diAk-Zoom-Gespräch mit Micha Brumlik

Die Jerusalemer Erklärung – Ein Gespräch mit Micha Brumlik

Wir setzten am 1. Juni 2021 | 18.30 Uhr – unsere Zoom-Reihe in einer virtuellen Begegnung mit Micha Brumlik fort.

Anmeldung bitte an online@diak.org, wir verschicken dann eine Mail mit der Zoom-Einladung.


Die Jerusalemer Erklärung – Ein Gespräch mit Micha Brumlik

Die hoch emotionale Reaktion in Deutschland auf den wieder aufgeflammten Krieg im Nahen Osten zeigt erneut die enge Verbindung zwischen der deutschen Identität und dem Verhältnis zu Israel. Im Kampf gegen den Antisemitismus ist nichts so umstritten wie die Beurteilung der israelischen Politik. Von uneingeschränkter Solidarität zu Israel bis zu bösartigen antisemitischen Ressentiments reicht das Spektrum auf deutschen Straßen.

Um mehr Klarheit bemühte sich vor einiger Zeit eine Gruppe internationaler WissenschaftlerInnen aus verschiedenen Bereichen der Antisemitismusforschung sowie VertreterInnen der Zivilgesellschaft. Angesichts der Wiedererstarken des Antisemitismus in Deutschland und international legen sie eine anwendbare und historisch fundierte Kerndefinition mit einer Reihe von Leitlinien für die Benutzung vor. Ihre Initiative erhielt ihre Impulse auch aus einer Kritik an der von der International Holocaust Remembrance Association (IHRA) formulierten Definition, der sie eine zu große Konzentration auf und zu wenig Klarheit über den Aspekt der Israelkritik vorwerfen.

Die Jerusalemer Erklärung, nach ihrem mit großer Symbolik aufgeladenen Entstehungsort benannt, stieß auf ein gemischtes Echo. Ihre Kritiker werfen den AutorInnen und UnterzeichnerInnen vor, Antisemitismus auf eine Kategorie des Rassismus zu reduzieren und seine kulturelle Konstante und besondere Ausprägung zu übersehen.  Politisch wird mit einer Verharmlosung der Boykottbewegung gegen Israel argumentiert.

Wir freuen uns, daß der bekannte Publizist Micha Brumlik, emeritierter Professor am Institut für Allgemeine Erziehungswissenschaft der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt a. M. und Mitautor der Erklärung, sich bereit erklärt im Rahmen unserer online-Veranstaltungen zu einem Vortrag und anschließendem Gespräch zur Verfügung zu stehen.

Noch einmal zur UNRWA

In der Tageszeitung Die Welt hat sich der Leiter der UNRWA-Vertretung in Brüssel, Matthias Burchard, mit einem Meinungsartikel selbst zu Wort gemeldet und geht auf die Vorwürfe gegenüber seiner Organisation ein.

In wessen Dienst steht die ‚Wahrheit‘?

Der israelisch-palästinensische Konflikt hat neben seiner physischen Dimension eine weitere, nicht weniger fatale: Immer wieder tauchten in den vergangenen Jahren offensichtliche Falschmeldungen und Lügen auf, die im Sinne des jeweiligen Narrativs vor allem eine emotionale Reaktion erzeugen sollen und damit die eigene Sache rechtfertigen wollen. Dieser Vorwurf gilt dabei sowohl israelischen Politker:innen als auch palästinensischen Aktivist:innen. Dazu ein Beitrag des ARD Faktenfinders:


Und danach?


Auch wenn die Waffenruhe zwischen Hamas und Israel zu halten scheint und die bürgerkriegsartigen Zustände in Israel schwächer werden, ist die Unsicherheit über die nahe Zukunft greifbar. Während die israelische Grenzpolizei mit ihrer „Law and Order“ Offensive versucht, Stärke zu zeigen, feiert die Hamas sich selbst als Siegerin der letzten Gewalteskalation und präsentiert sich als potenzielle Alternative zur schweigenden Fatah.

Die eigentlichen Opfer und Verlierer sind die zahlreichen Zivilisten, die unter dem Krieg und den Ausschreitungen leiden mußten, ohne eine Antwort auf die Frage nach dem danach zu haben: Karim el-Gawhary für die taz

Stimmen aus Ravensbrück

Lyrische und bildnerische Zeugnisse aus dem Frauen-KZ Ravensbrück und dessen Außenlagern

Multimediales Erinnern – Ein Kunstprojekt von Pat Binder.

„Ravensbrück, 90 km nördlich von Berlin gelegen, war während der Nazi-Zeit das größte Konzentrationslager für Frauen auf deutschem Gebiet. Von 1939 bis 1945 inhaftierten die Nationalsozialisten dort etwa 120.000 Frauen aus über 30 Nationen – aus politischen und rassistischen Gründen. Ihre menschenfeindliche Ideologie ging mit brutaler Ausgrenzung einher und schreckte auch vor Mord nicht zurück. Eine unfaßbare Zahl der Frauen und Mädchen aus Ravensbrück und seinen Außenlagern wurde hingerichtet oder starb an Hunger, Krankheiten, Erschöpfung durch Schwerstarbeit oder an den Folgen medizinischer Experimente.“

Auch in einer englischen Version einsehbar.

Noam Chomsky im Interview

"Der amerikanische Linguist Noam Chomsky gilt nicht nur als einer der
weltweit bekanntesten Intellektuellen der Gegenwart, sondern ist auch für
seine differenziert kritische Haltung zur Politik des Staates Israel
bekannt. Emran Feroz hatte die Gelegenheit, mit Chomsky ein
Exklusivinterview für die NachDenkSeiten zu führen – ein Gespräch zu den
aktuellen Entwicklungen in Nahost, den historischen Wurzeln des Konflikts
und eine Einordnung der jüngeren US-Nahost-Politik." (Aus der Einleitung der Nachdenkseiten)

Der Text als PDF: https://www.nachdenkseiten.de/?p=72775&pdf=72775

Hinter der Mauer …

und jenseits der Raketen – gibt es auch ein Gaza voller Menschen.

In der israelischen Tageszeitung Haaretz fragt Noa Landau danach, was von Gaza in Israel ankommt, wenn es keinen Raketenbeschuß gibt.

„This is exactly the problem: During the days when no missiles are being fired from Gaza, and specifically on Tel Aviv, the vast majority of Israelis, including the Zionist left such as [Labour head] Michaeli, is convinced that everything is wonderful. The Gazans may be very poor and frustrated, but that is only because of Hamas. After all, we left there during the disengagement, even Michaeli agrees, so what do they want?
…

What exactly is the basic humanitarian level? Did anyone provide details? Is food or the possibility of transferring the sick not included in this category? In spite of statements by the defense establishment Monday morning, made after international pressure, that Israel would allow the movement of UN medical equipment and entry of aid workers and journalists, as of this article’s writing organizations such as Physicians for Human Rights were still forbidden to bring medical equipment into Gaza.

The declarations and briefings are clear: Israel has decided, once again, to apply collective punishment to Gaza. This is in response to a campaign of the families of the fallen and missing. As of now, it is not clear what exactly can enter under our grace and what can’t. Once again two million people are captives. And when the situation blows up again, Michaeli, along with the rest of Israelis, will raise an eyebrow and say: But Israel is no longer there.“

Hier der Link zu dem lesenswerten Beitrag.

Wir lassen uns nicht trennen – ein offener Brief

Ein offener Brief jüdischer und muslimischer Initiativen 20. Mai 2021

-> Diesen wichtigen Text gibt es auch als PDF: Wir_lassen_uns_nicht_trennen_- Ein_offener_Brief <-

Wir als jüdische, muslimische, jüdisch-muslimische Organisationen, Initiativen und Bündnisse, sowie Einrichtungen, die Räume für jüdisch-muslimische Begegnung geschaffen haben, schreiben diesen Offenen Brief, weil wir nicht hinnehmen, dass der Konflikt im Nahen Osten unser Zusammenleben und unsere politische und kulturelle Arbeit in Deutschland zerstört.

