Die Oslo-Tagebücher

Was alles möglich schien – als alles möglich schien!

„In Oslo hatte man sich in geheimen israelisch-palästinensischen Friedensverhandlungen angenähert. Frieden schien möglich. Der Dokumentarfilm von Mor Loushy und Daniel Sivan erzählt die wahre Geschichte jener Akteure, die damals versuchten, Frieden zu schaffen.

Im September 1993 gaben sich Israels Ministerpräsident Yitzchak Rabin und Jassir Arafat, Vorsitzender der palästinensischen Befreiungsorganisation PLO, auf dem Rasen des Weißen Hauses die Hände. Eine historische Geste der Versöhnung: Zwei erbitterte Feinde präsentierten sich als Partner.

Im Vertrag von Oslo hatten sie sich verpflichtet, gemeinsam eine Lösung des Konflikts zu finden. Unter strikter Geheimhaltung war er in Norwegen ausgehandelt worden. Von einer Gruppe mutiger Unterhändler, zwei israelischen Professoren und drei PLO-Mitgliedern. Die ehemals erbitterten Feinde einte die Überzeugung, daß das Blutvergießen auf beiden Seiten endlich gestoppt werden müsse.

Die internationale Koproduktion Die Oslo Tagebücher dokumentiert im Film zum ersten Mal, was wirklich bei den geheimen israelisch-palästinensischen Friedensverhandlungen in Norwegen 1992/93 geschah. Der Dokumentarfilm erzählt exklusiv aus der Sicht der wichtigsten Akteure, wie es zu diesem Friedensabkommen kam, und fragt, warum sich die Hoffnungen von Oslo nicht erfüllten.

Für den packenden Politthriller konnten die Autoren Mor Loushy und Daniel Sivan die ergreifenden persönlichen Aufzeichnungen der damals Beteiligten nutzen. Wie in ihrem vorigen, preisgekrönten Film Censored Voices arbeiten sie mit noch nie gezeigtem Archivmaterial.“

Geschichte (aus) einer anderen Generation – (Leider nur) Bis zum 19.September .2021 in der 3sat-Mediathek verfügen. Unbedingt ansehen.

Erst schwächen und dann (be)klagen

Hochrangige US-amerikanische Delegation in der der Region

Wahrscheinlich soll die palästinensische Seite dankbar sein, daß die US-Politiker – unter Leitung des Demokratischen Senators Chris Murphy (D-C.T) – überhaupt mit ihnen reden, auch wenn sie dann im Ergebnis die PA für „zu schwach“ halten, den Wiederaufbau in Gaza zu befördern oder zu leiten. …

Aber warum sollte die US-Politik auch überlegen, was die Ursachen solcher Entwicklungen sind, die die PA (auch) zu dem gemacht haben, was sie heute ist und ob die USA damit vielleicht auch etwas zu tun haben, solange sie die PA vorranging zur Assistentin der israelischen Sicherheit gemacht haben?

Hier der Bericht in der Times of Israel dazu.

Erinnerung weiterentwickeln

Die jüdische Siedlungsgeschichte Bayerns digital erkunden

Versucht man:frau, einen Überblick zur jüdischen Geschichte für das Bayern der Vormoderne zu erhalten, so bietet sich eine chaotisch erscheinende Chronologie von Ansiedlung, Vertreibung und Wiederansiedlung. Einen systematischen Einblick in die Siedlungsgeschichte der Jud:innen auf dem Gebiet des heutigen Bundeslandes Bayern eröffnet nun eine neue digitale Karte der Professur für Frühe Neuzeit und Vergleichende Landesgeschichte (Prof. Dr. Sabine Ullmann) an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU).

