In einem neuen Format (Donnerstagabend und Freitag ganztägig) und mit einem Eröffnungsvortrag von Danny Cohn-Bendit lädt der diAk Mitglieder und Interessierte nach Berlin ein: Ort der Veranstaltung wir das Lawrence in die Oranienburger Straße 69 in Berlin-Mitte sein. Details folgen an dieser Stelle.
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Die Debatte geht weiter…
und unsere Aufgabe auch:
Alexandra Senfft schreibt in der aktuellen Ausgabe des „Freitag“ über das israelische Nationalstaatsgesetz:
Das Nationalstaatsgesetz treibt die Gesellschaft in einen tiefen Konflikt und schürt das gegenseitige Misstrauen. Die Opposition ist aufgerüttelt, allerdings noch nicht vereint genug, um den antidemokratischen Entwicklungen Einhalt zu gebieten.
Es gilt jetzt, sie aktiv intellektuell und pragmatisch zu unterstützen. Solidarität – auch vonseiten der deutschen Politik – ist das Gebot der Stunde. Wer sachliche, angemessen geäußerte Kritik an Israels Regierungspolitik für antiisraelisch oder gar antisemitisch hält, ist aus den falschen Motiven befangen, … und wird auch den Rechten im eigenen Land nicht Einhalt gebieten können.
Desintegriert Euch!
Eine lesenwerte Besprechung von zu einem spannenden Buch:
Max Czollek: Desintegriert Euch!
München (Hanser Verlag)) 2018. 207 S. 18,00 €
Die NZZ leitet die Besprechung so ein:
Die dritte jüdische Generation nach dem Holocaust erhebt jetzt ihre Stimme. Der Lyriker Max Czollek will dabei an die Schmerzgrenze gehen und findet, die deutsche Gegenwart sei «immunisiert», was eine Kontinuität des deutschen Antisemitismus anbelange. Neben viel Schwarz-Weiss-Malerei gibt er auch Wichtiges zu bedenken.
Bestellbar per Mail
Vermächtnis Frieden
Uri Avnery ist tot (1923-2018)
In der Nacht von Montag starb in Tel Aviv – einen Monat vor seinem 95. Geburtstag – der am 10. September 1923 als Helmut Ostermann im westfälischen Beckum geborene Friedensaktivist und große Humanist Uri Avnery. Der Prophet gilt im eigenen Land wenig, so eine alte Weisheit, Uri Avnery war in der Welt vielfach geschätzt und vielfach ausgezeichnet, so mit dem Aachener Friedenspreis oder mit dem Alternativen Nobelpreis. Zuhause, in dem Land für das er kämpfte, schon 1948 in ersten Krieg auf dem Feld, im Parlament über drei Wahlperioden oder in den letzten Jahrzehnten in der von ihm entscheidenend mitgegründeten und getragenen Friedensorgansisation Gush Shalom, schlug ihm nicht nur Freundschaft und Respekt entgegen.
Jede Woche kam seine Kolumne, brachte Dinge auf den Punkt, sprach aus, was manche nicht hören möchten, zugespitzt, pointiert, eingebunden in die geschichtliche Erfahrung und die zum Teil hitzige Debatten in seinem Land.
Ich erinnere noch heute lebhaft eine Begegung aus dem Jahr 1992 in seiner Wohnung, ich war gerade mit dem Trierer Bischof Spital gelandet und zu ihm und seiner Frau Rahel gefahren, bevor wir zusammen in Hafen von Jaffa zu Abend aßen. Vor Oslo… und Uri sprach vehement davon, es müsse mit der PLO verhandelt werden, nur mit den ‚Feinden‘ gebe es Frieden: Und der Gast staunte über dieses Entre für seine Reise.
Nach Oslo, Frühjahr, 1994, ein Frühstück im Hotel Freshman-Street, direkt bei seiner Wohnung, eine politische Delegation, der stellvertretende Verteidigungsminister war gerade gegangen, im Aufstehen stand Uri schon als nächster Gesprächspartner in der Tür, die Augen des Ministers rollten… Und Uris erster Satz im Anschluß an den vorherigen Gast: ‚Wir wollen Frieden schließen, aber wir tun es noch immer mit der Haltung des Krieges, das wird nicht gelingen.‘ Und dann noch: ‚Warum lassen wir nicht jetzt endlich alle politischen Gefangenen (!) frei, all die Palästinenster, die wegen Dingen im Gefängnis sitzen, die zum politischen Befreiungskampf gehören…?‘ Wie hatte der Minister zuvor gesagt: Wenn die Palästinenser etwas wollen, auch ihre Gefangenen, dann müssen sie dafür bezahlen.
Welche eine Welt lag zwischen ihm und Uri.
Ein solches Lebenszeugnis, lange mitgetragen von seiner 2011 verstorbenen Frau Rachel, verdient Achtung und Respekt, sein Mut, seine Courage, seine visionäre Kraft werden schmerzlich fehlen.
Aber sie bleiben eine Quelle der Kraft und der Hoffnung, daß Frieden, ja mehr noch, daß Versöhnung möglich sind. Und sie werden kommen! (rzw)
R.I.P.
(Photo von Uris Website)
Ha’aretz würdigt Uri in seiner Ausgabe vom 21. August 2018 auch mit seinen Textbeiträgen – hier der freie Link.
*
Nachtrag am 1. September (dem Antikriegstag):
Bilder von der Verabschiedung in Tel Aviv … ein letzter Gruß…
Kalender | August 2018
An dieser Stelle präsentieren wir wieder ein Blatt aus dem diAk-Kalender für das Jahr 2018 (erschienen als Ausgabe IV/2017) – ein Gespräch in Bildern…

Luli (* 4.7.1985) and Yehudit (* 6.2.1985) met at the age of 18. Tey like to think of themselves as childhood fiends. Both born in Israel, they have each gone their separate path and their fiendship has become one of overseas. Te project ‘Visual Correspondences’ was born afer a conversation in which the two observed that the different choices they have made in life, and the places they have been, places they have called home cast a light on both the similarities and differences of their visual observations.
Using their phones, they began writing each other ‘picture messages’. Each picture
is answered with a picture. Te text was later atached to the pictures.
Mehr Differenzierung wagen…
„Antisemitismus ist und bleibt ein Problem. Aber inzwischen wird er auch instrumentalisiert und als Pauschalvorwurf gegenüber allen erhoben, die Kritik an der Besatzungspolitik Israels üben“

Ofer Waldmann,
Vorsitzender des NIF (New Israel Fund)
in Deutschland
meint der Journalist Ofer Waldman – nachzulesen im aktuellen Newsletter von Qantara.de. (Deutsche Welle)
80 Jahre Évian-Konferenz
Geschlossene Grenzen / Verschlossene Tore …
Anläßlich des 80. Jahrestages der Konferenz von Évian dokumentieren das Zentrum für Antisemitismusforschung der TU Berlin und die Gedenkstätte Deutscher Widerstand vom 27. Juli bis 5. Oktober 2018 die Einwanderungs- und Flüchtlingspolitik von 32 Staaten, die im Juli 1938 versuchten, für den vom nationalsozialistischen Deutschland verursachten Massenexodus europäischer Juden und Jüdinnen eine Lösung zu finden. Letztlich wurde die Konferenz von Évian zum Symbol für das Scheitern einer gemeinsamen Flüchtlingspolitik: Die auf Zuflucht angewiesenen verfolgten Juden und Jüdinnen wurden weitgehend im Stich gelassen.
Vom 6. bis 15. Juli 1938 trafen sich 72 Delegationsmitglieder aus Staaten wie Frankreich, Belgien, Irland, Bolivien, Kuba, Australien und Paraguay im mondänen Badeort Évian-les-Bains am französischen Ufer des Genfer Sees, um auf Empfehlung des US-Präsidenten Franklin D. Roosevelt über die größte Flüchtlingskrise ihrer Zeit zu beraten…
(Illustration © BArch, Bild 183-S69279 / CC-BY-SA 3.0)
Ausstellungseröffnung am 26. Juli 18.00 – Hotel Maritim, Stauffenbergstraße 26|
Anmeldung bis 25. Juli : presse@gdw-berlin.de
Weiteres zur Debatte um das ‚Nationalstaatsgesetz‘
In einem lesenswerten Gastbeitrag analysieren Moshe Zimmerman und Shimon Stein das am 16. Juli 2018 von der Knesset angenommene israelische Nationalstaatsgesetz. Ihr Fazit:
„Das neue Grundgesetz diskriminiert die arabischen Israelis und ist auch der Abschied von der Zwei-Staaten-Lösung.“
*
Peter Lintl, Leiter des Forschungsprojekts Israel in einem konfliktreichen regionalen und globalen Umfeld: Innere Entwicklungen, Sicherheitspolitik und Außenbeziehungen schreibt dazu:
Israel kodifiziert den jüdischen Charakter des Staates
„Das israelische Nationalstaatsgesetz ist nach langer Diskussion in vielen Punkten abgemildert worden. Mit der Stärkung des jüdischen Nationalstaatscharakters gegenüber grundlegenden demokratischen Prinzipien haben die Initiatoren ihr Ziel dennoch erreicht.“
Auch der Administrator des Lateinischen Patriarchats, Erzbischof Pierbattista Pizzaballa, kritisiert den Beschluß in einer Erklärung:
„Das Regelwerk laufe dem Grundsatz von „gleichen Rechten zwischen Juden und Arabern zuwider“ und verstoße gegen die VN-Resolution 181, auch biete das Gesetz „keine verfassungsrechtliche Sicherstellung der Rechte der einheimischen Bevölkerung und anderer im Land lebenden Minderheiten“. Die palästinensischen Einwohner Israels, die 20 Prozent der Bevölkerung stellen, seien „offenkundig von dem Gesetz ausgeschlossen“, so das Lateinische Patriarchat.
