Wie sehen andere …

Nachdem die Bunderegierung ihre Absicht publik gemacht hat in Den Haag im Sinne Israels gegen die Klage Südafrika aufzutreten, hat der Präsident Namibias, Hage Geingob, sich dazu äußerst kritisch geäußert:

“Germany cannot morally express commitment to the United Nations Convention against genocide, including atonement for the genocide in Namibia, whilst supporting the equivalent of a holocaust and genocide in Gaza,” the Presidency remarked in the media statement.

Ein Bericht dazu aus der namibischen Seite The Namibian. Diese Nachricht hat inzwischen von den Arab News bis zu iranischen Seiten, von Al-Jazeera bis Electronik Intifada weite Aufnahme gefunden, keine deutsche Presse hat es bislang (So. 14.1., Nachtrag 18:00: taz (Hier der Link Ausgabe 15. Januar 2024) und Welt haben die Nachricht inzwischen aufgegriffen), ein sprechendes Beispiel dafür, wie der Konflikt unterschiedlich gesehen und gedeutet wird, weit über die israelisch-palästinensische Konfrontation hinaus.

Screensho The Namibian

Eingefrorene Qualität

Ein herausforderndes Interview hat Naomi Klein Hanno Hauenstein gegeben (veröffentlicht in der Frankfuter Rundschau), das zum Nachdenken anregen müßte, (ohne es gleich damit abzutun, was die Publizisten unterschreibt, unterstützt und gefordert hat).

„Die Geschichte, an die Deutschland sich erinnert, bleibt unvollständig, weil sie den Holocaust als radikalen Bruch mit den anderen genozidalen Zuckungen der europäischen Geschichte verklärt. Deshalb hat die deutsche Erinnerungskultur heute zunehmend diese eingefrorene Qualität. Die Lehre, die sich aus ihr ableitet, besteht im Kern aus einem Regelwerk über Antisemitismus, das in meinen Augen nicht annähernd elastisch genug ist, um auf neue Bedrohungslagen zu reagieren.“

Am Abend des 18. Dezember

Auch Nach-hören lohnt sich, das Gespräch mit Alon-Lee Green und Rula Daoud von Standing Together am 17. Dezember läßt sich hier finden … keine verschwendete Zeit, da zuzuhören…:

In ihrer Mail dazu schreiben sie:

„Wow! Over 1,800 viewers from all over the world tuned in yesterday to hear our vision as a movement and what we are doing right now, on the ground. We are excited to share that during the webinar over 250 people joined our new global community – Friends of Standing Together, and many more decided to contribute one-time donations. We are very grateful to receive so much support from all of you, this enables us to continue our work and grow our movement.“

60 Jahre Auschwitzprozeß

Sicher wert, auch eine solche Datumsgelegenheit (ARD Programm) zu nutzen, noch einmal darauf zu schauen, wie „wir“ (West-)Deutschen mit den Täter:innen umgegangen sind, wieviel von der Normalität und Alltäglichkeit des Grauens wirklich aufgearbeitet wurde, bevor die große Identifiaktion mit den Opfern begonnen hat. Wäre da nicht noch einiges an Hausaufgaben zu machen, oder wieder zu machen?
(Im ARD Fernsehen heute Abend und noch mit verschiedenen Wiederholungen).

Screenshot ARD

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Katja Maurer erinnert auf der medico-Seite zu Recht daran: „Kritische Erinnerungspolitik müsste sich heute rückbesinnen, ihre eigene Geschichte reflektieren und Ort für radikales Denken und Infragestellen werden, statt selbstgewiss Wahrheiten zu verkünden.“ (aus: Kommentar; Schuld ohne Sühne).

Am Abend des 10. Dezember

Es ist der Internationale Tag der Menschenrechte, seit 1950 erinnert er an die Verkündigung der Allgemeine Erklärung der Menschenrechte 1948 durch die Generalversammlung der Vereinten Nationen.

Gerade in Zeiten des Krieges, in Zeiten, in denen weiterhin Menschen als Geiseln gehalten werden, in denen Bombadierungen und Gewalt weitergehen, darf der Kampf für die Achtung der Würde jedes/jeder Einzelnen nicht aufhören, das gilt auch für die politischen und Gruppenrechte…

Zwei Erinnerungen an diesem Abend dazu:

Screenshot Haaretz

Das Editorial von Haaretz erinnert an die Fragilität der Demokratie auch in Israel und in der taz schreibt in einem Gastkommentar Prof. Elad Lapidot über „Protest und Kritik zu verbieten hilft niemandem, denn Juden und Palästinenser ziehen am selben Strang. Solidarität mit den Palästinensern ist notwendig“.

Screenshot taz Lapidot

Am Abend des 5. Dezember

Während wir hierzulande einigermaßen hilflos in die Region schauen und damit ringen, Empathie weiter möglich sein zu lassen, geht die Debatte, was die Ereignisse und ihr Umfeld mit „uns“ und unser „“Erinnerungskultur“ zu tun hat, ebenso unvermindert weiter …

Ein streitbarer und lesenswerter Beitrag von May Czollek (im Gespräch mit Paul Gäbler) in der Frankfurter Rundschau.

Am Abend des 27. November

Zum vierten Mal sind Menschen freigekommen – und zwei weitere Tage der Waffenruhe scheinen sich zu realisieren. Was kommt dann?

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Heute Abend einmal keine eigene Nachricht, sondern ein Hinweis auf ein Onlineportal, das auch hier öfter zitiert wird:

Wichtige Themen und Fragen, sehr kritische und sehr unbequeme, aber mehr als nötige.
(Und die Initiative kann auch (u.a. materiell) unterstützt werden …)

Am Abend des 25. November

Mitten im Warten auf weitere Freilassungen, darauf, daß in dieser Situation etwas entstehen könnte, aus dem weitere gewaltminimierende Schritte möglich werden könnten …, das ist schon viel …

In der ZEIT schreibt Daniel Etter – und fast so wichtig, jedenfalls so interessant, wie die lohnende Lektüre dieses nach dem Grauen (dem nicht Schwarz-Weißen) suchen-, ist ein Blick in die Leser:innenzuschriften, auch wenn die Anonymität sicher der Wert einschränkt …

Am Abend des 24. November

Krieg ist immer ein Krieg der Bilder… an diesem Abend wieder einmal: Befreite Geiseln, entlassene Gefangene … wer sieht mit welchem Blick worauf / darauf? Haaretz – von der eigenen Regierung unter Druck wegen ihrer Berichterstattung (!) – bindet in die Updates eigene Bilder und das von der Hamas veröffentlichte Bildmaterial ein …

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Nachdenklich und lesenswert, was Lydia Bothe auf www.ipg-journal.de schreibt.

Am Abend des 17. November

Immer häufiger stehen bei der Berliner Zeitung die wirklich interessanten und überlegenswerten Beiträge, gerade solche, die einen auf-/anregen, im Bereich Open Source. Hier „gibt der Berliner Verlag freien Autorinnen und Autoren sowie jedem Interessierten die Möglichkeit, Texte mit inhaltlicher Relevanz und professionellen Qualitätsstandards anzubieten„.

So auch der Beitrag von Daniela Dahn vom 16. November: