Schwarze Sonne

Die mythologischen Hintergründe des Nationalsozialismus

DVD von Absolut Medien (mit weiteren Informationen) – Trailer

Die mythologischen Hintergründe des Nationalsozialismus und der Einfluß von esoterischen Weltbildern und Mythen auf die Ideologie des »Dritten Reiches«

Digitale Restaurierung: Stiftung Deutsche Kinemathek, Maxi Zimmermann, Martin Körber

Ein ungeschriebenes Kapitel in der Geschichte des »Dritten Reiches«: In einem der Kulträume der ehemaligen SS-Ordenszentrale Wewelsburg ist es zu finden: ein Runenzeichen, das von der rechten Szene als »Schwarze Sonne« verklärt wird und für Himmlers Todesbrigaden vermutlich ein mystisches Symbol für Wiedergeburt und geistige Erweckung nordischen Geistes war. In diesen Räumen sollten Rituale und Kultfeiern stattfinden, in denen man die Erhabenheit des »arischen Lichtes« gegen die »jüdisch-bolschewistische Finsternis« beschwor. Mythenforschung, Sakralarchitektur, Lichtdome, Fackelzüge und Symbolik des Dritten Reiches galten nicht nur der Propaganda, sondern vor allem der suggestiven Vertiefung dieses fast religiösen Missionsgedankens.

Der Film ist eine chronologische Reise zu den Ursprüngen der Nazi-Ideologie und sucht zahlreiche »Kultorte« auf. Z.T. noch nie gezeigtes Bild- und Archivmaterial beleuchtet die Verflechtung von nordisch Verbrämtem, Mythologie und Rassismus. Fachleute und Zeitzeugen ergänzen diese visuelle Reise in den bizarrsten Untergrund abendländischer Geschichte.

Es gibt keine einfachen Antworten

Weder Projektionen, noch das Verschließen der Augen, noch schräge Einseitigkeiten bringen uns zurück in einen Stand „davor“ – der Zivilsationsbruch unserer Geschichte bleibt eine Wunde, die es immer wieder und immer wieder neu anzugehen gilt – ohne je die eine Antwort zu finden …:

Heiner Roetz, seines Zeichens emeritierter Professor der Sinologie und in den 1970er Jahren in der „Frankfurter Szene“ akitv, lädt in beeindruckender Weise zu einer solchen Reflektion in einem Beitrag in der Frankfurter Rundschau ein:
Nach dem Holocaust: Die Last den anderen aufbürden. Die deutsch-israelische Freundschaft ist angespannt. Die unappetlichen Seiten der deutschen Solidarität mit Israel

Rechtsextremismus nach 1945

Tagung des Archivs für Sozialgeschichte / Friedrich Ebert-Stiftung | 29.09.2022 – 30.09.2022

In der Diskussion um rechtspopulistische und rechtsextreme Politik und Aktivitäten wird die historische Kontinuität rechtsextremen Denkens und Handelns wenig thematisiert. Das rechtsextreme Milieu wird häufig als etwas Fremdes und außerhalb der Gesellschaft und ihrer grundlegenden politischen Kultur Stehendes verstanden. Noch augenfälliger galt dies für die DDR, die aus dem Antifaschismus ihre politische Legitimation bezog. Zugleich zeigt sich in den aktuellen Wahlkämpfen in Europa immer deutlicher, dass es ein erhebliches Stimmenreservoir für rechtsextreme, nationalistische Parteien gibt. Diese oft populistischen Bewegungen lediglich als „Betriebsunfälle“ zu interpretieren, verkennt die vielfältigen historischen Kontinuitäten im rechtsextremen Milieu ebenso wie soziale Brüche und ideologische Neuausrichtungen.

Eine Gesellschaftsgeschichte des Rechtsextremismus zu entwerfen, mit einem vergleichenden Blick auf Entwicklungen in Europa, ist daher ein lohnender Ansatz, um diese politische Bewegung stärker zu kontextualisieren und vor allem zu historisieren. Eine solcher Ansatz fragt nicht nur nach den Entwicklungen und Hintergründen des politisch marginalisierten rechtsextremen Milieus, sondern auch nach tieferliegenden Einstellungen und vor allem nach gesellschaftlichen Bedeutungen und Funktionen des Rechtsextremismus. Dabei wird auch erkennbar, dass bereits der Begriff viele unterschiedliche Aufladungen hatte. War Rechtsextremismus in den 1950er-Jahren das Gleiche wie heute? Wer entwarf Zuschreibungen, wie wurden Kategorien und Kriterien definiert? In welchem Verhältnis standen Fremd- und Selbstzuschreibungen? Nicht zuletzt ist an dieser Stelle auch zu analysieren, welche Rolle Beobachter politischer Bewegungen für die Begriffsverständnisse spielten.

