Der Esel und die Möhre…

Die Ankündigung Trumps, mit dem ‚ultimativen Deal‘ Frieden in den Nahen Osten bringen zu wollen, wird immer mehr zu einem ominösen Irrlicht.

Nach der unilateralen Verlegung der Botschaft und der Streichung aller Hilfsgelder an palästinensische Organisationen, auch solchen mit einem dezidiert interkulturellen Fokus, disqualifiziert sich die gegenwärtige US-Administration sowohl als Vermittler, wie auch als ‚Friedensbringer‚. Vielmehr dressiert sie mit der sprichwörtlichen Möhre den Esel. In diesem Fall die Weltöffentlichkeit, die Israelis und auch die Palästinenser(innen) – nach den Wahlen den Israel soll es also losgehen … mit dem Frieden, so US Secretary of State, Mike Pompeo … wir warten gespannt.

 

Ruth Achlama mit Bundesverdienstkreuz geehrt

Wer jemals an den gesellschaftlichen Ereignissen in Tel Aviv oder Jerusalem teilgenommen hat, bei denen sich die deutsch-israelische Gemeinde regelmäßig trifft, der ist sicherlich auch dieser kleinen freundlichen grauhaarigen Frau begegnet.

Ruth Achlama, als Renate Böteführ in Quedlinburg geboren und in Mannheim aufgewachsen, lernte nach ihrer Übersiedlung nach Israel 1974 hebräisch. Sie wurde die Stimme der israelischen Literatur in Deutschland. Ihre Übersetzungen der Werke von Yarom Kaniuk, Abraham Jeshoshua, Meir Shalev ebenso wie die jüngerer Autorinnen wie Ayelet Gundar-Goshens Romanen „Löwen wecken“ und „Die Nacht“, aber vor allem auch sämtliche Werke von Amos Oz haben den Deutschen die israelische Literatur nahegebracht. Zuletzt übersetzte sie Tom Segevs monumentale Biographie David Ben-Gurions.

 „Für mich ist Ruth Achlama nicht nur Übersetzerin, sondern führende Mittlerin der neuen hebräischen Literatur auf ihrem Weg in die deutsche Sprache, eine Reise, um deren Schwierigkeiten ich weiß und deren schmerzliche Seiten ich kenne. In mehrfacher Hinsicht verkörpert Ruth Achlama für mich sowohl die Fähigkeit, nicht Sklave der Vergangenheit zu werden, als auch die Anstrengung, dort eine Brücke zu bauen, wo einmal eine war und zerstört wurde.“
Amos Oz in: Yedioth Ahronoth, 17. Dezember 1993.

Bereits 1995 wurde sie mit dem Paul-Celan-Preis geehrt und 2015 erhielt sie den Deutsch-Hebräischen Übersetzerpreis.

Am 17. Januar 2019 überreichte ihr die deutsche Botschafterin Susanne Wasum-Rainer in Tel Aviv das Bundesverdienstkreuz am Bande.

Wir gratulieren herzlich!

Drohnen für die Bundeswehr

Bereits Mitte der 1950er Jahre, also noch Aufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen den beiden Staaten, begannen Regierungsvertreter der damaligen Bundesrepublik und Israels mit der Kooperation im Rüstungssektor (siehe dazu den exzellenten Report, der von Otfried Nassauer und Christopher Steinmetz vom Berliner Informationszentrum für Transatlantische Sicherheit (BITS) verfaßt wurde).

Unter veränderten geostrategischen Rahmenbedingungen kam es Anfang der 1990er Jahre zu einer „Transformation der Rüstungskooperationsbeziehungen“ (S. 5), wie die Autoren des Berichts konstatieren. Als Tendenzen machten sie 2003 neben der Kooperation in der Rüstungsindustrie und in der Rüstungsforschung und -entwicklung eine Zunahme in den Rüstungsexporten Israels an Deutschland aus. So nutzt die Bundeswehr, aus Mangel an eigener Expertise und Ausstattungsmaterial, seit 2010 Drohnen des israelischen Luftfahrt- und Rüstungsunternehmens Israel Airospace Industries Ltd., unter anderem in Kriegs- und Konflikteinsätzen in Afghanistan und Mali. Der Leasing-Vertrag für die Drohnen wurde im Dezember des vergangenen Jahres bis zum Jahre 2020 verlängert. Das Training deutscher Soldaten und Soldatinnen für die Bedienung dieser Technik findet auch direkt vor Ort in Israel statt.


(Das Photo stammt von der Seite https://en.globes.co.il und ist dort ohne Quelle/Autorenschaft verwendet)

Die Abgeordneten der Partei „Die Linke“ im Bundestag sind gegen den Einsatz von bewaffneten Drohnen (UAV – unbemannte Flugzeuge). Der Bundesabgeordnete der Partei, Andrej Hunko, kündigte an, erneut nach Israel zu reisen und auf der Luftwaffenbasis Tel Nof die Ausbildung der deutschen Soldaten an den Geräten zu inspizieren.

Beitragsbild: Sammlung historischer Flugzeuge im Museum der Israelischen Luftwaffe (Israel Air Force – IAF) in der Nähe von Be’er Schewa – Photo: S. Hofmann

Palästina hat Vorsitz der ‚Gruppe der 77 und China‘ übernommen

Der palästinensische Präsident Mahmood Abbas hat von Ägypten planmäßig den Vorsitz der Gruppe der 77 und China in den Vereinten Nationen übernommen. In dieser Gruppe arbeiten insbesondere Entwicklungsländer mit, um ihre Interessen in der Organisation besser vertreten zu können.

