Welche Optionen bleiben?

The Abraham Accords and the Palestinian Issue

Die online Plattform E-International Relations bringt aktuell eine Analyse von Dr. Massimiliano Fiore, seines Zeichens Assistant Professor, Homeland Security Program der Rabdan Academy in Abu Dhabi, die die Möglichkeiten abschreitet, die der palästinensischen Seite noch bleiben, nachdem sie sich solange auf die Arabische Friedensinitiative gestützt hat.

A new chapter in the history of the Middle East has begun with the signing of the Abraham Accords. These agreements between Israel, Bahrain and the United Arab Emirates reflect a strategic realignment against the two non-Arab powers, Iran and Turkey, threatening their interests in the region. The uprisings and civil wars of 2011 heightened the decades-old divisions between the competing sides in the Middle East and gave rise to a more genuinely regional geopolitical order, defined by mutually hostile nationalisms and sectarian identities.

Frieden mit Hintertür

Wiewohl die Menge an Friedensabkommen Israels mit der arabischen Welt in diesem Jahr bereits als historisch zu betrachten ist, wird ein Detail wesentlich mehr Folgen und Einfluß haben als jede diplomatische Annäherung: Die Flutung des Nahen Ostens mit modernsten Waffensystemen als Belohnung für friedliche Absichten. Dieser bodenlose Zynismus erweitert im Geiste des Friedens ein Waffenarsenal, von dem noch abzuwarten bleibt, welchem Nutzen dies irgendwann zugeführt wird. Lesenswert dazu, was Jochen Stahnke für die FAZ aus Tel Aviv schreibt: Droht ein neues Wettrüsten im Nahen Osten? 

Entschleunigend und fast ein wenig puritanisch

Marian Brehmer über einen Sufi-Musiker mit einer Mission

Den Atem des Ney-Spielers bewahren – so ist der lesenswerte Beitrag auf der Onlineplattform Quantara überschrieben. La Mélancolie Royale ist eine einstündige Sufi-Meditation auf der Rohrflöte des großen türkischen Virtuosen Kudsi Ergüner – der auch auf Youtube zu hören ist als ein Mitschnitt eines Konzertes an der Franz Liszt Hochschule in Weimar – eine gute Gelegenheit an diesem heutigen Sonntag zwischen Reformationstag und Allerheiligen ….

Nahost & Nordafrika Update

Neues Dossier der Heinrich Böll Stiftung | Okober 2020

„No Women – No Peace“. Mit diesem Dossier würdigt die Heinrich-Böll-Stiftung den 20. Jahrestag der VN-Resolution 1325. Hier finden Sie Interviews und Porträts über starke Frauen, auch aus unserer Region, wie z.B. Nivin Al Hotary und Sabah Al Hallak aus Syrien, Hanan Ashrawi aus Palästina, Mozn Hassan aus Ägypten und Netta Loevy aus Israel.

Radikaler Universalismus

HAU4 | Israel und die progressiven Kräfte

Ein außerordentlich spanndendes Gespräch zwischen Omri Boehm, Eva Illouz und Susan Neiman, das am Abend des 29. Oktober im Hebbel am Ufer noch stattfinden konnte und auf Youtube weiter zu sehen ist! Welche Perspektiven bleiben für die Region? Was muß neu gedacht werden, wie kann/muß Universalismus neu begründet werden? Was ist der Zusammenhang oder Widerspruch von Ethnizität und liberaler Demokratie? Wie ist das Verhältnis zwischen Selbstbestimmung und Souveränität zu bestimmen? Welche Haltung resigniert nicht angesichts der Verhältnisse?

„In seinem Buch “Israel – eine Utopie” spricht der israelische Philosoph Omri Boehm über liberale Demokratie, Erinnerungspolitik, und ethnischen Nationalismus. Er fordert eine Bindung an den Universalismus zur ethnisch unabhängigen Ausweitung der Staatsbürgerschaft auf alle Bürger der Region. Aus diesem Anlass diskutiert er gemeinsam mit der Soziologin Eva Illouz und der Direktorin des Einstein Forums, Susan Neiman, über alternative Zukunftsvorstellungen für Israel und die Notwendigkeit eines radikalen Universalismus als Leitidee für progressive Politik.

Von Omri Boehm gib es zudem einen hörenswerten Beitrag im Podcast jung und naiv Nr. 468: Philosoph Omri Boehm über einen Staat für Juden & Palästinenser.

Ökologie und Umweltpolitik im Nahen Osten

Podiumsgespräch zu ‚Konzepten und Krisen

In einer Kooperationsveranstaltung der Gesellschaft zur Förderung des ZMO e.V., der Maecenata-Stiftung und der Katholischen Akademie Berlin werden am 9. November 2020 um 19:00 Uhr,

Juliane Schumacher (ZMO): Neues Interesse an mediterranen Wäldern – Auswirkungen von Klimawandel und Klimapolitik
PD Dr. Katrin Bromber (ZMO): Sportambitionen und Umweltfragen in den Golfstaaten
Adnan Tabatabai (CARPO): Umweltherausforderungen in Iran und deren soziopolitische Implikationen
Prof. Dr. Mira Sivers (HU Berlin): Islamisch-theologisch Reflexion zu Umweltfragen

miteinander dsikutieren. Die Veranstaltung kann über einen Livestream verfolgt werden.

