Bleibt es beim status quo?

Trotz aller (oder wegen?) aller heiligen Zeiten, prägt wieder einmal Gewalt die Situation in Jerusalem, und nicht allein dort. Aber in Zeiten wie diesen steht alles in Frage. Ist es klug in dieser Zeit den staus quo, der bislang ein fragiles Konstrukt aufrecht erhalten hat, auch in Frage zu stellen? (Aber wer sagt, das Politik klug handelt?)

Hier eine Stimme aus Jordanien (sic), die einen kritischen Blick auf die Entwicklung wirft: Daoud Kuttab fragt in Arab News: Want quiet in Jerusalem? Respect the status quo

Mitten in Jerusalem – heute…

Eine Regierung in der Krise, apokalyptische Phantasien, Opfervisionen, Gewalt und Gebet – Tage, die alles möglich werden lassen …

Und zwischen allen Stühlen, die arabischen Parteien in Israel, von den einen zur Rückzug aus „dieser“ Regierung aufgefordert, von den anderen mitgedacht als parlamentarisches Sicherheitsnetz über das Überleben in einer Regierung…

In einem Kommentar auf Haaretz schreibt Carolina Landsmann dazu: „In Israel, Arab Politicians Are Only Legitimate if Netanyahu Says So“

Ergänzung – Ultraorthodox

Ultraorthodox – Mein Weg

Online auf orf.at

In seinem jüngst veröffentlichten Werk, „Ultraorthodox – Mein Weg“ erzählt Akiva Weingarten, wie er in der Satmarer-Gemeinschaft ultraorthodoxer Juden aufwuchs. Kritisch blickt er darin auf Regeln und Gesetze, die zunehmend zum Zwang für ihn wurden.

***

Ausstieg aus der Orthodoxie und dafür nach Dresden?

Wer würde diese beiden Fakten verbinden. Und doch hat hier ein junger US-amerikanischer Rabbiner eine Herberge geschaffen und hilft jungen Menschen, die aus der Orthodoxie „aussteigen“ wollen.

„Das Leben in ultraorthodoxen Gemeinden ist hermetisch und streng geregelt. Viele junge Jüdinnen und Juden wollen aussteigen. Wie schaffen sie den Weg in die Freiheit?“

Eine interessante Reportage über orthodoxes Leben in Israel und Versuche der jungen Generation, technologische Entwicklungen in den Alltag aufzunehmen, ist auch in einer Arte-Reportage thematisiert worden:

Israel: Junge Orthodoxe werden weltlich.

In Israel lebten die Gemeinden der orthodoxen Juden lange selbstbestimmt fern von der Gesellschaft. Hartnäckig lehnten sie die Moderne ab, sie beschränkten ihren Beziehungen zu den Weltlichen auf ein striktes Minimum, die Männer widmeten den größten Teil ihrer Zeit dem Studium der Tora.

Doch in dieser verschlossenen und wenig bekannten Welt ändern sich die Dinge allmählich. Getrieben von wirtschaftlicher Notwendigkeit und dem Drang nach einer neuen Offenheit sucht die neue Generation den Ausgang, raus in die Welt: Sie wenden sich Computern zu, der Mode, dem weltlichen  Gesang, sogar das Tabu der Wehrpflicht brechen junge Orthodoxe, zum Erstaunen und Erschrecken ihrer Väter (und Mütter).

Für den Staat Israel ist ihre Integration eine Herausforderung und eine Chance, denn der Kinderreichtum der orthodoxen Familien hat ihren demographischen Einfluss in Israel beständig vermehrt. Die Alten aber sträuben sich gegen die neue Offenheit der Jungen, viele lehnen jede Veränderung der Mentalitäten ab. Die jungen Orthodoxen müssen also kämpfen für ihre neuen Regeln.

Ultraorthodox? Nein danke!

Ausstieg aus der Orthodoxie und dafür nach Dresden?

Wer würde diese beiden Fakten verbinden. Und doch hat hier ein junger US-amerikanischer Rabbiner eine Herberge geschaffen und hilft jungen Menschen, die aus der Orthodoxie „aussteigen“ wollen.

