Dokumentation: Aus dem Koalitionsvertrag

Im folgenden die (Nahost) relevanten Passagen des zwischen CDU/CSU und SPD ausgehandelten ‚Koalitionsvertrages‘:

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Region des Nahen und Mittleren Ostens, Golfregion und Nordafrika

Wir bekennen uns zu der besonderen Verantwortung Deutschlands gegenüber Israel als jüdischem und demokratischem Staat und dessen Sicherheit. Das Existenzrecht Israels ist für uns unumstößlich und ein Pfeiler deutscher Politik. Unser Ziel ist ein Leben aller Menschen im Nahen und Mittleren Osten ohne Angst und in Würde.

Deutschland wird sich weiter für eine Lösung des Nahostkonflikts auf Basis einer Zweistaatenlösung einsetzen. Der Status von Jerusalem wird genauso wie andere abschließende Statusthemen erst im Zuge von Verhandlungen geklärt werden, um dauerhaft akzeptiert und haltbar zu sein. Die aktuelle Siedlungspolitik Israels widerspricht geltendem Völkerrecht und findet nicht unsere Unterstützung, weil sie eine Zwei-Staatenlösung erschwert.

Wir werden in der EU eine Initiative sowohl zur ausreichenden und nachhaltigen Finanzierung als auch der Reform des Hilfswerks der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten (UNRWA) ergreifen. Zugleich verurteilen wir jegliche Aufrufe zu Gewalt und Hetze. Das Existenzrecht Israels darf nicht in Frage gestellt werden. Wir fordern, dass Handlungen, egal von welcher Seite, die einer endgültigen Friedenslösung entgegenstehen, sofort beendet werden. In den palästinensischen Gebieten sind auf allen Ebenen demokratische Fortschritte nötig.

Der Nahe und Mittlere Osten ist von politischer Instabilität, innerstaatlichen Konflikten und regionalen Spannungen geprägt. Der Krieg in Syrien ist nicht beendet, der Terror des IS ist nicht überwunden. Diese Krisen betreffen Deutschland und Europa direkt durch Fluchtbewegungen sowie durch Terroranschläge.

Es ist unser zentrales Interesse, den politischen Prozess zur Überwindung des syrischen Konflikts in Zusammenarbeit mit den internationalen Partnern mitzugestalten. Dabei halten wir am Prinzip der territorialen Integrität Syriens und des Iraks fest. Wir sind bereit, unser stabilisierendes, humanitäres und entwicklungspolitisches Engagement in beiden Staaten weiter zu intensivieren. Deutschland wird sich u. a. auch durch den Ausbau freiwilliger Rückkehrprogramme dafür engagieren, dass die Menschen wieder in ihre Heimat zurückkehren können.

Wir werden in diesem Rahmen auch unser Engagement im Rahmen der Anti-IS-Koalition fortsetzen und anpassen.

Wir werden unsere Anstrengungen fortsetzen, Spannungen und Rivalitäten innerhalb der Region abzubauen. Dort, wo unsere Partner in der Region Reformen zur Modernisierung und Öffnung voranbringen (z. B. „Vision 2030“ in Saudi-Arabien“), begrüßen wir dies. Gleichzeitig erwarten wir insbesondere die Verbesserung der besorgniserregenden Menschenrechtslage.

Wir setzen uns dafür ein, dass die Nuklearvereinbarung mit Iran (JCPOA) bewahrt und vollständig umgesetzt wird. Dazu gehört u. a. die strikte Beachtung ihrer nukleartechnischen Bestimmungen ebenso wie der Abbau spezifischer Hindernisse, die die wirtschaftliche Aktivität Irans belasten.

Die Rolle Irans im Nahen- und Mittleren Osten bleibt problematisch. Wir haben Sorge wegen des ballistischen Raketenprogramms und Irans Aktivitäten in seiner Nachbarschaft. Hierzu wollen wir gemeinsam mit unseren Partnern Politikansätze entwickeln.

In Ländern wie Jordanien, Libanon, Ägypten und Tunesien werden wir die wirtschaftliche und politische Stabilisierung fördern und die Resilienz gegen Gefahren terroristischer Strukturen stärken. Zudem werden wir die Einheitsregierung Libyens und den dortigen VN-Prozess und Institutionenaufbau auch im Rechtsbereich unterstützen.

