Wasser, um des Himmels willen, Wasser…

Das beanstandete die bischöfliche Kommission ‚Justitia & Pax / Justice and Peace in Jerusalem‘ am Freitag, 19. August 2022, in einer Stellungnahme. Israel übe eine strenge Kontrolle über alle Wasserressourcen in Palästina aus und habe dort nichts für die Wasserinfrastruktur getan, vermerkt die Kommission. Zusätzlich zu einer drastischen Verknappung führe dies zu einer Qualitätsverschlechterung des verfügbaren Wassers.

Besonders hart treffe die Situation Dutzende Gemeinden, „die von den israelischen Behörden daran gehindert werden, sich an ein funktionierendes Wassernetz anzuschließen“ sowie jene, die in der Landwirtschaft arbeiteten. Sie seien gezwungen, Wasser zu erheblichen Kosten privat zu kaufen. Da sich das viele nicht leisten könnten, müßten sie ihre landwirtschaftlichen Flächen aufgeben.

Die bischöfliche Kommission wirft Israel vor, mit der Nichtachtung des Rechts auf Wasser die Siedlungspolitik voranzutreiben. Durch Wassermangel aufgegebene Landwirtschaftsflächen etwa könnten von Israel beschlagnahmt werden. Ferner sorge die Zerstörung von Zisternen durch die israelische Armee oder Siedler „zur Entvölkerung, oft in Gebieten, in denen Israel die Präsenz von Siedlern verstärken will“. Israel müsse auf das menschliche Grundbedürfnis nach Wasser eingehen und „den Bewohner:innen Palästinas erlauben, Wasserzisternen zu bauen und zerstörte Zisternen zu reparieren, um Regenwasser zu sammeln und gekauftes Wasser zu speichern“, so die Stellungnahme.

Israel liegt in einer semi-ariden Zone, in der es durchschnittlich an nur 50 Tagen im Jahr regnet. Die Wüste Negev nimmt gut 60 Prozent des Landes ein. Nur drei Wasserquellen versorgen die Bevölkerung im Land. Die Regierung setzt auf Entsalzungsanlagen: 2025 sollen 85 Prozent des Trinkwassers durch das Filtern von Meerwasser gewonnen werden. In den Palästinensergebieten herrscht allerdings chronischer Wassermangel.

(Nachbemerkung: Der originale Wortlaut der Erklärung war noch nicht online zu finden und wird ggfs. nachgereicht bzw. verlinkt)

Nachtrag – 22.8.2022:

JUSTICE AND PEACE COMMISSION

Assembly of Catholic Ordinaries Of the Holy Land

August 19, 2022

A cry in the heat of the summer to respect the right to water

Drink water from your own cistern, flowing water from your own well. (Proverbs 5:15)

As the northern hemisphere passes through a scorching summer, we hear the voices of the thirsty rising up from our land. Water is a vital resource for human existence. The right to water is also basic right. Like in many places in the world, in Israel, people benefit from running water to meet their household needs twenty-four hours a day. However, hundreds of thousands of Palestinians face severe water shortages, especially during the summer months. Some of them have no running water during parts of the summer.

Israel maintains strict control of all water resources in Palestine (the areas of the Palestinian Autonomy and those areas under direct Israeli control). The Israeli authorities have not advanced the development of the water infrastructure in these areas nor its maintenance, causing dire hardship. This is not only causing drastic shortages but also the degradation of the quality of water when it is available.

Worst off are dozens of communities that the Israel authorities prevent from connecting to a functioning water grid, forcing them to buy water privately at considerable cost. The cost increases when water must be transported in areas where there is no easy road access due also to developmental neglect.

Those who work in agriculture in rural areas are particularly badly hit by the water shortage. They have to pay five to nine times the regular price for water, which many cannot afford. They must often abandon their agricultural lands, which can then be confiscated by the Israeli authorities. While Palestinian zones become wasteland because of the lack of water, Israeli settlements in these same areas continue to boast of green lawns and swimming pools.

We call on the Israeli authorities to respond to this basic human need and allow residents of Palestine to construct water cisterns and repair destroyed ones in order to gather rain water and store purchased water. We also hope that this attention to a basic human need will end the destruction of water cisterns by the Israeli army, also impeding Israeli settlers from doing the same. In the past fifteen years, hundreds of cisterns have been destroyed by the Israeli army or settlers. This destruction leads to depopulation, often in areas where Israel is seeking to intensify the presence of settlers.

The need for water is universal and God sends his rain down on one and all. Is anyone listening to this cry?

