The Arab and Jewish Questions

“The Arab and Jewish Questions: 
Geographies of Engagement in Palestine and Beyond"

Im Dezember 2020 ist bei der Columbia University Press ein bemerkenswerter Sammelband erschienen: Die Autorinnen und Autoren thematisieren darin nicht weniger als das Verhältnis von Jüdischer und von Arabischer Frage.

Leila Farsakh und Bashir Bashir stellen den Band vor und diskutieren mit Moshe Behar and Nadia Fadil online am Mittwoch, dem 5. Mai 2021, 18.00 Uhr.

Hier der Link zur Anmeldung.

Und für interessierte Leserinnen und Leser hier das Inhaltsverzeichnis des Bandes:

Acknowledgments
Introduction: Three Questions That Make One, by Bashir Bashir and Leila Farsakh

Part I. Interrogating Europe: Anti-Semitism, Islamophobia, and Colonialism
1. Jackals and Arabs: Once More on the German-Jewish Dialogue, by Gil Anidjar
2. An Emblematic Embrace: New Europe, the Jewish State, and the Palestinian Question, by Brian Klug
3. Palestine in Algeria: The Emergence of an Arab-Islamic Question in the Interwar Period, by Amal Ghazal


Part II. Beyond the Binary Division Between “Jews” and “Arabs”: Revisiting National Constructs
4. On Orientalist Genealogies: The Split Arab/Jew Figure Revisited, by Ella Shohat
5. Returning to the Question of Europe: From the Standpoint of the Defeated, by Hakem Al-Rustom
6. Between Shared Homeland to National Home: The Balfour Declaration from a Native Sephardic Perspective, by Yuval Evri and Hillel Cohen
7. Toward a Field of Israel/Palestine Studies, by Derek Penslar


Part III. Stubborn Realities and Alternative Visions for Palestine/Israel
8. Apocalypse/Emnity/Dialogue: Negotiating the Depths, by Jacqueline Rose
9. Competing Marxisms, Cessation of (Settler) Colonialism, and the One-State Solution in Israel-Palestine, by Moshe Behar
10. Dialectic of the National Identities in Palestinian Society and Israeli Society: Nationalism and Binationalism, by Maram Masarwi

Bibliography – List of Contributors – Index

Neues von MITVIM

Der April-Newsletter verweist auf einige lesenswerte Beiträge des Israeli Institute for Regional Foreign Policies, unter anderem einen Betrag zum International discourse on Israeli-Palestinian peacemaking (Dr. Lior Lehrs, based on a series of Mitvim Institute policy dialogues (conducted by Lior, Victoria Solkovits and Dr. Nimrod Goren) with European, Arab, American and UN diplomats and experts und Can multilateralism advance Israeli-Palestinian peace?, (Video of the Mitvim panel in the 2021 J Street National Conference).

Beziehungen USA-Palästina

Sprecher des US-Departments:  US-Hilfe für Palästinenser:innen dient unseren Interessen

Nach drei Jahren hat das US-State Department am 7. April 2021 angekündigt, daß es seine Zahlungen für das UNRWA-Hilfswerk wieder aufnehmen werde; dies entspreche den Interessen der USA in der Region. Damit würden Aktionen von US-Aid finanziert und Projekte zur wirtschaftlichen Entwicklung in der Region sowie Palästinenser in den Flüchtlingslagern. Der israelische Botschafter in den USA und bei den VN mahnte erneut eine Veränderung der Institution UNRWA an, doch der Sprecher der VN hofft darauf, daß weitere Staaten ihre Zahlungen für die UNRWA reaktivierten.

Mit dem erneuten Engagement der USA im israelisch-palästinensischen Konflikt steigt auch die Hoffnung, daß die USA den Regelungsprozeß in Nahost deutlicher unterstützen und die Option der zwei Staaten nicht nur bei Gesprächen in Jordanien, sondern gegenüber den zwei Konfliktseiten direkt bekräftigen.

The National News | Times of Israel | Israel National News

GIGA-Ringvorlesung

Arabischer Frühling 10 Jahre danach

Vor einem Jahrzehnt gerieten die autoritären Verhältnisse in vielen Staaten Nordafrikas und des Nahen Ostens ins Tanzen. Zusammen mit der Grünen Bewegung in Iran (2009) und den Gezi-Protesten in der Türkei (2013) schien der Arabische Frühling im Jahr 2011 und danach Teil eines regionalen Protestzyklus zu sein. Zehn Jahre später scheint von all dem wenig geblieben zu sein, und die Erinnerung an die Aufstände wird von anderen Ereignissen überlagert.

In diesem Semester soll es einen Rückblick auf die Ereignisse des Arabischen Frühlings in einem regionalen wie internationalen Kontext geben. Welche Faktoren haben zu ihrem Entstehen beigetragen? Was haben die Proteste gebracht? Warum sind sie weitgehend gescheitert? In welchem Verhältnis stehen die Aufstände von 2011 mit heutigen Protestbewegungen in Ländern Nordafrikas und des Nahen Ostens?

