Was heißt: Singularität des Holocaust?

Prof. em. Dr. Michael Wildt:
Überarbeitete und ergänzte Fassung der Abschiedsvorlesung vom 17. Februar 2022 an der Humboldt-Universität zu Berlin

„In der aktuellen Debatte um Holocaust, Kolonialismus und Erinnerung hat Per Leo jüngst angeregt, dass Historikerinnen und Historiker irritierende Fragen stellen sollten. Diesem, wie ich finde, klugen Vorschlag folgend, möchte ich hier diskutieren, ob und inwieweit die Rede von der Singularität des Holocaust angemessen, sinnvoll, erkenntnisfördernd ist. Wie ist sie (in der Bundesrepublik) entstanden, und worin könnte heute ihre Aussagekraft liegen? Müsste die Perspektive nicht erweitert werden? Solche Fragen führen in das Zentrum einer Debatte, die hierzulande seit der Auseinandersetzung vom Frühjahr 2020 um den afrikanischen postkolonialen Theoretiker Achille Mbembe heftig entbrannt ist, dem der Antisemitismus-Beauftragte der Bundesregierung Felix Klein vorwarf, den Holocaust zu relativieren. Die vor allem in den Feuilletons geführte Debatte verschärfte sich, als der in den USA lehrende Historiker A. Dirk Moses im Mai 2021 mit einem provokanten Essay die deutsche Erinnerungskultur kritisierte: In der Fixierung auf den Holocaust würden die Kolonialverbrechen ausgeblendet. Die Kontroverse um Antisemitismus auf der diesjährigen documenta bildete mit den schrillen Tönen zweifellos den vorläufigen Tiefpunkt dieser Debatte. Nachdenkliche Argumente wie von Micha Brumlik, Sebastian Conrad, Charlotte Wiedemann oder Natan Sznaider scheinen kaum noch Gehör zu finden.“

Der spannende ganze Text kann hier gelesen oder heruntergeladen werden.

Bibliographische Angaben:

Prof. em. Dr. Michael Wildt, Was heißt: Singularität des Holocaust?, in: Zeithistorische Forschungen/Studies in Contemporary History, Online-Ausgabe, 19 (2022), H. 1,
URL: https://zeithistorische-forschungen.de/1-2022/6022,
DOI: https://doi.org/10.14765/zzf.dok-2405,
Druckausgabe: S. 128-147.

There is no ‘halachic state’ in Jewish law

Eine interessante und jetzt mit Blick auf die Entwicklungen in Israel und im rechten/religiösen Lager spannende Debatte, zu der hier Rabbiner Naftalie Rothenberg auf dem Blog der Times of Israel seine Position darlegt;

Theocracy is simply not a Jewish legal concept – the halachic legal system applies its authority only to those who accept it

Beschluß des Haushaltsausschusses

Deutsch-Israelisch-Palästinensisches Promotionskolleg in Flensburg wird gefördert

Wissenschaftler*innen präsentieren Arbeit zu internationaler Verständigung im Deutschen Bundestag

Mit insgesamt 2,1 Millionen Euro fördert der Bund die European Wasatia Graduate School for Peace and Conflict Resolution an der Europa-Universität Flensburg. Das hat der Haushaltsausschuß des Bundestages entschieden. Damit ist die Graduiertenschule, in der Promovierende aus Israel, Palästina und Deutschland gemeinsam religionsübergreifend und interdisziplinär zu Lösungen des Konflikts im Nahen Osten forschen, bis zum Jahr 2029 gesichert. Zudem kann mit dem Geld ein Programm für Gastwissenschaftler*innen (scholar-in-residence) aufgelegt und eigene Stipendien vergeben werden.

