Das israelische Online-Magazin +972 nimmt in einem Beitrag von Hebh Jamal den neuen Verhaltenscodex der Deutschen Welle unter die Lupe: „Deutsche Welle’s new code of conduct marks the latest Israel-related crackdown on free speech in German public life.„
Kategorie: Deutschland-Israel-Palästina
München, 50 Jahre danach
Wie die linksliberale israelische Tageszeitung Ha’aretz berichtet, hat die Handlungsweise der deutschen Regierung während und nach dem Münchener Olympiadesaster in Israel einen bitteren Nachgeschmack hinterlassen. Auch die jetzt gefundene Übereinkunft zwischen der deutschen Regierung und den Opfervertretern, allen voran der ehemalige Innenminister Gerhard Baum, stößt nicht auf überschwengliche Begeisterung.
Hilft der Begriff? Trifft er die Wirklichkeit?
Während in Karlsruhe die Delegierten des Weltkirchenrates darüber diskutieren, beraten und beschließen, wie sie Israels Herrschaft über die Besetzten Gebiete bezeichnen sollen, wird auch in deutschen Kreisen (mehr wohl über die Begriffe, als die Wirklichkeit) diskutiert.
Während an anderer Stelle Doron Kiesel und Christan Staffa (zeitzeichen, 24. August 2022) den Apartheidsbegriff als „No-Go“ bezeichnen, äußeren sich in der Berliner Zeitung am 6. September 2022 mit Alon Liel und Ilan Baruch zwei ehemalige israelische Botschafter in Südafrika unter der Überschrift: „Was in Palästina geschieht, ist Apartheid“, dezidiert anders und schreiben an den Ökumenischen Rat der Kirchen:
(…) „Wir hoffen, dass die Mitglieder der Vollversammlung die Realität in den besetzten palästinensischen Gebieten als das anerkennen, was sie ist: als Apartheid. Sie würden damit einen entscheidenden Schritt zur Förderung von Ehrlichkeit und Gerechtigkeit leisten, während ein Großteil der westlichen Welt weiterhin dazu schweigt. Seit mehr als einem halben Jahrhundert arbeitet Israel daran, sowohl die Geografie als auch die Demografie der besetzten palästinensischen Gebiete durch expansive Siedlungspolitik zu verändern – eine Politik, die nach internationalem Recht illegal ist.“ (…)
Neuer diAk-Vorstand gewählt
Am heutigen 3. September 2022 hat die 41. Mitgliederversammlung des diAk | Deutschland – Israel-Palästina – zusammen denken e.V. in Berlin einen neuen Vorstand gewählt, der auf rege Unterstützung durch die Mitglieder hofft …
Albert Einstein, Hans Kaufmann und der Zionismus
Am 12. September 2022 veranstaltet das Jüdische Museum, Berlin ein Symposium
Der Hintergrund ist ein Brief, den Albert Einstein am 12. September 1942, mitten im Zweiten Weltkrieg, verfaßte. Er war eine Antwort an den 19jährigen deutsch-jüdischen Flüchtling Hans Kaufmann in Santiago de Chile, in dem er seinen großen Zweifel an der Schaffung einer zentralen Instanz zur Wahrung der jüdischen Interessen äußert.

Der Brief war eine Antwort auf ein Schreiben des jungen Mannes, in dem dieser Einstein gebeten hatte, an der Spitze einer jüdischen Organisation zu stehen, welche die Belange der Juden, ihre Würde und das Projekt einer nationalen Heimstätte in Palästina verteidigen würde.
Anläßlich der Schenkung dieses bedeutenden Briefs aus der Feder des weltberühmten Nobelpreisträgers, veranstaltet das Archiv des Jüdischen Museums Berlin ein Symposium, das sich Themen widmet, die im Kontext der Briefe von Hans Kaufmann und Albert Einstein stehen: der Geschichte der Familie Kaufmann, der deutsch-jüdischen Emigration nach Chile während der NS-Zeit, Albert Einsteins Stellung zum jüdischen nationalen Projekt und der Lage des Zionismus im Jahr 1942.
