Das Carnegie Endowment for International Peace (Washington) hat Expertinnen und Experten befragt, welche Änderungen sie von einer neuen US-Adminstration erwarten. Ofer Zalzberg, Jerusalem, (Middle East Program Director at Herbert Kelman Institute for Interactive Conflict Transformation mit Sitz in Stadtschlaining) beschreibt seine Erwartungen: Leveraging Arab-Israeli Rapprochement for Israeli-Palestinian Progress
Band ohne Grenzen
Auf der Qantara-Seite führt Daniel Bax an die Musikgruppe 047soul heran, (auch mit Links zu Youtube) Musiker aus Palästinensern „von 48“, der Name verweist auf den Teilungsbeschluß der Vereinten Nationen von 1947. Die Künstler jedenfalls träumen von einer Welt ohne Grenzen, sie mischen jetzt, so Bax, „die Musikszene im Nahen Osten auf. Sie sind die Band der Stunde“.

Stabübergabe an der School of Peace
Nava Sonnenschein gibt nach jahrzehntelanger erfolgreichreicher und weltweit anerkannter Pionierarbeit im Bereich der Konfliktforschung und -bearbeitung die Leitung der School for Peace an Roi Silberberg ab, der bereits seit Jahren als Projektmanager im Team der Friedensschule aktiv ist. Roi wird in einer Webkonferenz für Interessierte aus aller Welt seine Konzepte und Strategien für die Zukunft der School for Peace vorstellen:
Donnerstag, 19. November 2020 – 19:30 Uhr (MEZ)
Sie können sich hier anmelden und auch Fragen bereits im Vorfeld der Veranstaltung einreichen. Nach der Anmeldung erhalten Sie einen Zoom-Link, mit dem Sie sich in die Veranstaltung einwählen können. Wir freuen uns auf Sie!

Wahlergebnisse in Jordanien
Weniger als 30% Wahlbeteiligung
Dem neuen jordanischen Parlament gehören nur noch die durch Quotenregelung festgesetzen 15 weiblichen Mitglieder an, keine der anderen 360 Kandidatinnen konnte sich bei den anderen Sitzen durchsetzen. Auch die islamistischen Oppositionsparteien mußten Verluste hinnehmen. (Sobald weitere Analysen verfügbar sind, wird der Beitrag aktualisiert)
Bericht Aljazeera
Bericht Startribune
Bericht ABCNews
Ergebnisfeststellung durch die Zentrale Wahlkommission, bislang nur auf arabisch.
The [zait wa: zaʕtar] Festival for Palestinian Arts & Culture
Das [zait wa: zaʕtar] Festival für palästinensische Kunst & Kultur, das am 15. November 2020 in Berlin beginnt, wird ein Treffen der Herzen und Köpfe sein: um sich zu treffen und über Filme, Ausstellungen, Literatur, Musik und vieles mehr zu sprechen. …
Hier geht’s zu Anmeldung:

Wie das Bauhaus nach Tel Aviv kam
Eine ausführliche Besprechung von Regina Stephan (Architekturinstitut, Hochschule Mainz), zu findet bei H-Soz-Kult, könnte Appetit machen, mit dem Band auf Spurensuche zu gehen, nicht allein vor Ort, sondern auch darüber hinaus und kritisch zu fragen, was die inflationäre Verwendung des Begriffs Bauhaus in diesem Zusammenhang auch bedeutet.
Klei, Alexandra: Wie das Baushaus nach Tel Aviv kam.
Berlin (Neofelis) 2019 | 157 S. | 22,00 € | 978-3-95808-244-1
(Ob die Bewohnerinnen der arabischen Teile des Stadtgebiets allerdings wirklich „weggezogen“ sind [S. 102] …. da wäre ein anderer Begriff vielleicht doch treffender)

Medientip ‚Jesus und der Islam‘
Arte veröffentlichte kürzlich einen monumentalen Dokumentarfilm in sieben Teilen über die Genese des Koran und dessen Beziehung zu Jesus von Nazareth.
Abrufbar in der arte Mediathek.
In memoriam Saeb Erekat (1955-2020)

Zum ersten Mal begegnet bin ich Saeb Erakat noch in seiner Zeit als Dozent an der Universität in Nablus (an-Najah), dann war er mein Gast als AStA-Referent an der Trierer Universität, noch in den 1980er Jahren, als es darum ging, auch eine Partnerschaft zu einer palästinensischen Universität zu haben, kein einfaches Unterfangen „damals“.
Fast dreißig Jahre, seit der Konferenz von Madrid 1991, auf der er mit der Kuffiyah erschien, bis noch ans letzte Krankenbett, diente er dem, wofür er sich gerufen sah: Den Konflikt zu beenden. Das zu erleben war ihm nicht vergönnt, aber der Stab muß weitergegeben werden, auch wenn die palästinensische Seite es wohl schwer haben wird, in diesen Zeiten noch an ein Ende des Konflikts zu glauben, wie es Saeb Erekat getan hat.
Eine von zahlreichen Würdigungen im Forward.
Die Junge Welt bringt ein Bild von der Beisetzung am 11. November 2020.
Rainer Zimmer-Winkel
Nachtrag:
Haaretz veröffentlicht am 11. November einen gemeinsamen Nachruf von
Martin Indyk, Special Envoy for Israeli- Palestinian negotiations, Daniel Kurtzer, Former Deputy Assistant Secretary of State, Bureau of Near Eastern Affairs, Robert Malley, Former Special Assistant to President Clinton for Arab-Israeli Affairs, National Security Council, Aaron David Miller, Former Deputy Special Middle East Coordinator, Dennis Ross, Former Special Middle East Coordinator, Jonathan Schwartz, Former Deputy Legal Adviser, Department of State, Toni Verstandig, Former Deputy Assistant Secretary of State, Bureau of Near Eastern Affairs
Saeb Erekat gestorben
Der Generalsekreträr der PLO und viele Jahre Chefunterhändler zwischen Palästinensern und Israelis, Saeb Erakat, ist im Alter von 65 Jahren an der Folgen seiner Corona-Erkrankung gestorben. (Eine ausführlichere deutsche Würdigung folgt – hier in arabisch: http://palaestina.org/fileadmin/Daten/Dokumente/Sonstiges/Dr._Saeb_Erekat.pdf.) | r.i.p.
Und nun?
Israel-Palästina nach der US-Wahl
Nachdem Netanyahu sich nach über zwölf Stunden zu einem eher zurückhaltenden Glückwunsch an den gewählten Präsidenten Biden durchgerungen hatte, schickte er gleichzeitig an den abgewählten Präsidenten eine Dankesbotschaft für die persönliche und politische Freundschaft, die Trump ihm entgegen gebracht habe, für die Anerkennung Jerusalems als ungeteilte Hauptstadt Israels und der Besetzung der Golanhöhen, für seine Politik gegenüber Iran und den historischen Friedensabkommen mit einigen arabischen Staaten. Das umfaßt fast alle Aktivitäten, mit denen Trump die Nahostpolitik der letzten Jahre in Atem gehalten hat. Mit seinem „Deal des Jahrhunderts“, der die Annexion der Westbank durch Israel vorsah, hatte die Trump-Administration zwar formal die Zwei-Staaten-Lösung beibehalten, ersah allerdings vor, daß ein Großteil der Palästinensergebiete von Israel annektiert werden solle und die Palästinenser in den Verhandlungen nicht als Partner vorkamen.
All diese Aktionen hatte der Trumpregierung nicht wenige Anhänger in Israel verschafft. Bereits während des Wahlkampfs in den Vereinigten Staaten war die Stimmung in Israel nicht so eindeutig wie in Europa und besonders in Deutschland für einen Wechsel im amerikanischen Präsidentenamt. Vielmehr galt der erratische Präsident Trump einem nicht geringen Teil der israelischen Bevölkerung bis in die moderate Mitte hinein als Garant für die Interessen Israels.
Entsprechend kühl fiel die Reaktion der führenden rechten Blätter in Israel aus, die in ihren Überschriften lediglich das Ende der Ära Trump vermeldeten.
Wie nicht anders zu erwarten, fiel die Reaktion der Palästinenser anders aus, hatte doch die Politik der Trump-Administration verheerende Folgen gezeitigt. So wurde die amerikanischen Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem verlegt mit der Folge, daß die Teilung Jerusalems negiert wurde, die Finanzierung der Jerusalemer Krankenhäuser in Zeiten der Pandemie wurde gestoppt und die Gelder für die UNRWA in Palästina eingefroren. Der Annexionsplan, als Friedensplan deklariert, sah vor, daß Israel ungefähr 30 Prozent der Westbank von Israel übernommen werden sollte. Die Tatsache, daß die Palästinenser zu keiner Zeit in die Verhandlungen einbezogen worden waren, führte zu Straßendemonstrationen im gesamten Westjordanland.
