Buber digital

Langzeitvorhaben der Akademie der Wissenschaften und der Literatur | Mainz

Programm für die nächsten 24 Jahre hat begonnen

Mit ›Buber-Korrespondenzen Digital‹ wurde der Akademie der Wissenschaften und der Literatur / Mainz ein Langzeitvorhaben im Rahmen des gemeinsam von Bund und Ländern geförderten Akademienprogramms bewilligt.

Buber-Korrespondenzen Digital:
Das Dialogische Prinzip in Martin Bubers Gelehrten- und Intellektuellennetzwerken im 20. Jahrhundert (BKD)

Gegenstand des Vorhabens ist die Erstellung einer digitalen (teil)kommentierten Edition der Korrespondenzen von Martin Buber (1878-1965), der zu den bedeutendsten und einflussreichsten Denkern der jüngeren deutsch-jüdischen Kultur- und Geisteswelt gehört. Seine Korrespondenzen, die ein dichtes Gelehrten- und ­Intellektuellen­netzwerk bilden, sind von der Forschung zum größten Teil unbearbeitet. Zu den Briefpartnern zählten Vertreter der Philosophie wie der Literatur, Theologie und Religionswissenschaft oder der Kunst: u.a. Lou Andreas-Salomé, Leo Baeck, Rudolf Borchardt, Max Brod, Albert Einstein, Theodor Herzl, Hermann Hesse, Else Lasker-Schüler, Franz Rosenzweig, Gershom Scholem und Karl Wolfskehl, um nur einige Namen zu nennen. Nach dem Abschluss der Buber-Werkausgabe wird die Edition der Korrespondenzen neue Erkenntnisse über die von Bubers Denken ausgehenden Impulse bis in die Diskurse der Gegenwart hinein liefern.

Martin Buber (und Erich Wolfgang Korngold – zu ihm wurde der Akademie ebenfalls ein Langzeitprojekt genehmigt) – © Wikimedia Common (Buber), Schott Music (Korngold)s

Der überwiegende Teil der rund 40.000 Briefe liegt im Jerusalemer Nachlass von Martin Buber in der National Library of Israel (NLI). Die digitale Edition ist zugleich ein Baustein in der internationalen Forschung zur deutsch-jüdischen Geistes-, Kultur- und Intellektuellengeschichte, der programmatisch für eine Internationalisierung in den Digitalen Geisteswissenschaften in diesem Forschungsfeld steht und auf eine intensive Zusammenarbeit mit Forscherinnen und Forschern vor allem in Israel und in den USA zielt. In diesem und anderen Briefnachlässen wird das Erbe einer durch den Nationalsozialismus und die Shoah zerstörten und teilweise ins Exil geretteten deutsch-jüdischen Kultur, Geisteswelt und Beziehungsgeschichte erschlossen und bewahrt. Die im Jerusalemer Nachlass und in anderen Archiven in Europa, Israel und den USA aufbewahrten Briefwechsel werden als historisch-kritische Open Source Edition einschließlich einer digitalen Netzwerkanalyse verfügbar gemacht. Die Gesamterschließung sieht zunächst die Faksimilierung der Briefe und deren Erschließung durch Metadaten und ggf. Briefregesten vor. In einer zweiten Stufe werden ausgewählte Quellen transkribiert und mit einem historisch-kritischen Kommentar versehen.

Das Projekt ist auf eine Gesamtdauer von 24 Jahren ausgerichtet und hat ein Fördervolumen von 383.000 € pro Jahr, mit Arbeitsstellen an der Goethe-Universität Frankfurt am Main und der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Die Projektleitung liegt bei Prof. Dr. Christian Wiese (Goethe-Universität Frankfurt) und Prof. Dr. Martin Leiner (Friedrich-Schiller-Universität Jena), in Kooperation mit Prof. Dr. Abigail Gillman (Boston University).

Abraham Joshua Heschel (1907-1972)

Jewish Lives | Podcast: Episode 27

Civil Rights leader. Anti-Vietnam War activist. Rabbi. How did Abraham Joshua Heschel, a Hasidic rabbi from Warsaw, become a progressive Jewish icon?

Join us as we explore why Heschel remains a symbol of the fight to make progressive Jewish values relevant in the secular world with Julian Zelizer, author of the new Jewish Lives biography Abraham Joshua Heschel: A Life of Radical Amazement.

Sag nicht, man:frau hätte es nicht wissen können

Spannende und hilfreiche Material- und Dokumentationsplattform
[Auch mit Verlinkungen zu deutschsprachigen Beiträgen]

https://i0.wp.com/newfascismsyllabus.com/wp-content/uploads/2017/09/logo.png

The #NewFascismSyllabus is a crowd-sourced collection of writings on the history of fascist, authoritarian, and populist movements and governments during the 20th and 21st centuries. It is intended to serve as a popular entryway into the scholarly literature for those seeking deeper insights into how past societies gravitated towards and experienced varieties of right-wing authoritarianism.

The goal is to provide comparative perspectives on how everyday people, as well as cultural authorities and civil institutions, coped with and in some cases resisted these changes. Rather than equating the history of fascism, authoritarianism, and populism across time, space, and place, the project’s primary objective is to showcase movements and popular struggles from a variety of contexts, and to highlight scholarly insights into current socio-political trends.