Diese ist in dieser Form bislang einzigartig und beruht auf dem langfristig angelegten Projekt „Jüdische Geschichte in Räumen“, das in zeitaufwendiger Detailarbeit eine Vielzahl von Quellen erschließt und die gewonnenen Erkenntnisse in einer Datenbank zusammenträgt. Bis jetzt sind darin Informationen zu fast 600 Siedlungen erfaßt, die nachweislich zwischen 1500 und 1820 über mindestens fünf Jahre hinweg existierten. Der Zeitraum ist bewußt gewählt und dokumentiert die Phase von den Anfängen des Landjudentums bis zur Neufassung der Judenpolitik im Königreich Bayern.


Die frei zugängliche interaktive Karte ist in Kooperation mit Dipl. Ing.Claudia Pietsch vom Fach Geographie an der KU entstanden. Sie gibt sowohl der interessierten Öffentlichkeit als auch dem Fachpublikum die Möglichkeit, Zusammenhänge zwischen jüdischen und nichtjüdischen Räumen zu erschließen, und bietet neue Ansatzpunkte für die weitere Forschung. Beim Klick auf einen Ort erscheinen neben Basisinformationen – wie dem Ortsnamen, dem heutigen Landkreis und Regierungsbezirk und geographische Koordinaten – auf Grundlage der bisherigen Forschung auch spezifischere Angaben zu Schutzherrschaften, Siedlungstypen, etwaigen Ausweisungen sowie Hinweise auf die Forschungsliteratur. Zusätzlich aufgenommen sind 85 in der Frühen Neuzeit existente jüdische Friedhöfe.

Spätestens in Folge des Nationalsozialismus sind die meisten historischen Unterlagen zum jüdischen Gemeindeleben verloren gegangen, was die Recherche zur Siedlungsgeschichte zusätzlich erschwert. Neben bestehender wissenschaftlicher Literatur zu jüdischen Gemeinden sichten die Forschenden daher unter anderem auch den Münchner Bestand der Reichskammergerichtsakten.

Neben Siedlungen verzeichnet das Online-Portal auch Friedhöfe. Denn die jüdische Bevölkerung war vielfach gezwungen, Friedhöfe gemeindeübergreifend zu nutzen. Diese Gebietsfriedhöfe und die ihnen zugeordneten Gemeinden bzw. Siedlungen bildeten einen jüdisch-kultischen Raum, der über die politisch-herrschaftlichen Grenzen hinausging. Die Karte bietet auch Einblick in diese ortübergreifenden Verbindungen.

Die Arbeit an Datenbank und digitaler Karte sind längst nicht abgeschlossen. „Wir schaffen eine Grundlage für die weitere Erforschung der Siedlungsgeschichte. Aber es ist noch viel weitere Arbeit erforderlich, um Lücken zu einzelnen Ortschaften zu füllen“, betont Professorin Sabine Ullmann. Die Nutzerinnen und Nutzer sind daher eingeladen, ihre eigenen Befunde den Forschenden mitzuteilen.

September, 11

Zwanzig Jahre einer veränderten WeltNeuer Podcast der International Crisis Group

On the eve of the twentieth anniversary of the 9/11 attacks, a new episode of Hold Your Fire! looks at the shadow cast by the “global war on terror” across South Asia, the Middle East and Africa. Richard Atwood and Naz Modirzadeh discuss how Islamist militants – groups like al-Qaeda and later ISIS – have fared in twenty years marked by the Afghanistan and Iraq wars, the 2011 Arab revolutions, the war in Syria and U.S. counter-terrorism operations in many other corners of the world. They examine what efforts against militants look like today and some of the flaws of existing counter-terrorism policy.


This episode is the first in a series on this podcast looking at the aftermath of the 9/11 attacks and the impact of the “global war on terror”. For Crisis Group’s other publications on this topic, see our series The Legacy of 9/11 and the „War on Terror”.