„Ich freue mich sehr darüber, daß es gelungen ist, dieses in Deutschland bisher einmalige Programm für Promovierende aus Israel, Palästina und Deutschland weiter zu fördern. Die European Wasatia Graduate School for Peace & Conflict Resolution wird zukünftig bis zu 359.000 € jährlich im Rahmen ihrer Arbeit für Frieden, Verständigung und Versöhnung vom Bund erhalten“, so Dr. Wiebke Esdar, zuständige Haushaltspolitikerin der SPD-Bundestagsfraktion für den Etat des Bundesministeriums für Bildung und Forschung.

Prof. Dr. Ralf Wüstenberg, Professor für evangelische Theologie und Direktor des Graduiertenkollegs bewertet diese Anschlußfinanzierung als wichtiges friedensethisches Signal. „Dieses Zeichen strahlt über den Nahost-Konflikt hinaus und berührt wesentlich auch europäische Fragen. Es ist nun sichergestellt, daß über die gegenwärtig eingeschriebenen Promovierenden zwei weitere Kohorten in 2023 und in 2026 aufgenommen werden können. Neben Israelis, Palästinensern und Deutschen sollen Stipendien auch an junge Promovierende aus andere Transformationsgesellschaften gehen, wie u.a. Südafrika, Irland, Albanien. Gemeinsames Lernen, eigenständiges Forschen und das wechselseitige Entdecken von Konfliktlösungsstrategien im Horizont von Wasatia und Versöhnung sind die Eckpfeiler des Programms.“

Auch Prof. Dr. Udo Steinbach, Leiter des MENA Study Centre der Maecenata Stiftung, das eng mit der Wasatia Graduate School zusammenarbeitet, schätzt die Entscheidung des Deutschen Bundestags als nachhaltigen Beitrag Deutschlands für die Lösung des palästinensisch-israelischen Konflikts ein.

Projektkoordinatorin Dr. Zeina Barakat freut sich über das breite Interesse an der European Wasatia Graduate School for Peace and Conflict Resolution unter den Parlamentariern des Deutschen Bundestages und erklärte: „Als in Jerusalem geborene Palästinenserin, die sich über ein Jahrzehnt auch wissenschaftlich mit Friedensethik befaßt, sind die Ziele der Graduiertenschule auch eine Herzenzangelegenheit.“

Die „European Wasatia Graduate School for Peace and Conflict Resolution“

Das interdisziplinäre, transnationale und multireligiöse Promotionskolleg wurde im November 2021 gegründet. Derzeit sind zwölf Doktorand*innen Teil der „European Wasatia Graduate School for Peace and Conflict Resolution“.

Das Kolleg identifiziert Wahrheit wie Recht als Bedingung für Frieden und Konfliktlösung im israelisch-palästinensischen Verhältnis. Vor dem Hintergrund, dass rechtliche, politische und religiöse Dimensionen der Versöhnung ihrerseits mentale Komponenten beinhalten, wie etwa die Anerkennung von Leid, die Befähigung zur inter-religiösen Toleranz und zur Dekonstruktion festgefahrener Narrative, soll die Wasatia Graduate School als ein interdisziplinäres Forum fungieren, das Versöhnung als zentrales Element zur gesellschaftlichen Konfliktlösung herausstellt.

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Den Schmerz der Anderen begreifen

Eigentlich hätte heute Abend, 9. November 2022, in Tel Aviv und im Netz (Zoom) eine Veranstaltung von Goethe Institut und Rosa Luxemburg Stiftung (Tel Aviv) stattfinden sollen, deren Absicht die Organisatoren wie folgt beschrieben haben:

„Fast 75 Jahre nach seiner Gründung bleibt Erinnern in Israel ein politisch umkämpftes Terrain. Jüdinnen und Juden richten den Fokus auf den Holocaust, Palästinenser:innen hingegen auf das Schicksalsjahr 1948, als Hundertausende Opfer von Flucht und Vertreibung durch jüdische Kämpfer wurden – arabisch als Nakba (Katastrophe) bezeichnet. In ihrem Buch „Den Schmerz der Anderen begreifen“ plädiert die Publizistin Charlotte Wiedemann für ein neues empathisches Erinnern, das verschiedenen Seiten gerecht wird und Solidarität statt Opferkonkurrenz fördert.“

Im Hintergrund steht eine Publikation von Charlotte Wiedemann „Den Schmerz der anderen begreifen. Holocaust und Weltgedächtnis“ (Propyläen, 2022).