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Hinzu tritt das Bekenntnis zur Förderung des Denkmalerbes von Tel Aviv („Weiße Stadt“) und zum German Israeli Start-up Exchange Program (GISEP). Der Begriff Palästina kommt nur im Zusammenhang des Flüchtlingshilfswerkes UNRWA vor.


Zum Vergleich die Passagen aus den beiden Wahlprogrammen:

Regierungsprogramm der CDU/CSU | 2017

Wir bekennen uns zur besonderen Verantwortung Deutschlands gegenüber Israel.
Das Existenzrecht und die Sicherheit Israels sind Teil der deutschen Staatsräson.
Wir treten für eine Zwei-Staaten-Lösung ein.

Wer unsere demokratische Grundordnung bekämpft, das Existenzrecht Israels ablehnt, den inneren Frieden gefährdet oder gegen Recht und Gesetz verstößt, muss mit der ganzen Härte unseres Rechtsstaates rechnen.

Regierungsprogramm der SPD | 2017

Gleichzeitig wird die Glaubwürdigkeit der internationalen Gemeinschaft gerade im Nahen und Mittleren Osten an Fortschritten beim Friedensprozess zwischen Israel und Palästina gemessen. Angesichts der besonderen Verantwortung Deutschlands für die Sicherheit Israels ebenso wie angesichts der zunehmenden Instabilität in der Region muss Deutschland zusammen mit seinen europäischen Partnern weiterhin mit aller Kraft Initiativen zur Wiederbelebung des Nahost-Friedensprozesses unterstützen. Die Glaubwürdigkeit der internationalen Gemeinschaft wird gerade im Nahen und Mittleren Osten an Fortschritten beim Friedensprozess zwischen Israel und Palästina gemessen. Auf Grundlage der Vereinbarungen von Oslo ist und bleibt für uns das Ziel die Schaffung zweier souveräner und lebensfähiger Staaten im Rahmen einer Verhandlungslösung. Wir fordern, dass Handlungen, egal von welcher Seite, die einer endgültigen Friedenslösung entgegenstehen, sofort beendet werden. Es muss zu einem Stopp des illegalen Siedlungsbaus kommen. Von der palästinensischen Seite fordern wir die Ächtung des Terrors. In den palästinensischen Gebieten sind auf allen Ebenen weitere demokratische Fortschritte nötig.

Das Kalenderblatt vom Januar 2018

An dieser Stelle präsentieren wir in jedem Monats Kalenderblatt aus dem diAk-Kalender für das Jahr 2018 (erschienen als Ausgabe IV/2017) – ein Gespräch in Bildern…

Blog_alternativ

Luli (* 4.7.1985)  and Yehudit (* 6.2.1985) met at the age of 18. Tey like to think of themselves as childhood fiends. Both born in Israel, they have each gone their separate path and their fiendship has become one of overseas. Te project ‘Visual Correspondences’ was born afer a conversation in which the two observed that the different choices they have made in life, and the places they have been, places they have called home cast a light on both the similarities and differences of their visual observations.
Using their phones, they began writing each other ‘picture messages’. Each picture
is answered with a picture. Te text was later atached to the pictures.

 

„Mitten im Nahost-Konflikt: Neve Shalom / Wahat al-Salam – Oase des Friedens“

DeutschlandTour Neve Shalom / Wahat al-Salam
11.-19. März: Muna Boulos (23) und Eden Zohar (20) unterwegs zu Vorträgen

Zwei Bewohnerinnen des Dorfes sind im März in Deutschland unterwegs, das genaue Programm findet sich hier; die beiden jungen Frauen werden Berlin, Leipzig, Hannover, Münster/W., Oberhausen, St. Augustin, Solingen, Frankfurt/M. und Groß Gerau besuchen.

Informationen zum Dorf und seiner Arbeit: Newe Shalom / Wahat as-Salam und zum deutschen Freundeskreis

Gesellschaften in Israel

Buchvorstellung: Eine Einführung in zehn Bildern

       Donnerstag, 18. Januar 2018 – 20.00 Uhr

Eine Veranstaltung der Heinrich Böll Stiftung
In Kooperation mit dem Jüdischen Verlag und dem diAk e.V.