Neuerscheinung

Stereotypisierungen des Muslimischen in deutschen und israelischen Medien

Von Charlotte Misselwitz

Was sagt die mediale Rede über den muslimischen Anderen eigentlich über uns aus? Die Doktorarbeit untersucht anhand einer „psychologischen Diskursanalyse“ Stereotypisierungen des Muslimischen in deutschen und israelischen Medien. Anhand der Rezeption von drei ausgewählten Medienkunstprojekten werden in einem ersten Schritt zentrale – neuerdings „psychologische“ – Diskurselemente aufgezeigt, die Stereotypisierungen aufbauen und die in einem zweiten Schritt verglichen werden. Den „diskursiven Medienkunstprojekten“ gelang dabei eine bisher nicht erfasste „mediale Interaktion“ als „narrative Rückspiegelung“ zwischen alternativen und etablierten Medien. Die – hier mit Jaques Lacan erweiterte – Diskursanalyse in der Tradition des Duisburger Instituts für Sprach- und Sozialforschung hermeneutisch (und weniger quantitativ) zeigt narrative und emotionale Korrespondenzen in Form von „philosemitischen Einsamkeiten“ oder „parallelen Empathielosigkeiten“ zwischen deutschen und israelischen Diskursen, und zwar als oft unbewusste Komplexe, die Stereotypisierungen des Muslimischen aufbauen.

Misselwitz, Charlotte:
Stereotypisierungen des Muslimischen in deutschen und israelischen Medien: ‚
Narrative Rückspiegelungen in der Rezeption von Medienkunstprojekten.
978-3-11-075069-0 | Band 40 der Reihe Studies on Modern Orient
Berlin / Boston (De Gruyter) 2022. https://doi.org/10.1515/9783110751710

Wer über eine wissenschaftliche Bibliothek Zugang hat, kann das Buch online lesen, ansonsten kostet es gedruckt wie als E-Book 102,95 € (sic) – wir werden versuchen, eine Besprechung nachzureichen.

Besatzung ist Besatzung…

und Widerstand wird nicht geduldet…

So sieht es aus [Twitter], wenn des nachts Besuch kommt, … wegen der Terrorbekämpfung.

Und so beschreibt es Haaretz:

Israel Raids Outlawed Palestinian Rights Groups‘ Offices in West Bank

Defense Minister Benny Gantz declared six Palestinian human rights groups terrorist organizations in 2021, however, several European countries claim Israel had failed to prove these allegations

So sieht es die NZZ.

Wenn es nur dumm wäre …

Ein Kommentar

Da kommt der Präsident Palästinas nach Berlin. Präsident eines Staates in ein Land, das seinen Staat nicht kennt, aber einer der wichtigsten Geldgeber seiner Behörde ist … in das Land, dessen Geschichte und Verbrechen zutiefst auch mit dem Schicksal seines eigenen Volkes verwoben ist. Er trifft den Kanzler, ohne Zweifel kein Freund seines Landes, hat Gelegenheit für die Sicht der palästinensischen Seite zu werben.

Am nächsten Tag spätestens muß man:frau sich fragen, wer (ihn bei) dieser Reise beraten hat.

Es gibt genug an der Politik Israels zu kritisieren, aus der Sicht der Palästinenser allemal. Aber was am Ende bleibt ist eine unsägliche Wortwahl, ein Vergleich, der überall in der Welt fehl am Platz wäre, hier, einen Kilometer Luftlinie vom Sitz Adolf Eichmann, schrillt er umso mehr.

Die offizielle Erklärung, nachgeschoben über die staatliche palästinensische Agentur Wafa. „The Holocaust is the most heinous crime in modern human history” – dieser Satz wäre in der Pressekonferenz die Antwort eines Staatsmannes gewesen, eines Menschen, (ja auch eines Palästinensers) …

Er hat seiner Sache keinen Dienst erwiesen, er hat den Palästinenser:innen in diesem Land keinen Dienst erwiesen und er hat dafür gesorgt, daß über diese Pressekonferenz und über das unsägliche Schweigen von Beteiligten gesprochen wird, nicht aber über Schritte zu einer anderen Politik, auch Deutschlands.

Wenn es nur eine verpaßte Chance wäre, ja, wenn es nur dumm gewesen wäre …

Internationalismus aus Kreuzberg

Manchem mag die Sprache gewöhnungsbedürftig sein, anderen aus der Zeit gefallen, wieder anderen im wahrsten Sinne fort-schriftlich…. Kreuzberg United hat auf seine Hompage einen Reisebericht zu einer Delegation gestellt, die zu dem zum 27. Mal stattgefundenen “Farkha-Festival” (der Palestinian Peoples Party (PPP)) nach Palästina geführt hat… (… einiges dazu ging ja schon durch die Medienlandschaft): Jedenfalls interessant zu lesen:

Yallah, Shabab – Bericht einer Delegationsreise nach Palästina.

Komplexitäten nicht verdrängen

„Frieden gibt es erst, wenn jedem recht geschieht“

Der Zionismus ist ohne Europas Kolonialismus nicht vorstellbar. Aber zugleich ist er die Befreiungsbewegung einer von Europäern unterdrückten Minderheit. Was folgt daraus für die Debatten der Gegenwart?
So führt die FAZ einen Beitrag von Michael Brenner, Professor für Jüdische Geschichte und Kultur an der LMU München.

