Jehuda Bauer im Gespräch

Der 95-jährige Historiker erklärt in der Berliner Zeitung, warum ihn der neue Antisemitismus nicht überrascht und Israels Premierminister ein „Anti-Zionist“ und „Halb-Diktator“ ist.

[Nachtrag]

Aktuell ist das Interview beider BZ wieder hinter der Bezahlschranke, weshalb wir an dieser Stelle nur zwei kurze Zitate bringen können:

Könnte es eine neue Intifada geben?
Ich bin glücklicherweise kein Prophet. Ich kann dazu nicht viel sagen. Die arabische Minderheit in Israel will den israelischen Staat nicht angreifen, wird aber aus ihren eigenen Reihen dazu gezwungen, Stellung zu beziehen. Es gibt jetzt Gespräche zwischen beiden Seiten, um die Flammen zu beruhigen. Das ist schon mal gut, denn die politische Situation ist sehr verwickelt, eigentlich unlösbar momentan. Wir haben nach vier Wahlen immer noch keine neue Regierung, keinen Haushalt. (….) Das ist nicht mit europäischen Ländern zu vergleichen. Antisemiten, auch in Deutschland, sagen, wie klug die Juden sind. Ich glaube, Israel ist gerade der Beweis dafür, dass die Juden völlig idiotisch sind. Wenn wir eine funktionierende Regierung hätten und nicht die Halb-Diktatur von Netanjahu, gäbe es Interesse an einer Beruhigung der Situation. Aber beide Seiten, auch die palästinensische, sind von nationalistischen und religiös fanatischen Politikern regiert. Solange das der Fall ist, ist ein Kompromiss unmöglich.

Warum passiert es gerade jetzt?
Es begann, wie so oft, am Tempelberg in Jerusalem. Die Situation dort ist immer kompliziert, aber das Verhalten der israelischen Polizei kann man nur als idiotisch betrachten. (…) Eine gescheite Polizeiführung hätte dafür gesorgt, dass die Polizisten 200 Meter vor der Moschee stehenbleiben. Wenn sie angegriffen würden, hätten sie immer noch einschreiten können. Aber dieser Einsatz war völlig überflüssig. Auf der anderen Seite wollten natürlich radikale Araber die Juden herausfordern, um einen Grund für neue Unruhen zu haben. Und die Hamas richtet ihre Raketen gegen die Bevölkerung, nicht gegen militärische Ziele. (…)

Deutschland und die EU müssen handeln

Gefährliche Eskalation um Jerusalem

Unter der Rubrik SWP kurz gesagt haben Muriel Asseburg und Peter Lintl ihre Einschätzung zur aktuellen Situation veröffentlicht.

Wem nützt der Krieg?


Die Brutalität der Auseinandersetzung macht den/die Beobachter:in sprachlos, schockiert und nach Worten suchend. Mit militärischen Mitteln wird dieser Konflikt erneut brachial ausgetragen; aber mit diesen Mitteln ist der Konflikt seit mehr als hundert Jahren nicht zu regeln geschweige denn zu lösen gewesen. Also warum diese erneute Eskalation ? Und wieder fragen wir: Wem nützt die Ermordung von Menschen in diesem asymmetrischen Krieg? Die International Crisis Group faßt die Ereignisse der letzten Tage noch einmal zusammen.


Der Konflikt läßt sich nicht auf Dauer managen

Obwohl man:frau meinen könnte, zum Konflikt sei doch schon alles gesagt, die Entwicklungen gehen weiter und die Konfliktlage und ihre Akeure Akteure verändern sich.

Was sich nicht verändert, ist die Einsciht, daß sich die europäische Politik endlich einmal zu konsequentem und glaubwürdigen Handeln jenseits des Scheckbuches verstehen müßte.

Hier ide aktuelle Einschätzung von Hannes Alpen, der das Büro der Friedrich Ebert-Stiftung in Ost-Jerusalem leitet.

Noch Perspektiven übrig?

Angesichts der wieder einmal aufgekündigten Wahlen in Palästina und der neuesten Gewalt in Jerusalem, deren Bilder uns in diesen Tagen erreichen, erscheint eine „Lösung“ des Konflikts mit jedem Tag illusorischer.  Allen unvoreingenommenen Beobachter:innen ist deutlich, daß hier keine zwei gleichberechigten Parteien um Existenzrecht und Sicherheit ringen. Wie unter diesen Voraussetzungen Lösungen – oder wenigstens Regelungen – für ein Selbstbestimmungsrecht für Palästina aussehen könnte, wird zur Zeit heftig diskutiert.