Diese Ringvorlesung wird gemeinsam von der Universität Hamburg, dem German Institute for Global and Area Studies (GIGA), der Heinrich-Böll-Stiftung Hamburg und der Academy in Exile ausgerichtet.

Donnerstags, 18:15-19:45 Uhr (CET) | Zoom | Registrieren Sie sich bitte per E-Mail: anmeldung@boell-hamburg.de

Veranstaltungssprache: Deutsch / Englisch

15.04.2021 – Hintergründe, Charakter und Auswirkungen der Aufstände von 2011 – ein verlorenes Jahrzehnt?

Referent:innen: Dr. Irene Weipert-Fenner, Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung, Frankfurt / Dr. Bente Scheller, Referatsleitung Naher und Mittlerer Osten, Heinrich-Böll-Stiftung Berlin
Moderation: Dr. André Bank, GIGA Institut für Nahost-Studien, Hamburg


22.04.2021 – Democratisation, Counterrevolution, War: Tunesia, Egypt, Syria

Speakers: Dr. Mahmoud Al-Zayed, Academy in Exile, Freie Universität Berlin / Dr. Heike Löschmann, Head of Tunis Office, Heinrich Böll Foundation / Prof. Dr. Cilja Harders, Freie Universität Berlin
Chair: Dr. Christiane Fröhlich, GIGA Institute for Middle East Studies, Hamburg

Hier der Hinweis auf die weiteren Veranstaltungen.

Was ist los in Jordanien?

Noch relativ undurchsichtig sind die Hintergründe der aktuellen Ereignisse im hashemitischen Königreich, das zwar allenthalben als ein „Hort der Stabilität“ gepriesen wird und dessen Funktionseliten international mächtige Verbündete haben. Ob die innere Stabitlität genauso hoch ist, mag angesichts der innenpolitischen Repression bezweifelt werden.

Hier einige der zur Zeit (öffentlich) verfügbaren Informationen:

NZZ: Ehemaliger Kronprinz „unter Hausarrest“?

FR: Berichte über Komplott in Jordanien

Luxemburger Wort: Jordaniens früherer Kronprinz Hamsa angeblich in Hausarrest

Washington Post: Jordan prince says he’s confined, lashes out at authorities

New York Times: Divided Kingdom: Jordan Shaken by Split Between King and Ex-Crown Prince – darin auch das Video von Hamzeh, besonders interessant ab Minute 2.

Aljazeera: Jordan gov’t accuses ex-crown prince of ‘malicious plot’

Jerusalem Post: Jordan: A family dispute or a foreign-backed plot?

Und eine etwas andere Quelle: Tikun Olam

Ergänzung 6. April 2021

DW: Jordanien verhängt Nachrichtensperre zu angeblichem Putschversuch

Zersplitterung statt Einheit

Marwan Barghouti tritt als Rivale von PA Präsident Mahmoud Abbas an. Der 61 Jährige, der von Israel wegen Beteiligung an fünffachen Mord zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt wurde und diese in Israel verbüßt, meldete sich offiziell als Kandidat für die palästinensischen Wahlen an und stellt neben Abbas und Mohammed Dahlan die dritte Fraktion innerhalb der Fatah. Die von Abbas angestrebte Einigung mit der Hamas steht damit schon vor der Aufgabe, die eigene Partei zusammen zu halten. 


Patrick Kinsey und Adam Rasgon schreiben dazu in der NY Times

Abraham Accords – Wohin jetzt, wohin weiter?

„If one does not want religion to be part of the problem, however, the answer cannot be to avoid it.“ – der Satz findet sich in einem Gastbeitrag von Rabbiner David Rosen auf der Website von Religion News Service in einem lesenswerten Beitrag, was jetzt Perspektiven (nicht nur) für eine US-amerikanische Außenpolitik sein kann und sollte.

Israel – Syrien: Mehr als ‚regionale Machtkämpfe‘

Bereits Ende Januar hatte Guido Steinberg von der SWP in einem Arbeitspapier der BAKS der BRD-Regierung in Anbetracht der Entwicklung in Nahost und der Durchsetzung eigener Interessen empfohlen, ihre Außenpolitik in Nahost zu überdenken. Nicht mehr Kriegsverhinderung sei zu priorisieren: „Das noch wichtigere Interesse der Bundesrepublik sollte aber sein, eine nukleare Bewaffnung von Regionalstaaten zu verhindern. Notwendige Konsequenz dieser Interessendefinition könnte es im Extremfall sein, auch einen Militärschlag der USA und/oder Israels gegen Iran zu unterstützen, falls dieser notwendig werden sollte, um eine nukleare Bewaffnung des Landes zu verhindern….“.