Hinsichtlich der gesellschaftlichen Auseinandersetzungen mit Rechtsextremismus sind staatlich-institutionelle und politische Ausführungs- und Entscheidungsgruppen ebenso bedeutsam wie zivilgesellschaftliche Akteure, Gruppen ehemals Verfolgter oder von rassistischer Gewalt und Diskriminierung Betroffener. Wer beteiligte sich am gesellschaftlichen Diskurs über Rechtsextremismus, welchen Deutungen dominierten und welche wurden ausgegrenzt? Welche Funktionen nahm der Rechtsextremismus im politischen Selbstverständigungsdiskurs Deutschlands ein – auch jenseits der deutsch-deutschen Auseinandersetzung? Wie wurde er beobachtet und eingeordnet? Dies ließe sich beispielsweise im Kontext von Wahlen näher analysieren, deren Ergebnisse auch die Konjunkturen der Beobachtung und Erforschung mitbestimmten. Hier sind vielfache Verschiebungen und Erweiterungen im historischen Verlauf zu beobachten. Zudem internationalisierten sich Rechtsextremismus und Rechtspopulismus nach 1945 und vernetzten sich überdies transnational.

Ausgehend von diesen Fragen will die Redaktion des Archivs für Sozialgeschichte gemeinsam mit den Autorinnen und Autoren zentrale Dimensionen des Themas ermitteln und konzeptionelle Überlegungen für den geplanten Band und die einzelnen Beiträge entwickeln. Weitere Teilnahmen sind daher nur im Einzelfall nach vorheriger Anmeldung möglich.

Programm – Anmedlung bis 23. September 2022

Festakt Gedenkveranstaltung 70 Jahre Luxemburger Abkommen

15. September 2022 | Im Jüdischen Museum Berlin sprach aus diesem Anlaß der Bundeskanzler

Bundeskanzler Olaf Scholz hat dabei Shoa-Überlebenden weitere Unterstützung versprochen. Es sei der Bundesrepublik heute und in Zukunft ein Anliegen, Entschädigungszahlungen sicherzustellen, damit sie den Lebensabend in Würde verbringen könnten, sagte Scholz. Dies gelte auch für Fürsorgeleistungen, sagte Scholz in seiner Ansprache bei der Veranstaltung zur Würdigung des vor 70 Jahren unterzeichneten ‚Luxemburger Abkommens‘ im Jüdischen Museum Berlin.

Scholz bezeichnete den Vertrag mit Israel und der ‚Jewish Claims Conference‘, mit dem sich Deutschland 1952 zu Entschädigungszahlungen verpflichtet hatte, als »zweiten Gründungsakt der Bundesrepublik«.

Der Akt habe die schwere Schuld, die Deutschland durch die Verfolgung und kaltblütige Ermordung der Juden auf sich geladen habe, nicht abtragen können. Es sei aber der Versuch gewesen, Verantwortung zu übernehmen, sagte der Kanzler. (Download der Rede des Kanzlers)

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Screenshot: Bundestag.de

Bericht im Deutschlandfunk

Siehe dazu auch die aktuelle Ausstellung vom 7. September 2022 bis zum 5. Oktober 2022

Die Ausstellung kann nach vorheriger Anmeldung montags bis freitags in der Zeit von 9 bis 17 Uhr im Paul-Löbe-Haus, Eingang West, Konrad-Adenauer-Straße 1, 10557 Berlin-Mitte, besucht werden.
https://www.bundestag.de/ausstellung-luxemburger-abkommen

Albert Einstein, Hans Kaufmann und der Zionismus

Am 12. September 2022 veranstaltet das Jüdische Museum, Berlin ein Symposium

Der Hintergrund ist ein Brief, den Albert Einstein am 12. September 1942, mitten im Zweiten Welt­krieg, ver­faßte. Er war eine Antwort an den 19jährigen deutsch-jüdischen Flücht­ling Hans Kauf­mann in Santiago de Chile, in dem er seinen großen Zweifel an der Schaffung einer zen­tralen Instanz zur Wahrung der jüdischen Interessen äußert.

Der Brief war eine Ant­wort auf ein Schreiben des jungen Mannes, in dem dieser Ein­stein gebeten hatte, an der Spitze einer jüdischen Orga­nisation zu stehen, welche die Belange der Juden, ihre Würde und das Projekt einer nationalen Heim­stätte in Palästina ver­teidigen würde.

An­läßlich der Schenkung dieses bedeutenden Briefs aus der Feder des welt­berühmten Nobel­preis­trägers, ver­anstaltet das Archiv des Jüdischen Museums Berlin ein Sym­posium, das sich Themen widmet, die im Kontext der Briefe von Hans Kaufmann und Albert Einstein stehen: der Geschichte der Familie Kauf­mann, der deutsch-jüdischen Emi­gration nach Chile während der NS-Zeit, Albert Einsteins Stellung zum jüdischen nationalen Pro­jekt und der Lage des Zio­nismus im Jahr 1942.