PeaceWorks
Über die Kraft eines Dialogs auf Augenhöhe
Zwei Podiumsgespräche in Berlin
Freunde von Neve Shalom • Wahat al-Salam e.V. lädt Sie herzlich ein zu zwei Podiumsgesprächen mit zwei führenden Repräsentant:innen aus Neve Shalom • Wahat al-Salam, dem einzigen Ort in Israel, in dem jüdische und palästinensisch-arabische Israelis seit nunmehr 50 Jahren friedlich und gleichberechtigt miteinander leben und arbeiten.
Dr. Roi Silberberg ist der Direktor des nachhaltig wirksamen Fort- und Weiterbildungs-zentrums School for Peace und Samah Salaime die Leiterin des C&D Office (Büro für Öffentlichkeit und Entwicklung) des Friedensdorfes und seine Vertreterin im Kreisrat.
Das erste Podiumsgespräch findet statt am
Samstag, den 03.09.2022, von 16.00 – 18.00 Uhr im Tagungszentrum „Im Glockengarten“
des Ev. Diakonievereins Berlin-Zehlendorf (Glockenstraße 8, 14163 Berlin).
Dort wird Roi Silberberg über die Rolle der School for Peace im Israel-Palästina Konflikt, insbesondere bei und nach den Mai-Unruhen 2021, und ihre aktuelle Arbeit berichten. Samah Salaime wird über die Arbeit der Grundschule und der anderen Bildungseinrichtungen von Neve Shalom • Wahat al-Salam informieren und über die Situation der Frauen bei den Mai-Unruhen 2021 und aktuell Auskunft geben.
Das zweite Podiumsgespräch findet statt am
Montag, 05.09.2022 – 19.30 Uhr im Friedenszentrum im Martin-Niemöller-Haus in Berlin-Dahlem (Pacelliallee 61, 14195 Berlin). Dort werden Roi Silberberg und Samah Salaime das Friedensdorf Neve Shalom • Wahat al-Salam vorstellen.
In der wieder einmal zugespitzten Situation nach den erneuten Angriffen der israelischen Armee auf Gaza und im Vorfeld der Wahlen im November können Sie hier Stimmen aus Israel hören, die tatkräftig und nachhaltig für einen tragfähigen Frieden eintreten. Beim Podiumsgespräch mit den beiden Referenten haben Sie die Chance, aus erster Hand informiert zu werden, mit den beiden ins Gespräch zu kommen und Weg weisenden Stimmen des Friedens den Rücken zu stärken. (Statement zu Gaza und Appell von NSh•WaS)
Die Veranstaltungen werden in englischer Sprache stattfinden; beide Referent:innen sprechen fließendes, gut verständliches Englisch. Um eine Übersetzungsmöglichkeit wird sich bemüht.
Eine radikal menschenrechtliche Stimme
Amira Hass, eine radikal menschenrechtliche Stimme aus Israel
In ihrem Beitrag German Chancellor Olaf Scholz. What is really disgusting stellt die bekannte israelische Journalistin Amira Hass ihre Lesart des Abbas-Auftritts in Berlin dar. Sie spiegelt sie in ihrer Verzweiflung über die israelische Besatzungspolitikund deren Folgen. Dabei verweist sie besonders auf das Vorgehen der israelischen Regierung gegen die sechs palästinensischen Menschenrechts-NGOs. Deutschland, Europa und den Vereinigten Staaten wirft sie ihre Untätigkeit gegenüber diesem Unrecht vor.

