Idan Landau schreibt auf +972 über die „Horizonte“ für den Gazastreifen …


Mit Blick auf die Siedler-Konferenz in Israel am Montag (Siehe unseren Blogbeitrag vom 22. Oktober 2024) hier ein Beitrag von Maxi Beigang (sogar) im Tagesspigel: Nordgaza liegt in Trümmern: „Hier gibt es Tod in allen Arten und Formen“
„Seit drei Wochen kommen kaum mehr Hilfslieferungen in den Norden des Gazastreifens, Menschen verbrennen bei lebendigem Leib oder verhungern auf der Flucht. Wie die Palästinenser das Grauen erleben.“

Einige Reflexionen von Rabbiner Arik Asherman, ganz geerdete Spirituaität

Rachel Fink schreibt auf Haaretz über die heutige (22.10.2024) Konferenz „Preparing to Resettle Gaza“,- in Anwesenheit verschiederner israelischer Minister (Regierungsmitglieder!) – hier ein Auszug:
„On Monday morning, hundreds of settlement-supporting Israelis, many with their gaggle of young children in tow, headed down to the southern border for a special Sukkot-themed celebration. Over two days, they gathered in temporary huts to discuss permanent resettlement. Of the Gaza Strip, that is. „Every single sliver of it,“ as one speaker declared.
Hers was just one of a slew of comments jockeying for the title of most incendiary statement made during the event. „We will sun ourselves on the sandy beaches of the Gazan coastline,“ another contender proclaimed. Conference organizer Daniella Weiss has bigger plans. ‚We know from the Bible that the real borders of Greater Israel are the Euphrates and the Nile,‘ she said to the audience, who cheered enthusiastically. ‚And the sooner we make this a reality, the better.‘„

Nimrod Flaschenberg, eh.parlamentarischer Berater der linken Chadasch-Allianz in Israel und Alma Itzhaky, israelische Künstlerin und Wissenschaftlerin, Mitbegründerinnen der in Berlin ansässigen Gruppe Israelis for Peace, enfalten auf der Plattform Jakobin.de ihre Sicht auf die Ereignisse und Folgen des 7. Oktober (- und ihren Optismus, daß es andere Zukunft geben kann).

(Im neuen, schlankeren Deisgn) der taz ist ein neuer, sehr lesens- und bedenkenswerter Essay von Charlotte Wiedemann zu finden:
Ein Zitat schon hier:
„Weil das Denksystem der Staatsräson nicht nur autoritär ist, sondern auch überaus komfortabel, eine Art nationales Sofa der gebildeten Schichten. Es erlaubt eine Trägheit der Herzen und des Verstandes, es erlaubt, sich moralisch überlegen zu fühlen, während man brennenden Fragen von Menschlichkeit aus dem Weg geht. So ist eine Mentalität vorsätzlicher Ignoranz entstanden: Als gebe es ein spezielles deutsches Recht, nicht zu wissen – nicht zu wissen, was genau in Israel, Gaza oder im Westjordanland vor sich geht oder wie gefährlich Israels radikale Rechte tatsächlich ist. Weil sich Deutsche in Watte packen, sich schützen müssen vor diesem Wissen. Sich bloß nicht berühren lassen, nicht herausfordern lassen, weder emotional oder intellektuell. Zu zweifeln wäre nicht mehr komfortabel.“
Leon Wystrychowski bespricht auf dem Blog Kritisch-Lesen.de den neu auf deutsch vorliegenden Band von Rashid Khalidi Der Hundertjährige Krieg um Palästina. Eine Geschichte von Siedlerkolonialismus und Widerstand ud bezeichnet ihn als „wichtige(n) und überfällige(n) Beitrag zum deutschen Palästina-Diskurs (, er) verbindet historische Analyse und persönliche Perspektive“ – ein wichtiger Lückenfüller.
Rashid Khalidi:
Der Hundertjährige Krieg um Palästina.
Eine Geschichte von Siedlerkolonialismus und Widerstand. Übersetzt von: Lucien Leitess.
Unionsverlag, Zürich 2024 | ISBN: 978-3-293-00603-4 | 384 Seiten. 26,00 €.