Erinnern und das Erinnern an das Erinnern

So unterschiedlich in „West“ und „Ost“ an die sog. „Rote Kapelle“ erinnert wurde – und wie ihrer heute gedacht wird – ein Spiegelbild deutscher Debatten …

In der Berliner Zeitung setzt sich Maritta Adam-Tkalec damit – durchaus kontrovers – auseinander:

Im Osten benutzt, im Westen gehasst: Die wahre Geschichte der Roten Kapelle

22. August 1992: Eine der schwärzesten Stunden deutscher Geschichte nach 1945

Unser Versagen in Rostock-Lichtenhagen

Die Installationen des Künstlerkollektivs Schaumhttp://www.rostock-lichtenhagen-1992.de/

DIe Berichte des NDR zu den Ereignissem 22.-26. August 1992

16670 – Eine Ergänzung

Erinnerung, Wahrheit und Versuchung

schreibt am gleichen Tag dieses Blogeintrags (aber erst heute, am 20. August wahrgenommen) auf der Onlineplattform Die Eule einen Beitrag über die Predigt – oder genauer das Beschweigen – des Bamberger Erzbischofs Schick bei einer Meßfeier im Zusammenhang einer Veranstaltung der deutsch-polnischen Kolbe-Stiftung in Oświęcim/Auschwitz:

„Schmälert Kolbes polnisch-katholischer Antisemitismus sein Opfer in Auschwitz? Dort wurde er am 14. August 1941 ermordet, weil er sich „gegen einen polnischen Mithäftling und Familienvater austauschen“ ließ, der aus „Vergeltung“ von den Deutschen ermordet werden sollte. Diese Heldentat steht zu Recht im Zentrum der Kolbe-Verehrung.
Doch muss das nicht bedeuten, Kolbes sicher zeittypischen Antisemitismus zu verschweigen. In seiner Ansprache zum heutigen Gedenken in Auschwitz aber hat Erzbischof Schick genau das getan.“

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Am 14. August 1941 stirbt im Hungerbunker des KZ Auschwitz P. Maximilian Kolbe OFMConv, Häftlingsnummer 16670, nachdem er bei einer Strafaktion für Franciszek Gajowniczek in den Todesbunker gegangen war.

Heiliggesprochen in der kath. Kirche für sein Martyrium, bleibt sein Leben schillernd und durchaus umstritten: trotz einer tradtionellen, stark antijüdischen Theologie, gewährt er ab 1939 Juden und Jüdinnen Asyl vor der Naziverfolgung …

Hier das Kalenderblatt des WDR (aus 2016)

Wenn es nur dumm wäre …

Ein Kommentar

Da kommt der Präsident Palästinas nach Berlin. Präsident eines Staates in ein Land, das seinen Staat nicht kennt, aber einer der wichtigsten Geldgeber seiner Behörde ist … in das Land, dessen Geschichte und Verbrechen zutiefst auch mit dem Schicksal seines eigenen Volkes verwoben ist. Er trifft den Kanzler, ohne Zweifel kein Freund seines Landes, hat Gelegenheit für die Sicht der palästinensischen Seite zu werben.

Am nächsten Tag spätestens muß man:frau sich fragen, wer (ihn bei) dieser Reise beraten hat.

Es gibt genug an der Politik Israels zu kritisieren, aus der Sicht der Palästinenser allemal. Aber was am Ende bleibt ist eine unsägliche Wortwahl, ein Vergleich, der überall in der Welt fehl am Platz wäre, hier, einen Kilometer Luftlinie vom Sitz Adolf Eichmann, schrillt er umso mehr.

Die offizielle Erklärung, nachgeschoben über die staatliche palästinensische Agentur Wafa. „The Holocaust is the most heinous crime in modern human history” – dieser Satz wäre in der Pressekonferenz die Antwort eines Staatsmannes gewesen, eines Menschen, (ja auch eines Palästinensers) …

Er hat seiner Sache keinen Dienst erwiesen, er hat den Palästinenser:innen in diesem Land keinen Dienst erwiesen und er hat dafür gesorgt, daß über diese Pressekonferenz und über das unsägliche Schweigen von Beteiligten gesprochen wird, nicht aber über Schritte zu einer anderen Politik, auch Deutschlands.

Wenn es nur eine verpaßte Chance wäre, ja, wenn es nur dumm gewesen wäre …

Internationalismus aus Kreuzberg

Manchem mag die Sprache gewöhnungsbedürftig sein, anderen aus der Zeit gefallen, wieder anderen im wahrsten Sinne fort-schriftlich…. Kreuzberg United hat auf seine Hompage einen Reisebericht zu einer Delegation gestellt, die zu dem zum 27. Mal stattgefundenen “Farkha-Festival” (der Palestinian Peoples Party (PPP)) nach Palästina geführt hat… (… einiges dazu ging ja schon durch die Medienlandschaft): Jedenfalls interessant zu lesen:

Yallah, Shabab – Bericht einer Delegationsreise nach Palästina.