Neuerscheinung
Stereotypisierungen des Muslimischen in deutschen und israelischen Medien
Von Charlotte Misselwitz

Was sagt die mediale Rede über den muslimischen Anderen eigentlich über uns aus? Die Doktorarbeit untersucht anhand einer „psychologischen Diskursanalyse“ Stereotypisierungen des Muslimischen in deutschen und israelischen Medien. Anhand der Rezeption von drei ausgewählten Medienkunstprojekten werden in einem ersten Schritt zentrale – neuerdings „psychologische“ – Diskurselemente aufgezeigt, die Stereotypisierungen aufbauen und die in einem zweiten Schritt verglichen werden. Den „diskursiven Medienkunstprojekten“ gelang dabei eine bisher nicht erfasste „mediale Interaktion“ als „narrative Rückspiegelung“ zwischen alternativen und etablierten Medien. Die – hier mit Jaques Lacan erweiterte – Diskursanalyse in der Tradition des Duisburger Instituts für Sprach- und Sozialforschung hermeneutisch (und weniger quantitativ) zeigt narrative und emotionale Korrespondenzen in Form von „philosemitischen Einsamkeiten“ oder „parallelen Empathielosigkeiten“ zwischen deutschen und israelischen Diskursen, und zwar als oft unbewusste Komplexe, die Stereotypisierungen des Muslimischen aufbauen.
Misselwitz, Charlotte:
Stereotypisierungen des Muslimischen in deutschen und israelischen Medien: ‚
Narrative Rückspiegelungen in der Rezeption von Medienkunstprojekten.
978-3-11-075069-0 | Band 40 der Reihe Studies on Modern Orient
Berlin / Boston (De Gruyter) 2022. https://doi.org/10.1515/9783110751710
Wer über eine wissenschaftliche Bibliothek Zugang hat, kann das Buch online lesen, ansonsten kostet es gedruckt wie als E-Book 102,95 € (sic) – wir werden versuchen, eine Besprechung nachzureichen.
Erinnerung an Walter Rathenau + 1922
Vor zehn Jahren erschien die Biographie von Shulamit Volkov über den ermordeten deutschen Außenminister, in deutsch erschienen 2012 im Verlag C.H.Beck, München: Walther Rathenau. Ein jüdisches Leben in Deutschland 1867–1922.
Auf der Website von Jewish Lives ist ein Vortrag der em. Professorin nachhörbar.

Wenn es nur dumm wäre …
Ein Kommentar
Da kommt der Präsident Palästinas nach Berlin. Präsident eines Staates in ein Land, das seinen Staat nicht kennt, aber einer der wichtigsten Geldgeber seiner Behörde ist … in das Land, dessen Geschichte und Verbrechen zutiefst auch mit dem Schicksal seines eigenen Volkes verwoben ist. Er trifft den Kanzler, ohne Zweifel kein Freund seines Landes, hat Gelegenheit für die Sicht der palästinensischen Seite zu werben.
Am nächsten Tag spätestens muß man:frau sich fragen, wer (ihn bei) dieser Reise beraten hat.
Es gibt genug an der Politik Israels zu kritisieren, aus der Sicht der Palästinenser allemal. Aber was am Ende bleibt ist eine unsägliche Wortwahl, ein Vergleich, der überall in der Welt fehl am Platz wäre, hier, einen Kilometer Luftlinie vom Sitz Adolf Eichmann, schrillt er umso mehr.
Die offizielle Erklärung, nachgeschoben über die staatliche palästinensische Agentur Wafa. „The Holocaust is the most heinous crime in modern human history” – dieser Satz wäre in der Pressekonferenz die Antwort eines Staatsmannes gewesen, eines Menschen, (ja auch eines Palästinensers) …
Er hat seiner Sache keinen Dienst erwiesen, er hat den Palästinenser:innen in diesem Land keinen Dienst erwiesen und er hat dafür gesorgt, daß über diese Pressekonferenz und über das unsägliche Schweigen von Beteiligten gesprochen wird, nicht aber über Schritte zu einer anderen Politik, auch Deutschlands.
Wenn es nur eine verpaßte Chance wäre, ja, wenn es nur dumm gewesen wäre …