Neben den öffentlichen Reaktionen waren die Stimmen, die aus den Reihen offizieller Vertreter*innen der palästinensischen Autonomiebehörde sich zu Wort meldeten eher verhalten. Aus dem Umkreis von Abbas wird durch Bidens Wahlerfolg zwar kein strategischer Wechsel in der US-Politik gegenüber den Palästinensern erwartet, aber allein die Tatsache, daß die Ära Trump zu einem Ende kommt, sei bereits ein Erfolg.
Man erwarte eine eine mehr ausgewogenen Haltung der USA gegenüber den Anliegen der Palästinenser. Hanah Ashrawi, als Vertreterin der PLO und mit den amerikanischen Verhältnissen nicht unvertraut – sie studierte in den Vereinigten Staaten – sieht zwar in einem zukünftigen Präsidenten Biden nicht den Retter der Palästinenser, sie erwartet allerdings eine Neuorientierung der amerikanischen Nahostpolitik, eine neue Politik des Respekts, des Rechts und der Klarheit nach Jahren der Demütigung und des Rassismus.
Diese Hoffnung begründet sich damit, daß Biden sich wiederholt zur Zwei-Staaten-Lösung bekannt hat und seine Vizepräsidentin Kamala Harris sich für eine gerechte Lösung für beide Teile und gegen Annexionen und eine weitere Ausdehnung der Siedlungen ausgesprochen hat, beides Aussagen, die mit großem Interesse zur Kenntnis genommen wurden. Faktisch angekündigt ist zwar nicht die Schließung der Botschaft in Jerusalem geben, aber eine Ankündigung, daß die US-Vertretung in Ost-Jerusalem wieder eröffnet wird.
Die Siedlerbewegung sieht den Regierungswechsel in Washington deutlich weniger rosig. Mit David Friedman war ein Freund der Siedler als oberster Repräsentant Washingtons in Israel, der nicht nur deren Interessen direkt vertrat, sondern auch direkten Zugang zu den Entscheidungen der Washingtoner Administration hatte.
In der Zwischenzeit versucht die israelische Rechte mit Unterstützung der „lame duck“- Regierung in Washington noch zu retten, was zu retten ist. So unterzeichnete Friedman noch ein Abkommen mit Netanyahu über zur Förderung von Wissenschaftseinrichtungen jenseits der Grünen Grenze.
Doch es werden auch Fakten vor Ort geschaffen: Noch am Wahltag wurde im Jordantal ein palästinensisches Dorf, Husama al-Fuqa, dem Erdboden gleichgemacht, ohne daß die Öffentlichkeit davon im geringsten Kenntnis nahm, eine Praxis der Enteignung und Vertreibung, die nicht neu ist. In diesem Falle zeugt allerdings die Eile, mit der die Zerstörung und Vertreibung in diesem strategischen Grenzterritorium durchgeführt wurde von der Erwartung, daß kurzfristig an diesem Datum die Aufmerksamkeit sehr gering sein werde und längerfristig die Zustimmung zur Siedlerbewegung aus Washington nicht mehr so einhellig sein werde,
Und die israelische Linke? Bei den nun regelmäßig trotz Corona stattfindenden Demonstrationen gegen Netanyahu sammelt man sich unter dem Slogan: “Today it’s Trump — tomorrow Netanyahu.” (Heute Trump dann Bibi). Doch Parallelisierung zwischen der amerikanischen Politik und der israelischen Entwicklung endet hier nicht. Nach einer schier endlos scheinenden Entwicklung hin zu rechten Majoritäten setzt nun einige Kommentatoren auf eine Strategie der neuen Allianzen. Ausgehend von der Annahme, daß auch in den USA die linken Demokraten an Einfluß gewinnen werden und wieder im Spiel sind, setzt man in Israel auf eine neue Allianz zwischen progressiven jüdischen Kräften und der Vereinigten Arabischen Liste (Joint List). Als Indikator für diese Entwicklung werden die wachsenden Stimmen jüdischer Wähler für die Joint List angesehen. Abgesehen von der strategischen Überlegung einer neuen linken Allianz, die dahinter steht, weisen die Kommentatoren auch darauf hin, daß dies eine Legitimierung einer arabischen jüdischen Kooperation auf gleicher Augenhöhe sein könnte.
Ob dies eine Blaupause für eine neue Politik in größerem Stil sein könnte, wird sich noch erweisen müssen.
Marianne Zepp – diAk-Vorstand

