Das politische System in Israel war in den letzten Jahren für einige Überraschungen gut, Parteien blühten auf und verschwanden bei den nächsten Wahlen wieder in der Versenkung, alte Bewegungen kratzten an der Schwelle zur Bedeutungslosigkeit, neue Koalitionen wurden Realität, die noch vor wenigen Jahren undenkbar schienen – for good and bad... An wirklichen Persönlichkeiten, die dem Land eine Vision geben oder die eine Debatte über Entwicklungen anstossen könnten, herrscht durchaus Mangel, während zugleich einige ehemalige Politiker im Gefängnis sitzen oder saßen.
Fathom, eine Onlineplattform („For a deeper understanding of Israel and the region“, so die Selbstbeschreibung), die auch immer wieder kontroverse Themen anpackt und ungewöhnliche Beiträge und Beiträger:innen einlädt, hat gerade einen ausführlichen – und jedenfalls lesenswerten – Beitrag zu Ayman Odeh, Mitglied der Knesset, und Vorsitzender der „Gemeinsamen Liste“, gebracht.
Wenige Ereignisse haben sich in (West)Deutschland so tief in das kollektive Gedächtnis eingebrannt, wie der palästinensische Terrorüberfall 1972 auf die israelische Olympiamannschaft.
Der Traum, der Welt nach den Spielen von 1936 ein anderes Deutschland zu zeigen, zerstob. Und das Wort ‚Palästinenser‘ ist in Deutschland bis heute von dem Ereignis überlagert. Hier ein Hinweis auf die Ausstellung in der Bayerischen Staatsbibliothek: Olympia 72 in Bildern.
An die zwölf Opfer erinnert München in jedem Monat dieses Jahres:
Die zwölf Gedenkmonate im Überblick:
Januar 2022: David Berger, Gewichtheber 24. Mai 1944 – 5./6. September 1972 Cleveland/Ohio, USA – Fürstenfeldbruck
Februar 2022: Anton Fliegerbauer, deutscher Polizist 05. März 1940 – 5./6. September 1972 Westerndorf – Fürstenfeldbruck
März 2022: Ze‘ev Friedman, Gewichtheber 10. Juni 1944 – 5./6. September 1972 Prokopjewsk, damals Sowjetunion – Fürstenfeldbruck
April 2022: Yossef Gutfreund, Kampfrichter Ringen 1. November 1931 – 5./6. September 1972 Chișinău, damals Rumänien – Fürstenfeldbruck
Mai 2022: Eliezer Halfin, Ringer 18. Juni 1948 – 5./6. September Riga, damals Sowjetunion – Fürstenfeldbruck
Juni 2022: Yossef Romano, Gewichtheber 15. April 1940 – 5. September 1972 Bengasi, damals Italienisch-Libyen – München
Juli 2022: Amitzur Shapira, Trainer Leichtathletik 9. Juli 1932 – 5./6. September 1972 Tel Aviv, damals Palästina – Fürstenfeldbruck
August 2022: Kehat Shorr, Trainer Sportschießen 21. Februar 1919 – 5./6. September 1972 Podu Iloaiei, Rumänien – Fürstenfeldbruck
September 2022: Mark Slavin, Ringer 31. Januar 1954 – 5./6. September 1972 Minsk, damals Sowjetunion – Fürstenfeldbruck
Oktober 2022: Andrei Spitzer, Trainer Fechten 04. Juli 1945 – 5./6. September 1972 Timişoara, Rumänien – Fürstenfeldbruck
November 2022: Yakov Springer, Kampfrichter Gewichtheben 10. Juni 1921 – 5./6. September 1972 Kalisz, Polen – Fürstenfeldbruck
Dezember 2022: Moshe (Muni) Weinberg, Trainer Ringen 19. September 1939 – 5. September 1972 Haifa, damals Palästina – München
In der Berliner Zeitung findet sich jetzt eine ausführliche Stellungnahme der Macherinnen – ruangrupa, das künstlerische Team der documenta fifteen und einige der Kurator*innen des gescheiterten Forums (Siehe: Die Documenta ihre Expertengespräche zum Thema Antisemitismus abgesagt).