(…)
Diskurs bietet wenig Raum für Komplexitäten

Israels Geschichte ist komplex und teilweise auch paradox. Der Zionismus ist ohne den europäischen Kolonialismus nicht vorstellbar, aber gleichzeitig ist er eine Befreiungsbewegung einer von Europäern unterdrückten Minderheit. Ein Teil der jüdischen Einwanderer nach Israel waren weiße Europäer, die von anderen weißen Europäern vertrieben wurden, ein anderer Teil waren arabische Juden, die von muslimischen Arabern aus ihrer Heimat verwiesen wurden. Die Palästinenser tragen keine Verantwortung am Mord an den europäischen Juden, und doch mussten sie dafür bezahlen.
Der von sozialen Medien beherrschte Diskurs bietet immer weniger Raum, um solchen Komplexitäten der Geschichte und ihrer Konsequenzen für die Gegenwart gerecht zu werden. (…)

Gaza – am dritten Tag

Gleiches „Ereignis“ – unterschiedliche Wahrnehmung(en) …

Wann wird der Preis für Verständigung und Ausgleich für beide Seiten geringer sein, als für Gewalt?

Palestine updates | Times of Israel – Zur Ergänzung: Ha’aretz (Kommentar)

Zwei Jahre danach

From New to Normal: Two Years after the Abraham Accords

Petra Dachtler analysiert die aktuelle Situation:
Two years later normalisation has intensified, but differs in degree and scope.

Nicht ganz Koscher | Eine göttliche Komödie

Märchenhafte Komödie um einen orthodoxen Juden und einen Beduinen, die während einer Odyssee durch den Sinai aufeinander angewiesen sind, wenn sie nicht sterben wollen. …

Komödie | Deutschland 2022 | 122 Minuten – Regie: Stefan Sarazin – Kinostart: 4. August 2022

Ein weltfremder orthodoxer Jude aus Brooklyn soll der jüdischen Gemeinde in Alexandria aus der existenzbedrohenden Verlegenheit helfen, das Paschafest nicht feiern zu können, da ihnen der zehnte Mann dazu fehlt. Auf der Anreise strandet er jedoch in der Wüste Sinai und wird von einem schroffen Beduinen gerettet, mit dem er sich bald auf einer Odyssee befindet, auf der die kulturellen Differenzen der beiden allmählich aufweichen. Märchenhafte Komödie, die sich Schritt für Schritt zur Ode an die Möglichkeit einer Verständigung entwickelt. Ohne das Minenfeld der Vorurteile auszublenden, stellt der Film mit leisem Humor das Menschliche der Figuren ins Zentrum. – Ab 14 Jahren

Eine Filmkritik von Alexandra Wach auf dem
Portal filmdienst.de

Szenenphoto Film Nicht ganz Koscher 2022
© Enigma Film, Ludwig Sibbel/Alpenrepublik

Verfolgung der Jesid:innen

Der Deutsche Bundestag soll den Völkermord an den Jesiden beim Namen nennen

Zum achten Jahrestag des Beginns der brutalen Angriffe von Daesh auf die Jesidinnen und Jesiden in der Sindschar-Region im Irak, erklärt Frank Schwabe, menschenrechtspolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion:

„Heute vor acht Jahren begannen die furchtbaren Angriffe des sogenannten IS auf die Jesidinnen und Jesiden. Im Laufe dieser Gräueltaten kamen mehr als 5.000 Menschen ums Leben, mehrere Tausend, vorwiegend Frauen und Kinder, wurden versklavt, mehr als 2.000 werden noch vermisst und Hunderttausende wurden aus ihrer Heimat vertrieben. Durch den systematischen Vernichtungswillen ist der Tatbestand des Völkermords erfüllt. …

Viele Jesidinnen und Jesiden, die seit 2014 aus ihrer Heimat vertrieben wurden, wollen dorthin zurückkehren, statt weiter in Flüchtlingslagern auszuharren. Die Sicherheitslage in Irak und im Speziellen in der Sindschar-Region ist jedoch weiterhin fragil. Ich unterstütze den Wunsch der jesidischen Gemeinde nach einer Rückkehr in ihre Heimat. Dabei müssen wir aber die Sicherheitslage immer im Auge behalten.“

In einer Anhörung des Parlaments hatten am 20. Juni 2022 in einer öffentlichen Veranstaltung im Ausschuß für Menschenrechte und humanitäre Hilfe auch die gehörten die Expert:innen dafür plädiert. Auf der Seite des Bundestages sind die Stellungnahmen einsehbar.

Der Bundestag wird sich noch in diesem Jahr mit den Ergebnissen dieser Anhörung beschäftigen.

Hinweis: Beitrag in der Wochezeitung Das Parlament zum Thema.