An dem Gespräch , das jetzt am Sonntag, 13. November 2022, 19.00 Uhr stattfinden wird, werden teilnehmen:

Charlotte Wiedemann ist Publizistin und Auslandsreporterin, ihre Beiträge erschienen u.a. in Die Zeit, Geo und Le Monde Diplomatique. Sie hält Vorträge, ist Kolumnistin der taz und hat zahlreiche Bücher zu internationalen Themen veröffentlicht, zuletzt erschien „Den Schmerz der anderen begreifen. Holocaust und Weltgedächtnis“ (Propyläen, 2022). Geprägt vom Schweigen in der eigenen Familie, verfolgt sie die Debatten um die deutsche Verantwortung für den Nationalsozialismus seit vier Jahrzehnten.

Bashir Bashir ist außerordentlicher Professor für politische Theorie an der Open University of Israel und Senior Research Fellow am Van Leer Jerusalem Institute. Er forscht zu Demokratietheorie, Nationalismus, Staatsangehörigkeit, Multikulturalismus und Versöhnungspolitik. Zuletzt erschien von ihm The Arab and Jewish Questions: Geographies of Engagement in Palestine and Beyond (Columbia University Press, 2020); Mitherausgeber von The Holocaust and Nakba: A New Grammar of Trauma and History (Columbia University Press, 2018)

Amos Goldberg ist außerordentlicher Professor für Geschichte des Holocaust und Leiter des Forschungsinstituts für zeitgenössisches Judentum an der Hebräischen Universität von Jerusalem. Seit Jahrzehnten erforscht er die Geschichte und die Erinnerung an den Holocaust an der Schnittstelle von Geschichte, kritischer Theorie und Literatur. Zu seinen Veröffentlichungen gehören Trauma in First Person: Diary Writing during the Holocaust (Indiana University Press, 2017); Zusammen mit Bashir Bashir (Hg.) The Holocaust and Nakba:  A New Grammar of Trauma and History. Goldberg gehört zu den Initiatoren und Verfassern der Jerusalem Declaration on Antisemitism.

Inge Günther hat mehr als zwanzig Jahre lang als Korrespondentin in Israel und Palästina gearbeitet, unter anderem für die Frankfurter Rundschau und die Berliner Zeitung. Für ihre Berichte erhielt sie mehrfach Preise, zuletzt 2017 den Journalistenpreis der Deutschen Initiative für den Nahen Osten. Aus beruflichen wie privaten Gründen ist Jerusalem ihre zweite Heimat neben Berlin geworden.

Die Veranstaltung wird live per Zoom übertragen.Bitte um Anmeldung: telaviv.office@rosalux.org

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Die Verschiebung ist das Ergebnis von „Protesten“ aus Deustchland, hier einige Stimmen dazu:

https://www.juedische-allgemeine.de/kultur/scharfe-kritik-am-goethe-institut-inakzeptabel-und-respektlos/

https://www.jpost.com/israel-news/article-721814

https://www.goethe.de/ins/il/de/ver.cfm?event_id=24278029 (mit der Begründung der Verschiebung)

Zahlreiche Weitere lassen sich leicht auffinden, auch Polemiken auf Twitter.

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Kommentar: Es scheint mindestens so wichtig, wie über das Thema, auch kontorvers, zu diskutieren, danach zu fragen, warum es zu solchen Reaktion kommt – warum wird es (von manchen / einigen ?) als bedrohlich empfunden, den Schmerz des anderen zu begegreifen? Die Wirklichkeit des Erinnerns is vielfältig und heterogen, wer setzt die Maßstäbe, was gedacht, gefühlt, empfunden werden darf? Der lange Arm der Geschichte ist weiter präsent….