Wir haben in den letzten Jahren, unter schwierigen Bedingungen und in komplexen Prozessen, vielfältige Allianzen, Bündnisse und Netzwerke zwischen jüdischen und muslimischen Organisationen, Communities und Individuen aufgebaut, die wir gegen eine neue Welle des Hasses und der Propaganda verteidigen wollen. Denn, wann immer der Nahost-Konflikt hier ausgetragen wird, leiden auch wir darunter!


Deswegen wollen wir zwei Dinge festhalten:

1.) Wir verurteilen Antisemitismus und anti-muslimischen Rassismus
Wir verurteilen jede Art von Antisemitismus und anti-muslimischen Rassismus, sowie jede Form von Gewalt und Hass, wie etwa die jüngsten Angriffe auf Synagogen in Bonn oder in Gelsenkirchen. Wir verwahren uns dagegen, dass Jüd:innen und Muslim:innen hierzulande für die Geschehnisse im Nahen Osten verantwortlich gemacht werden, sei es durch physische Gewalt oder durch entsprechende Darstellungen in den sozialen Medien. Diese Zuschreibung ist Ausdruck von Antisemitismus und anti-muslimischem Rassismus, die Gegenwart und Zukunft unseres Miteinanders hierzulande gefährden. Genau dagegen richtet sich unsere vielfältige Arbeit seit vielen Jahren.

Jüdisch-muslimische Beziehungen sind alles andere als selbstverständlich. Wir haben viel investiert um gegenseitiges Vertrauen aufzubauen, um dadurch auch vor Fragen nicht zurückzuschrecken, die uns gegenseitig irritieren und
befremden. Diese Fragen sind mit komplexen historischen Dynamiken verwoben, die Leid und Traumata beinhalten. Wir haben gelernt, Differenzen auszuhalten, auch wenn dies nicht immer leichtfällt. Wir haben auch viele Gemeinsamkeiten entdeckt und Ziele formuliert, wie wir als Jüd:innen und Muslim:innen in Deutschland miteinander leben wollen und können, und was wir im Zusammenleben auch von der Mehrheitsgesellschaft erwarten. Deshalb lassen wir unsere jüdisch-muslimischen Freundschaften, Bündnisse und Allianzen weder für politische Zwecke instrumentalisieren noch auf den Nahost-Konflikt reduzieren.


2.) Es muss Raum für unterschiedliche Haltungen zum Nahost-Konflikt geben

Der Nahost-Konflikt ist ein “Hot Button Issue” jüdisch-muslimischer Beziehungen – dessen sind wir uns bewusst. Dass unterschiedliche Haltungen zum Nahost-Konflikt bestehen, ist nachvollziehbar. Unsere jeweiligen Perspektiven sind von unterschiedlichen Sozialisationen, Erfahrungen, Wissensbeständen, und Emotionen bestimmt. Dafür muss es in einer offenen, pluralistischen und demokratischen Gesellschaft Raum geben. Mit diesen Differenzen müssen und können wir leben, denn sie bestehen nicht nur zwischen Jüd:innen und Muslim:innen, sondern auch innerhalb verschiedener Gruppen.

Wir stellen aber auch fest, dass der Nahost-Konflikt nicht der Regelfall jüdisch-muslimischer Beziehungen ist; er ist keine Notwendigkeit des Muslimisch- oder Jüdischseins, sondern eine spezifische Situation, zu der jede und jeder sich verantwortungsvoll verhalten kann. Wir gehen zudem davon aus, dass der Nahost-Konflikt kein zwingendes Thema jüdisch-muslimischer Beziehungen und Gespräche sein muss. Unsere Arbeit ist von einer Fülle an unterschiedlichsten Themen geprägt, das soll auch so bleiben. Wir lassen unsere Arbeit nicht auf die Nahost-Thematik reduzieren.