Gleichzeitig kündigte Präsident Abbas an, daß er bei den Vereinten Nationen erneut den Antrag stellen wird, den Staat Palästina als Vollmitglied aufzunehmen. Dazu muß zunächst der Sicherheitsrat befragt werden, erst danach kann der Antrag bei der Generalversammlung folgen. Seit 2012 hat Palästina bei den VN den Status als nicht stimmberechtigter Beobachterstaat (’non-member observer state‘) inne.

(Photo: Palästinensische Flaggen und Figurengruppe in Rawabi/Westjordanland | Hofmann/diAk)

Kalender | Januar 2019

Ein-Blicke in die Geschichte – unser Jahreskalender

Der Blick über Jerusalem vom Ölberg (etwa um 1920) als Luftaufnahme, dazu ein Detail aus der Himmelfahrtsmoschee (mit dem Sonderrecht der christlichen Feiern am Himmelfahrtstag, Phto um 1930) und eine russische Pilgerkarte aus dem 19. Jahrhundert….

Einzelne Exemplare sind noch beim Verlag erhältlich: bestellung@aphorisma.eu.

kalender2019_blog_januar

Vom Euphrat ans Mittelmeer …

Fast auf den Tag genau, 17 Jahre nach Saddam Husseins Einschätzung, daß „das zionistische Gebilde mit seiner eigenen Niederlage rechnet und daß auch die Menschen im Westen eines Tages verstehen werden, daß dieses Gebilde völlig abgelehnt wird und keine Zukunft hat“, kommen Iraker und Irakerinnen, Sunniten und Schiiten, nach Israel und tauschen sich über die gemeinsame Geschichte aus.

The Times of Israel

Three Iraqi delegations said to make unprecedented Israel visits, meet officials

Entgegen der irakischen Staatsräson und der scheinbar unumkehrbaren Statik der Feindseligkeit ist hier ein wichtiger und richtiger Schritt getan, um nach der leidvollen Geschichte anzufangen, gegenseitiges Interesse aufzubauen.

 

Demokratie-Index Israel Dezember 2018

Democracy in Crisis? Israeli Survey Respondents Agree to Disagree

Anfang Dezember 2018 veröffentlichte das Israel Democracy Institute (IDI) seinen jährlich erstellten Report zum Stand der Demokratie in Israel (Israel Democracy Index). In dem von Prof. Dr. Tamar Hermann geleiteten Projekt am IDI wird in der aktuellen Untersuchung die bislang tiefste Differenzierung innerhalb der israelischen Bevölkerung aufgezeigt und erklärt, warum die eine Hälfte der Bevölkerung die Demokratie des Landes in großer Gefahr sieht und die andere Hälfte nicht und warum die links-rechts-Teilung die größte Bedrohung für die israelische Gesellschaft ist.

In einem Podcast stellt Prof. Dr. Hermann die Ergebnisse der Studie vor:

 

Wirtschaftlicher Ausblick Israel 2019

Zu Beginn des Jahres 2019 erschien in der israelischen Wirtschaftszeitung Globes ein Artikel zur gegenwärtigen Wirtschaftslage des Landes und ein Ausblick auf das Jahr 2019. Dem insgesamt guten Wirtschaftswachstum des Landes im vergangenen Jahr steht eine offiziell gesunkene, im Vergleich mit anderen OECD-Ländern jedoch weiterhin sehr hohe Armutsrate und soziale Ungleichheit gegenüber. Im Wahljahr 2019 erwartet der Autor Amiram Barkat für das wirtschaftliche Hauptproblem Israels eher eine Verschlechterung.

https://en.globes.co.il/en/article-israels-economic-skies-darken-1001267201

Stimmung unter den Palästinensern

Unzufriedenheit der Palästinenser mit der Regierung, Ablehnung des Sozialgesetzes

Public Opinion Poll im Dezember 2018

Das Palestinian Center for Policy and Survey Research veröffentlichte Ende Dezember 2018 seine neueste Umfrage, die das Institut in Kooperation mit der Konrad-Adenauer-Stiftung in Ramallah Mitte Dezember unter der palästinensischen Bevölkerung im Westjordanland und im Gazastreifen durchgeführt hatte.

Eine große Mehrheit der Befragten lehnt das neue Social Security Law ab, zwei Drittel sind mit der Regierung unzufrieden und fast zwei Drittel fordern den Rücktritt von Präsident Mahmood Abbas, wohingegen die Popularität von Hamas wächst und die Unterstützung durch Katar begrüßt wird. Während immer weniger der Befragten den Weg der Diplomatie und Verhandlung als Mittel und die Umsetzung der Zwei-Staaten als machbar ansehen, steigt die Unterstützung für den bewaffneten Kampf gegen die Besatzung.

Ergebnisse und Analyse der Umfrage

 

Neuwahlen – Wohin führt der Weg?

Israel steht vor vorgezogenen Neuwahlen zum Parlament. Am 9. April wird die Knesset neu gewählt.  Die Umfragen sagen einen Sieg des amtierenden Premierministers Netanyahu voraus. Zugleich wird der Generalstaatsanwalt in den nächsten Monaten Anklage gegen den Regierungschef wg. Unterschlagung und Bestechung erheben. Nicht zuletzt deswegen versucht Netanyahu sich als alternativlos darzustellen.

Was diese Wahlen für die Zukunft der israelischen Gesellschaft bedeuten können, hat die bekannte israelische Politikwissenschaftlerin Naomi Chazan in einem Kommentar dargelegt:

„Netanyahu could win the elections by dropping out“