Other Israel Film Festival

Bis zum 13. November 2022 auch im Sofa-Kino

Programm und Hintergründe …. https://www.otherisrael.org/

other israel film festival

9th edition of the Palestine Cinema Days festival läuft

Zum aktuellen Programm

https://pcd.flp.ps/sites/default/files/header-web-02.png

Fritz Bauer Institut beeindruckt

Wissenschaftsrat bescheinigt Fritz Bauer Institut „beeindruckende Leistungen“

Über ein viele Seiten starkes Lob kann sich das Team des Fritz Bauer Instituts an der Goethe-Universität freuen: Der Wissenschaftsrat bescheinigt dem Institut „beeindruckende Leistungen“ trotz seiner „geringen personellen Ausstattung“ – und regt eine bessere Finanzierung an. Positiv hervorgehoben wird auch die engere Zusammenarbeit mit der Universität, die durch die Kooperationsprofessur ermöglicht wurde.

Hochwertige Forschung und vielfältige Bildungsangebote zu verbinden, dies gelinge dem Fritz Bauer Institut mit geringer personeller Ausstattung sehr gut, heißt es im Bericht des Wissenschaftsrats, der vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst mit der Evaluation des Instituts beauftragt worden war. Die Forschung des Frankfurter Instituts zu nationalsozialistischen Gewaltverbrechen, vor allem zum Holocaust, sowie zum juristischen und gesellschaftlichen Umgang damit nach 1945 sei von hoher Qualität. „Forschung zum Holocaust und die Vermittlung eines kritischen Geschichtsbewusstseins sind auch noch heute und gerade in Deutschland von größter Bedeutung. Hierzu leistet das Fritz Bauer Institut einen wertvollen Beitrag, der künftig noch stärker international ausstrahlen sollte“, wird die Vorsitzende des Wissenschaftsrats, Dorothea Wagner, in einer Pressemitteilung zitiert.

Unter Pandemiebedingungen hatte das Institut seine Vortragsveranstaltungen online angeboten – als Livestream und auch zum Abruf im Nachhinein. Dieses Angebot ist in der Öffentlichkeit auf große Resonanz gestoßen. Die Reichweite konnte vergrößert werden, deshalb empfiehlt der Wissenschaftsrat, das Angebot aufrechtzuerhalten – nicht ohne zu betonen, dass hierfür eine bessere Personalausstattung notwendig wäre. Denn nicht nur der Bildungs- und Vermittlungsbereich des Instituts sei dünn besetzt, sondern insbesondere auch der Bereich der IT, der Digitalisierung und Medienbetreuung. Nur das außergewöhnlich große Engagement der Beschäftigten ermögliche die dennoch umfangreichen und qualitativ hochwertigen Leistungen. Empfohlen wird, die Anzahl der grundfinanzierten Stellen moderat aufzustocken und den Haushalt jährlich so zu erhöhen, dass er mit den steigenden Kosten Schritt halten könne.

„Wir freuen uns über die große Wertschätzung unserer Arbeit“, kommentiert Prof. Sybille Steinbacher, die das Institut seit 2017 leitet und die eigens geschaffene Professur zur „Erforschung der Geschichte und Wirkung des Holocaust“ am Historischen Seminar der Goethe-Universität innehat. „Wir sind ein kleines Institut, machen aber viel. Dass zudem unser Potential erkannt und gewürdigt wird, ist wichtig für uns und schlägt sich hoffentlich in der Erhöhung unserer Mittel nieder.“ Die Evaluierungskommission habe Erwartungen formuliert in Hinblick auf Digitalisierung, Internationalisierung und Vernetzung, die auch bereits auf den Weg gebracht seien. „Dass das aber nicht ohne personellen Aufwuchs geht, wurde von der Kommission bestätigt. Darüber sind wir froh. Uns ist bewusst, dass dies gegenwärtig finanziell schwierige Zeiten sind. Aber gerade für unsere digitalen Angebote, für die schulische und außerschulische Vermittlungsarbeit und für unsere Ausstellungen ist eine Aufstockung dringend notwendig“, so Steinbacher.