Nahost kann jederzeit eskalieren

so die Meinung von Khaled Elgindy, Direktor des Palästina-Programms am Washingtoner Middle East Institute, im Interview mit Andrea Backhaus für Qantara. Und weiter:

„Ich glaube nicht, dass die Mehrheit der Menschen in Gaza die Hamas liebt, weder ihre Ideologie noch ihre Handlungen. Die Hamas-Führer agieren nicht gerade demokratisch, sie wahren die Menschenrechte nicht und sind auch nicht gut im Regieren. Aber die Menschen sind gefangen, sie brauchen die Hamas. Israel kontrolliert den Gazastreifen vom Meer, Land und der Luft aus.

Die Hamas ist die einzige Instanz, die Dienstleistungen für die Menschen bereitstellt und zumindest manchmal durchsetzen kann, dass die Grenzübergänge geöffnet werden und Waren in den Gazastreifen gebracht werden. Vor allem aber profitiert die Hamas vom Versagen der Autonomiebehörde unter Abbas.“

Zum Gedenken an Stanisław Lem

Der polnische Schriftsteller wurde vor 100 Jahren, am 12. September 1921, geboren

„Ich hab Hitler gebraucht, um draufzukommen, daß ich jüdisch bin.“

Zum 100. Geburtstag des 2006 verstorbenen polnischen Schriftstellers, Philosophen, Wissenschaftlers und Literaten Stanisław Lem kündigt das Deutsche Polen-Institut in Darmstadt einen neuen Sammelband zum breiten Schaffen des international bekannten „Weltverbesserers“ (Holger Teschke in der Jungen Welt, 8. September 2021, S. 12-13) und Überlebenden der Shoa an: „Kosmos Stanisław Lem. Zivilisationspoetik, Wissenschaftsanalytik und Kulturphilosophie“ (2021).

S. Lems (1921-2006) Grabstätte auf dem Salwator-Friedhof in Krakau
Photo: Gapcior – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0
https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=11108254

Lem, studierter Mediziner, hat mit seinen technikinforeichen, phantasievollen Romanen und fiktiven, mit Hypothesen gespickten Geschichten begeistert und nicht nur zum Knobeln, sondern vor allem zum Nachdenken über so manches Fragezeichen und Plausibilität und Logik nachhaltig angeregt. Der Roman vom Schweigenden Stern wurde 1959 von DEFA und Filmstudio Wroclaw verfilmt; damit begründete Lem seinen Ruf als Autor im Science-Fiction-Feld; Solaris von 1961 „sprengte gedanklich und sprachlich die Grenzen aller bisher geschriebenen Science-Fiction“, schreibt Teschke.

Doch Lems schriftstellerisches und akademisches Schaffen ist viel, viel breiter und so aktuell wie vor zehn, zwanzig, dreißig Jahren. Bereits „Sechs Jahre vor dem deutschen ‚Historikerstreit‘ fragt er jenseits der in der sozialistischen Geschichtsschreibung allem vorgelagerten ökonomischen und politischen Begründungen nach tieferliegenden sozialen und psychologischen Wurzeln des Völkermords an den Juden Europas“, schreibt Teschke in seinem JW-Artikel über Lem und zitiert dort den Autor aus einem Zeit-Interview von 2005: „Die ständige Steigerung der technologischen Möglichkeiten geht paradoxerweise mit einem Verfall von Phantasie und Intelligenz der Menschen einher… Heute nennt man auch schon Thermostate intelligent oder Küchenmaschinen. Aber dann sind auch meine Hosenträger intelligent in dem Sinne, daß man sie nämlich regulieren kann. Alles ist heute intelligent.“

Im Beitrag auf DLF Kultur vom 4. September 2021 erinnern die beiden Autoren Markus Metz und Georg Seeßlen an Stanisław Lem und zitieren aus dessen 1990 veröffentlichter Schrift Die Vergangenheit der Zukunft, in der Lem Thesen dazu äußert, „was uns zu Beginn des 21. Jahrhunderts erwartet“, so unter anderem:

