Globaler Militarisierungsindex 2015: Massive Hochrüstung im Nahen und Mittleren Osten hält an

Der Globale Militarisierungsindex (GMI) 2015 des BICC (Internationales Konversionszentrum Bonn) offenbart einen ungebrochenen Trend zur Hochrüstung im Nahen und Mittleren Osten. Diesen sehen die Autoren Jan Grebe und Max M. Mutschler im Zusammenhang mit dem dortigen Konfliktgeschehen und Machtstreitigkeiten. So sind im diesjährigen Ranking Israel (Platz 1), Jordanien (Platz 4) und Kuwait (Platz 9) erneut unter den TOP 10. Neben dem israelisch-palästinensischen Konflikt dürften der Bürgerkrieg in Syrien sowie die regionale Bedrohung durch den „Islamischen Staat“ (IS) Triebfedern für hohe Militarisierungsgrade sein.

 „Das vielfältige und komplexe Konfliktgeschehen in der Region ist ein treibender Faktor für die Aufrüstung und Modernisierung der Streitkräfte“,

erläutern Jan Grebe und Max Mutschler das Ranking des GMI im Nahen und Mittleren Osten. Die Autoren verweisen darauf, dass Syrien, das in den letzten Jahren stets unter den Top 10 zu finden war, im GMI 2015 zwar fehlt. Dies sei jedoch der Tatsache geschuldet, dass es für das Bürgerkriegsland keine validen Daten gibt. Kuwait (Platz 9) und Bahrain (Platz 15) sowie Oman (Platz 13) und Saudi-Arabien (Platz 17), die auch im Krieg im Jemen involviert sind, stellen hingegen regionale Konfliktparteien dar, die hohe Militarisierungsgrade aufweisen.

Autor Jan Grebe sieht in diesem Zusammenhang auch die Beschaffungsausgaben für moderne Waffensysteme in Milliardenhöhe, die etwa Saudi-Arabien tätigt, und betont: „Angesichts der eskalierenden Situation im Nahen und Mittleren Osten müssen sich viele Staaten – einschließlich Deutschlands – die Frage stellen, inwieweit sie mit ihrer Rüstungsexportpolitik in dieser Region zur Konfliktdynamik beitragen.“

Spitzenplätze auch in Europa

„In Europa weisen viele Staaten einen durchschnittlichen Militarisierungsgrad auf, allerdings könnte sich dieses Bild durch eine veränderte Bedrohungswahrnehmung und eine Neuausrichtung der Sicherheitspolitik für manche Staaten in Zukunft ändern“, vermuten Grebe und Mutschler. So führt der Konflikt in der Ukraine in vielen Ländern zu einem Umdenken. Während etwa die Ausgaben für Beschaffungen und Ausrüstung der europäischen NATO-Staaten zwischen 2010 und 2014 um rund 14 Milliarden US-Dollar fielen, weisen Schätzungen der NATO 2015 auf einen deutlichen Anstieg hin.

„Zum jetzigen Zeitpunkt kann nur darüber spekuliert werden, wie sehr sich der Konflikt mit der Ukraine und die Verschlechterung der Beziehungen mit der Nato in dessen Folge auf den Grad der Militarisierung in Russland (Platz 6) auswirken werden“, erklärt Grebe. Es sei aber zunächst davon auszugehen, dass Russland seine Bemühungen zur Modernisierung seiner Streitkräfte zumindest fortsetzen, wenn nicht sogar steigern wird.

Das Ranking der Ukraine im GMI hat sich von Platz 24 im Jahr 2013 lediglich auf 22 im Jahr 2014 verändert. Wie genau sich dieser Konflikt auf ihren ohnehin relativ hohen Militarisierungsgrad längerfristig auswirken wird, ist noch nicht abzusehen.

„Als Anzeichen für ein anhaltendes Wettrüsten in der Kaukasusregion kann die sehr hohe Militarisierung in den Ländern Armenien (Platz 3) und Aserbaidschan (Platz 8) gewertet werden“, legt Max Mutschler dar. Vor dem Hintergrund des Konflikts in Nagorny Karabach, investierten beide Länder übermäßig viele Ressourcen in den Aufbau und die Modernisierung ihrer Streitkräfte.

Militarisierung und menschliche Entwicklung

Militarisierung bleibt ein umstrittener Begriff. „Während viele Beobachter Militarisierung allein als Zunahme des militärischen Potenzials eines Staates sehen, bildet der GMI das relative Gewicht des Militärapparats von Staaten im jeweiligen Verhältnis zur Gesellschaft als Ganzes ab“, stellt Mutschler klar. Aus diesem Grund untersucht der GMI 2015 erstmals unter Einbeziehung des Human Development Index (HDI) den Zusammenhang zwischen Militarisierung und menschlicher Entwicklung.

Der GMI

Der Globale Militarisierungsindex bildet alljährlich das relative Gewicht des Militärapparats von Staaten im jeweiligen Verhältnis zur Gesellschaft als Ganzes ab. Er stellt zum Beispiel die Militärausgaben ins Verhältnis zum BIP und den staatlichen Gesundheitsausgaben (Anteil am BIP). Der GMI 2015 umfasst 152 Staaten und basiert auf den aktuellsten vorliegenden Zahlen, in der Regel sind das die Daten des Jahres 2014. Der Index wird durch das Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) gefördert.

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Das BICC (Bonn International Center for Conversion – Internationales Konversionszentrum Bonn) ist ein außeruniversitärer Think Tank mit einem internationalen Mitarbeiterstab. Es wurde 1994 gegründet und ist Mitglied der Johannes-Rau-Forschungsgemeinschaft. Der Forschungsdirektor des BICC hat eine Professur für Friedens- und Konfliktforschung an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms Universität Bonn inne. www.bicc.de

Weitere Informationen: https://www.bicc.de/publications/publicationpage/publication/global-militarisation-index-2015-627/

Die gesamte Pressemitteilung inkl. Bilder: http://idw-online.de/de/news642362

 

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