Israel – welche Utopie?

Im frei zugänglichen Teil der Blätter findet sich ein »Blätter«-Gespräch mit Omri Boehm, Shimon Stein und Moshe Zimmermann, moderiert von »Blätter«-Mitherausgeber Micha Brumlik. Die Unterhaltung der vier Männer gibt einen guten Überblick über die aktuelle Debatten und die Perspektiven – und auch über fehlende Perspektiven. Immerhin auch in dieser Situation wird (noch? / wieder?) nach Utopien gefragt…

Hier der Hinweis auf das ganze Märzheft 2021:

März 2021

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Alles beim Alten (?/!)

Die letzte große Umfrage zur Wahl in Israel am kommenden Dienstag, 23. März, verheißen eine Wiederholung der schon bekannten politischen Lage, ohne eindeutigen Sieger und viele mögliche Koalitionen. Grundsätzlich scheint aber auch bei der vierten Wahl in zwei Jahren zu gelten: Alles bleibt beim Alten, auf Kosten der Bevölkerung. Ist das nun Stillstand oder Fortschritt?

Eine jüdisch-arabische Normalisierung in Israel?

Anders als bei den letzten Wahlen treten die arabisch-israelischen Parteien nicht mehr geschlossen in einer gemeinsamen Liste an. Die Islamische Bewegung Ra´am hat sich abgespalten und signalisiert, daß sie gewillt ist, von einer grundsätzlichen Oppositionshaltung Abstand zu nehmen und auf zionistische Parteien aller Couleur zuzugehen. Das öffnet den Weg für jüdisch-arabische Koalitionen, wie sie bereits in den Kommunen seit einiger Zeit praktiziert werden. Inwieweit dieser politische Pragmatismus der Zusammenarbeit bereits die nationalen Wahlen und die danach folgenden Koalitionsverhandlungen beeinflussen wird, ist fraglich. Lidia Averbukh analysiert diese Entwicklung in diesem Beitrag für die SWP.    

Israel vor den Wahlen

Welche Koalitionen sind möglich? Welche wahrscheinlich?

Nicht nur die israelische Linke ist so weit reduziert, dass sie parlamentarisch am Abgrund steht, durch die Schwächung des zentristischen Bündnisses Blau-Weiß ist auch die Mitte zerbrochen. Netanyahu wird wiederum versuchen, mit allen Mitteln eine Koalition zustande zu bringen, die ihn vor weiteren gerichtlichen Verfahren bewahrt. Wie sich die einzelnen Fraktionen zu den entscheidenden Fragen wie die Bewältigung der Coronakrise, das Verhältnis zwischen Staat und Religion, die Behandlung des Konflikts und der Unabhängigkeit der Justiz, besonders des Obersten Gerichtshofs, verhalten werden, wird auch die Koalitionsbildung nach den Wahlen beeinflussen.

In seinem Kurzbeitrag über die vierte Wahl in Israel innerhalb von zwei Jahren stellt Peter Lintl drei der wahrscheinlichsten Szenarien vor.

Der Wahl-o-mat in Palästina

Das Jerusalem Media and Communications Center (JMCC), unterstützt von der Friedrich-Ebert-Stiftung, hat ein App entwicklelt: Busala.org – die das palästinensische politische Spektrum auf Übereinstimmungen mit den eigenen politischen Überzeugungen durchforstet … wer denkt bei uns da nicht an den Wahl-o-mat?.

Der Link zur englischen Seite von Busala und eine Bericht bei Arab News darüber. .

Einfach mal in die Ausstellung …

das geht ja gerade nicht, auch bei uns ja noch nicht so einfach.