 

  • Natan Sznaider, Soziologe und Autor von Gesellschaften in Israel. Eine Einführung in zehn Bildern
  • Heinz Bude, Soziologe und Autor, zuletzt Das Gefühl der Welt. Über die Macht von Stimmungen

Moderation: Marianne Zepp, Heinrich-Böll-Stiftung / Mitglied im diAk-Vorstand

http://calendar.boell.de/de/event/gesellschaften-israel-eine-einfuehrung-zehn-bildern?dimension1=startseite

Natan Sznaider bietet in seinem Buch eine Analyse der fragmentierten israelischen Gesellschaft an und fragt, wie normal Israel ist.

Das Kalenderblatt im Dezember 2017

An dieser Stelle präsentieren wir in jedem Monats Kalenderblatt aus dem diAk-Kalender für das Jahr 2017 (erschienen als Ausgabe IV/2016) – mit vielen Photos und Geschichten zu den Personen und Projekten hinter der Initiative Combatants for Peace.

Das Monatsblatt Dezember würdigt die Arbeit der weltweit bekannten Aktivistin Galia Golan.

 

Kommentar im „Tagesspiegel“ zur Situation in Israel und Palästina

Alexander Brakel hat am 12. Dezember 2017 einen lesenswerten Kommentar im Tagesspiegel veröffentlicht, dessen Lektüre wir hiermit empfehlen möchten:

Hätte Trump deutlich gemacht, dass sich seine Anerkennung nur auf West-Jerusalem bezieht, hätte er darüber hinaus den Anspruch der Palästinenser auf Ost-Jerusalem ebenso herausgestrichen, oder hätte er gar die „Hauptstadtfrage“ mit der Vorlage eines Friedensplans verbunden, könnte man in seiner Entscheidung tatsächlich einen Schritt zum Frieden sehen. All dies hat er jedoch nicht getan. An keinem Punkt seiner Rede hat er zu verstehen gegeben, dass sich seine Auffassung von der der israelischen Regierung unterscheidet. 1980 hat die Knesset ein Gesetz verabschiedet, demzufolge, Jerusalem die „ewige und unteilbare Hauptstadt“ des Landes sei. Auch für eine linke Regierung wäre es deshalb sehr schwer, einer Teilung zuzustimmen. Die momentane Regierung aber ist die rechteste in der israelischen Geschichte. Sie hat keinerlei Interesse an einer Zwei-Staaten-Lösung, erst recht nicht an die Aufgabe Ost-Jerusalems.

Der vollständige Text findet sich hier:

https://causa.tagesspiegel.de/politik/anerkennung-jerusalems-als-die-hauptstadt-von-israel/esnbspbrauchtnbspinternationalen-druck.html

Kritische Stimmen aus Israel zur gegenwärtigen Lage

Die Ankündigung von Präsident Trump, die US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem zu verlegen, schürt nicht nur Proteste auf palästinensischer Seite, sondern hat auch international für Aufruhr gesorgt und sogar die UN auf den Plan gerufen.

Das verweist auf die symbolische Wucht, die dieser Entscheidung innewohnt. Jerusalem ist der Kulminationspunkt für die religiöse und nationale Identität von jüdischen Israelis und muslimischen und christlichen Palästinensern zugleich. Sein Status wurde im Teilungsplan von 1947 nicht geklärt. Der Beschluss, Gross-Jerusalem als völkerrechtliches corpus separatum unter neutrale Verwaltung zu stellen, wurde nie umgesetzt. 1950 beschloss die Knesset, dass (West-) Jerusalem die Hauptstadt des neugegründeten Staates Israel sein solle. Im selben Jahr annektierte Jordanien den von ihm während des ersten Nahostkriegs besetzten Ostteil der Stadt, in dem sich auch die Heiligen Stätten von Juden, Muslimen und Christen – Klagemauer, Felsendom und Grabeskirche – befinden. Unmittelbar nach der Besetzung des Westjordanlands durch die israelische Armee 1967 und der Annahme des Grundgesetzes „Jerusalem Hauptstadt Israels“ (1980) begann die verwaltungsmäßige Integration des von den Palästinensern als Hauptstadt ihres zukünftigen Staates beanspruchten Ostjerusalems in das Besatzungsregime Israels; die Siedlerbewegung begann mit der systematischen Vertreibung der Palästinenser.

Welche Lösungsvorschläge liegen nun überhaupt vor? Und wie sind die Chancen nach dieser US-amerikanischen Intervention? Hierzu zwei kritische Stimmen aus Israel.