Das Institut in Riga. Die Geschichte eines NS-Arztes und seiner „Forschung“

Mittwoch, 24. November 2021, 20.00 Uhr im Buchhändlerkeller Berlin und live auf Youtube

Uta von Arnim liest aus ihrem Buch – Einführung: Nina Krause (Verlag Nagel & Kimche), Moderation: Dorothee Nolte

Uta von Arnim zeichnet das scharfkantige Bild eines NS-Arztes und seiner Familie, eines Arztes, der der Großvater der Autorin war. Aus der Spurensuche einer Enkelin, die auch selbst Ärztin ist, entsteht eine eindringliche Darstellung, ein Ausschnitt aus der Brutalität des nationalsozialistischen Regimes.

Herbert Bernsdorff leitet von 1941-1944 das Gesundheitswesen der besetzten baltischen Staaten und sorgt dafür, daß im gesamten Baltikum Gesundheitspolitik im Sinne der nationalsozialistischen Ideologie umgesetzt wurde. Im Kleistenhof, dem Gutshaus seiner Ehefrau Edda am Stadtrand von Riga, gründet er das „Forschungsinstitut“.

Deutsche Wissenschaftler und Laborantinnen arbeiten daran, Impfstoff gegen Fleckfieber herzustellen. Juden aus dem Rigaer Ghetto dienen als „Versuchskaninchen“. Zweimal täglich müssen sie mit ihrem Blut Tausende infizierte Läuse zu „füttern“, die ihnen in kleinen, unten offenen Schachteln für dreißig Minuten auf die Haut gebunden werden.

Aus Gesprächen und Interviews mit Familienmitgliedern, Photos, Archivrecherchen in Berlin und Riga, Zeitzeugenberichten und dem Studium historischer Fachliteratur werden die Geschehnisse rund um das Forschungsinstitut rekonstruiert. Zwischen die Schilderung der historischen Ereignisse setzt die Autorin subjektive Miniaturen.

Analoge Teilnahme nur mit bestätigter Anmeldung über ticket@buchhaendlerkeller-berlin.de es gilt die 2G-Regel (geimpft oder genesen).

Kostenlose Livestream-Übertragung über: https://youtu.be/e1NNjUZO6K8Bei der Teilnahme an der Übertragung bittet der Veranstalter um eine Spende auf das Konto BUCHHÄNDLERKELLER BERLIN E.V. IBAN DE63 1001 0010 0183 9411 00

Nachgang zum 9. November

Den Dingen den Namen geben

In seinem Beitrag „Don’t call it Kristallnacht“ zeigt der Historiker Adam J. Sacks, warum dieser von der Nazi-Propaganda geprägte Begriff für diesen ersten koordinierten antisemitischen Gewaltakt dem Ereignis nicht gerecht wird.

Vielmehr fügt sich die Bedrohung und Zerstörung von Leib und Leben der deutschen Juden, so zeigt Sacks, in die Reihe gezielter Kriegs- und Eroberungsvorbereitungen der Nazis und kulminierte schließlich in der Vernichtung der Juden Europas. 

The Wiener Holocaust Library – London

European Fascist Movements, 1918-1941

Ein spannendes Projekt, das auch manche Rückschlüsse auf aktuelle Entwicklungen zuläßt….

‘European Fascist Movements, 1918-1941’ is an AHRC-funded project that consolidates recent innovations in the study of right-wing extremism. It brings together an international team of specialists on fascist movements in interwar Europe to produce a collection of key resources for the teaching and research of fascist movements.

Ausstellungsankündigung der Wiener Holocaust Library | Ausstellungsseite

Auch – und nicht nur auch – ihre Stimme hören

Die Auseinandersetzung um Nemi El-Hassan

In einem langen Beitrag, der in Englisch auch auf der Seite des US-amerikanischen Forward zugänglich ist, äußert sich die deutsch-palästinensische Journalistin nun selbst [- und auch dieser Beitrag wird direkt wieder zum Anlaß „wütender“ Polemiken].

„Die Reaktion des WDR zeigt exemplarisch, dass es schlecht steht um die vielfach gerühmte Debattenkultur in diesem Land. Was ich dabei vermisse, ist Ehrlichkeit.“ – so El-Hassan.

Nicht nur dieser Fall zeigt, wieweit unser Weg in Deutschland noch ist, die unterschiedlichen Narrative aller, die dieses Land ausmachen, zu hören, zu würdigen und einen Weg zu finden diese Pluralität auszuhalten und dabei weiter zu versuchen, unserer geschichtlichen Verantwortung gerecht zu bleiben – diese Aufgabe war nie einfach, aber sie darf nicht in Frage stehen.