Aber die palästinensische Kunstgalerie Al Ma’mal hat zu ihrer aktuellen Austellung in den Räumen am Jaffator den Katalog online gestellt. So läßt sich zumindest in Gedanken jetzt am Neutor oder am Jaffator in die Altstadt spazieren und das Blättern im Katalog läßt uns die nächste Reise antizipieren…

For its 5th edition, the Gift offers an approachable and accessible overview of Palestinian Contemporary art, through featuring 110 artworks by 37 Palestinian artists from across Palestine.  Drawn from various disciplines from painting, photography, drawing and sculpture, the selection of works reflects on everything art can offer even during such difficult times. The Gift is an attempt to encourage people and art enthusiasts to engage, view, enjoy and purchase art. 

Über die Vielfalt (jüdischer / der) Stimmen

Die Tageszeitung Junge Welt hat in der letzten Woche ein längeres Interview mit Wieland Hoban, seines Zeichens Komponist, Übersetzer und Vorstandsmitglied der Organisation »Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost« und deren Vertreter im Bündnis IJCJP (International Jewish Collective for Justice in Palestine, veröffentlicht, das unter dem Titel »Sie unterstellen auch jüdischen Menschen Antisemitismus« online nachzulesen ist.

Multidirektionales Erinnern

Micha Brumlik hat in der Frankfurter Rundschau die deutsche Übersetzung eines Buches des US-amerikanischen Historikers Michael Rothberg besprochen und dessen Ansatz außerordentlich gelobt.

Michael Rothberg:
Multidirektionale Erinnerung. Holocaustgedenken im Zeitalter der Dekolonisierung.
Aus dem Englischen von Max Henninger
Berlin (Metropol) 2021 – 404 S. – 26,00 €

Brumlik schreibt:

„Rothberg gelingt es, mit seinem Konzept einer „multidirectional memory“ (dt.: eines „multiperspektivischen Gedenkens“ ), der unseligen, allemal politisch instrumentalisierbaren Konkurrenz von Erinnerungen eine universalistische, allen Opfern zukommende anamnetische Solidarität entgegenzusetzen. Damit weist Rothberg einen konstruktiven Ausweg aus der oft behaupteten Unmöglichkeit, die Singularität des Holocaust zu anderen Menschheitsverbrechen in Verhältnis zu setzen.“

in memoriam Mordechai Bar-On (1928-2021) z”l

Am 8. März 2021 ist Mordechai Bar On gestorben. Er hatte zahlreiche Funktionen im israelischen Militär inne, bevor er einer der führenden Vertreter der Peace Now-Bewegung wurde und war von 1984-1986 Abgeordneter von Ratz, einer der Vorläuferparteien von Meretz. Von 1991-1995 war er Präsident des New Israel Fund. Er hat zahlreiche Bücher und Artikel geschrieben und in den letzten Jahren seines Lebens auch Belletristik. Ein großartiger Mensch, an den man sich hoffentlich noch lange erinnern wird. In den Bänden der Schriftenreihe des diAk finden sich von ihm:

Chancen für den Frieden. In: Hajo Funke/Christian Sterzing (Hgg.): Frieden Jetzt. Geschichte und Arbeit israelischer Friedengsruppen, Frankfur am Main (Haag + Herchen) 1989, S. 27-76. – Auch in: Jörn Böhme/Christian Sterzing (Hgg.): Friedenskräfte in Israel, Frankfurt am Main, (Haag+Herchen) 1992, S. 68-121.

Nachrufe: NIF Peace Now || Eigene Site

Immer mittwochs, 17.00 Uhr Jerusalemer Zeit:

Ein freies online Filmangebot im Stream des | Palestine Film Institute | – … denn Bilder prägen Erinnerung.

Palestine Film Platform is an initiative launched by Palestine Film Institute in collaboration with filmmakers from Palestine and Palestinian cultural institutions. The Platform will stream a Palestinian Feature Film every week for free. This platform is avaialble for any Palestinian filmmaker who wants to share her/his recent work. Please don’t hesitate to reach out to us through our contact page or at
info@palestinefilminstitute.org with any suggestions, ideas, and of course films.

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