Der israelisch-palästinensische Konflikt hat neben seiner physischen Dimension eine weitere, nicht weniger fatale: Immer wieder tauchten in den vergangenen Jahren offensichtliche Falschmeldungen und Lügen auf, die im Sinne des jeweiligen Narrativs vor allem eine emotionale Reaktion erzeugen sollen und damit die eigene Sache rechtfertigen wollen. Dieser Vorwurf gilt dabei sowohl israelischen Politker:innen als auch palästinensischen Aktivist:innen. Dazu ein Beitrag des ARD Faktenfinders:
Und danach?
Auch wenn die Waffenruhe zwischen Hamas und Israel zu halten scheint und die bürgerkriegsartigen Zustände in Israel schwächer werden, ist die Unsicherheit über die nahe Zukunft greifbar. Während die israelische Grenzpolizei mit ihrer „Law and Order“ Offensive versucht, Stärke zu zeigen, feiert die Hamas sich selbst als Siegerin der letzten Gewalteskalation und präsentiert sich als potenzielle Alternative zur schweigenden Fatah.
Die eigentlichen Opfer und Verlierer sind die zahlreichen Zivilisten, die unter dem Krieg und den Ausschreitungen leiden mußten, ohne eine Antwort auf die Frage nach dem danach zu haben: Karim el-Gawhary für die taz
Stimmen aus Ravensbrück
Lyrische und bildnerische Zeugnisse aus dem Frauen-KZ Ravensbrück und dessen Außenlagern
Multimediales Erinnern – Ein Kunstprojekt von Pat Binder.
„Ravensbrück, 90 km nördlich von Berlin gelegen, war während der Nazi-Zeit das größte Konzentrationslager für Frauen auf deutschem Gebiet. Von 1939 bis 1945 inhaftierten die Nationalsozialisten dort etwa 120.000 Frauen aus über 30 Nationen – aus politischen und rassistischen Gründen. Ihre menschenfeindliche Ideologie ging mit brutaler Ausgrenzung einher und schreckte auch vor Mord nicht zurück. Eine unfaßbare Zahl der Frauen und Mädchen aus Ravensbrück und seinen Außenlagern wurde hingerichtet oder starb an Hunger, Krankheiten, Erschöpfung durch Schwerstarbeit oder an den Folgen medizinischer Experimente.“
Auch in einer englischen Version einsehbar.
Noam Chomsky im Interview
"Der amerikanische Linguist Noam Chomsky gilt nicht nur als einer der weltweit bekanntesten Intellektuellen der Gegenwart, sondern ist auch für seine differenziert kritische Haltung zur Politik des Staates Israel bekannt. Emran Feroz hatte die Gelegenheit, mit Chomsky ein Exklusivinterview für die NachDenkSeiten zu führen – ein Gespräch zu den aktuellen Entwicklungen in Nahost, den historischen Wurzeln des Konflikts und eine Einordnung der jüngeren US-Nahost-Politik." (Aus der Einleitung der Nachdenkseiten)
Der Text als PDF: https://www.nachdenkseiten.de/?p=72775&pdf=72775
Hinter der Mauer …
und jenseits der Raketen – gibt es auch ein Gaza voller Menschen.
In der israelischen Tageszeitung Haaretz fragt Noa Landau danach, was von Gaza in Israel ankommt, wenn es keinen Raketenbeschuß gibt.
„This is exactly the problem: During the days when no missiles are being fired from Gaza, and specifically on Tel Aviv, the vast majority of Israelis, including the Zionist left such as [Labour head] Michaeli, is convinced that everything is wonderful. The Gazans may be very poor and frustrated, but that is only because of Hamas. After all, we left there during the disengagement, even Michaeli agrees, so what do they want?
…
What exactly is the basic humanitarian level? Did anyone provide details? Is food or the possibility of transferring the sick not included in this category? In spite of statements by the defense establishment Monday morning, made after international pressure, that Israel would allow the movement of UN medical equipment and entry of aid workers and journalists, as of this article’s writing organizations such as Physicians for Human Rights were still forbidden to bring medical equipment into Gaza.
The declarations and briefings are clear: Israel has decided, once again, to apply collective punishment to Gaza. This is in response to a campaign of the families of the fallen and missing. As of now, it is not clear what exactly can enter under our grace and what can’t. Once again two million people are captives. And when the situation blows up again, Michaeli, along with the rest of Israelis, will raise an eyebrow and say: But Israel is no longer there.“
Hier der Link zu dem lesenswerten Beitrag.