Medientip: ‚Leiter zum Himmel‘

Filmdokumentation: Bis zum jüngsten Tag

Der NDR veröffentlichte kürzlich im Zuge der anstehenden US-Präsidentschaftswahl Anfang November eine Dokumentation, die sich mit dem komplexen und fragwürdigen Verhältnis der Evangelikalen und Israel auseinandersetzt.
Das Fundamentalchristentum der USA betrachtet den Staat Israel und all seine Bewohner*innen, vor allem aber die jüdischen, eher als Verhandlungsmasse gegenüber Gott denn als lebendigen und wichtigen Staat. In einer vermeintlichen Solidarität und Unterstützung drückt sich vielmehr eine besondere Spielart des Antisemitismus aus, die das jüdische Israel und Jerusalem insbesondere eher als ‚Leiter zum Himmel‘ betrachtet und jede Form von Gewalt als freudvolles Zeichen einer nahenden Apokalypse deuten.

Die komplette Dokumentation ist findet sich hier.

Wishful Landscapes

Die Flut der Literatur zu Israel-Palästina/Palästina-Israel ist kaum zu überschauen, geschweige denn im einzelnen zu würden. Hin und wieder weisen wir an die dieser Stelle auf neuere Arbeiten hin.

In der Zeitschrift Comparative Studies of South Asia, Africa and the Middle East ist 2019 ein Aufsatz von Noa Shandlinger, (2016 promoviert an der Universität Toronto, jetzt Fakultätsmitglied an der 1843 gegründeten Jesuitenhochschule Holy Cross in Worcester, Massachusetts), erschienen, der auf zweijährigen Feldstudien basiert: Wishful Landscapes: Protest and Spatial Reclamation in Jaffa, (Jg. 39 (2), S. 313–327). Hier die Zusammenfassung:

„The Clock Tower Square protests are practices of emplacement that produce imaginative remapping of the nation and its colonized homeland. Israel’s spatial practices entail the continued fragmentation of Palestine and of Palestinians: “Israeli-Arabs” who reside within the state’s pre-1967 territories, Palestinians subjected to military control in the West Bank, those who survive under siege in the Gaza Strip, and finally— the diaspora. Those groups are also subdivided according to their geographic location and access to political rights and material resources.
While the enfeebled nationalist leadership has been unable to effectively challenge these processes of fragmentation, grassroots and local organizers, such as the Jaffa-based activists, take a leading role and provide Palestinians (and allies) avenues to refashion their sense of belonging, overthrow colonial boundaries, and craft a vision for the future of Palestine.
My analysis of local protests, then, demonstrates multiple forms of anti-and decolonial engagement beyond the realm of politics and peace negotiations. It is also indicative of the potential of studying materialities as another site for the battleground over the history of Israel/Palestine, beyond the archives.“

Auf der Plattform Academia.edu ist der Artikel auch komplett zugänglich, kostenfreie Registrierung vonnöten.

Also doch.

Nach jahrelangen Beteuerungen, es handele sich nur um die Aufgabe der ‚Administration‘, wurde am Wochenende mit dem eh. Custos der Franziskaner und seit 2016 Apostolischen Admininistrator, Pierbattista Pizzaballa wieder ein Italiener zum Lateinischen Patriarchen und Erzbischof von Jerusalem ernannt.

Die weibliche Seite Gottes

Visuelle Darstellungen einer verdrängten Tradition / The Female Side of God: Visual Representations of a Suppressed Tradition,
Ausstellung im Jüdischen Museum Frankfurt/Main
20. Oktober 2020 –14. Februar 2021

Das Jüdische Museum Frankfurt präsentiert »Die weibliche Seite Gottes« und spannt anhand archäologischer Objekte, zeremonieller Gegenstände, religiöser Schriftstücke und Kunstwerke einen kulturhistorischen Bogen von den Göttinnen des Alten Orients bis in die Gegenwart.
Ausstellung und Buch entfalten erstmals den Zusammenhang der weiblichen Aspekte in Judentum, Christentum und Islam. Mit zugänglichen Beschreibungen der visuellen Darstellungen weiblicher Gottheiten und vertiefenden Aufsätzen bietet dieses hochaktuelle Buch brisante interdisziplinäre Perspektiven auf Glaube, Wissenschaft und Kunst.

Das Begleitbuch ist im Kerber Verlag Bielefeld-Berlin erschienen:

Die weibliche Seite Gottes

ISBN 978-3-7356-0651-8
23,5 × 29 cm
320 Seiten
113 farbige und 9 s/w Abbildungen
Hardcover
Sprachen: Deutsch, Englisch

Herausgeber
Eva Atlan, Michaela Feurstein-Prasser, Felicitas Heimann-Jelinek, Mirjam Wenzel ( Jüdisches Museum Frankfurt)

Texte von
Eva Atlan, Ruth Direktor, Michaela Feurstein-Prasser, Eckart J. Gillen, Felicitas Heimann-Jelinek, Amelia Jones, Moshe Idel, Angelika Neuwirth, Jochen Sander, Sara Soussan, David Sperber, Debra Wacks, Kathleen Wentrack, Mirjam Wenzel

Gestaltung von
Formfellows, Regina Schauerte / Thomas Klöß, Frankfurt am Main
MUTTER UND KIND.
Aus einem Omen-Buch, ca. 1580, Gouache auf Stoff, auf feste Pappe gelegt.
Sammlung Vollmer
Luccheser Meister, MARIENKRÖNUNG, ca. 1460, Mischtechnik auf Pappelholz, Städel Museum, Frankfurt am Main.

GEBETBUCH (MACHSOR), 1300–1330,
Handschrift auf Pergament, Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg, Signatur: Cod. Levy 37.