#wirlassenunsnichttrennen

#wirstehenfüreinanderein

#wirbleibenimgespräch

Unterzeichnende Organisationen:


Jüdisch-muslimischer Stammtisch München
Prof. Dr. Bekim Agai – Direktor der AIWG
Heidelberger Bündnis für jüdisch-muslimische Beziehungen
Jüdisch-Muslimischer Gesprächskreis der W. Michael Blumenthal-Akademie des Jüdischen Museums Berlin
Institut für Deintegration

UNRWA zur aktuellen Lage

UNRWA Generalkommissar Philippe Lazzarini in der BLICK Print und Online Ausgabe vom 22. Mai 2021

Wir fügen dem Hinweis auf diese Schweizer Veröffentlichung noch einige Zeilen des UNRWA-Vertreters in Brüssel hinzu:

UNRWA verurteilt aufs schärfste unbegründeten Vorwürfe und haltlosen Unterstellungen gegen seine Neutralität und seine Mitarbeiter. Unsere lokalen Mitarbeiter in Gaza, aber auch im Libanon und Syrien, riskieren Ihr Leben um humanitäre Hilfe der notleidenden Bevölkerung zu bringen, und dies in Zeiten einer Corona Pandemie.

Als eine VN Organisation, die humanitäre Hilfe leistet, ist Neutralität ein entscheidender Aspekt unserer Mission, da sie unsere Basis ist, die seit 70 Jahren sichere Operationen im Libanon, in Syrien, Jordanien, im Westjordanland, einschließlich Ost-Jerusalem und im Gazastreifen ermöglicht.  Wir haben rigorose Verfahren und einen starker rechtlichen Rahmen, der die Neutralität gegenüber dem Personal, Dritten, der Nutzung der Einrichtungen und der Bereitstellung von Hilfe für die Begünstigten gewährleistet. Neutralität ist für uns lebenswichtig.

Neutralität bei UNRWA bedeutet, dass es Einschränkungen für die Bereitstellung von Hilfe für alle Personen gibt, die auf der konsolidierten Liste des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen aufgeführt sind. Regelmäßige Überprüfungen der Namen aller UNRWA-Mitarbeiter, registrierter Palästina-Flüchtlinge, Empfänger von Mikrokrediten, Lieferanten und anderen Zahlungsempfängern werden anhand der konsolidierten Liste des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen durchgeführt. Wir haben eine vertrauliche Zusammenarbeit mit all unseren Gastländern, wie auch mit Israel, welches unsere täglich Arbeit unterstützt.

Unsere Gastländer, wie auch Israel, sind für die Sicherheit unserer Arbeit mitverantwortlich und wissen genau wer für UNRWA arbeitet. Bis Ende 2018 unterzog die USA die UNRWA einer jährlichen anti-Terror Überprüfung – ein Standardverfahren für US-Auslandshilfe – welche UNRWA ohne Beanstandung absolviert hat. Dies wird nun, wo die USA als Geldgeber zurück gekehrt sind auch wieder der Fall sein.

Mit besten Grüßen und Frohe Pfingsten!
Matthias Burchard | director – unrwa representative office to the european union

Auch in Deutschland …

Auch in Deutschland fand der ‚Krieg im Nahen Osten‘ statt. Er wurde und wird geführt zwischen den Verteidigern unhinterfragbarer Solidarität mit Israel und den ‚Befreiern Palästinas von der zionistischen Unterdrückung‘.

Differenzierungen sind nicht gefragt, es herrscht Haß, es wird mit Unterstellungen gearbeitet und die Gewißheit auf der richtigen Seite der Weltgeschichte zu stehen, wird mit Zähnen und Klauen verteidigt. Wieder gerieren sich die Deutschen als Friedensmacht und benutzen die Kriege und Krisen im Nahen Osten doch nur als Projektionsfläche für ihre eigenen, auch 75 Jahre nach Weltkrieg und Shoa nicht aufgelösten Identitätsprobleme.

Meron Mendel, Leiter des Anna-Frank-Zentrums in Frankfurt am Main stellt in seinem Beitrag für die FAZ diese Verbindung her zwischen diesen deutschen Befindlichkeiten und der hoch emotionalisierten Reaktion auf den erneuten Krieg in Israel und Palästina.