Blick in das Archiv des Fritz Bauer Instituts. Photo: Werner Lott

Blick in das Archiv des Fritz Bauer Instituts. (Photo: Werner Lott)

Das Fritz Bauer Institut ist 1995 als Stiftung bürgerlichen Rechts gegründet worden. Namensgeber war der hessische Generalstaatsanwalt Fritz Bauer (1903-1968), der den ersten Frankfurter Auschwitz-Prozess ins Rollen gebracht hat. Im Jahr 2000 wurde das Fritz Bauer Institut als selbständiges Kulturinstitut ein An-Institut der Goethe-Universität. 2017 wurde die Leitung des Instituts erstmals in gemeinsamer Berufung mit der Goethe-Universität besetzt, seither ist Prof. Sybille Steinbacher in dieser Funktion tätig. Seit seiner Gründung verbindet das Fritz Bauer Institut Forschung zum Holocaust und dessen Wirkungs- und Rezeptionsgeschichte eng mit Vermittlung und Dokumentation. Das Institut realisiert Forschungsprojekte, Publikationen, wissenschaftliche und öffentliche Veranstaltungen sowie Wanderausstellungen. In der Lehre am Historischen Seminar der Goethe-Universität ist es ebenfalls engagiert. Finanziert wird das Institut vom Land Hessen und der Stadt Frankfurt, einen weiteren, kleineren Anteil trägt der Förderverein Fritz Bauer Institut e.V., auch die Goethe-Universität beteiligt sich an der Finanzierung durch die Bereitstellung von Infrastruktur. Das Fritz Bauer Institut finanziert seine Forschungsprojekte – darunter gegenwärtig mehrere zur Geschichte Frankfurts im Nationalsozialismus – auch über Drittmittel von Stiftungen und aus öffentlicher Hand. Im Jahr 2020 eingerichtet wurde zudem ein von der Frankfurter Medizinerin Dorothee Freudenberg gestifteter und nach ihr benannter Fonds, aus dem Forschungsvorhaben und Stipendien ermöglicht werden können, vor allem zur Geschichte der „Euthanasie“ im NS-Staat und im besetzten Europa.

Website | Stellungnahme | Hintergrundinformationen

Mona Hatoum

Feministisch, politisch und ohne Schnörkel ist die Kunst der palästinensisch-britischen Mona Hatoum.
Deren Retrospektive in Berlin verteilt sich auf gleich drei Orte

Tom Mustroph in der taz:
„Für ihre klare, politische Kunst fand Mona Hatoum ab Mitte der 1990er Jahre weltweit Anerkennung. 1994 hatte sie ihre erste Schau im Pariser Centre Pompidou. Ein Jahr später wurde sie für den renommierten Turner Prize nominiert. Seit einem DAAD-Stipendium 2003 ist sie auch Berlin verbunden. Die jetzige Retrospektive ist nach vielen Jahren die erste Einzelausstellung in Deutschland.“

Austtellungen:

Neuer Berliner Kunstverein bis 13. November 2022
Georg Kolbe Museum bis 8. Januar 2023
Kindl Zentrum bis 14. Mai 2023

nbk-logo

Rolle von Musik und Klang für die Erinnerungskultur

Die Ära der Zeitzeug:innen, die aus eigener Anschauung über die Zeit des Nationalsozialismus berichten können, neigt sich dem Ende zu. Für die Erinnerungskultur in Deutschland stehen deshalb große Veränderungen bevor. Welche neuen Wege in diesem Zusammenhang beschritten werden können, will die Musikwissenschaftlerin Prof’in. Drin. Monika Schoop von der Leuphana Universität Lüneburg erkunden. Mit ihrem aktuellen Forschungsprojekt „Musikalische und klangliche Erinnerungsräume in der Post-Witness Era“ geht sie der Frage nach, wie mit Hilfe von Musik und Klang Erinnerungsräume geschaffen werden können.