Offener Brief: Antisemitismus-Vorwurf gegen Documenta: Wie ein Gerücht zum Skandal wurde
Neben anderem zwei Hinweise auf Kurzfilme aus dem Bereich I/P:
NATION ESTATE von Larissa Sansour und SOLOMON’S STONE von Ramzi Maqdisi sind am 7.5.2022 in der internationalen Kurzfilmnacht im Kino Arsenal in Tübingen zu sehen. NATION ESTATE Nation Estate ist ein Sci-Fi Kurzfilm, der sich auf klinische dystopische und gleichzeitig humorvolle Weise dem Stillstand im Nahen Osten widmet. Der Film untersucht eine vertikale Lösung für die palästinensische Staatenbildung: Ein kolossaler Wolkenkratzer, der die gesamte palästinensische Bevölkerung behaust – die jetzt endlich high life lebt. Kurzer Sci-fi, Larissa Sansour, Palästina/Dänemark 2012, 9 min, digital, ohne Dialog mehr | Trailer
SOLOMON’S STONE Hussein, ein junger Palästinenser, bekommt eine Paketbenachrichtigung von der israelischen Post. 20.000$ muss er für die Herausgabe der Sendung zahlen. Getrieben von der Neugier nach dem Inhalt des Pakets verkauft Hussein gegen den Widerstand seiner Mutter sein gesamtes Hab und Gut. Nach der Erzählung Das Blaue Licht von Hussein Barghouti. Kurzfilm, Palästina/Spanien 2015, 25 min, Arabisch mit engl. oder franz. UT mehr | Trailer
Was alles folgt aus dem 8. Mai – und dem wovon er (uns) befreit hat?
In der Berliner Zeitung schreibt Tomer Dotan-Dreyfus einen aktuellen Kommentar: „Nicht in meinem Namen: Israels Premier muss aufhören, für Juden zu sprechen“.
Und zum Thema Putin-Bennett noch ein Beitrag aus der Haaretz von Anshel Pfeffer.
How Victory Day became central to Putin’s idea of Russian identity – Rhetoric of 1945 victory over Nazis has become more twisted over two decades of Putin’s rule
Palestinian Center for Policy and Survey Research (PSR)
„The public favors a neutral stand in the Russian war against Ukraine even as slightly more people blame Russia for starting the war; closer to home, Israel-PA “confidence building measures” are increasingly viewed favorably even as two-thirds share the view that Israel is an apartheid state; and domestically, ten months after the Israel-Hamas War, Fatah’s popularity returns to its pre-May 2021 level despite the fact that almost three quarters continue to demand the resignation of president Abbas“
Die Aufzeichnung der 17. gemeinsamen, israelisch-palästinensischen Gedenkveranstaltung
ist online verfügbar und kann angesehen werden, wer keine Möglichkeit hatte, online live dabei zu sein, oder wer es einfach noch einmal anschauen will.
Hier der Hinweis auf einen Beitrag in der taz dazu: Wir teilen den gleichen Schmerz
Erste Ausgabe der neuen SWP-Reihe »360 Grad« online gestellt.
Darin beleuchten Muriel Asseburg, Karoline Eickhoff, Gerrit Kurtz, Peter Lintl, Melanie Müller, Stephan Roll, Guido Steinberg, Isabelle Werenfels und Azadeh Zamirirad in exemplarischen Schlaglichtern, warum Länder in Afrika und im Nahen/Mittleren Osten sich angesichts des Krieges in der Ukraine nicht eindeutig auf die Seite Europas und der USA stellen:
Jenseits des Westens: Wie afrikanische und nahöstliche Staaten auf den Russland-Ukraine-Krieg blicken
The Joint Israeli-Palestinian Memorial Day Ceremony organized by Combatants for Peace and The Parents Circle – Families Forum will be live streamed on 03. Mai 2022, 19:30 (Berlin time).
Here you will find the link/access to the live stream: