Und danach?


Auch wenn die Waffenruhe zwischen Hamas und Israel zu halten scheint und die bürgerkriegsartigen Zustände in Israel schwächer werden, ist die Unsicherheit über die nahe Zukunft greifbar. Während die israelische Grenzpolizei mit ihrer „Law and Order“ Offensive versucht, Stärke zu zeigen, feiert die Hamas sich selbst als Siegerin der letzten Gewalteskalation und präsentiert sich als potenzielle Alternative zur schweigenden Fatah.

Die eigentlichen Opfer und Verlierer sind die zahlreichen Zivilisten, die unter dem Krieg und den Ausschreitungen leiden mußten, ohne eine Antwort auf die Frage nach dem danach zu haben: Karim el-Gawhary für die taz

Auch in Deutschland …

Auch in Deutschland fand der ‚Krieg im Nahen Osten‘ statt. Er wurde und wird geführt zwischen den Verteidigern unhinterfragbarer Solidarität mit Israel und den ‚Befreiern Palästinas von der zionistischen Unterdrückung‘.

Differenzierungen sind nicht gefragt, es herrscht Haß, es wird mit Unterstellungen gearbeitet und die Gewißheit auf der richtigen Seite der Weltgeschichte zu stehen, wird mit Zähnen und Klauen verteidigt. Wieder gerieren sich die Deutschen als Friedensmacht und benutzen die Kriege und Krisen im Nahen Osten doch nur als Projektionsfläche für ihre eigenen, auch 75 Jahre nach Weltkrieg und Shoa nicht aufgelösten Identitätsprobleme.

Meron Mendel, Leiter des Anna-Frank-Zentrums in Frankfurt am Main stellt in seinem Beitrag für die FAZ diese Verbindung her zwischen diesen deutschen Befindlichkeiten und der hoch emotionalisierten Reaktion auf den erneuten Krieg in Israel und Palästina.

Stimmen aus Wahat al-Salam/Neve Shalom

Wo auch jetzt konstruktive Perspektiven gelebt werden

In Neve Shalom/Wahat al-Salam zeigen seit über 40 Jahren jüdische und palästinensisch-arabische Israelis jeden Tag aufs Neue – und auch jetzt –, daß eine tragfähige Regelung des Konfliktes zwischen Israel und den Palästinensern möglich ist.

Die folgenden Texte, die der Verein „Freunde von Neve Shalom/Wahat al-Salam e.V.“ zusammengestellt hat, zeigen beeindruckend, wie das Friedensdorf mit der derzeitigen katastrophalen Lage umgeht. Dazu im folgenden

Die Orientalisierung des heiligen Landes

[zait wa: zaʕtar]Festival mit palästinensischer Kunst und Kultur wird fortgesetzt

… oder Wie hat der Blick westlicher christlicher Reisender dazu beigetragen, das heutige Bild von Palästina in Europa zu prägen?

Ruth und Boaz – Photo: American Colony, Photo Department, um 1910 (Beit Sahour)

Samstag, 22. Mai 14 Uhr
FORUM Factory, Besselstraße 13-14, 10969 Berlin – online

Christliche europäische Männer reisten in den Nahen Osten auf der Suche nach dem Land, wie es in dem ihnen heiligen Buch beschrieben war. Einige prominente Reisende, und hier vor allem Gustaf Dalman, legten ganze Archive an, die heute meist an theologischen Fakultäten von Universitäten, darunter Berlin und Greifswald, untergebracht sind.

Was waren ihre Vorstellungen zu dieser Zeit, dem Beginn der Fotografie durch Reisende (ca. 1900-1913), wie haben die damaligen Bilder der arabischen Völker, hier der einheimischen Palästinenser, zu der Art und Weise beigetragen, wie sie heute noch dargestellt werden? Und wie prägt dies die Art und Weise, wie Europäer das umstrittene Land, das einst allseits als Palästina bekannt war, heute sehen und beurteilen, und in der sie sich zu ihm verhalten?

Podiumsgäste: Dr. Bashar Shammout, Irit Neidhardt – Moderation: Cora Jostings

Und Jordanien?

Am östlichen Ufer des Jordan herrscht (immer noch) Ruhe, auch wenn im hashemitischen Königreich die Unruhe wächst. Selbst der König ist relativ eindeutig in seiner Sprache, trotz der Abhängigkeiten seines Landes. Netanyahu hat in der letzten Zeit wenig Rücksicht auf die Stabilität des Nachbarn gelegt, was durchaus als eine Änderung der politischen Prämisen gelesen werden kann.

Am 18. Mai 2021 hat das jordanische Parlament, in Anwesenheit des Ministerpräsidenten, die Regierung einstimmig aufgefordert, des israelischen Botschafter auszuweisen und den Jordanischen aus Tel Aviv zurück zu beordern.

Einen ausführlichen und informativen Bericht zur Situation Jordaniens hat gerade MERIP vorgelegt und ruft noch einmal die Ereignisse um den Halbbruder des Königs, seinen Hausarrest und seine Stellungnahmen in Erinnerung.

Frieden zwischen Israel und Palästina?

Der VN-Sicherheitsrat wird von den USA blockiert

Karin Leukefeld bringt einen ausführlichen Bericht von der gestrigen Tagung des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen; die Sitzung wird am 18. Mai 2021 fortgesetzt. 

Wem nützt der Krieg?


Die Brutalität der Auseinandersetzung macht den/die Beobachter:in sprachlos, schockiert und nach Worten suchend. Mit militärischen Mitteln wird dieser Konflikt erneut brachial ausgetragen; aber mit diesen Mitteln ist der Konflikt seit mehr als hundert Jahren nicht zu regeln geschweige denn zu lösen gewesen. Also warum diese erneute Eskalation ? Und wieder fragen wir: Wem nützt die Ermordung von Menschen in diesem asymmetrischen Krieg? Die International Crisis Group faßt die Ereignisse der letzten Tage noch einmal zusammen.


Der Konflikt läßt sich nicht auf Dauer managen

Obwohl man:frau meinen könnte, zum Konflikt sei doch schon alles gesagt, die Entwicklungen gehen weiter und die Konfliktlage und ihre Akeure Akteure verändern sich.

Was sich nicht verändert, ist die Einsciht, daß sich die europäische Politik endlich einmal zu konsequentem und glaubwürdigen Handeln jenseits des Scheckbuches verstehen müßte.

Hier ide aktuelle Einschätzung von Hannes Alpen, der das Büro der Friedrich Ebert-Stiftung in Ost-Jerusalem leitet.

Am Schabbat lernen

Es ist schwer ins Deutsche zu übersetzen: Spiritual Progressives – aber Rabbi Michael Lerner und Cat Zavis in diesem Podcast zuzuhören macht es klar: Tikkun and the Network of Spiritual Progressives (Berkeley, California)

„Now is a good time to get together to mourn the violence and suffering in Israel and Palestine, to learn the ethical vision of Torah as it applies to the contemporary world, and to celebrate the receiving of Torah on Shavuot.“

Imagine with Us

Der Protest gegen israelische Politik hat nichts vor Synagogen zu suchen

Und der der Protest gegen die Politik von Hamas und Jihad nichts vor Moscheen

Jüdinnen und Juden dürfen sich in Deutschland nicht fürchten müssen, in diesem Land nicht und in keinem anderen. Ein Satz im übrigen, der auch für andere Religionen gilt, ganz selbstverständlich.

Die neue Runde der Gewalt, der neue Zyklus von Gewalt und Gegengewalt, macht auch (unvergleichbar zu dem, was in Israel und Palästina geschieht) vor unserer Gesellschaft nicht halt, Dämonisierung und Polarisierung allenthalben.

Und doch ist klar, auch wenn diese Gewalt endet, braucht die Region eine Regelung, bei der alle, alle Einzelnen und alle Gruppen, ein Mindestmaß an Gerechtigkeit erfahren. Es gilt dennoch nicht Moral zu predigen aus dem sicheren Europa heraus, aber es gilt auch nicht zu schweigen von Besatzung und Entrechtung. Die Sicherheit und das Wohlergehen beider Völker bedingen einander, die Sicherheit des einen gibt es nicht auf Kosten der Sicherheit des anderen.

Am Tag danach wird der Konflikt nicht gelöst, aber eine Regelung wieder noch schwieriger geworden sein. Und sie darf nicht in den Händen derer liegen, die von den Eskalationen profitieren!