Der Wissenschaftlerin geht es darum, einen neuen Weg einzuschlagen und sowohl die soziale als auch die klangliche und musikalische Dimension der Erinnerungsräume zu erfassen. Gleichzeitig soll das Projekt eine neue Plattform in Niedersachsen schaffen, um wichtige Akteure der Erinnerungskultur zu vernetzen und einen Dialog zwischen Wissenschaft und Praxis zu initiieren. Gemeinsam mit den Gedenkstätten Bergen-Belsen, Ahlem und Moringen werden Workshops für nachhaltige Erinnerungsarbeit entwickelt und veranstaltet. Sie dienen dazu, Herausforderungen gegenwärtiger Erinnerungskultur zu thematisieren, Potenziale von Musik und Klang für künftige Erinnerungsarbeit zu reflektieren und Handlungsstrategien zu erarbeiten.

Das Potenzial von Musik und Klang für die Erinnerungsarbeit soll zudem in der Entwicklung spezieller Audioguides in Kooperation mit der Gedenkstätte Ahlem erprobt und genutzt werden. Diese Initiative zielt darauf ab, sowohl die Vergangenheit kritisch zu erinnern, als auch Erinnerungskultur für neue Generationen zugänglich und damit zukunftsfähig zu gestalten. Die Ergebnisse des Projektes sollen veröffentlicht und auf nationalen und internationalen Konferenzen vorgestellt werden.

Wissenschaftliche Ansprechpartnerin: | Leuphana Universität Lüneburg

Leuphana Universität Lüneburg

Islam in Europa. 1000-1250

Ausstellung „Islam in Europa. 1000-1250“ vom 7. September 2022 bis 12. Februar 2023 im Dommuseum Hildeshein.

Mit Begleitprogramm und Katalog

In den Kirchenschätzen Europas und im Hildesheimer Domschatz sind zahlreiche Kunstwerke aus vom Islam geprägten Regionen überliefert. Ausgehend von diesen Objekten werden in der großen Sonderausstellung im Dommuseum Hildesheim die Gemeinsamkeiten und Verflechtungen der Kulturen aufgezeigt. Hochkarätige internationale Leihgaben unter anderen aus Florenz, London, Paris und Wien bieten eine einzigartige Möglichkeit, dieses auch für die Gegenwart relevante Thema zu betrachten.

Córdoba, Palermo, Kairo und Konstantinopel waren glänzende Metropolen mit florierender Wirtschaft, Wissenschaft und Kunst. Kostbare Bergkristallgefäße, Seidenstoffe, Elfenbeinschnitzereien und Übersetzungen von wissenschaftlicher Literatur fanden aus den vom Islam geprägten Regionen einen Weg bis nach Mitteleuropa. Die Migration der Objekte sowie die Vermittlung von Wissen und Technik führten zu einer Verflechtung der Kulturen. Sie verbanden über die Grenzen von Religionen und Sprachen und geographische Entfernungen hinweg die Gebiete des heutigen Irak und Iran über Nordafrika und Spanien bis nach Mitteleuropa. In den Kirchenschätzen erhalten, zeugen diese Objekte von den Gemeinsamkeiten der Kulturen in der Zeit zwischen 1000 und 1250. … (Weiterlesen)

Sog. Keilförmiges Reliquiar mit abbasidischer Schachfigur und arabisch beschriftetem Stein. Dommuseum Hildesheim

Sog. Keilförmiges Reliquiar mit abbasidischer Schachfigur und arabisch beschriftetem Stein. Dommuseum Hildesheim, DS 4. © Dommuseum Hildesheim, Photo: Florian Monheim