Von Jerusalem nach München…

Erinnerungen, Einschätzungen, Hoffnungen zur Geschichte, Gegenwart und Zukunft Israels und Palästinas

Judith Bernstein und Adrian Paukstat im Gespräch mit dem Dialoggruppen-Mitbegründer Fuad Hamdan und Dr. Jochim Varchmin

Veranstaltung im Rahmen der Münchner Friedenswochen | Montag, 15. November 2021 von 19:00 bis 22:00 Uhr

Neuer Raum:
Liberales Zentrum, Bichlerstr. 72 – ehemaliger Kiosk am stadteinwärts führenden Gleis. Die S7 braucht von München-Hbf. ca. 20 Minuten bis nach Solln. Abfahrt alle 20 Minuten z.B. 17:53, 18:13, 18:33 usw.

Saal der Münchner Aidshilfe, Rückgebäude, Lindwurmstraße 71.
U3 / U6 Goetheplatz – für die Veranstaltung gelten die 3G-Regel

Judith Bernstein und Adrian Paukstat von der Jüdisch-Palästinensischen Dialoggruppe berichten an diesem Abend über ihre persönlichen Erfahrungen und politischen Einschätzungen zur Situation in Israel und Palästina, sowie den Stand der politischen Kämpfe für Frieden und Gleichheit sowohl in Deutschland als auch vor Ort. – Im Rahmen eines öffentlichen Interviews werden dabei sowohl politische als auch persönlich-biographische Themen angeschnitten.

Judith Bernstein ist als Tochter von Überlebenden der Shoah in Jerusalem geboren und aufgewachsen und später nach Deutschland emigriert. Seit vielen Jahren setzt sie sich für Frieden zwischen Palästina und Israel ein.
Adrian Paukstat ist deutscher Politikwissenschaftler, hat in Jerusalem gelebt, gearbeitet und geforscht und war dort in lokalen Friedensinitiativen aktiv.
Dr. Joachim Varchim ist ebenfalls Mitglied der Jüdisch-Palästinensischen Dialoggruppe München.
Fuad Hamdan, geboren im Flüchtlingslager Qualandia, gründete 1985 die Jüdisch-Palästinensische Dialoggruppe.

Ein digitales Denkmal für Häftlinge des Konzentrationslagers Dachau soll entstehen

Leuphana-Studierende veranstalten Gedenkwoche


Der Arbeitskreis Campusgeschichte des Allgemeinen Studierendenausschusses (AStA) der Leuphana Universität Lüneburg veranstaltet vom 8. bis 13. November eine Gedenkwoche unter der Überschrift „Aufbruch der Campusgeschichte in eine Erinnerungskultur“.

Studierende und Öffentlichkeit sollen mit der Veranstaltung die Gelegenheit erhalten, sich über die Verbrechen während der Zeit des Nationalsozialismus zu informieren und der Opfer zu gedenken. Im Zentrum steht eine Veranstaltung am 9. November. Geplant ist dann eine europaweite Aktion an Hochschulen mit der ein digitales Denkmal für Häftlinge des Konzentrationslagers Dachau entstehen soll.

Durch das Erfassen von rund 400 Häftlingsnamen erinnern die Teilnehmenden aktiv an die Ereignisse am 9. November 1938 und besonders an die Verschleppung von bis zu 30.000 Juden in Konzentrationslager. Sie werden dabei mit dem sprunghaften Anstieg der Häftlinge im Konzentrationslager Dachau konfrontiert. Der „Haftgrund“ lautet stets: „Schutzhaft Jude“. Die Originaldokumente machen deutlich, wie aus Ausgrenzung offene Gewalt wurde.

Außerdem ist die Ausstellung #stolenmemory auf dem Campus vor der Mensa zu finden. Diese Multimediaausstellung wurde letztes Jahr mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet und richtet sich vor allem an Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene.

Weitere Informationen und Kontakt:

Eine nähere Erläuterung des Vorgehens finden Sie hier: https://enc.arolsen-archives.org/ueber-everynamecounts/behindthescenes

Zwischen Kritik und Dämonisierung

Claus Leggewie über das neue Buch von Micha Brumlik

Micha Brumliks akribische Aufarbeitung der Causa Achille Mbembe und der damit verbundenen Antisemitismus-Vorwürfe.

„Die brüske Ausladung von Achille Mbembe durch die Ruhrtriennale 2020, zu welcher der aus Kamerun stammende, in Südafrika lebende und an vielen Orten des globalen Nordens lehrende Politologe den Eröffnungsvortrag beisteuern sollte, hat gewaltige Wellen geschlagen und eine bis heute dauernde Debatte über das historische und strukturelle Verhältnis von Kolonialismus (darunter subsummiert der Zionismus) zum Holocaust geführt. Die Begründung für die Ausladung waren Aussagen Mbembes, die als Relativierung des Holocausts zu verstehen waren, vor allem seine Übereinstimmung mit der palästinensischen BDS-Bewegung, die sich ihren Initialen entsprechend für den Boykott von Waren und Dienstleistungen israelischer Provenienz, für den Abzug von Investitionen und Sanktionen gegen den Staat Israel einsetzt. …“

Frankfurter Rundschau, 18. Oktober 2021

Das Buch:

Micha Brumlik: Postkolonialer Antisemitismus? Hamburg (VSA-Verlag) 2021. 160 Seiten – 14,80 € (978-3-96488-112-0) – Mit Leseprobe