„Es wird nicht nur eine ‚postindustrielle Gesellschaft‘ entstehen und nicht nur eine Dienstleistungs- gesellschaft, sondern eine qualitativ neue, die ihre größten Probleme mit den Errungenschaften der Biotechnologie haben wird.
Zu beachten ist, daß Deutschland, bisher im Westen die Bundesrepublik, sich für einen friedliebenden Staat ausgibt, was auch nicht bezweifelt werden soll, gleichzeitig aber gibt es auf dem Territorium dieses Staates Hunderte Produktionsanlagen, die Raketen, Giftgase, Kanonen, Unterseeboote herstellen, ganze Fabriken von todbringenden Mitteln und last but not least Maschinenteile und Know-How, die zum Bau von Anlagen dienen, welche Atombomben oder andere Kernspaltungswaffen produzieren können.
Das Automobil wird in vielen Ländern in peinigenden Staus seinen technischen Tod erleiden. Es wird neue Kommunikationsmittel und neue Betriebsformen geben. Das elektrische Auto ist kein Ausweg aus dem Dilemma der Verkehrsstaus, genauso wenig wie ein lokal betriebener Luftverkehr (nur naive Menschen stellen sich vor, jeder Bürger könnte seinen Hubschrauber haben wie heute seinen Wagen). Es wird künstliches Leben und synthetische Bioprodukte geben. Insgesamt aber wird sich die Kluft zwischen den Armen und den Reichen weiter vergrößern.“

Junge Welt Artikel, verfügbar ab 10. September (für drei Monate)

Deutsches Polen Institut zu Lem

Deutschlandfunk Kultur

Kalender September 2021

Zum sechsten Mal erschien in israel & palästina | Zeitschrift für Dialog ein Bildbegleiter für das ganze Jahr. 2016 haben wir auf Andere Visionen geschaut. 2017 Erfahrungen aus der Arbeit der Combatants for Peace zum Thema genommen, 2018 waren es Visual Correspondences, zweier junger Frauen, 2019 waren alte Postkarten als Träger für die unterschiedlichen Narrationen zu sehen. 2020 haben uns Photographien von Felix Koltermann durch die realen und imaginierten Landschaften begleitet.

2021 begleiten Gedichte – jeweils in arabisch, deutsch und hebräisch – uns als Dreiklang durch das Jahr, zusammen mit Photos von Andreas Schröder zu jedem Monat. Beim AphorismA Verlag sind noch ein paar letzte Exemplare verfügbar.

Der September wird begleitet vom Psalm 87 – Zion, Mutter ALLER Völker

Torat Tzedek zu 5782

Rabbiner Ashermans Reflektion zum Feiertag: Religion im Angesicht der Wirklichkeit

Nitzavim, Rosh HaShanah and Palestinians Picnicking in a Settler Picnic Spot

Und ein Beitrag in der Times of Israel

Universität Bern – einmal anders auf Geschichte schauen

Auch wenn der Konflikt zwischen Israelis und Palästinenser:innen kein religiöser Konflikt ist, spielt Religion und spielen religiöse Akteur:innen (zunehmend?) eine Rolle. Einen interessanten Blick auf die Frage „How to cope with Religious Conflicts? Insights from History (flashMOOC)“ wirft die Berner Professorin Katharina Heyden, seit 2018 Director of the Interfaculty Research Cooperation „Religious Conflicts and Coping Strategies“ at the University of Bern, in einem einführenden Video zu dieser Frage. Eines der Beispiele ist ein Blick in der Geschichte von Mamre (Hebron / al Khalil – ab min 10:58), der erhellende Einblicke vermittelt.

The interactive video is divided into the following chapters:
Model for Context-Sensitive Analysis of Conflicts with Religious Dimensions
Methodological Remarks: Working with Historical Sources
Three Historical Case Studies
a. Swiss Religious Wars in the 16th century and the Kappeler Milk-Soup
b. The universalism of the medieval philosopher Ramon Lull
c. Interreligious hospitality at Abrahams Shrine in Late Antique Mamre
Conclusio