„Das Leben in ultraorthodoxen Gemeinden ist hermetisch und streng geregelt. Viele junge Jüdinnen und Juden wollen aussteigen. Wie schaffen sie den Weg in die Freiheit?“

Eine interessante Reportage über orthodoxes Leben in Israel und Versuche der jungen Generation, technologische Entwicklungen in den Alltag aufzunehmen, ist auch in einer Arte-Reportage thematisiert worden:

Israel: Junge Orthodoxe werden weltlich.

In Israel lebten die Gemeinden der orthodoxen Juden lange selbstbestimmt fern von der Gesellschaft. Hartnäckig lehnten sie die Moderne ab, sie beschränkten ihren Beziehungen zu den Weltlichen auf ein striktes Minimum, die Männer widmeten den größten Teil ihrer Zeit dem Studium der Tora.

Doch in dieser verschlossenen und wenig bekannten Welt ändern sich die Dinge allmählich. Getrieben von wirtschaftlicher Notwendigkeit und dem Drang nach einer neuen Offenheit sucht die neue Generation den Ausgang, raus in die Welt: Sie wenden sich Computern zu, der Mode, dem weltlichen  Gesang, sogar das Tabu der Wehrpflicht brechen junge Orthodoxe, zum Erstaunen und Erschrecken ihrer Väter (und Mütter).

Für den Staat Israel ist ihre Integration eine Herausforderung und eine Chance, denn der Kinderreichtum der orthodoxen Familien hat ihren demographischen Einfluss in Israel beständig vermehrt. Die Alten aber sträuben sich gegen die neue Offenheit der Jungen, viele lehnen jede Veränderung der Mentalitäten ab. Die jungen Orthodoxen müssen also kämpfen für ihre neuen Regeln.

Einsatz für den Frieden

Zwar haben „an keinem Ort der Welt Friedensorganisationen von allein eine historische Veränderung und Transformation herbeigeführt“, wie Tamar Herman vom Israeli Democracy Institute in [West-Jerusalem mit Blick auf die Geschichte bemerkt, doch sie sind wichtiger denn je. Zochrot, Schalom Achschav, das Israelische Komitee gegen Hauszerstörung, Yesh Gvul und weitere israelische Organisationen sind seit Jahrzehnten aktiv. Sie setzen sich für eine „gemeinsame Zukunft von Palästinensern und Israelis ein“. Johannes Zang war vor Ort und berichtet von der Situation der Organisationen und deren schwierigen Tätigkeit im Alltag.

Silence Breakers im Kino

Filmbesprechung des Dokumentarfilm „Silence Breakers“ gibt israelischen Soldaten eine Stimme, die sich für ihre Taten in der Armee schämen – Ein Text von Peter Münch, Tel Aviv, Korrespondent der SZ:

„In d(..)en Debatten, in diesem Streit, in diesen Anfeindungen wirft der Film die Frage auf, was es heute bedeutet, Soldat zu sein in Israel. Mit 18 Jahren muss jeder zur Armee, die jungen Männer für knapp drei, die Frauen für zwei Jahre. Fast alle sehen das als patriotische Pflicht. Schließlich ist Israel von Feinden umzingelt und muss sich verteidigen können. So ist wohl auch jeder, der hinterher zu „Breaking the Silence“ geht, als Patriot zur Armee gekommen.
Und aus Patriotismus, aus Sorge ums eigene Land, hat er hinterher Zeugnis abgelegt über das, was aus den israelischen Verteidigungsstreitkräften werden kann, wenn die Soldaten als Besatzer im Einsatz sind. „Wir wollen nicht die Armee an sich kritisieren“, sagt einer der Aktivisten im Film. „Aber in diesem System kann kein Soldat mehr das Richtige tun.“

Israel: Neue Straßen fürs Westjordanland

Arte zeigt mehr als die Bilder

„Israel investiert viel Geld in neue Schnellstraßen, Tunnel, Viadukte und Parkhäuser im palästinensischen Westjordanland. Das ermutigt immer mehr Bürger:innen Israels, sich in den neuen Siedlungen niederzulassen, denn die sind ja jetzt durch moderne und sichere Straßen mit den großen Städten im Kernland verbunden. 