Shireen Najjar und Neriya Mark sind zu Gast bei der Jahresversammlung 2024 der
Freunde und Freundinnen von Neve Shalom ∙ Wahat al-Salam.
Shireen Najjar und Neriya Mark gehören beide zur zweiten Generation der Dorfgemeinschaft von Neve Shalom ∙ Wahat al-Salam, dem einzigen Ort in Israel, wo jüdische und palästinensische Israelis vollkommen gleichberechtigt miteinander leben und arbeiten. Beide gehören sie zu Gründerfamilien, beide sind im Dorf aufgewachsen und in die binationale, zweisprachige Grundschule gegangen – und beide haben in ihrem Beruf und in der Dorfgemeinschaft Verantwortung übernommen.
Es gibt sehr viel zu tun – Zum Neujahr 5785
Liebe Freundinnen und Freunde,

während seit nunmehr einem Jahr Krieg um uns herrscht,
während eine neue Offensive an unserer Nordgrenze vorbereitet wird,
während die Vertriebenen auf beiden Seiten, die Geiseln und Opfer im Süden [Gazastreifen] ihrem Schicksal überlassen bleiben;
während die rechts-extremistische Regierungskoalition ihre Macht wieder festigt;
während die Regierung den Willen der Bevölkerung ignoriert und Situationen herbeiführt, die Vergeltung an ihren eigenen Bürgerinnen und Bürger einladen
scheint wenig zu sagen übrig zu bleiben.
Nichtsdestotrotz sind wir der Meinung, es ist Zeit, wieder unsere Stimme zu erheben und klar zu benennen, wo wir stehen.
Unsere politische Führung berauscht sich anscheinend an dem Amoklauf gegen die Hezbollah-Führung, bei dem der Tod unschuldiger Zivilisten in Kauf genommen wird. Sie wiederholt ihr Mantra. „Durch die Anwendung von Gewalt werden wir unsere Bürger:innen wieder nach Hause an der Nordgrenze unseres Landes bringen.“ Der Einmarsch in den Libanon hat jedoch zu mehr Toten geführt, zu mehr Vertriebenen nördlich der Grenze und zu mehr Bomben auf das Gebiet südlich der Grenze; zugleich trägt er kaum dazu bei, die Grenze zum Libanon für Israelis sicherer zu machen. Das Planziel ist nicht Frieden sondern eine „verbrannte Erde“-Politik im Gazastreifen und im Libanon.
Unsere Regierung kokettiert mit einem Krieg gegen den Iran; jede Aktion und Reaktion eskaliert die Lage. Uns wird gesagt, ein regionaler Krieg sei möglich. Ein solcher Krieg wird nicht eintreten, weil „jemand die Kontrolle über die Lage verloren hat“, sondern weil jemand von dem Gewaltausbruch profitiert, weil Leben billig geworden ist, und politische Macht teuer.
Wie in der Vergangenheit bringen solche Aktionen vielleicht vorübergehend Ruhe, doch sie nähren die Hass-Spirale.
Nur durch Friedensverhandlungen können wir tatsächlich sicher und vertrauensvoll in unserem Häusern leben. Gewalt löst unsere Probleme nicht; sie schützt keine Grenzen. Nur wenn alle Menschen hier das gleiche Recht haben, frei in ihrem Land zu leben, werden wir unser Leben wieder aufbauen können. Nur bei vollständiger Gleichberechtigung und Gerechtigkeit für alle in unserem eigenen Land können wir Anderen Ratschläge geben.
Es gibt sehr viel zu tun.
Hoffnung schöpfen wir aus Geschichten wie der von Jonathan Zeigen, dessen Mutter, unsere liebe Freundin Vivian Silver, im Oktober 2023 [von der Hamas] getötet wurde. Über seinen Weg zum Friedensaktivist wurde in der New York Times berichtet. Andere haben Vivians Aufruf zu handeln aufgenommen, einen Vivian-Silver-Friedenpreis gestiftet und geschworen, weiterhin „den Frieden zu erklären“ und nicht den Krieg.
Hoffnung gibt uns die große Zahl junger Menschen, darunter viele junge Bewohner aus unserem Dorf, die in verschiedenen Friedensorganisationen arbeiten.
Hoffnung geben uns die täglichen und wöchentlichen Proteste, u.a. an Kreuzungen überall im Land, seit ein Massenprotest in Tel Aviv wegen des Krieges verboten wurde.
Auch wenn wir aus dem Entscheidungsprozess ausgeschlossen sind, der über Tod und Leben von uns allen entscheidet – wir sind davon überzeugt, dass unsere Zeit kommen wird, und dass dann den Menschen zugehört wird.
Wir wünschen all denen, die das Jüdische Neujahr feiern, und uns allen miteinander ein Ende des Krieges und ein Jahr des Friedens.
Mit herzlichen Grüßen
Samah Salaime
… ist Leiterin des Öffentlichkeitsbüros von Neve Shalom – Wahat al-Salam, der Oase des Friedens.
Übersetzung aus dem Englischen: ©Freunde von Neve Shalom ∙ Wahat al-Salam e.V. 08.10.2024