Daphna Perry, Director of Foreign Relations der Genfer Initiative, bezieht sich in ihrer Stellungnahme auf die Bedeutung der Zwei-Staaten-Lösung:

President Trump’s Jerusalem speech has been praised by many Israeli officials and heavily criticized by local and international actors. Recognizing Jerusalem as the capital of Israel is a mistake, they say, and will only undermine the chances for peace. But the real issue is not the status of Jerusalem. It’s Jerusalem’s borders.

Contrary to common belief, recognition has never really been the problem. In fact, even the official position of the PLO is that under a final-status agreement, West Jerusalem will be the capital of Israel, alongside East Jerusalem as the capital of Palestine.

What President Trump said yesterday was not un-true, but it was also not the whole truth. When he said that the final Israeli borders in Jerusalem should be negotiated, he failed to mention what will happen on the other side of those borders. Had he also added that under a final-status agreement the State of Palestine could also have its capital in the city, his speech could have made a real contribution to the peace process. It was ignoring the latter – not recognizing Jerusalem as the capital of Israel – that made this speech so unhelpful.

The Geneva Accord illustrates how a reality in which two internationally recognized capitals reside in Jerusalem will look like: West Jerusalem, the Jewish neighborhoods in East Jerusalem and the Old City’s Jewish Quarter, including the Wailing Wall, will be under Israeli sovereignty. The Palestinian neighborhoods in East Jerusalem, al-Haram al-Sharif and the remaining quarters of the Old City will be under Palestinian sovereignty.

We urge the international community, including the U.S., to present a new framework for launching genuine negotiations between Israel and the Palestinians, leading to the only realistic solution to the conflict: A Two-State agreement based on the 67 borders. In the meantime, we at the Geneva Initiative will continue to work relentlessly with the two societies and political classes so that as things unfold, a clear and laud voice in support of a negotiated peace agreement will be heard on both sides.

Diesen symbolischen Gehalt und die damit veränderten Positionen in einer zukünftigen Verhandlungssitutation beschreibt Noam Sheizaf (972 Magazine) als einen weiteren Sieg der Siedlerbewegung:  https://972mag.com/trump-is-proving-that-the-israeli-right-was-right-all-along/131245/

In den kommenden Tagen werden wir noch weitere Positionen zur gegenwärtigen Situation zugänglich machen.

 

Kommentar zur Lage in Israel (und Palästina)

Zur Lage in Israel und Palästina möchten wir auf einen persönlichen Kommentar von Jörn Böhme auf alsharq.de hinweisen:

Nicht die fortgesetzte Rede vom Wunder der deutsch-israelischen Beziehungen ist dazu geeignet, diese zu stärken, sondern die offene und kontroverse Auseinandersetzung darüber, was vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte und im Kontext der aktuellen Konfliktlage zwischen Israel und Palästina und im Nahen Osten Freundschaft mit Israel bedeutet – und was nicht.

Jörn Böhme ist Referent für Nahost und Nordafrika in der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Bundestag; ehemaliger Israel-Referent von Aktion Sühnezeichen Friedensdienste und ehemaliger Leiter des Israel-Büros der Heinrich-Böll-Stiftung und Mitglied des diAK.

 

 

Hintergrundgespräch mit Rabbiner Michael Melchior am 28. November 2017

Wir möchten auf eine Veranstaltung am 28. November 2017 hinweisen:

Der DiAk, AphorismA und der Jerusalemsverein laden um 18.30 Uhr zu einem Hintergrundgespräch mit Rabbiner Michael Melchior, dem Gründer der Religious Peace Initivative, im Berliner Missionswerk ein.

Melchior_Hintergrundgespraech_Einladung_28-11-17

Buchvorstellung und Diskussion mit Angelika Timm am 7. Dezember 2017

Am Donnerstag, 7. Dezember 2017, findet ab 19 Uhr in der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Berlin eine Veranstaltung mit Angelika Timm, Vorstandsmitglied des diAk, statt, auf der sie das von ihr herausgegebene Buch „100 Dokumente aus 100 Jahren“ vorstellen wird.

Weitere Informationen dazu finden sich hier: https://www.rosalux.de/veranstaltung/es_detail/4H2AQ/israel-und-palaestina-%E2%80%93-zwei-staaten-fuer-zwei-voelker/