy of David Ben-Gurion
WEBINAR RECORDING, Younes and Soraya Nazarian Center for Israel Studies, University of California, Los Angeles
In eimen Beitrag für die Wochenzeitung Die Zeit (30. Määrz 2021) schreiben Jürgen Zimmerer und Michael Rothberg unter der Überschrift Enttabuisiert den Vergleich!:
…. “ eine [solche Vision] differenzierte[r] Solidarität ist notwendig für eine diverse Gesellschaft. Wissenschaftler und Aktivisten, die versuchen, an die Opfer kolonialer Gewalt zu erinnern und deutsche Städte durch die Umbenennung von Straßennamen zu dekolonisieren, wollen nicht die deutsche Verantwortung für den Holocaust verdrängen. Anstatt uns auf die Entweder-oder-Logik der Provinzialisten von Geschichte und Erinnerung zurückzuziehen, brauchen wir ein Sowohl-als-auch, basierend auf globaler Geschichte, multidirektionaler Erinnerung und rassismuskritischem Aktivismus.“ …
Martin Goldsmith wuchs als ein gewöhnlicher amerikanischer Junge auf. Aber von seiner Kindheit an hing ein großer Schatten über der Familie. Der bekannte Radiomodertor wußte nur, daß seine Eltern, beide säkuläre Juden, aus Deutschland stammten und daß seine Verwandtschaft im zweiten Weltkrieg gestorben sei. Für seine Eltern hatte in Amerika ein neues Leben angefangen – ein Leben, in dem man keine Frage über die Vergangenheit stellt. Erst als erwachsener Mann, nach dem Tod seiner Mutter, brach Martin den Bann und befragte seinen Vater zu der deutschen Vergangenheit seiner Eltern und der gesamten Familie in den 1930er Jahren.
Die Gespräche zwischen Vater und Sohn erwecken die schöne und schmerzhafte Geschichte der Eltern über Liebe, Musik und Tod in Berlin der Kriegsjahre zum Leben. Beide waren begabte Musiker, Günther noch ganz am Beginn seiner Karriere, Rosemarie schon Orchestermusikerin. Aber nach dem Erlaß der ‚Nürnberger Gesetze‘ 1935 konnten sie nur noch als Mitglieder des Jüdischen Kulturbundes auftreten, einer fragwürdigen Organisation, die vollständig von der Reichskulturkammer kontrolliert wurde.
Der Film folgt den Gesprächen zwischen Vater und Sohn, während sich die Vergangenheit der Familie mit raffiniert bearbeitetem Archivmaterial entfaltet, entsteht in der Gegenwart des Films eine langsame Annäherung zwischen Vater und Sohn, die sich anfühlt wie die Überwindung eines riesigen Grabens aus ungesagten Worten. In Sprache und Land, Heimat und Kultur waren die beiden einander fremd geblieben.
Martin Goldsmith ist selbst zu hören als Gesprächspartner seines Vaters, der in WINTERREISE von Bruno Ganz in seiner letzten, sehr intensiven Rolle verkörpert wird. Der Film beruht auf dem Buch, das Martin Goldsmith nach den Gesprächen mit seinem Vater schrieb: „Die unauslöschliche Symphonie. Musik und Liebe im Schatten des Dritten Reiches – eine deutsch-jüdische Geschichte“
Mehr Infos, Spieltermine und Material (Presseheft, Plakate) zum Film unter | Trailer auf Youtube.
Ideologische Verwandtschaftsverhältnisse: Rassismus und Antisemitismus im deutschen Kolonialismus von Stefan Vogt (Vortrag vom Sonntag, 07. März 2021)
Die jour fixe initiative berlin besteht seit Oktober 1997. Mit Vortragsreihen zur Kritik von Herrschaft, Ausbeutung und Unmündigkeit bietet sie eine Plattform für die Diskussion und Theoriebildung innerhalb der radikalen Linken an und will einen Beitrag zur Überwindung kapitalistischer Vergesellschaftung leisten.
Micha Brumlik hat in der Frankfurter Rundschau die deutsche Übersetzung eines Buches des US-amerikanischen Historikers Michael Rothberg besprochen und dessen Ansatz außerordentlich gelobt.
Michael Rothberg: Multidirektionale Erinnerung. Holocaustgedenken im Zeitalter der Dekolonisierung. Aus dem Englischen von Max Henninger Berlin (Metropol) 2021 – 404 S. – 26,00 €
Brumlik schreibt:
„Rothberg gelingt es, mit seinem Konzept einer „multidirectional memory“ (dt.: eines „multiperspektivischen Gedenkens“ ), der unseligen, allemal politisch instrumentalisierbaren Konkurrenz von Erinnerungen eine universalistische, allen Opfern zukommende anamnetische Solidarität entgegenzusetzen. Damit weist Rothberg einen konstruktiven Ausweg aus der oft behaupteten Unmöglichkeit, die Singularität des Holocaust zu anderen Menschheitsverbrechen in Verhältnis zu setzen.“
Zum heutigen 1. Dezember tritt Deborah Hartmann die Stelle als neue Direktorin der Gedenkstätte Haus der Wannsee-Konferenz. Zuvor war Deborah Hartmann Leiterin des German Desk, des deutschsprachigen Bildungsbereichs der Gedenkstätte Yad Vashem in West-Jerusalem. Ein ausführlicher Beitrag im Newsletter der Deutschen Welle würdigt die neue Stelleninhaberin.