Wir lassen uns nicht trennen – ein offener Brief
Ein offener Brief jüdischer und muslimischer Initiativen 20. Mai 2021
-> Diesen wichtigen Text gibt es auch als PDF: Wir_lassen_uns_nicht_trennen_- Ein_offener_Brief <-
Wir als jüdische, muslimische, jüdisch-muslimische Organisationen, Initiativen und Bündnisse, sowie Einrichtungen, die Räume für jüdisch-muslimische Begegnung geschaffen haben, schreiben diesen Offenen Brief, weil wir nicht hinnehmen, dass der Konflikt im Nahen Osten unser Zusammenleben und unsere politische und kulturelle Arbeit in Deutschland zerstört.
Wir haben in den letzten Jahren, unter schwierigen Bedingungen und in komplexen Prozessen, vielfältige Allianzen, Bündnisse und Netzwerke zwischen jüdischen und muslimischen Organisationen, Communities und Individuen aufgebaut, die wir gegen eine neue Welle des Hasses und der Propaganda verteidigen wollen. Denn, wann immer der Nahost-Konflikt hier ausgetragen wird, leiden auch wir darunter!
Deswegen wollen wir zwei Dinge festhalten:
1.) Wir verurteilen Antisemitismus und anti-muslimischen Rassismus
Wir verurteilen jede Art von Antisemitismus und anti-muslimischen Rassismus, sowie jede Form von Gewalt und Hass, wie etwa die jüngsten Angriffe auf Synagogen in Bonn oder in Gelsenkirchen. Wir verwahren uns dagegen, dass Jüd:innen und Muslim:innen hierzulande für die Geschehnisse im Nahen Osten verantwortlich gemacht werden, sei es durch physische Gewalt oder durch entsprechende Darstellungen in den sozialen Medien. Diese Zuschreibung ist Ausdruck von Antisemitismus und anti-muslimischem Rassismus, die Gegenwart und Zukunft unseres Miteinanders hierzulande gefährden. Genau dagegen richtet sich unsere vielfältige Arbeit seit vielen Jahren.
Jüdisch-muslimische Beziehungen sind alles andere als selbstverständlich. Wir haben viel investiert um gegenseitiges Vertrauen aufzubauen, um dadurch auch vor Fragen nicht zurückzuschrecken, die uns gegenseitig irritieren und
befremden. Diese Fragen sind mit komplexen historischen Dynamiken verwoben, die Leid und Traumata beinhalten. Wir haben gelernt, Differenzen auszuhalten, auch wenn dies nicht immer leichtfällt. Wir haben auch viele Gemeinsamkeiten entdeckt und Ziele formuliert, wie wir als Jüd:innen und Muslim:innen in Deutschland miteinander leben wollen und können, und was wir im Zusammenleben auch von der Mehrheitsgesellschaft erwarten. Deshalb lassen wir unsere jüdisch-muslimischen Freundschaften, Bündnisse und Allianzen weder für politische Zwecke instrumentalisieren noch auf den Nahost-Konflikt reduzieren.
2.) Es muss Raum für unterschiedliche Haltungen zum Nahost-Konflikt geben
Der Nahost-Konflikt ist ein “Hot Button Issue” jüdisch-muslimischer Beziehungen – dessen sind wir uns bewusst. Dass unterschiedliche Haltungen zum Nahost-Konflikt bestehen, ist nachvollziehbar. Unsere jeweiligen Perspektiven sind von unterschiedlichen Sozialisationen, Erfahrungen, Wissensbeständen, und Emotionen bestimmt. Dafür muss es in einer offenen, pluralistischen und demokratischen Gesellschaft Raum geben. Mit diesen Differenzen müssen und können wir leben, denn sie bestehen nicht nur zwischen Jüd:innen und Muslim:innen, sondern auch innerhalb verschiedener Gruppen.
Wir stellen aber auch fest, dass der Nahost-Konflikt nicht der Regelfall jüdisch-muslimischer Beziehungen ist; er ist keine Notwendigkeit des Muslimisch- oder Jüdischseins, sondern eine spezifische Situation, zu der jede und jeder sich verantwortungsvoll verhalten kann. Wir gehen zudem davon aus, dass der Nahost-Konflikt kein zwingendes Thema jüdisch-muslimischer Beziehungen und Gespräche sein muss. Unsere Arbeit ist von einer Fülle an unterschiedlichsten Themen geprägt, das soll auch so bleiben. Wir lassen unsere Arbeit nicht auf die Nahost-Thematik reduzieren.