Diese Straßen sind auch die Antwort auf Israels Bevölkerungszuwachs. Die meisten Israelis leben in Tel Aviv und Jerusalem, und in diesen Ballungsgebieten wird es allmählich eng. Also bauen sie die Siedlungen im Westjordanland aus. Doch allmählich gleicht das Ganze immer mehr einer schleichenden Übernahme der Palästinensergebiete.“

Eine sehr wichtige Arte-Reporte, die anschaulich macht, wie durch die Infrastrukturpolitik der Regierung die israelische Herrschaft über Territorium des Westjordanlandes und jenseits eines zwei-Staaten-Models systematisch ausgedehnt und dauerhaft fermentiert wird.

Von außen gesehen …

Wie sehen Akteure in Israel das Agieren der deutschen Regierung im Lichte des russisch-ukrainischen Krieges?

Shimon Stein, ehemaliger Botschafter Israels in der Bundesrepublik, heute Senior Research Fellow am israelischen nationalen strategischen Institut INSS, charakterisiert in einer Kurzanalyse die gegenwärtige Außenpolitik der BRD und ordnet diese in die Perioden und Zäsuren außenpolitischen Agierens der BRD seit den 1970er Jahren sowie in die Regional- und Weltpolitik ein.

„There seems to be no country in Europe where the Russian invasion of Ukraine has caused a greater systemic upheaval than in Germany. The invasion roused Germany from the illusions that have guided its dealings with Russia since the 1970s – the “Ostpolitik” (eastern) policy. The collapse of the Soviet Union, the unification of Germany, and the (apparent) disappearance of the Soviet threat created a sense of the end of history and the victory of the liberal West. Enjoyment of the “fruits of peace” became the motto of German policy, bringing with it dependence on Russia, the United States, and China. Without the invasion
of Ukraine it is doubtful whether Germany would have taken the decision to bring about a paradigm shift in its security, arms exports, and energy policies. While this shift was announced by Chancellor Olaf Scholz in a speech at the Bundestag, it remains to be seen whether his determination will translate into action and be implemented over the long term.”

“Germany and the Ukraine Crisis: End of the Age of Illusions”, (PDF – 1568)
Shimon Stein, INSS Insight No. 15 86, 31. March 2022

Erinnerung: diAk-online – heute, 15. März 2022

Im Gespräch: Jamal Shehade, Haifa

Wir starten wieder am Dienstag, 15. März 2022 – 18.00 MEZ für ungefähr eine Stunde mit Jamal Shehade, Direktor des melkitischen Sozialprojektes Haus Gnade in Haifa. Jamal Shehade stammt aus einer pälästinenisch-israelisch/schweizer Familie und hat u. a. in Deutschland studiert. 

Wir wollen mit ihm über die politische und soziale Lage der Palästinsenser:innen in Israel sprechen. Welche Perspektiven ergeben sich aus der Beteiligung einer „arabischen Partei“ an der israelischen Regierung? Welchen Einfluß hat es auf die „social fabric“ der palästinensisch-israelischen Gesellschaft, daß mit Ra’am eine Partei aus dem ‚islamistischen‘ Spektrum vertreten ist? Werden die geplanten Geldströme in den palästinensischen Sektor dauerhaft Veränderungen bewirken …

Anmeldung bitte an online@diak.org, wir verschicken dann eine Mail mit der Zoom-Einladung.

Adina Shibli – Neue Literatur

„Wenn man schreibt, verschwindet man.“

Über Bücher, die kommen. Von Angela Schader – Ausführlicher Beitrag auf Perlentaucher

Verschwinden – das bedeutet für Adania Shibli nicht nur die völlige Hingabe ans entstehende Werk. Für die 1974 geborene Autorin reflektiert es auch eine Alltagserfahrung, der sie als in Israel lebende Palästinenserin ausgesetzt ist. In ihren Romanen nähert sie sich dieser Situation auf innovativen Wegen an; mit „Eine Nebensache“ ist ihr der internationale Durchbruch gelungen.“

Adania Shibli 2020. Photo: National Book Foundation / Wikipedia unter cc-Lizenz
Adania Shibli: Eine Nebensache
Aus dem Arabischen von Günther Orth.
Berenberg Verlag, Berlin 2022. 120 S., gebunden, 22,00 €.

Erscheint am 15. März 2022

Mehr Infos beim Berenberg Verlag