Und was läuft konkret in der Region ab? Wie verhalten sich die regionalen Akteure? Israels Angriffe in Syrien stellen Moskaus Geduld auf die Probe – „Ein Gegenschlag wird bald folgen“, stand gestern in einer der Überschriften auf RT DE.

Inzwischen fliegen israelische Jagdflugzeuge immer häufiger Angriffe auf iranische Stellungen in Syrien und provozieren damit auch Rußlands Position in Syrien. Rußlands Sondergesandte für Syrien, Alexander Lawrentjew, betrachtet die andauernden Angriffe Israels in Syrien in einer offiziellen Erklärung als Verletzung der Vereinbarung, auf die sich Israel und Rußland zur Deeskalation der Situation in Syrien geeinigt hatten und deutet an, daß auch ein Gegenschlag nicht mehr ausgeschlossen werden könne. Auf RT DE schreibt dazu Scott Ritter, ein ehemaliger US Marine Corps intelligence officer, der für die USA u. a. in der Sowjetunion als Inspektor für die Umsetzung des INF-Vertrages diente:

„Die zwar diplomatische Sprache läßt dennoch nur wenig Raum für jegliche Fehlinterpretation. Durch die Verwendung des Ausdrucks „darunter“ bezogen auf die syrische Regierung, die da ihre Geduld verliere, ließ Lawrentjew keinen Zweifel daran, daß die andere Partei, die man in seiner Aussage „darunter“ verstehen soll, Rußland ist. Diese Verknüpfung überträgt sich denn auch auf die nicht gerade verblümte Androhung eines „Gegenschlags“ und einer „möglichen Eskalation der Gewalt“. Kurz gesagt war Lawrentjews Warnung die offenste Drohung gegen Israel, die er anbringen konnte, ohne gleich das Offensichtliche auszusprechen: Falls Israel weiterhin Syrien bombardiert, werde Rußland keine andere Wahl haben, als israelische Flugzeuge abzuschießen.“

Weiterführende Links: BAKS – MD – Krasnaja Swesda – RT DE – Und im Original auf RT:

Kalter Krieg im Nahen Osten

Der iranisch-saudische Konfliktdominiert die Region BAK-Arbeitspapier 1/2021, Guido Steinberg.

Mag im Zentrum des Nahostkonfliktsystems auch die Auseinandersetzung zwischen den beiden Konfliktparteien Israel und Palästina stehen, so wurde dies in den vergangenen Jahren durch andere Konfliktaustragungen überlagert, wie im Irak, in Syrien, im Jemen, in Libanon, in Iran. In seinem Arbeitspapier für die „Bundesakademie für Sicherheitspolitik“ thematisiert der SWP-Wissenschaftler Guido Steinberg den Konflikt um die regionale Hegemonie zwischen den beiden Staaten Saudi-Arabien und Iran.

Seiner Einschätzung nach „handelt es sich bei dem Konflikt zwischen Iran und Saudi-Arabien heute um die zentrale machtpolitische Auseinandersetzung des Nahen Ostens – ein Systemkonflikt, der deshalb auch besonders erbittert geführt wird und langlebig ist.“

„Sollte die Regierung Biden in Verhandlungen ähnlich vorgehen und – entgegen den bisherigen Ankündigungen – die iranischen Raketen und schiitischen Milizen doch erneut ausklammern, wird der Widerstand Saudi-Arabiens, der VAE und Israels deutlich heftiger sein als noch 2015. Vor allem werden sie ihre Verbündeten im Kongress mobilisieren, die in beiden politischen Lagern zu finden sind. Darüber hinaus hat die Tötung von Fakhrizadeh gezeigt, daß zumindest Israel weitere Optionen hat, will es eine Entspannung zwischen Washington und Teheran stören.“

Steinberg sieht die Interessenwahrung Deutschlands im Bündnis mit den USA und Europa und skizziert dabei auch die Konsequenzen:

„Zur Vorbereitung auf die nächsten Monate und Jahre ist es zusätzlich angezeigt, die bisherige deutsche Interessendefinition zu überdenken. Politiker, Diplomaten und Wissenschaftler haben in den letzten Jahren häufig argumentiert, daß es in erster Linie gelte, eine kriegerische Auseinandersetzung zwischen Iran und seinen Gegnern zu verhindern. Das noch wichtigere Interesse der Bundesrepublik sollte aber sein, eine nukleare Bewaffnung von Regionalstaaten zu verhindern. Notwendige Konsequenz dieser Interessendefinition könnte es im Extremfall sein, auch einen Militärschlag der USA und/oder Israels gegen Iran zu unterstützen, falls dieser notwendig werden sollte, um eine nukleare Bewaffnung des Landes zu verhindern. Eine deutlichere Formulierung dieses Interesses könnte auch dazu dienen, den Druck auf Iran zu erhöhen, der in den letzten Jahren allzu oft versucht hat, Uneinigkeit zwischen Europa und die USA zu schüren.“