#wirlassenunsnichttrennen
#wirstehenfüreinanderein
#wirbleibenimgespräch
Unterzeichnende Organisationen:
Jüdisch-muslimischer Stammtisch München
Prof. Dr. Bekim Agai – Direktor der AIWG
Heidelberger Bündnis für jüdisch-muslimische Beziehungen
Jüdisch-Muslimischer Gesprächskreis der W. Michael Blumenthal-Akademie des Jüdischen Museums Berlin
Institut für Deintegration

UNRWA zur aktuellen Lage
UNRWA Generalkommissar Philippe Lazzarini in der BLICK Print und Online Ausgabe vom 22. Mai 2021
Wir fügen dem Hinweis auf diese Schweizer Veröffentlichung noch einige Zeilen des UNRWA-Vertreters in Brüssel hinzu:
UNRWA verurteilt aufs schärfste unbegründeten Vorwürfe und haltlosen Unterstellungen gegen seine Neutralität und seine Mitarbeiter. Unsere lokalen Mitarbeiter in Gaza, aber auch im Libanon und Syrien, riskieren Ihr Leben um humanitäre Hilfe der notleidenden Bevölkerung zu bringen, und dies in Zeiten einer Corona Pandemie.
Als eine VN Organisation, die humanitäre Hilfe leistet, ist Neutralität ein entscheidender Aspekt unserer Mission, da sie unsere Basis ist, die seit 70 Jahren sichere Operationen im Libanon, in Syrien, Jordanien, im Westjordanland, einschließlich Ost-Jerusalem und im Gazastreifen ermöglicht. Wir haben rigorose Verfahren und einen starker rechtlichen Rahmen, der die Neutralität gegenüber dem Personal, Dritten, der Nutzung der Einrichtungen und der Bereitstellung von Hilfe für die Begünstigten gewährleistet. Neutralität ist für uns lebenswichtig.
Neutralität bei UNRWA bedeutet, dass es Einschränkungen für die Bereitstellung von Hilfe für alle Personen gibt, die auf der konsolidierten Liste des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen aufgeführt sind. Regelmäßige Überprüfungen der Namen aller UNRWA-Mitarbeiter, registrierter Palästina-Flüchtlinge, Empfänger von Mikrokrediten, Lieferanten und anderen Zahlungsempfängern werden anhand der konsolidierten Liste des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen durchgeführt. Wir haben eine vertrauliche Zusammenarbeit mit all unseren Gastländern, wie auch mit Israel, welches unsere täglich Arbeit unterstützt.
Unsere Gastländer, wie auch Israel, sind für die Sicherheit unserer Arbeit mitverantwortlich und wissen genau wer für UNRWA arbeitet. Bis Ende 2018 unterzog die USA die UNRWA einer jährlichen anti-Terror Überprüfung – ein Standardverfahren für US-Auslandshilfe – welche UNRWA ohne Beanstandung absolviert hat. Dies wird nun, wo die USA als Geldgeber zurück gekehrt sind auch wieder der Fall sein.
Mit besten Grüßen und Frohe Pfingsten!
Matthias Burchard | director – unrwa representative office to the european union
Auch in Deutschland …
Auch in Deutschland fand der ‚Krieg im Nahen Osten‘ statt. Er wurde und wird geführt zwischen den Verteidigern unhinterfragbarer Solidarität mit Israel und den ‚Befreiern Palästinas von der zionistischen Unterdrückung‘.
Differenzierungen sind nicht gefragt, es herrscht Haß, es wird mit Unterstellungen gearbeitet und die Gewißheit auf der richtigen Seite der Weltgeschichte zu stehen, wird mit Zähnen und Klauen verteidigt. Wieder gerieren sich die Deutschen als Friedensmacht und benutzen die Kriege und Krisen im Nahen Osten doch nur als Projektionsfläche für ihre eigenen, auch 75 Jahre nach Weltkrieg und Shoa nicht aufgelösten Identitätsprobleme.
Meron Mendel, Leiter des Anna-Frank-Zentrums in Frankfurt am Main stellt in seinem Beitrag für die FAZ diese Verbindung her zwischen diesen deutschen Befindlichkeiten und der hoch emotionalisierten Reaktion auf den erneuten Krieg in Israel und Palästina.