Am 1. August hat sich auch der neue Lutherische Bischof in Jerusalem Ibrahim Azar in deutlichen Worten gegen das neue Gesetz positioniert:
As Bishop of the Evangelical Lutheran Church in Jordan and the Holy Land, I must call upon the Knesset to rescind this law. It is fundamentally divisive, racist, and destructive. For many years, Israeli leaders have protested when the word „apartheid“ has been used to describe the Situation in this land. The adoption of this law, however, makes it difficult to argue against this Situation having been codified into law. Declaring that Israel is no longer „home“ for non-Jews, or for those citizens representing Arab culture, has officially created a sub-class of people in the nation.
I call on the many citizens of Israel and all people of goodwill to voice their objection to this law, and to stand for a future in which all the people in the land will enjoy equal rights, with equal responsibilities.
Arnold Hottinger auf journal21.ch
… Alle gehen zu Putin
Russische Nahosthegemonie?
Der kann im Nahen Osten weiterhin ungestört manövrieren und disponieren. Und Trump frönt seiner Eitelkeit.
„Die Amerikaner waren bisher der stetige Gegenspieler der sowjetischen und der russischen Nahostdiplomatie. Doch sind sie es noch? Trump kam nach Helsinki, um Putin zu treffen. Er will ihn sogar nach Washington einladen. Doch er kam nicht als Gegenspieler, sondern vielmehr um seiner unüberwindlichen Eitelkeit eine Bühne zu schaffen. Putin kann ungestört weiter vermitteln, manövrieren und disponieren.“
[Aber wir warten ja jetzt alle gespannt auf den US-amerikanischen Friedensplan…]
Ein lesenswerter Beitrag – auf einem Portal, das schon deshalb herausfällt, weil die Kommentare nicht anonym veröffentlich werden…
„Nationalstaatsgesetz“ verabschiedet
Am heutigen Donnerstag, 19. Juli 2018, hat das israelische Parlament, die Knesset, mit 62 zu 55 Stimmen nach langer und kontrover Debatte das „Nationalstaatsgesetz“ verabschiedet, das in der Debatte von vielen als eine Zäsur in der demokratischen Entwicklung des Staates Israel und des Zionismus bezeichnet wurde.

Das Gesetz definiert das Land nun als „Nationalstaat des jüdischen Volkes“. Es betrachtet unter anderem die Entwicklung jüdischer Kommunen als von „nationalem Wert“ und legt Hebräisch als einzige offizielle Landessprache fest. Arabisch erhält nun einen „Sonderstatus“.
Neben zahlreichen weiteren Nichtregierungsorganisationen hat z.B. Givat Haviva das Gesetz verurteilt, es widerspreche der Vision einer „shared Society. (Vgl. dazu unsere Themenausgabe von i&p (2/2016) zur Arbeit von Givat Havia).
Eine englische Fassung des Gesetzes findet sich hier, zur Entscheidung u.a. der Beitrag der Tagesschau.
Im Blog ++972 schreibt deren stellv. Herausgeber Edo Konrad:
Israel’s Nation-State Law: ‚Apartheid is a process‘ – With the passage of the ‘Jewish Nation-State Law,’ Israel has constitutionally enshrined discrimination against its Palestinian population.
Richard C. Schneider schreibt in seinem Beitrag in Die Zeit:
In den letzten Jahren wurden mehrere Gesetze erfolgreich verabschiedet, die eine Erosion des israelischen Liberalismus und des Geistes der Unabhängigkeitserklärung zur Folge hatten. Das jetzt verabschiedete Nationalstaatsgesetz dürfte daher selbst in seiner modifizierten Version für Unruhe sorgen. Kritiker sehen weiterhin rassistische Elemente im Gesetzestext. Er mache Araber zu Bürgern zweiter Klasse und könnte sie bei staatlichen Struktur- und Entwicklungsplänen nun auch gesetzlich benachteiligen.