Die beiden israelischen PolitikwissenschaftlerInnen Shira Efron und Evan Gottesman, beide Israel Policy Forum, stellen die Idee einer Konföderation mit gleichen Staatsbürgerrechten für beide Seiten auf den Prüfstand – und kommen zu einem ernüchternden Ergebnis.


Nicht Naivität, sondern eine Alternative!

Im Angesicht der sich zuspitzenden Situation in Jerusalem, insbesondere rund um den Haram-al-Shareef/Tempelberg hier eine Nachricht vom heutigen Abend (07. Mai 2021), die für ein anderes Jerusalem steht:

Standing together | standing-together.org

The situation in Jerusalem is reaching boiling point.

The racists of Lehava are marching through the streets chanting “death to Arabs”, police are using extreme violence against Palestinians who live in the city, and settler organizations are closer than ever to dispossessing dozens of Palestinian families from their homes in the neighborhood of Sheikh Jarrah. And it’s not about to end.

This coming Monday, to mark the annual Jerusalem Day, thousands of far-right Israelis will participate in the “Flag Parade” in which they’ll march through the Old City’s Muslim Quarter, chanting slogans of hatred, incitement and racism. As for us, we’re organizing to stop them.

We know that another way is possible. Just imagine that on Jerusalem Day the city could instead be filled with a clear and concise message: that this place is a home for all of us, Arabs and Jews. That’s what we’re planning to do in the face of the Flag Parade – to put up signs and distribute thousands of flyers with a message of hope instead of hatred.

In order for us to be able to do that, we’re asking for your support. Each donation of $15 will allow us to print 10 signs, and with each donation of $30 we can distribute 50 flyers in the city. Can you contribute so that we can paint Jerusalem with a message of hope and partnership? Yes! I will donate Jerusalem belongs to all of us, Arabs and Jews. On Monday, we mustn’t abandon the city’s streets to those who seek to spread racism and hatred. Help us show that there is an alternative – that peace, equality and partnership can radiate from Jerusalem instead of yet more news of violence and incitement. In recent weeks, we’ve already started work to make this vision a reality. We’ve been out in the field talking to Palestinian business owners in the Old City, and we know that we can succeed. But in order for us to do that, we need your help. Can you support our action? I will support your action Thank you for your support, 

The Jerusalem chapter members

Standing Together – Our mailing address is: info@standing-together.org

STRG_F: Impfgeschichte(n) im Film

Eine sehr engagierte Reportage auf dem ARD/ZDF-Format „Funk“ aus Israel und Palästina, mit einer jungen Journalistin, die auch Israelin ist; am Schluß ein kurzes Gespräch mit Amira Hass, Korrespondentin der liberalen israelischen Tageszeitung „Haaretz“ bei Ramallah (Palästina). Das Votingergebnis bei Youtube und die Kommentare etwa bei Facebook sind (fast) so interessant wie der Film.

Was ist los in Jerusalem?

Webinar Mittwoch, 5. Mai 2021 ( 2pm US Eastern time/9 pm IDT)

Geht es „nur“ um den Charakter des Damaskustores oder um mehr?

On the panel will be

Zur Anmeldung

 

Böll Podcast: Israel 2021

Wahlen in Israel 2021 | Böll.Fokus

Es war die vierte Wahl in zwei Jahren und auch sie hat keine Klarheit gebracht: Israel steckt in der politischen Krise. Wie geht es weiter im Land – mit oder ohne Netanjahu? Und welche Rollen spielen dabei die arabisch-palästinensischen Parteien? Es ist ein Novum und ein Meilenstein in der Geschichte Israels: bei dieser Wahl wurde erstmal eine arabische Partei von Premierminister Netanjahu umworben, denn sie könnte ihm helfen an der Macht zu bleiben. Ein Podcast über die schwierige Frage welche Perspektiven es für die jüdische-arabische Zusammenarbeit gibt.

Tom Segev im Webinar nachhören

Tom Segev spricht über David Ben Gurion und dessen Vorstellungen von Zionismus, Politik und Staatsgründung Israels. Im Webinar, das am Center für Israel Studies an der University of California aufgezeichnet wurde, gibt Segev im Gespräch mit dem Israelwissenschaftler Dov Waxmann aufschlußreiche Gedanken aus seinem Buch zur Rolle des ersten Ministerpräsidenten und Ma’arach-Politikers wieder.

Tom Segev: A State At Any Cost. The Life and Legacy of David Ben-Gurion

WEBINAR RECORDING, Younes and Soraya Nazarian Center for Israel Studies, University of California, Los Angeles