Speisegesetzen in den abrahamitischen Religionen
Einladung zu ONLINE-Vorträgen
Montag, 31. Mai 5.2021, 16:00-18:00 Uhr Speisegesetze in Judentum, Christentum, Islam
Der Begriff „Abrahamitische Religionen“ steht vor allem im interreligiösen Dialog für jene monotheistischen Religionen, welche sich auf Abraham, den Stammvater der Israeliten bzw. den Ibrahim des Koran und seinen Gott beziehen. Wenn dieser Begriff auch umstritten ist, so ist er doch dazu geeignet, die gemeinsame Herkunft und die Zusammengehörigkeit vor allem von Juden, Christen und Muslimen zum Ausdruck zu bringen. Eine Vielzahl von Lebensmitteln, Getränken und Speisen besaßen und besitzen in zahlreichen Religionen und Glaubensgemeinschaften eine tiefgreifende Bedeutung, weshalb sie oft auch mehr oder weniger intensiven Vorschriften unterworfen sind.
Drei Vorträge von jeweils etwa 25 Minuten Dauer zu Speisegesetzen in den abrahamitischen Religionen :
– Teil 1: die Speisegesetze im Judentum, Prof. Dr. Herbert J. Buckenhüskes, Gesellschaft Deutscher Lebensmitteltechnologen (GDL)
Kurzvortrag von Prof. Rolf Verleger, Psychologe, Hochschullehrer und Essayist, Beiratsmitglied der Deutsch-Arabischen Gesellschaft (DAG)
– Teil 2: die Speisegesetze im Christentum, Prof. Dr. Herbert J. Buckenhüskes, Gesellschaft Deutscher Lebensmitteltechnologen (GDL)
Kurzvortrag von Prof. Rolf Verleger, Psychologe, Hochschullehrer und Essayist, Beiratsmitglied der Deutsch-Arabischen Gesellschaft (DAG)
– Teil 3: die Speisegesetze im Islam, Prof. Dr. Herbert J. Buckenhüskes, Gesellschaft Deutscher Lebensmitteltechnologen (GDL)
Weitere Beiträge und anschließend Diskussion. Eine Anmeldung ist bis 25.05.2021 per E-Mail möglich: info@d-a-g.de
Sie bekommen dann die Zugangsdaten mit dem Link kurz vorher zugeschickt.
Jehuda Bauer im Gespräch
Der 95-jährige Historiker erklärt in der Berliner Zeitung, warum ihn der neue Antisemitismus nicht überrascht und Israels Premierminister ein „Anti-Zionist“ und „Halb-Diktator“ ist.
[Nachtrag]
Aktuell ist das Interview beider BZ wieder hinter der Bezahlschranke, weshalb wir an dieser Stelle nur zwei kurze Zitate bringen können:
Könnte es eine neue Intifada geben?
Ich bin glücklicherweise kein Prophet. Ich kann dazu nicht viel sagen. Die arabische Minderheit in Israel will den israelischen Staat nicht angreifen, wird aber aus ihren eigenen Reihen dazu gezwungen, Stellung zu beziehen. Es gibt jetzt Gespräche zwischen beiden Seiten, um die Flammen zu beruhigen. Das ist schon mal gut, denn die politische Situation ist sehr verwickelt, eigentlich unlösbar momentan. Wir haben nach vier Wahlen immer noch keine neue Regierung, keinen Haushalt. (….) Das ist nicht mit europäischen Ländern zu vergleichen. Antisemiten, auch in Deutschland, sagen, wie klug die Juden sind. Ich glaube, Israel ist gerade der Beweis dafür, dass die Juden völlig idiotisch sind. Wenn wir eine funktionierende Regierung hätten und nicht die Halb-Diktatur von Netanjahu, gäbe es Interesse an einer Beruhigung der Situation. Aber beide Seiten, auch die palästinensische, sind von nationalistischen und religiös fanatischen Politikern regiert. Solange das der Fall ist, ist ein Kompromiss unmöglich.
Warum passiert es gerade jetzt?
Es begann, wie so oft, am Tempelberg in Jerusalem. Die Situation dort ist immer kompliziert, aber das Verhalten der israelischen Polizei kann man nur als idiotisch betrachten. (…) Eine gescheite Polizeiführung hätte dafür gesorgt, dass die Polizisten 200 Meter vor der Moschee stehenbleiben. Wenn sie angegriffen würden, hätten sie immer noch einschreiten können. Aber dieser Einsatz war völlig überflüssig. Auf der anderen Seite wollten natürlich radikale Araber die Juden herausfordern, um einen Grund für neue Unruhen zu haben. Und die Hamas richtet ihre Raketen gegen die Bevölkerung, nicht gegen militärische Ziele. (…)

